Hallo Karl-Heinz,
ich denke, das ist in der Tat ein sehr schwieriges Problem, und gleich, wie man es angeht, es besteht immer wieder die Gefahr, in einen Teufelskreis zu gelangen - bzw. steckt ihr in dem schon mitten drin, und dort wieder auszubrechen dürfte sehr schwierig sein.
Grundsätzlich finde ich die Idee mit dem Spray garnicht so schlecht, schließlich kann im Prinzip ja jeder mit seinem Auto machen, was er will. Nur, dadurch wurde der Konflikt weiter aufgeheizt und die Emotionen kochen noch eine Runde höher, das Auto ist kaputt - im Prinzip hat es also nicht geholfen. Zum Thema „Angriff auf die Gesundheit“ etc. wärst Du in der Tat besser im Rechtsbrett aufgehoben, also veruche ich mal, weiter bei der ethischen Seite zu bleiben.
Du schriebst, dass über die Eltern versucht wurde, das den „Kids“ mitzuteilen (wie alt sind die eigentlich?) - hat eigentlich irgendwer von Euch mal versucht, mit denen selber zu reden? Das größte Problem wird sein, a) die richtige Sprache zu finden und b) die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu haben.
zu a) Es hat sicherlich keinen Sinn, krampfhaft auf „Jugendlich“ zu machen, das kommt ganz schlecht an. Aber auch der Oberlehrer sollte nicht rausgekehrt werden, das bringt nämlich genau so wenig. Da solle man also flexibel genug sein, auf die Reaktionen entsprechend schnell zu reagieren.
zu b) Das ist wahrscheinlich noch viel schwieriger, erst recht, wenn man ausgelacht oder dumm angemacht wird, obwohl man sich wirklich bemüht. Je ruhiger man selber bleibt, desto mehr wird die Aggressivität des Gegenübers gehemmt.
Tja, das ist natürlich theoretisch super, aber praktisch nach keinem Rezept umzusetzen. Übrigens gleich, wem man gegenübersteht, seien es nun Sinti, Roma, Türken, Hamburger, Bayern, Rentner etc… Kenne das selber aus Situationen, wo ich auf dem Flugplatz Leute „verscheuchen“ muss, weil sie über die Startbahn spazieren. So sehr man auch bemüht ist, freundlich zu bleiben, irgendwann explodiert man dann doch.
Aber, wie Du merkst, ich tendiere zu der „Soft“-Lösung, nicht nur, weil ich generell nichts von Gewalt halte, sondern auch, weil schon die kleinen Aktionen gezeigt haben, wo es dann enden kann. Beide Seiten rüsten also immer weiter auf, vielleicht in kleinen Schritten, aber kontinuierlich - wo das enden kann, sieht man gerade in Paris.
Natürlich kann ich verstehen, dass sehr viele der Meinung sind „mit reden muss mal Schluss sein“ - aber so lange noch jemand reden will, soltle man ihn reden lassen. Habt Ihr Euch mal bei der Stadt erkundigt, ob es da „Streetworker“ gibt, die sich mal mit Euch und den „Kids“ zusammensetzen (es leben die Anglizismen)?
Ich mache ne Menge Jugendarbeit und habe da die Erfahrung gemacht, dass es in jeder Gruppe, so „cool“ sie auch sein will, meist recht vernünftige Leute gibt. Die sind nicht immer die Anführer und haben auch nich immer die lauteste Stimme - aber sie sind vielleicht der Weg, Zugang zu dieser Gruppe zu bekommen. Das Wichtigste für Euch wäre im Prinzip, über irgendwelche Aktionen zunächst mal an diese Leute ranzukommen. Wir hatten mal ein Streetsoccer-Turnier, wo auch ganz gezielt Jugendliche angesprochen und eingeladen wurden, die sehr kritisch beobachtet wurden. Natürlich ist jetzt nicht alles eitel Sonnenschein, aber es hat sich ein wenig gebessert und der Kontakt ist da.
Naja, abschließend: sucht weiter den Dialog, lasst Euch dabei beraten (Stadt, Kirche, Polizei), aber vermeidet eine weitere Eskalation. Nicht nur, weil die eh zu nix führt außer noch mehr ärger, sondern auch, weil ihr noch mit dem Totschlagargument „Ausländerfeindlichkeit“ außer Gefecht gesetzt werden könnt.
Viel Erfolg
Christian