Selbstständiger > PKV oder GKV?

Hallo,

ich bin seit ein paar Monaten selbstständig und von der Rentenversicherung befreit worden. Bisher bin ich noch in einer GKV - überlege nun aber in eine PKV zu wechseln.
Ich bin 28 Jahre, habe weder Frau noch Kinder und bin „kerngesund“.

Die Selbstständigkeit wurde mit 2 Kollegen gegründet - der eine schwört auf die PKV, der andere auf seine GKV.

Nun die Frage, ob es sinnvoll für mich ist in eine PKV zu wechseln?!
Was passiert, wenn ich z.B. mein Geschäft aufgeben muss?
Wie verhält sich der Beitrag im Alter, bei einer Familiengründung etc?

Mein „unabhängiger Finanzberater“ hatte mir die PKV sehr schmackhaft gemacht und die Contra-Argumente wegdiskutiert. Dem vertraue ich nun aber nicht blind.

Ich bin über jegliche Info zu meinen Fragen sehr dankbar - sollte am Ende eine Empfehlung dabei rausspringen, so wäre das natürlich premium :smile:

Gruß
msl

Hey msl

ich bin selber aus der Branche und kann dir evtl. deine Fragen beantworten.

zu 1.: Wenn du bei Geschäftsaufgabe deinen Status als Selbständiger verlierst (also wieder in das Angestelltenverhältnis wechselst oder arbeitslos wirst) hast du ein außerordentliches Kündigungsrecht der PKV. Da du als Angestellter ja wieder über den AG versichert bist (wenn du unter der BBG verdienst)

zu 2.: zum Thema Beiträge im Alter wurde hier schonmal diskutiert
/t/private-krankenversicherung-im-alter/90444

Bei Familiengründung ist es so, dass jeder einzelne Kopf in der Familie gegen einen eigenen Beitrag in der PKV mitversichert wird. Kann gerade bei Frauen unter Umständen eine teure Angelegenheit werden. Ist deine Frau jedoch in der GKV pflichtversichert können auch die Kinder bei ihr mit in die Familienversicherung rein.

Was das Preis-Leistungsverhältnis angeht, hat die PKV (je nach Tarif) sicherlich immer die Nase vorn, zumal du ja noch recht jung bist (übrigens mein Alter :smile: ) sollten die Beiträge angenehmer sein als der Mindestbeitrag bei deiner GKV.

Hoffe ich konnte dre ein wenig helfen…

eine teure Angelegenheit werden. Ist deine Frau jedoch in der
GKV pflichtversichert können auch die Kinder bei ihr mit in
die Familienversicherung rein.

Das hängt von ihren und seinen Einkünften ab. Nicht immer wären die Kinder beitragsfrei.

Natürlich hast du recht, habe das ein wenig vereinfacht.
Denke das sollte eine Hilfestellung sein.

http://www.online-pkv.de/files/kv_info_kinder_wo_ver…

Hallo,

grundsätzlich gebe ich meinem Vorredner Recht. Die Mitversicherung der Kinder in einer GKV der Ehefrau ist allerdings nicht immer möglich!

Um bei Familiengründung zu sparen passiert bei Selbständigen eigentlich immer folgendes:

1.) nur eine Person ist PKV (hier Mann)
2.) Nach der Hochzeit geht Frau weiterarbeiten und bleibt in der GKV
3.) Nachwuchs wird ind die PKV des Mannes eingeschlossen, Frau bleibt während des Erziehungsurlaubs in der GKV
4.) Ende Erziehungsurlaub: Frau geht selbst wieder arbeiten-GKV- oder der Selbständige stellt seine Ehefrau mit mehr als 400 Euro in seinem Betrieb an -GKV.

Bei Selbständigen ergibt sich i.d.R. eine erhebliche Ersparnis in der PKV. Auch die Problematik durch extrem steigende Kosten im Alter ist inzwischen entschärft ( gesetzl. Zuschlag,Tarife für Beitragsreduzierung im Alter etc.)

Trotz der erheblichen finanziellen Vorteile muss man sich darüber im Klaren sein, dass der Schritt in die PKV i.d.R. endgültig ist, d.h. die
Vertragsgestaltung und der Vertragspartner sollten gut überlegt sein.

Meine Tipps:

  • jede, aber auch wirklich jede Vorerkrankung angeben, um dem Versicherer die Möglichkeit einer Leistungsverweigerung zu nehmen. Sprüche vom Vermittler wie „ist nicht so wichtig“ etc. sollte zu einem sofortigen Rausschmiss des Vermittlers führen. Es geht um deine Existenz!

  • der Preis ist nicht das ausschlaggebende Argument für einen Anbieter!

  • vergleiche die Bedingungen (was ist mitversichert), auch heute scheinbar uninteressante Details (z.B.Psychotherapie) können im Laufe eines langen Lebens plötzlich wichtig werden.
    Es gibt Vergleichsprogramme für die Bedingungen, weil diese kein Mensch so vergleichen kann. Einen Link kann ich dir leider nicht geben, da das mir zur Verfügung stehende nicht öffentlich zugänglich ist. Jeder Makler hat aber so ein Programm.

  • Prüfe den Anbieter (Finanztest etc.)
    es sind viele Lockangebote auf dem Markt. Einige Anbieter schliessen alle paar Jahre ihre Tarife, was dann zur „Vergreisung“ führt, Folge: stark steigende Beiträge.

Zusammenfassung: Ich bin Durchaus ein Freund der PKV (bin selbst PKV versichert), weiss aber aus langjähriger Erfahrung, das sich auch schon viele mit dem Wechsel „ins Unglück gestürzt“ haben.
Beim Wort "Finanzberater, optimierer"o.ä. gehe ich immer sofort auf
„Achtung!“

Grüße
tycoon

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Die Mitversicherung der Kinder in einer GKV der Ehefrau ist
allerdings nicht immer möglich!

Sie ist immer möglich, sie ist nicht immer beitragsfrei möglich.

  • Prüfe den Anbieter (Finanztest etc.)

Über die Qualität der Tests und deren Kriterien kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein.