Die deutsche Autoindustrie hat lange versucht, ihre herausragende Position im Bereich der Verbrenner zu schützen und sich bei Elektrofahrzeugen i.W. auf Konzeptstudien beschränkt. Spätestens seit aber Tesla große Erfolge mit seinen Fahrzeugen feierte, haben auch die deutschen Hersteller ab den 2010er Jahren Elektromodelle entwickelt - nur halt mit einem Rückstand von zehn Jahren.
Den hat man inzwischen mit enormen Investitionen weitgehend aufgeholt, aber natürlich entwickelt und produziert man immer noch mit deutschen Gehältern und deutschen Managementregelkreisen, d.h. die Chinesen haben massiv aufgeholt und liegen nun technologisch und preislich vorn.
Das Problem ist, dass die Politik glaubt, dass sich die deutsche Autoindustrie immer noch in den 2010er Jahren aufhält und dass man diese mit dem Aus vom Aus schützen kann. Mit dieser Rhetorik hat man auch dafür gesorgt, dass viele bzw. wieder mehr Deutsche an ihrem Verbrenner festhalten woll(t)en, obwohl das in keiner Hinsicht irgendeinen Sinn ergibt.
Allerdings sind die Deutschen nun an ihrem empfindlichsten Organ getroffen worden - nämlich ihrem Portemonnaie und merken nun, dass BEV nicht nur weniger pro Kilometer kosten, sondern auch in der Anschaffung nicht mehr substantiell teurer sind als Verbrenner. Das Ergebnis sind die oben einsehbaren Zulassungszahlen.
Und das bringt uns wieder zum Kernproblem der Autohersteller: die Vorlaufzeit für ein neues Modell ist in den letzten Jahren zwar kürzer geworden, dennoch brauchen die deutschen Autohersteller für ein neues Verbrennermodell 4-5 Jahre vom Design bis zum Beginn der Serienproduktion (bei Elektroautos sind es so grob 3 Jahre). Das heißt, man entwickelt derzeit schon für die ersten Modelle der 2030er Jahre. Wenn die Entwicklung bei den Elektroautos mehr oder weniger unverändert anhält, kann es gut sein, dass jetzt schon für die Tonne entwickelt wird und man eben mit Milliardenaufwand die bisherige Produktpalette bei den Verbrennern aufrechterhält, die aber in einigen Jahren kaum noch auf Nachfrage trifft.
Und das nur, weil einige politische Parteien den Wählern und Autokäufern suggerieren, Verbrenner wären in einigen Jahren oder gar bis über 2035 hinaus „immer noch“ die beste und billigste Methode, sich von A nach B zu bewegen. Wäre vor einigen Jahren schon klar gewesen, was ab 2035 gilt (und man darf auch festhalten, dass die meisten Hersteller sich schon auf ein früheres Datum für den Ausstieg aus dem Verbrenner festgelegt hatten), dann hätte man bereits vor ein paar Jahren anfangen können, die Produktpalette strategisch auszudünnen.
Die Mehrkosten, die die Beibehaltung beider Systeme verursacht, werden nicht viele Hersteller überleben. Was übrigens auch nichts ist, was ich mir ausgedacht habe. Ich habe zwar keinen unmittelbaren Kontakt zu den OEM, aber sehr viel Kontakt zu den Zulieferern und gerade die, die Teile produzieren, die für Verbrenner gebraucht werden, entscheiden sich jetzt gerade dafür, ob sie bis zum letzten Verbrenner liefern werden und sich damit als verlässliche Partner für die OEM ins Spiel bringen oder ob sie sich nun anderweitig orientieren und die Verbrennerteile nach und nach aus dem Programm nehmen.
Mit anderen Worten: die Verbrenner, die 2032 vom Band laufen, werden nicht hocheffizient sein, sehr wohl aber sehr teuer, weil weniger verkauft werden als derzeit (d.h. höhere Entwicklungs- und Produktionskosten pro Stück) und weil es weniger Zulieferer geben wird, die sich gegenseitig Konkurrenz machen bzw. sich dem Kostendruck auch dann noch unterwerfen werden.
Der Verbrenner ist absehbar - wenn man von Sonderanwendungen absieht - Geschichte und wer sich daran klammert, wird ziemlich wahrscheinlich Schiffbruch erleiden. Es gibt zu dem Thema übrigens ein recht interessantes Interview mit einem früheren Ford-Manager, der sich auch durch die dämlichen und provokanten Fragen des Bild-„Reporters“ nicht aus der Ruhe bringen lässt, sondern die Lage und Entwicklung der Autoindustrie sehr gut erklärt:
Ford-Boss über die E-Auto-Krise, Verbrenner-Aus und Klima-Ziele | BILD-Talk - YouTube
Neben dem Nachfrager gibt es übrigens noch einen zweiten Faktor, der gerne übersehen wird: die Finanzierung. Auch hier werden Hersteller, die am Verbrenner festhalten, unter Druck geraten, weil auch hier Lenkungsmechanismen greifen, die dazu führen, dass es für diese Hersteller schwieriger oder zumindest teurer wird, sich über Banken und den Kapitalmarkt Geld zu beschaffen.
Keine Ahnung, wie Du auf die Aussage kommst, aber noch falscher kann man eigentlich nicht liegen. Deutsche Produkte waren noch nie über den Preis konkurrenzfähig, sondern über die Leistungsfähigkeit und die kommt aus der Innvation.
Dass die deutsche Wirtschaft seit einigen Jahren schwächelt, ist nicht das Resultat eines flächendeckenden Verlustes an Wettbewerbsfähigkeit, sondern der schwächelnde Export geht auf wenige Branchen zurück nämlich insbesondere Chemieindustrie, Maschinenbau und Autoindustrie und letzteres ist wieder eine Folge des Umgangs mit der Elektromobilität. Beim Maschinenbau sind es die Vielzahl der Krisen, die weltweit zu sinkender Nachfrage führt und bei der Chemiebranche sind es insbesondere die Hersteller aus Indien und China, die den deutschen Unternehmen das Leben schwer machen, aber auch das ist keine Folge mangelnder Innovation, sondern der Preise, zu denen die ausländischen Unternehmen anbieten.
Nein. Die Union glaubt, das sie Politik für die Unternehmen macht, erreicht aber das Gegenteil. Im Grunde ist die Politik egal, sie muss nur verlässlich sein, d.h. Unternehmen müssen Planungssicherheit haben und da erweist die aktuell unionsgeführte Regierung der Wirtschaft einen Bärendienst, indem sie von der Ampel eingeführte Änderungen über den Haufen wirft bzw. wieder in Frage stellt.