Ich möchte speziell auf die Thematik Marktwirtschaft nochmal
eingehen:
Zum Ersten: Wir haben keine freie Marktwirtschaft !! Wir haben
eine soziale Marktwirtschaft , in der im Sinne von sozialem
Ausgleich und nicht zuletzt auch im Sinne einer intakten
Umwelt von der Poltik eingegriffen wird.
Das mit der sozialen Marktwirtschaft steht doch nur auf dem
Papier und wird an den Universitäten gehandelt. In
Wirklichkeit tendiert die deutsche Wirtschaft eindeutig hin
zur freien Marktwirtschaft mit allen Nuancen eines nackten
Kapitalismus. Ich bin kein Freund davon, stelle nur die
Realität fest.
Na ganz Realität ist es ja nun noch nicht, auch wenn du damit Recht hast, daß wir uns offenbar auf dem Weg dazu befinden. Die Ökosteuer halte ich für ein Mittel, diesem Weg in die „freie“ Marktwirtschaft entgegenzutreten. Sie beinhaltet beide von mir genannten Kriterien. Sie verteuert umweltfeindlichen Strassenverkehr. Sie begünstigt das Rentensystem und damit auch die Arbeitskosten (was ind der Spritpreisdiskussion irgendwie ständig vergessen wird).
Zum Zweiten:
Der Verdrängungswettbewerb, der zweifelsohne stattfindet,
kostet erheblich mehr Arbeitsplätze im Transportgewerbe als
die gestiegenen Treibstoffpreise. Die steigenden
Treibstoffpreise beschleunigen den Verdrängungswettbewerb
sicher, aber sie verursachen ihn nicht!
Insbesondere wenn man die freie Marktwirtschaft vertritt,
sollte man ein Auge dafür haben, die wahren Kosten im
Transportgewerbe zu sehen, die durch die fast kostenlose
Zurverfügungstellung der Transportwege (Autobahnen) stark
verschleiert werden. Gerade ein Vertreter der freien
Marktwirtschaft sollte bedingungslos das Verursacherprinzip
anwenden, welches für das Transportgewerbe hartnäckig
ignoriert wird.
Ich bin kein Vertreter der freien Marktwirtschaft. Dann hast
du mich falsch verstanden.
Sorry, kam so rüber
Das Verursacherprinzip ist auch
nicht ein Merkmal der freien Marktwirtschaft.
Was soll übrigens das Verursacherprinzip in diesem
Zusammenhang?
Du scheinst wirklich den Thread noch nicht gelesen zu haben: Der Gütertransport auf der Strasse ist nur deshalb so billig, weil die LKW im Verhältnis zu ihrer Strassenabnutzung und Strassenbenutzung (laut Spiegel das 175000fache) ERHEBLICH weniger Steuern zahlen als ein PKW. Als Verursacher von zusätzlichen Autobahnen und Spurrillen usw müssten die LKW also nach dem Verursacherprinzip wesentlich mehr zur Kasse gebeten werden. Das werden sie nicht, weil das Verursacherprinzip hier ignoriert wird, also gibt es defacto eine indirekte Subventionierung des LKW Verkehrs durch die PKW’s. Im Sinne einer freien Marktwirtschaft ist aber jede Subvention abzulehnen, da sie den Wettbewerb verzerrt (in diesem Fall zwischen Strasse und Schiene, die ihre ganzen Infrastrukturkosten selbst bezahlen muss) und die Preise verfälscht. Nun bin ich als Vertreter der sozialen Marktwirtschaft nicht vollständig gegen Subventionen, aber wenn, dann richtig offen, damit es auch der letzte BILD-Zeitungsleser merkt und mit sozialer und ökologischer Verantwortung.
Der Straßenverkehr mit seiner gesamten Infrastruktur dient
nicht nur den Transporteuren. Er bringt insbesondere auch
Vorteile für alle Bürger, zum Beispiel der schnelle Umsatz der
Waren bewirkt niedrige Preise bei allen Gütern, insbesondere
bei Lebensmitteln und eine gößere Vielfalt des Angebots. Das
macht einen wesentlichen Punkt unseres Lebensstandards aus,
der durch alle Disziplinen geht.
Wenn du wieder wie im Busch leben und dir deine Lehmhütte
selber bauen möchtest, wäre das schon ein Weg, auf diese
Infrastruktur zu verzichten.
Ähh du verstehst mich nun aber auch falsch. Gerade das will ich nicht, aber ich bin dazu gezwungen, wenn tausende von LKW auf der Autobahn rumkutschieren. Es ist also genau diese Art der „Versorgung“, die mich mehr blockiert als der Verzicht. Die Infrastruktur, die du beschreibst ist die Autobahn, die ich heute wegen LKW-Staus kaum mehr nutzen kann und der LKW-Fernverkehr ist die mißbräuchliche Nutzung dieser Infrastruktur.
Machst du die Raucher und Alkoholkranken verantwortlich für
die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge? Machst du die lange
Lebensdauer der Rentner verantwortlich für die Höhe der
Rentenversicherungsbeiträge?
Dann verzehr weniger Lebensmittel, dann brauchen die LKW’s der
ALDI-Kette nicht mehr so oft über deine Autobahnen zu fahren.
Das hat ja nun gar nichts miteinander zu tun.
Ich kann jederzeit Lebensmittel in meiner Stadt kaufen, die nicht über tausende von KM transportiert wurden und muss auf nichts verzichten. Die LKW-Branche tut immer so, als wären alle Fahrten wirklich notwendig. Der Lebensmitteltourismus in der EU ist völlig nutzlos und nur deswegen rentabel, weil auch er subventioniert ist.
Es ist nicht korrekt Arbeitslosigkeit hinzunehmen, die durch
unsozialen Verdrängungswettbewerb entsteht, aber auf der
anderen Seite mit entstehender Arbeitslosigkeit zu
argumentieren, wenn sie vermeintlich durch hohe
Treibstoffpreise (oder die Ökosteuer) entsteht.
Du widersprichst dir selbst. Nach deiner eigenen Darstellung
(s. oben) führt der Verdrängugnswettbewerb gar nicht zur
Arbeitslosigkeit, weil der Arbeitnehmer eines „verdrängten“
Konkurrenten bei dem Wettbewerber einen neuen Arbeitsplatz
bekommt. Das sind deine Worte!
Nein, sind sie nicht. Ein Mitdiskutierer hat das gesagt. Du verwechselst mich mit ihm.
Ich halte diese Kampgne der Transporteure europaweit für die
populistischste Aktion, die es in den letzten Jahren gegeben
hat. Sie versucht das Bedürfnis der Menschen nach Mobilität
und damit nach niedrigen Treibstoffpreisen auszunutzen um
absolut unsoziale und umweltfeindliche Strukturen im
Transportgewerbe aufrechtzuerhalten. Der „Trucker“, in seiner
„lonesome- Rider-Mentalität“, der alle Probleme selbst anpackt
und löst ist dazu das geeignete Medium und lässt sich auch
noch dankbar missbrauchen, nachdem er schon von seinen Chefs
genug ausgenutzt wird.
Du überträgst hier ein Cowboy-Genre auf den LKW-Bereich, das
in amerikanischen Filmen vielleicht zu sehen ist (z.B. der
legendäre Film „Convoy“) aber in Europa so nicht existiert.
Der Trucker ist zur zeit das arme Schwein an der
deutsch-belgischen Grenze, das mitten in der Blockade steht,
nicht weiterfahren kann, obwohl er doch will, stündlich seinen
Chef am Handy hat, der in beschimpft, weil er nicht
weiterfährt, der seit 3 tagen keine sanitären Anlagen zur
Verfügung hat, sich Geld von Kollegen leihen muß, damit er was
essen kann. Der Trucker ist kein Medium, sondern ein Bürger,
der 100 Stunden in der Woche arbeitet, damit er seine Familie
ernähren kann und jetzt einfach Existenzsorgen hat. Verstehst
du das nicht?
Doch, verstehe ich und ich gebe dir Recht, daß „der Trucker“ das arme Schwein ist, aber er bekämft in seiner Naivität die falschen! Er ist zu naiv, sich gewerkschaftlich zu organisieren um mehr zu verdienen und nicht mehr 100h arbeiten zu müßen (womit er uns übrigens alle gefährdet) und er lässt sich auch noch vor den Karren der grossen Spediteure spannen, denen er seine Lage zu verdanken hat. Dazu fällt ihm nicht auf, daß das bekämpfen der ÖkoSteuer ihn auf Dauer nicht retten wird, denn die Grossen werden die Daumenschrauben weiter anziehen.
Ich entschuldige mich gleich vorab bei allen Truckern, die ich hier pauschalisierend mit eingepackt habe. Grundsätzlich fühle ich mich solidarisch mit Leuten, die so abgezockt werden wie ihr, aber denkt doch bitte endlich mal drüber nach, wer und was dran schuld ist.
So, und nun geh ich ins Wochenende
Ciao Sigi