die Gewinne der Industrie sind
enorm
Ach, deswegen die vielen Pleiten.
Pleite gehen doch nur die Kleinen und Mittleren. Ich sage ja, die Verteilung stimmt nicht! Wo ist der Widerspruch?
Hast ja recht. Was weiß ich als Kreditrisikomensch im Firmengeschäft schon über die Lage der deutschen Industrie.
die Banken scheffeln das Geld.
Guter Witz. Noch nie gab es in Deutschland derart schlechte
Ergebnisse bei den Banken wie in den letzten beiden Jahren.
Ach komm, weil die Gewinnzuwächse mal nicht steigen, wird gleich
gejammert.
Im Februar des vergangenen Jahres hätte ich keinen Cent mehr auf das Überleben der Commerzbank, der Hypovereinsbank und einiger anderer, nicht ganz so bekannten Institute gegeben und im Augenblick weiß ich ein paar Institute, bei denen ich das heute auch nicht machen würde.
Die Banken haben unter der Börsenschwäche und der Pleitewelle erheblich geblutet und teilweise Verluste in Milliardenhöhe eingefahren (Commerzbank, Dresdner Bank und HypoVereinsbank vorneweg).
Daß man davon nicht noch mehr gelesen hat, liegt daran, daß die meisten Wirtschaftsjournalisten keine Ahnung haben und noch nie einen Geschäftsbericht nach IAS/IFRS in der Hand gehabt haben oder ihn zumindest nicht verstehen können. Das Wort Neubewertungsrücklage sagt jedenfalls offensichtlich keinem Journalisten etwas.
Nicht umsonst gab es letztes Jahr ein Krisengespräch mit der Bundesregierung und führenden Bankmanagern über das reizvolle Thema, wie denn der deutsche Finanzmarkt zu retten sein könnte, wenn eine größere Bankpleite droht.
Wer mir also erzählen will, daß die Banken Kohle ohne Ende einfahren, hat entweder keine Ahnung, will mich verarschen oder labert nur dumm das nach, was auf den ganzen tollen investigativen und revolutionären Internetseiten zu lesen ist.
Um noch ein Beispiel zu nennen: Es gibt eine Bank, die in einer deutschen Großstadt über Grundstücke in Filetlage verfügt. Wenn bis zum Zeitpunkt x diese Grundstücke nicht bebaut werden, erlischt die Baugenehmigung und Werte in dreistelliger Millionenhöhe zerfallen zu Staub. Dennoch macht man derzeit keine Anstalten, in die Bauphase einzutreten, weil schlicht und ergreifend die Liquidität fehlt.
Die Banken sind doch die Pestilenz unserer Zeit. In der Manier von
Feudalisten mischen sie sich in die Politik ein und machen Druck
über ihre Finanzkraft. Und was - ausser Abhängigkeiten -
produzieren sie?
Keine Ahnung. Abwicklung des Zahlungsverkehrs? Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität? (wenn auch in rückläufigem Maße, Grund siehe oben)
Das Bruttosozialprodukt
stimmt!
Wenn Stagnation für Dich stimmig ist, hast Du recht. Die
Wirtschaft eiert seit knapp drei Jahren zwischen Rückgang und
Minizuwächsen hin und her.
Verabschieden wir uns doch von der Wachstumsphilosophie. Was ewig wächst, wird irgenwann bösartig! Wohlstand kann nicht ewig wachsen, ohne zum übel zu werden.
Allmählich wird die Sache absurd. Du schreibst, die Wirtschaft brummt, ich sage, daß dem nicht so ist, und ist Nichtwachstum auf einmal eine gute Sache?
Und die Investitionen in Maschinen rechnen sich nur, weil
menschliche Arbeit zu teuer geworden ist.
Also, schaffen wir den Menschen ab?! Lassen wir die Computer arbeiten. Die sollen dann auch den Müll kaufen der produziert wird, oder?
Wo steht das? Denkt hier eigentlich keiner mehr selbst? Es ist ja nicht auszuhalten, was für ein Quatsch wieder und wieder und wieder hier abgeladen wird.
Kurzfassung: Arbeit in Deutschland ist für die Gegenleistung, die man dafür erhält, in vielen Bereichen zu teuer. Zu verdanken haben wir dads der exzessiven Lohnpolitik der 70er Jahre, die durch absurde Lohnerhöhungen dazu führte, daß moderne Techniken (insbes. EDV) auf einmal in der Anschaffung rentabel waren.
Daß hier zwischendurch der Laden lief, liegt schlicht und ergreifend daran, daß die Unternehmen hier gutausgebildete und motivierte Arbeitskräfte vorfanden, eine erfreuliche Infrastruktur und politisch stabile Verhältnisse. Damit war dann ein Arbeitsplatz in Deutschland zwar teurer als sonstwo, aber dafür bekam man auch was.
Heute sieht die Lage anders aus. Die Ausbildung in diesem Land verkommt zum Witz, die Menschen nörgeln die ganze Zeit rum und sind um jede Minute froh, die sie nicht arbeiten müssen, der Arbeitgeber ist zum Ausbeuter verkommen, der vielzitierte Verkehrsinfarkt wird durch Mautchaos und verrrottende Straßen unterstützt, während die EU mit Gelder für Strukturförderung um sich wirft, früher in Spanien und Griechenland, zukünftig in Osteueropa und die Politik sorgt durch das totale Gesetzgebungschaos für eine Planungsicherheit, die nicht bis zum nächste Monatsende reicht.
Damit ist ein Arbeitsplatz nicht mehr nur teurer als woanders, sondern man bekommt auch nichts mehr dafür. Anstatt aber am letzten Punkt anzusetzen, diskutiert man sich nen Wolf darüber, daß man bloß nicht mehr oder flexibler arbeiten will und eigentlich sowieso viel zu wenig bekommt.
Daß man sich damit den Ast absägt, auf dem man sitzt, nimmt irgendwie niemand wahr.
Wir können doch unsere Gesellschaft nicht führen wie einen
Industriebetrieb.
Deutschland muss auch ein „Lebensstandort“ bleiben können!
Dummerweise erfordert ein gewisser Lebensstandard auch eine gewisse wirtschaftliche Aktivität in diesem Land. Die sehe ich im Augenblick aber langsam aber sicher schwinden. Dasw scheint aber für niemanden ein Problem darszustellen. Man schimpft auf die Unternehmen, die sich im internationalen Wettbewerb befinden und seit 20 Jahren Änderungen bei Infrastruktur, Ausbildung, Flexibilität usw. fordern und nichts bekommen, außer blödsinnigen Kommentaren. Nun verdrückt sich ein Betrieb nach dem anderen in den Osten (und das trotz der erheblichen Risiken, die sich daraus ergeben) und anstatt nach den Gründen zu suchen und diese abzustellen, gibt es noch mehr blödsinnige Kommentare.
Gruß,
Christian