Hallo,
sind die „dunklen Seiten der menschlichen Natur“ wirkungsvoll
therapierbar oder sind sie so tief verwurzelt, dass jede
Therapie zwecklos ist?
Sie sind sicherlich beeinflussbar in ihrer Intensität und Auswirkung, allerdings nur in einem geringen Umfang. Sie entstehen und manifestieren sich in Jugend, frühester Kindheit, vorgeburtlich und sind anteilig sicherlich auch genetisch bedingt. Denn sie sind existentieller Natur und notwendig, um sich durchzusetzen, Konkurrenten auszuschalten. Teil des Selbsterhaltungstriebs. „Wegtherapieren“ wäre daher fatal, es ist zum Glück auch nicht möglich. Wir bestehen zudem nicht nur aus „dunklen Seiten“. Es gibt auch die Gegenspieler wie Freude, Liebe. Die für Ausgleich sorgen, in einem ständigen Auf und Ab miteinander konkurrieren.
Die Summe und die Facetten der Gefühle sind es, sie „machen einen doch so schön …lebendig“, wie Punch’n’Judy schon geschrieben hat.
Beeinflussbar von Seiten der anderen Beteiligten (z.B. durch Mutter und Bruder/Schwester bei einem eifersüchtigem Kind, in einer Beziehung durch Partner oder Nebenbuhler) ist Eifersucht grundsätzlich mittels positiver „Belohnung“ durch einen dieser Beteiligten. Indem sie sich zuwenden (Mutter bzw. Partner) oder zurückziehen (Geschwister bzw. Nebenbuhler). Wenn man sich verschiedene Möglichkeiten und Motive der Beteiligten bei diesen Dreiecksbeziehungen näher betrachtet, hängen die Aussichten auf Erfolg von der Bereitschaft der Beteiligten ab. Und hier wird es schwierig, weil diese sowohl belohnen als auch verzichten müssen. Erfolgsaussichten daher eher gering.
Zweiter Ansatzpunkt ist, dass der/die Eifersüchtige selbst und bewusst seine Gefühle und sein Verhalten beeinflusst und ändert. Dies betrifft Jugendliche und Erwachsene. Sein Verstehen und sein Verständnis wecken, an seine „Vernunft“ appelieren, durch Erklärung von Ursachen (wie sie z.B. Jule beschrieben hat) und möglichen Folgen ihres Verhaltens (negative Belohnung, z.B. den Partner verlassen). Da die Beteiligten selbst jedoch subjektiv werten und beurteilen und ihre Vorteile, ihren Gewinn aus Veränderungen in der Regel zuerst berücksichtigen, könnte oder muss man gelegentlich den Rat und die Unterstützung Außenstehender in Betracht ziehen (Familien- oder Partnerschaftstherapie).
Die Erfolgsaussichten dürften aber auch hier relativ gering sein. Während es noch einfacher ist, Kinder z.B. durch ein geschicktes Belohnungssystem zu beeinflussen (auch langfristig und dauerhaft), sind die Emotionen, Gefühle, Verhaltensweisen, allgemein die Persönlichkeit aufgrund jahrelanger Erfahrungen bei Erwachsenen wesentlich stärker manifestiert. Die Bereitschaft und das Vermögen, sich zu ändern und sein Verhalten anzupassen, nehmen mit zunehmenden Alter ab (wir alte störrische Menschen eben).
Franz