Hallo Martin,
das ist eine schwierige Situation, weil nach deiner Schuilderung kein Pflege-, sondern höchstens ein Betreuungsbedarf besteht. D.h. von Kranken-/Pflegeversicherung wird es nichts geben. Dementsprechend muss die Betreuung entweder ehrenamtlich organisiert werden, oder eben aus Omas/Eurer privaten Kasse bezahlt werden. Fälle beginnender Demenz sind in unserem Land leider immer noch ein Privatvergnügen, obwohl der Aufwand der Angehörigen oder Betreuer oft deutlich größer als bei durch die Pflegeversicherung problemlos anerkannten körperlichen Gebrechen ist.
Beste Lösung wäre sicher ein Nachbar, der sich für ein Taschengeld als Ansprechpartner/Gesellschafter zur Verfügung stellen würde. Wenn es die räumlichen Verhältnisse zulassen, kann man auch über einen Untermieter nachdenken, der eine minimale Miete zahlt, dafür aber Ansprechpartner sein muss. Hierfür finden sich häufiger ältere Leute oder auch Studenten aus dem sozialen Bereich. Unter der Hand werden auch gerne mal Leute aus den neuen östlichen Mitgliedsstaaten der EU hierfür vermittelt. Hierfür kann man gut die Kirchengemeinden oder freien Wohlfahrtsverbände vor Ort ansprechen. Die bieten oft auch unterstützend einen Besuchsdienst an, … Bei beginnender Demenz kann auch die Alzheimerhilfe ein guter Ansprechpartner sein, insbesondere, wenn es auch darum geht passende Ärzte für eine anständige Diagnose der Demenz und eine ggf. durchaus mögliche Behandlung zu finden. In einigen Städten gibt es auch geronto(psychiatrische) Zentren, die entsprechende Fachleute zur Verfügung stellen.
Ansonsten kann man sich selbstverständlich auch an einen gewerblichen Pflegedienst wenden und hier Leistungen privat einkaufen. Das geht aber ohne Zuschüsse schnell ins Geld.
Nicht ganz die eigene Wohnung, aber zumindest weitgehende Selbständigkeit kann man durch Umzug in eine Senioren-WG am bsiherigen Wohnort gewährleisten. Ich unterstütze hier momentan eine Mandantin und Geschäftspartnerin die gerade die erste entsprechende WG in unserer Stadt nebst Hausmeisterservice und Pflegedienst aufgemacht hat. Vorteile sind die weitgehende Selbständigkeit und der Erwerb genau der Zusatzleistungen, die benötigt werden. D.h. die Herrschaften bestimmen ihren Tagesablauf so weit es geht selbst, kochen und putzen so weit es geht gemeinsam, unterstützen sich gegenseitig und nur wo es unumgänglich ist, kann man auf Hausmeister- und Pflegedienst zurückgreifen. Das erhält die Würde der Bewohner und spart zudem eine Menge Geld für die Beteiligten, Angehörige und die Solidargemeinschaft, weil eben nicht rund um die Uhr Personal vorgehalten werden muss, …
Natürlich könnt ihr Oma auch privat aufnehmen und betreuen, wenn Platz vorhanden ist. Ihr solltet Euch dann angesichts des Alters aber vorher klar darüber werden, welche Konsequenzen dies hat. Ich habe viele entsprechende Fälle selbst erlebt, würde es auch selbst jederzeit wieder tun, weiß aber, dass nicht jeder hierfür „gebaut“ ist.
Meiner Meinung nach schlechteste und zudem auch für alle Beteiligten teuerste Lösung wäre eine stationäre Heimunterbringung. Hierbei muss Euch klar sein, dass dies gerade im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen üblicherweise zu einem massiven Schub und einer Beschleunigung des Krankheitsverlaufes führt und oft der Anfang vom Ende ist. Zudem werden garade Demenzpatienten üblicherweise „dem Haus angepasst“, d.h. man greift hier gerne zu medikamentösen Hilfen um z.B. den Bewegungsdrang und „Fluchtgefahr“, … zu mindern. Darf sich also nicht wundern, wenn Oma nach einigen Wochen nur noch schläfrig im Sessel hängt.
Gruß vom Wiz
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]