Sonderfrieden mit Rußland 1942/43

Hallo, ich hätte da mal eine Frage an die Experten dieses Forums. Und zwar haben wir in Geschichte Blätter voller Fragen zum zweiten Weltkrieg bekommen. Aber eine Frage kann ich einfach nicht beantworten. Und zwar wird gefragt: Wieso wäre ein SOnderfrieden mit Rußland 1942/43 möglich gewesen? ALso ich glaube nicht, dass ein Frieden da noch möglich gewesen wäre, da Deutschland langsam aber sicher den Krieg zu verlieren begann (Stalingrad, Moskau, Kriegseintritt der USA). Rußland hingegen konnte wieder die Initiative ergreifen und hatte sonst keine andere Front, da man mit Japan ein Neutralitätsabkommen hatte. Meine eigene These wäre jetzt, dass Deutschland mit allen Ländern hätte Frieden schließen können, da dass noch ein „normaler“ Krieg war. Die Massenmorde begannen ja erst Anfang 1943.
Ich hoffe ihr, könnt mir helfen!

Danke

… Wieso wäre ein SOnderfrieden mit Rußland 1942/43 möglich gewesen?

Es gab im Frühjahr 1943 eine Friedensinitiative von Stalin, diese wurde aber von Hitler strikt abgelehnt.
Der Grund für die Wiederannäherung Stalins war wohl der Tiefpunkt der diplomatischen Beziehungen zu den Westmächten gewesen.

Gruss
Armin

Hi!

Hallo, ich hätte da mal eine Frage an die Experten dieses
Forums. Und zwar haben wir in Geschichte Blätter voller Fragen
zum zweiten Weltkrieg bekommen. Aber eine Frage kann ich
einfach nicht beantworten. Und zwar wird gefragt: Wieso wäre
ein SOnderfrieden mit Rußland 1942/43 möglich gewesen?

Das Schlagwort des „Sonderfriedens“ mit dem Deutschen Reich geisterte auf allen Seiten durch die Propaganda.

Bereits am 12.Juli 1941 (also drei Wochen nach Beginn des deutschen Angriffes auf die Sowjetunion) schlossen Großbritannien und die Sowjetunion einen Vertrag, der beiden Seiten einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich verbot.

In der Konferenz von Washington am 22.12.1941 (dem ersten Zusammentreffen von Churchill und Roosevelt) einigten sich GB und USA, keinen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich zu schließen, sondern die Strategie „Germany first!“ zu verfolgen.

Im Jahr 1942 verdächtigte Stalin die Westmächte, doch einen Separatfrieden mit dem Reich schließen zu wollen, da weder GB noch die USA die ständig geforderte „zweite Front“ im Westen aufbauten.

Die Westalliierten wiederum glaubten, Stalin würde angesichts der bis Ende 1942 erlittenen Verluste an Menschen, Material und Gebieten einem möglichen deutschen Angebot eines Separatfriedens möglicherweise zustimmen. Diese Sorgen wurden um so größer, als nach dem Sieg der Sowjets in Stalingrad die Deutschen im Frühjahr 1943 die Lage stabilisieren konnten.

1943 gab es in Japan Überlegungen, den Weltkrieg durch mehrere Separatfrieden zu beenden. So bot sich Japan als Vermittler für einen Sonderfrieden zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion an, wollte einen Separatfrieden mit China schließen und für einen deutsch-italienischen Friedensschluss mit den angelsächsischen Mächten beitragen.

Auf der Konferenz von Casablanca (Januar 1943) beschlossen die Westmächte, den Krieg bis zur bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, Italiens und Japans zu führen. Diesem Kriegsziel trat später auch die Sowjetunion bei (siehe Konferenz von Teheran Nov./Dez. 1943)

ALso
ich glaube nicht, dass ein Frieden da noch möglich gewesen
wäre, da Deutschland langsam aber sicher den Krieg zu
verlieren begann (Stalingrad, Moskau, Kriegseintritt der USA).
Rußland hingegen konnte wieder die Initiative ergreifen und
hatte sonst keine andere Front, da man mit Japan ein
Neutralitätsabkommen hatte. Meine eigene These wäre jetzt,
dass Deutschland mit allen Ländern hätte Frieden schließen
können, da dass noch ein „normaler“ Krieg war. Die Massenmorde
begannen ja erst Anfang 1943.

a)
Sowohl GB als auch die USA wären kaum zu einem Friedensschluss mit dem Deutschen Reich zu bewegen gewesen. Beide Länder waren bereits 1941 fest entschlossen, den Krieg bis zum Ende zu führen.

b)
nach dem Schock des Angriffes durch die Deutschen gab Stalin die Parole vom „Großen Vaterländischen Krieg“ aus. Alle Aktivitäten im Staat waren auf die Bekämpfung des Feindes ausgerichtet. Ein Friedensschluss mit Stand der Front Ende 1942 oder Frühjahr 1943 wäre einer sowjetischen Kapitulation gleich gekommen. Das hätte die Führung der Roten Armee nie hingenommen.

c)
Bis August 1941 waren in Polen und in den besetzten Teilen der Sowjetunion bereits etwa 370.000 Juden ermordet worden. Ende September 1941 wurden in der Schlucht Babi Jar bei Kiew 34.000 Juden getötet. Die Massenvernichtung lief also bereits, nur waren die Mittel noch nicht „perfektioniert“. Auf der Wannsee-Konferenz vom 20.Januar 1942 wurde die Koordination des Massenmordes an den Juden beschlossen, die so genannte „Endlösung“. Das KZ Auschwitz wurde bereits 1940 gebaut und ab 1941 als Vernichtungslager eingesetzt (Bau von Auschwitz-Birkenau 1941/42). Das Vernichtungslager Majdanek war seit Oktober 1941 in Betrieb, Belzec seit November, wenig später Sobibor und Treblinka.
Bis Ende 1942 waren bereits mehrere hunderttausend Menschen von den Nazis ermordet worden, vielleicht lag die Zahl schon im Millionenbereich. Ich nenne das durchaus eine Massenmord - auch schon vor 1943.

Quellen:
Deutsches Historisches Museum
Bundeszentrale für politische Bildung
Shoa-Stiftung
u.a.

Grüße
Heinrich

Hallo !

Es war viel von Sonderfrieden die Rede, aber es ging darum, eben keinen zu schließen.

1.1.1942
In einer Erklärung der Vereinten Nationen (Washington-Pakt) verpflichten sich die USA, Großbritannien, die Sowjetunion, China und andere (insgesamt 26 Nationen) zum Einsatz aller ihrer Hilfsmittel gegen die Mitglieder des Dreimächtepaktes. Sie verpflichten sich weiterhin, »keinen gesonderten Waffenstillstand und keinen Sonderfrieden mit den Feinden zu schließen.«
[Tageschronik: 1. Januar 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5266 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 237) © Droste/Dire

24.6.1944
Zu einem dreitägigen Besuch trifft Reichsaußenminister von Ribbentrop in Helsinki ein. Da sich der finnische Staatspräsident Risto Ryti ihm gegenüber persönlich verpflichtet, keinen Sonderfrieden mit der Sowjet-Union zu schließen, sagt Ribbentrop weitere deutsche Waffenhilfe für die finnische Front im Raum von Wiborg zu.
[Tageschronik: 24. Juni 1944. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 6907 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 497) © Droste/Directmedia]
ctmedia]

Gruß max

Hallo,

es gab bereits dt.-sowjet. Verhandlungen… und zwar in Moskau im restaurant Arakvi (oder ähnlich)… war selber schon des öfteren dort essen. Werde mal etwas dazu heraussuchen.

Robert

man schaue einmal hier: /t/2-weltkrieg-verhandlungen-dtl-russland/563252

dort wurde beriets über die Verhandlungen geschrieben