Sinnhaftigkeit des Ölpreisdeckels für russisches Rohöl

Na, dann rechnen wir doch mal: tun wir mal so, als erhielte Russland 80 Euro je Barrel und ignorieren mal Zwischenhändler und alle, die da sonst noch ihre Hände aufhalten. Ein typischer Öltanker transportiert so um die 500.000 Barrel. Die Förderkosten betragen so um die 40-50 Dollar je Barrel. Bleiben als Differenz - der Einfachheit halber - 40 Dollar je Barrel. Die Kosten für den Transport, das Umfüllen und die Hafengebühren usw. ignorieren wir auch.

Dann liegt also der theoretische Gewinn aus dem Verkauf des Öls aus einem Tanker bei 20 Mio. Dollar.

Mit 20 Mio. beseitigt man überhaupt keinen Schaden, der aus einem Tankerunfall resultiert.

2 Like

Du hast vergessen zu erwähnen, dass Rußland in Deiner theoretischen Welt nur einen einzigen Tanker zur Verfügung hat, der auch nur ein einziges Mal eingesetzt werden kann und bei dem die Havariewahrscheinlichkeit 100 % beträgt.

Warum sollte ich das erwähnen? Der einzige, der auf so einen Quatsch überhaupt kommt, bist Du. Allen anderen ist klar, dass

a) eine zünftige Havarie Milliarden kostet,
b) viele Schiffe oft fahren müssen, bis diese Milliarden verdient sind,
c) die in Rede stehenden Schiffe so ziemlich der letzte Ramsch sind,
d) der Gewinn pro Fahrt natürlich viel geringer ist als 20 Mio. Dollar,
e) man Schiffsversicherungen nicht zu- und wegbuchen kann wie Zusatzoptionen bei Handytarifen,
f) es kaum möglich ist, Öl von Russland irgendwohin zu liefern, ohne die Hoheitsgewässer von Drittländern zu befahren und
g) ein Ölproduzent sein Geld mit dem Fördern und Verkaufen von Öl verdient und nicht damit, darauf zu hoffen, dass die erzielten Gewinne ausreichen, um eventuelle Schäden durch Unfälle abzudecken.

Alles schon erwähnt, aber natürlich gerne wiederholt.

2 Like

Den meisten dürfte auch klar sein, dass es hier nicht um Andorra sondern Rußland geht - und das Land trotz Krieges genug Finanzkraft hat um für eventuelle Schäden in einem Partnerland aufkommen zu können.

Wo genau steht da, dass Russland für Schäden aufkommen würde?

Du vertraust also Putin nicht, gehst aber davon aus, dass die betroffenen Länder ihm vertrauen. Alles klar.

1 Like

Warum sollte irgendjemand außer Dir darauf vertrauen, dass Russland eventuelle Schadensersatzansprüche akzeptiert oder gar erfüllt, während es innerhalb des letzten Jahres so ziemlich alle völkerrechtlichen Vereinbarungen gebrochen hat, die es gibt? Inkl. des Budapester Memorandums, in dem Russland zusichert, die Ukraine nicht anzugreifen, wohlgemerkt.

1 Like

Schonmal von der Spieltheorie gehört?

Zwei wissenschaftliche Arbeiten dazu geschrieben und einen Doktoranden bei seiner Dissertation unterstützt. Also: ja, so ganz am Rande.

Und wenn Du das Thema schon aufgreifst: wir bewegen uns ganz offensichtlich im Bereich der nicht-kooperativen Spieltheorie. Niemand wird das Spiel „wir setzen mal darauf, dass Russland ausgerechnet bei uns seinen Verpflichtungen nachkommt bzw. seine Verpflichtungen erfüllt“ mitspielen, weil das, was man dabei gewinnen könnte (nämlich Ansehen in Moskau und monetären Gewinn durch den Umschlag), nicht das ausgleichen kann, was man verlieren würde, wenn die Sache in die Grütze geht.

Selbst wenn beim Transport nichts schief geht, stellt man sich auf die Seite eines politischen Außenseiter. Hier würde sich in jedem Fall ein politischer Schaden abzeichnen.

Wenn du solche Fragen stellst, weiß man immer, dass du eigentlich keine Ahnung hast und einfach nur nach jedem Strohhalm greifst. Als nächstes fragst du vermutlich, ob wir schon mal von der Quantenverschränkung gehört haben…

1 Like

Prophylaktisch: ja, habe ich. Hier eine Erklärung eines meiner Lieblingswissenschaftsjournalisten:
Watch | Facebook

2 Like

Für Links zu Florian Aigner gibt’s immer ein Herzerl.

Zur Abwechslung mal weniger absurde Gedankenspiele sondern einfach mal die Realität:

Russland verschifft offenbar Rohöl nach Indien – zu den Bedingungen der G7

Eigentlich hatte der russische Präsident eine harte Reaktion geplant: Nachdem die G7-Staaten, die EU und Australien eine Preisobergrenze von 60 Dollar pro Barrel russischen Öls vereinbart hatten, kündigte er an, solche Verkäufe zu blockieren. Doch laut einer Recherche der »Financial Times« (»FT«) ist davon bislang nichts zu sehen.
[…]
Wie die Zeitung berichtet, hat sie anhand von Frachtdaten sieben Tanker identifiziert, die seither russisches Rohöl in baltischen Häfen geladen haben. Als Zielorte sind Raffinerien in Indien angegeben.
[…]
Grundlage für solche Transporte ist ein gültiger Versicherungsschutz. Laut »FT« sind die Schiffe bei westlichen Gesellschaften versichert. Westliche Versicherungs- und Maklerdienste dürfen seit dem Inkrafttreten der Vereinbarung aber nur in Anspruch genommen werden, wenn die Reedereien den Nachweis erbringen, dass sie weniger als 60 Dollar pro Barrel bezahlen.
[…]
Die Zeitung hat nach eigenen Angaben den Versicherungsschutz überprüft, für zwei Schiffe sei er erst in der Vorwoche den aktuellen Bedingungen angepasst worden. Der singapurische Betreiber des Tankers »Ruby Phoenix« wird zitiert: »Wir haben von unseren Vertragspartnern die erforderliche Bescheinigung erhalten, dass die betreffende Ladung den Preisobergrenzen entspricht.«

Bisher scheint der Deckel also sinnvoll zu sein.

1 Like

Penegrin:
“Bisher scheint der Deckel also sinnvoll zu sein.“

Was allerdings nur an der erwähnten Yogaübung liegt, bei der man die Füße ineinander verknoten muss (das meintest du doch mit “Quantenverschränkung“, oder?)

1 Like

Scho klar - so ganz weit verbreitet ist der Name ja itten…

Dann hast Du ja sicherlich auch schon von Wahrscheinlichkeitsrechnung gehört und kannst Dir ausrechnen, wie wahrscheinlich eine größere Katastrophe mit einem für Rußland fahrenden Öltanker im Küstengebiet des Abnehmerstaates oder auch Transitstaates ist - zumindest wenn es nicht wieder zu Terroranschlägen wie auf die Pipelines kommt.

Der Hinweis auf die Spieltheorie bezog sich darauf, dass Rußland und das Ölabnehmerland noch öfters Ölgeschäfte abwickeln möchten, weshalb man sich gegenseitig nicht vor den Kopf stoßen will, d. h. Putin wird bei eventuellen Unglücken für die Schadensbeseitigung sorgen um weiterhin Geschäfte mit diesen und anderen Abnehmerländern machen zu können.

o. t.

ich mag Dein Profilbild nicht.

Wir drehen uns im Kreis. Wer außer Dir sollte Putin denn noch vertrauen?

Immerhin sind wir uns darüber einig.

Wo hab ich behauptet, dass ich Putin vertraue? Ich schrieb hier davor, dass ich es nicht für unwahrscheinlich halte, dass er Nuklearwaffen einsetzten wird falls die ukrainische Armee bereits eroberte Gebiete zurückerobert.

Hast Du nicht, aber der Umstand, dass wesentlicher Bestandteil dessen, was Du mutmaßlich als Argumentation bezeichnen würdest, ist, dass andere Putin vertrauen sollen, deutet darauf hin, dass Du das selber auch tust. Immerhin würde nur ein Vollidiot V erwarten, dass Person A Person B vertraut, wenn schon er selber (also Vollidiot V) Person B nicht vertraut.

1 Like