Hallo Peter,
machst Du es Dir nicht ein ein bischen zu leicht? Nicht jeder
der Sozialhilfe bezieht, ist ein Sozialschmarotzer.
Nein, aber meine Erfahrung ist, dass es unheimlich viele gibt, die sich nicht mehr auch nur Ansatzweise bemühen. Als Selbstständiger mußte ich Näherinnen und Bodenleger (oder auch Raumausstatter / Maler) einstellen. Was mir da so alles über den Weg lief…
- Betrunken zum Vorstellungsgespräch erscheinen
- gleich darauf hinweisen, dass man eigentlich nur die Unterschrift benötigt, damit man weiterhin Geld bekommt
- Wechsel der AG, wie ich meine Unterhosen wechsel (und das mach ich relativ häufig - wie Du mir glauben kannst).
Wer gibt Hauptschülern heute noch eine Lehrstelle? Würdest Du
Dich bei Deiner Firma für solche jungen Leute einsetzen? Gegen
den Willen Deiner Abteilungsleiter?
Natürlich ist das nicht ganz so einfach, bei Handwerkern aber immer noch sehr beliebt, wenn sie im prakischen nicht schlecht sind. Aber, wenn ich keine Lehrstelle bekomme, hindert mich das daran, einen Job anzunehmen ?
Habt Ihr in Deiner Firma Platz für eine junge Mutter ohne
Ausbildung, die auch ein Kind zu versorgen hat?
Nein, aber ich hatte eine solche Mieterin. Das Sozialamt hat die Miete (an sie) bezahlt, ich habe sie nicht erhalten. Gesamtschaden (einschl. aufwendigster Renovierung): 6.000€
Habt Ihr in Deiner Firma Platz für einen 59 jährigen
angelernten Arbeiter der bei seinem altem Arbeitsgeber
gefeuert wurde?
Selbst schuld. Ich war mal bei einem großen Automobilzulieferer, der ein Werk geschlossen hat. Man hat jahrelang Deutschkurse und Weiterbildung zum Selbsteinrichter angeboten. Beide Kurse sind mangels Interesse irgendwann einmal „eingeschlafen“, man hat es ja „nicht nötig“, da man seinen Arbeitsplatz bis zur Rente sicher hat (sagt man im Alter > 50J. !). Ergebnis: im Alter von knapp > 50J. arbeitslos, keine Ausbildung, davor 5.000 DM Brutto mtl. verdient, Aussage des Arbeitsamtes: "wenn Sie jemals wieder mehr als 2.500 DM mtl. verdienen, haben Sie Glück gehabt. Anderes Beispiel: ein Kollege von ihm hat Deutschkurse besucht, Weiterbildung gemacht und wurde nachher vom Konkurrenten übernommen.
Natürlich trifft das Alles vor allem auf meine Heimatregion Stuttgart und Ba-Wü zu. Im Osten Deutschlands sieht’s sicherlich anders aus. Aber bei uns hier gibt’s immer noch genügend Jobs (AL-Quote ca. 5 - 6%), trotzdem gibt’s viele AL / Soz-Empf.
Sie alle haben Anspruch auf Sozialhilfe.
Ja, man könnte dafür aber auch was Leisten. Bei uns sind z.B. immer noch unheimlich viele Mülleimer in Parks total überfüllt. Leider ist die Lobby so stark, dass keiner daran gehen will, AL / Soz-Empf. zum Arbeitseinsatz aufzufordern (sofern arbeitsfähig).
Ob sie diese auch
erhalten, wird genau geprüft und oft genug werden die nahen
Verwandten zur Unterstützung verdonnert.
Es wird nur geprüft, ob ein finanzieller Notstand existiert, es wird nicht geprüft, ob der Empfänger auch etwas dafür tut, um aus der Lage wieder heraus zu kommen.
Da fällt mir noch das Beispiel der Freundin ein, die als Kind / Jugendliche vom Vater geschlagen wurde (Notiz bei der Polizei liegt vor), als sie in Not war, hat er sich nicht darum gekümmert. Heute ist der Vater Voll-Alki und sie soll zahlen. Toll !
Bemüht er sich, selbst aus der Lage herauszukommmen ? Nein !
Auch das ist in Sozialgesetz festgehalten.
Es hapert nicht am (gutgemeinten) Gesetz, vielmehr ist die praktische Umsetzung unter aller Sau.
Und wird Deine Mutter mal ein Pflegefall und die Rente reicht
zur Kostendeckung, erhält Du eine Rechnung vom Sozialamt.
Bezeichnest Du Deine Mutter als Sozialschmarotzer?
Nein, meine Mutter ist selbst schwer krank und ich bin selbstverständlich auch bereit, dafür zu zahlen. Ich habe nur leider viel mehr Schmarotzer-Fälle kennengelernt als wirkliche Notfälle.
Peter, ich möchte garantiert nicht alle Sozialhilfeempfänger in einen Topf werfen, ich finde das Gesetz auch richtig. Aber man sollte doch etwas mehr überprüfen und die Leute auch zu einer Gegenleistung = Arbeit zwingen. Das klappt mit der Wehrpflicht schon seit Jahrzehnten hervorragend, warum nicht auch bei Sozialhilfeempfängern / Arbeitslosen.
Der Anreiz, wieder arbeiten zu gehen, muß größer werden. Weiterhin ist das Sozialhilfe-Niveau eindeutig zu hoch, bzw. zu nahe an den untersten Lohnstufen. Der Anreiz zum Arbeiten fehlt (z.B. Handwerker mit 3 Kindern, der fast genausoviel Stütze bekommt, wie wenn er arbeiten gehen würde).
Grüsse
Sven