Setzliste für Fußball-WM

Hallo Sportsfreunde!

Am kommenden Samstag findet in Pusan (Südkorea) die Auslosung der acht Vorrundengruppen der Fußball-WM in Japan/Südkorea im kommenden Jahr statt. Hierfür werden Setzlisten erstellt. Dies bedeutet, dass acht Mannschaften ausgewählt werden, die die sog. Gruppenköpfe bilden und deshalb nicht schon in der Vorrunde gegeneinander spielen können. Man will damit verhindern, dass die vermeintlich stärksten Teams sich schon vorzeitig gegenseitig aus dem Rennen werfen bzw. dass die Gastgebermannschaften schon nach der Vorrunde zum Zuschauen verurteilt sind.

Sechs dieser acht gesetzten Teams stehen bereits fest. Es handelt sich hierbei um:

Frankreich (als Titelverteidiger), Japan und Südkorea (als Veranstalterländer), Brasilien, Argentinien und Italien.

Über zwei Teams, die gesetzt werden, hat die FIFA also noch zu entscheiden. Zur Debatte stehen für diese Plätze dem Vernehmen nach: England, Spanien, Portugal, Kolumbien, Mexiko und, jetzt kommt´s, Deutschland.

DFB-Präsident Mayer-Vorfelder setzt sich in Südkorea bei der FIFA dafür ein, dass Deutschland einen dieser beiden Plätze erhält. Als ich es gelesen habe hat es mir fast die Sprache verschlagen. Da quält sich die Mannschaft mit Mühe und Not durch die Qualifikation, ist noch nicht einmal in der Lage, Finnland zu schlagen, bekommt zu Hause von den Engländern fünf Stück eingeschenkt. Kaum sind die Relegationsspiele - in zugegebenermaßen halbwegs überzeugender Art und Weise - gewonnen, riskiert man beim DFB bereits wieder eine dicke Lippe und stellt Ansprüche.

Ich finde dieses Setzverfahren sowieso schon eher fragwürdig. Denn wer Weltmeister werden will, muss vom ersten Spiel an bereit und in der Lage sein, jedes, aber auch wirklich jedes Team des Teilnehmerfeldes zu schlagen. Aber das Vorgehen des DFB finde ich einfach nur noch dreist. Denn wenn schon gesetzt wird sollten doch (abgesehen von den offensichtlich außer Konkurrenz laufenden Gastgeberländern) bei einer Entscheidung über die zu setzenden Länder sportliche Gesichtspunkte ausschlaggebend sein. Wenn es normal liefe, wäre Deutschland bei einer solchen Vorgehensweise nicht dabei. In der UEFA-Rangliste und wohl auch nach der FIFA-Rangliste rangieren mit Ausnahme von Kolumbien sämtliche o.g. Teams vor Deutschland. Wahrscheinlich werden die beiden verbleibenden Plätze sowieso zwischen Europa und Südamerika aufgeteilt. Wenn es also allein nach diesen Kriterien ginge, hätte Deutschland wohl keine Chance, gesetzt zu werden. Aber ich fürchte, es wird nicht normal laufen. MV wird mit all seinem Charme auf die große Fußballtradition Deutschlands bei großen Turnieren verweisen und wohl seinen Willen bekommen. Dabei ist diese Tradition in den letzten 10 Jahren nicht mehr ganz so toll. Der EM-Titel 1996 wurde eher erstolpert als erspielt. Bei den beiden letzten Weltmeisterschaften musste man sich jeweils nach dem Viertelfinale verabschieden. Bei der letzten EM war sogar schon nach der Vorrunde Schluss. Ausgebootet wurde die Manschaft von den Portugiesen, die sich jetzt auch um einen Platz auf der Setzliste bewerben.

Ich finde das Vorgehen des DFB nicht fair. Die fußballerischen Verdienste der Nationalmannschaft, auf die sich der DFB beruft, wurden von Spielern erworben, die mit der jetzigen Mannschaft nichts mehr zu tun haben. Andere Mannschaften, die seit Jahren starke Leistungen bringen, sollen dafür nicht auf der Setzliste erscheinen. Zählt denn Tradition (oder Geld) vielleicht doch mehr als sportliche Leistung?

Ich finde im Übrigen auch, dass diese Vorgehensweise mal wieder typisch ist für das Gewurschtel im Hinblick auf die Nationalmannschaft. Man geht den Weg des geringsten Widerstandes. Dies zeigt sich z.B. auch bei der Auswahl der Gegner, die Rudis Truppe im nächsten Frühjahr auf die WM vorbereiten sollen. Anstatt sich von der Weltspitze, wie etwa Argentinien oder Frankreich auf Herz und Nieren prüfen zu lassen, hat man Israel, Österreich und die USA als Testspielgegner eingeladen. Nichts gegen diese Länder. Aber die wahren Stärken und Schwächen der DFB-Elf können dise Mannschaften vermutlich nicht aufdecken. Ich habe das Gefühl, man geht den Großen der Branche bewusst aus dem Wege, weil man die Mängel im deutschen Spiel nicht sehen will.

Jetzt interessiert mich: Findet Ihr denn, dass Deutschland bei der Auslosung am Samstag gesetzt werden sollte?

Gruß

Christoph

Also meines Wissens nach ist Deutschland gesetzt… und das wurde doch sogar beim Fußballspiel gesagt… also beim letzten Urus gegen Australien…

Gruß
Marco

Jetzt (28.11.) sind wir gesetzt! owT

Hallo!

Ich verstehe nicht, was gegen das Verhalten des DFBs spricht. Jeder Verband möchte, dass sein Land gesetzt wird, wenn es geht. Jedes Land hat ein Modell bevorzugt, das für das Land günstig wäre, nicht nur Deutschland, sondern u.a. auch Spanien. Das sollte doch normal sein oder nicht? Möchtest du freiwillig auf einen Vorteil verzichten? Das wäre sehr dumm gewesen.
Erstens wurde der Titel '96 nicht erstolpert, sondern erkämpft. Aber das Wie interessiert hinterher sowieso nicht, sondern das Resultat. Und Zweitens hat Deutschland bei den letzten WMs deutlich besser abgeschnitten als manch andere Nation. Die Engländer sind z.B. '98 schon im Halbfinale ausgeschieden. Die EM(-Quali) hat damit sowieso nichts zu tun. Die meisten Länder, die ebenfalls ein Kandidat gewesen wären, schnitten bei den letzten WMs schlechter ab als Deutschland, deswegen war es die logische Konsequenz, dass Deutschland gesetzt wird.

MfG, Car

Nochwas:

Vor dem letzten beiden WMs hat man gegen große Fußballnationen in Freunschaftsspielen gespielt, vor der WM '90 gegen kleinere. '90 hatte man mehr Erfolg…

Mir fehlen die Worte!

Gruß

Christoph