Sind Missgunst und Eifersucht 'heilbar'?

Hallo,

sind die „dunklen Seiten der menschlichen Natur“ wirkungsvoll therapierbar oder sind sie so tief verwurzelt, dass jede Therapie zwecklos ist?
Nicht wenige Menschen sind z.B. missgünstig oder eifersüchtig.
Können diese negative Gedanken grundsätzlich „wegtherapiert“ werden und wie hoch ist ggf. die Erfolgsquote?

Gruß
Pontius

Hallo,

sind die „dunklen Seiten der menschlichen Natur“ wirkungsvoll
therapierbar oder sind sie so tief verwurzelt, dass jede
Therapie zwecklos ist?
Nicht wenige Menschen sind z.B. missgünstig oder
eifersüchtig.
Können diese negative Gedanken grundsätzlich „wegtherapiert“
werden

Ich hab mal jemanden gehört, der diese Gefühle als „Lebendigs“ bezeichnet: gesellschaftlich/ moralisch als „niedere“ Gefühle angesehene Emotionen, die aber trotzdem jeder hat. (Zum Glück. Wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, Eifersucht oder auch Missgunst zu empfinden, ist das durchaus traurig m.M.n.)
Der einzige Weg, sie zu minimieren, wenn sie ungesundes Ausmaß erreichen, ist wohl der, sie erstmal zuzulassen. Und sich damit anzufreunden, dass man „niedere“ Dinge fühlt. Dann werden sie mit der Zeit automatisch weniger wichtig und nehmen weniger Raum ein.
Aber ganz auf sie verzichten - ich glaub nicht, dass das irgendjemand wirklich will. Diese Gefühle machen einen doch so schön - eben wie oben beschrieben - lebendig. Sie treiben uns an, sie lassen uns wachsen. Wenn wir sie nicht ständig verwerflich finden würden.

Gruß

„Negativ“ werden diese Empfindungen ja erst durch uns gemacht.

Wer neutral an die Sache rangeht, für den ist jedes Gefühl erst einmal normal, auch soetwas wie Neid. ( Ich würde mal behaupten, Neid kann ohne ein, zumnidest subjektives , Ungerechtigskeitsempfinden gegenüber der gegebenen Situation erst gar nicht entstehen ).

Der Wunsch, vermeintliche negative Empfindungen „wegzutherapieren“, also quasi den menschlichen Charakter so zu machen, wie „man“ ( wer ? Du, er , die Obrigkeit ) ihn haben will, lässt sehr sehr tief blicken.

Wird glaube ich mal Zeit, das ich „1984“ von Orson Wells lese …

Grüßle

Eric

Hallo,

sowohl Missgunst als auch Eifersucht sind Gefühle, die eng an ein gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl gekoppelt sind. Die Frage, inwieweit man diese Empfindungen „los werden“ kann, ist also an die Entwicklungsmöglichkeiten des Selbstwertes gekoppelt.

Viele Menschen erleben Eifersucht z.B. recht stark in jungen Jahren, wenn sie selbst noch dabei sind, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und heraufzufinden, wer sie sind. Gepaart ist Eifersucht dann nicht selten mit dem Gefühl, ohne den anderen nicht mehr leben zu können. Auch „Absolutheitsversprechen“ wie dem andern bis ans Ende der Tage „gehören“ zu wollen, finden sich bei jungen Paaren durchaus öfter. Auch diese sind letzten Endes Ausdruck des Gefühls, ohne den anderen nichts (wert) zu sein.

Mit zunehmender Erfahrung und Entwicklung findet häufig auch die Eifersucht ihre Grenzen. Es sei denn, der Partner gibt tatsächlich immer wieder Grund dazu, indem er z.B. fremd geht.

Selbstunsichere Persönlichkeiten mit fehlendem Urvertrauen werden sich hingegen schwerer tun, ihren Eigenwert zu erkennen und damit auch Eifersucht und Missgunst nicht existenziell werden zu lassen.

Schöne Grüße,
Jule

Hi Eric,

meintest Du nicht George Orwell, der 1984 geschrieben hat?
Zumindest kenne ich nur diesen.

Viele Grüße,
Jürgen

Hallo,

sind die „dunklen Seiten der menschlichen Natur“ wirkungsvoll
therapierbar oder sind sie so tief verwurzelt, dass jede
Therapie zwecklos ist?

Sie sind sicherlich beeinflussbar in ihrer Intensität und Auswirkung, allerdings nur in einem geringen Umfang. Sie entstehen und manifestieren sich in Jugend, frühester Kindheit, vorgeburtlich und sind anteilig sicherlich auch genetisch bedingt. Denn sie sind existentieller Natur und notwendig, um sich durchzusetzen, Konkurrenten auszuschalten. Teil des Selbsterhaltungstriebs. „Wegtherapieren“ wäre daher fatal, es ist zum Glück auch nicht möglich. Wir bestehen zudem nicht nur aus „dunklen Seiten“. Es gibt auch die Gegenspieler wie Freude, Liebe. Die für Ausgleich sorgen, in einem ständigen Auf und Ab miteinander konkurrieren.
Die Summe und die Facetten der Gefühle sind es, sie „machen einen doch so schön …lebendig“, wie Punch’n’Judy schon geschrieben hat.

Beeinflussbar von Seiten der anderen Beteiligten (z.B. durch Mutter und Bruder/Schwester bei einem eifersüchtigem Kind, in einer Beziehung durch Partner oder Nebenbuhler) ist Eifersucht grundsätzlich mittels positiver „Belohnung“ durch einen dieser Beteiligten. Indem sie sich zuwenden (Mutter bzw. Partner) oder zurückziehen (Geschwister bzw. Nebenbuhler). Wenn man sich verschiedene Möglichkeiten und Motive der Beteiligten bei diesen Dreiecksbeziehungen näher betrachtet, hängen die Aussichten auf Erfolg von der Bereitschaft der Beteiligten ab. Und hier wird es schwierig, weil diese sowohl belohnen als auch verzichten müssen. Erfolgsaussichten daher eher gering.

Zweiter Ansatzpunkt ist, dass der/die Eifersüchtige selbst und bewusst seine Gefühle und sein Verhalten beeinflusst und ändert. Dies betrifft Jugendliche und Erwachsene. Sein Verstehen und sein Verständnis wecken, an seine „Vernunft“ appelieren, durch Erklärung von Ursachen (wie sie z.B. Jule beschrieben hat) und möglichen Folgen ihres Verhaltens (negative Belohnung, z.B. den Partner verlassen). Da die Beteiligten selbst jedoch subjektiv werten und beurteilen und ihre Vorteile, ihren Gewinn aus Veränderungen in der Regel zuerst berücksichtigen, könnte oder muss man gelegentlich den Rat und die Unterstützung Außenstehender in Betracht ziehen (Familien- oder Partnerschaftstherapie).

Die Erfolgsaussichten dürften aber auch hier relativ gering sein. Während es noch einfacher ist, Kinder z.B. durch ein geschicktes Belohnungssystem zu beeinflussen (auch langfristig und dauerhaft), sind die Emotionen, Gefühle, Verhaltensweisen, allgemein die Persönlichkeit aufgrund jahrelanger Erfahrungen bei Erwachsenen wesentlich stärker manifestiert. Die Bereitschaft und das Vermögen, sich zu ändern und sein Verhalten anzupassen, nehmen mit zunehmenden Alter ab (wir alte störrische Menschen eben).

Franz

Ja.

Eifersucht ist ein Problem mit dem eigenen Selbstwert. Die „Angst vor dem Vergleich“ … Daran kann man definitiv arbeiten.

Bei Mißgunst ist das schon schwieriger, aber ähnlich.

Also definitiv heilbar. Aber man muss sich dafür erstmal mit dem Gedanken anfreunden, das MAN SELBST das Problem hat und nicht die Anderen. Daran hapert es meistens …

LG, J.

ooops ja klar, da bin ich total mit den Namen durcheinander gekommen.

Gut, dass ich den Titel auch geschrieben hatte, sonst hätten alle ja ewig gerätselt, was ich meine …

Danke fürs Aufpassen.

Eric

sind die „dunklen Seiten der menschlichen Natur“ wirkungsvoll therapierbar?

Ja, es gibt allerdings zwei miteinander unvereinbare Ansätze:

Der eine ist die Moral, die im christlichen Abendland den Katolog der sog. „7 Hauptsünde“ auf gestellt hat und für die Bekämpfung einer jeden eine entsprechende „Tugend“ anzulernen empfählt, wobei die „sündhaften“ Verhaltensperversionen (die die Moral selbst erschafft) also nur übergetüncht werden, die innere Situation noch verschlimmernd je mehr draussen die Fassade glänzt

Und die Psychoanalyse, die den Moral-bedingten Perversionen ursachenforscherisch (durch Traumanalyse des „Tiefen Unbewussten“) auf den Grund geht, um das darunter verdrängte, eigentlich gesunde, naturgemäße Verhalten herauszuerkennen. Anhand der während dessen erarbeiteten „Diagnos“ wird die Therapie empfohlen, dadurch gesund - und desto unangepasster an unsere kranke Gesellschaft werdend…

Der eine ist die Moral, die im christlichen Abendland den
Katolog der sog. „7 Hauptsünde“ auf gestellt hat und für die
Bekämpfung einer jeden eine entsprechende „Tugend“ anzulernen
empfählt, wobei die „sündhaften“ Verhaltensperversionen (die
die Moral selbst erschafft)

Ich gebe zu, ich kenne mich mit dem „Todsünden“-Motiv nicht gut aus, auch wenn ich christlich erzogen wurde. Habe jedoch nie wirklich glauben können, dass der Sündenbegriff über Jahrhunderte sich tatsächlich fast nur an Moralbegriffen orientiert. Also dass die Gefühle, die an sich erstmal keinem anderen Schaden zufügen, schon eine zu bekämpfende „Sünde“ sein sollen, nur weil es keine „guten“ Gefühle sind.
Irgendwie habe ich immer eher geglaubt, dass man diesen Gefühlen/ Eigenschaften deswegen kritische Beachtung schenken sollte, weil sie (wenn sie im Übermaß vorkommen) in erster Linie einem selbst schaden. Und weil sie, wenn sie unterdrückt und bekämpft statt angenommen und bejahend-kritisch betrachtet werden, tatsächlich auch zu Aktionen führen können, die anderen schaden. Der Begriff „Laster“ ist ja wohl eigentlich auch der richtigere als „Sünde“.

gruß

Irgendwie habe ich immer eher geglaubt, dass man diesen Gefühlen/ Eigenschaften deswegen kritische Beachtung schenken sollte, weil sie (wenn sie im Übermaß vorkommen) in erster Linie einem selbst schaden.

Das ist nicht der Grund, wegen dem die Kirche den 7 Hauptsündekatalog (u.a. über „Hochfahrenden Stolz“, „Vollerei“, „Faulheit“ und eben auch „Mißgunst/Neid“) aufgestellt hat.

Der Grund ist, dass diese Sünden - die in Wirklichkeit gefährliche Gefühlsentartungen darstellen - das geregelte Zusammenleben in unserer patriarchalischen Gesellschaft gefährden und deswegen bekämpft werden sollen. Anderfalls drohen Zustände wie unmittelbar zu Beginn des Patriarchats, bevor die Erziehung entwickelt wurde: kainitische Brudermorde aus kindischer Eifersucht…

Der gut erzogene Mensch tötet gehorsam nur noch auf Befehl der Obrigkeit, wobei es die Deutschen ganz besonders weit gebracht haben…

Vielen Dank für eure interessanten Beiträge! owT