Hi! (einmischenderweis)
da Du offensichtlich unfähig nicht willens bist,
sachlich zu argumentieren, bleibt mir dieser Part, nachdem Du
das Feld der Polemik bereits abgegrast hast. Vorteile der
Neuregelung im Sinne einer Vereinfachung des Erlernens und
Merkens sind meines Erachtens:
- ß nur nach langem Vokal und Doppellaut, sonst s oder ss
(ei, au, äu, …)
Beispiele: Fass, Maß, beißen, Kenntnis, …
Grundlage der Reform war eine Vereinfachung der Rechtschreibregeln, da angebliche Deutschlands Schüler überfordert waren, zwei Schreibweisen zu erlernen. Als Folge der Reform müssen Schüler heute drei Schreibweisen des stimmlosen „s“ erlernen.
Alt: „Gas“ - „Baß“ - „Maß“
Neu: „Gas“ - „Bass“ - „Maß“
In der alten Rechtschreibung hatte ein Unkundiger eine Trefferquote von 50%, in der neuen von 33%. Oder anders herum: die Fehlerqutoe steigt von 50 auf 67 %. Das Problem, ob man den Nebensatz mit „das“ oder „dass“ beginnt, bleibt übrigens in der neuen Rechtschreibung bestehen und ist keineswegs vereinfacht worden.
- drei gleiche Buchstaben bei Zusammensetzungen bleiben
stets erhalten
Beispiele: Schifffahrt, Bassstimme, …
Ob die Verdreifachung eines Konsonantes das Lesen eines Wortes erleichtert, sei dahingestellt. Ich jedenfalls habe drei Mal hinschauen müssen, als ich das erste Mal das Wort „Passstraße“ vor mir hatte.
- inhaltlich verwandte Wörter werden ähnlich geschrieben
Beispiele: behände (zu: Hand), Tipp (zu: tippen),
nummerieren (zu: Nummer), potenziell (zu: Potenz)
Gerade hier - und auch in den Beispielen - zeigt sich der logische Bruch der Reform. Leitet sich das Verb vom Substantiv ab (nummerieren von Nummer) oder das Substantiv vom Verb (Tipp von tippen)? Es sieht einfach willkürlich aus. Zudem: Warum schreiben wir in Deutschland „Tipp“ anders als in der Herkunftssprache Englisch („Tip“)?
Dazu kommt eine Rehe von Begriffen, die eine abenteuerliche Herleitung bekommen haben. „Quäntchen“ (ehemals Quentchen) soll sich von „Quantum“ ableiben, was etymologisch völlig falsch ist (vom mittelhochdeutschen „quentin“). „Belämmert“ (ehemals „belemmert“) hat nicht die Bohne mit „Lamm“ zu tun, wie die Reformer uns weismachen wollten, sondern mit dem mittelhochdeutschen „belemmeren“)
Wenn aber Ableitungen wie „behände“ von „Hand“ gelten sollen, wie sieht es dann z.B. mit „Hatz“ zu „hetzen“ aus (jetzt also „hätzen“)? Oder von „Fraß“ zu „frässen“ (statt „fressen“)? Wenn „Tipp“ von „tippen“ hergeleitet wird, dann müsste es doch auch „Stripp“ von „strippen“ heißen. Auch hier erweckt (erwäckt von Erwachen?) die Reform eine Beliebigkeit.
- Ersetzung von ph, gh, rh, th, é durch f, g, r, t, ee
möglich
Beispiele: Fotografie, Delfin, Jogurt, Panter,
Varietee, …
Gottseidank blieben uns da Wortmonster wie „Filosofie“ und „Fysik“ erspart. Aber auch hier: ein Regel mit Beliebigkeit.
Aber nochmal zu dem zentralen Argument der Vereinfachung der deutschen Schriftsprache (das war ja oberstes Ziel):
Wie du schon schreibst, wird auf „Delphin“ der „Delfin“, aus „Johghurt“ wird „Joghurt“, aus „Thunfisch“ der „Tunfisch“ (interessant, daß man hier die internationale Schreibweise bemüht [„Tuna“], während das für den o.g. „Tipp“ nicht gilt), eben um es einfacher zu machen.
Einfacher?
Hochkmplizierte Wörter wie „Chrysantheme“, „Diphtong“, „Hydrographie“ oder „Rhythmus“ bleiben von der Vereinfachung ausgenommen. Also auch hier eine Beliebigkeit, welcher Wörter einfacher werden sollen und welche nicht?
- keine Großschreibung mehr bei festen Verbindungen, nur
noch bei Titeln, biologischen Arten, Kalendertagen,
historischen Ereignissen
Beispiele: das schwarze Brett, die erste Hilfe, der
Regierende Bürgermeister, der Rote Milan, der Heilige Abend,
der Dreißigjährige Krieg, …
Auch hier regiert Beliebigkeit, wenn nicht Zufall.
„Das Schwarze Brett“ mutiert zu „das schwarze Brett“
„Der blaue Montag“ hingegen bleibt „der blaue Montag“
„Der Schwarze Tod“ wird „der schwarze Tod“
„Der Schwarze Kontintent“ bleibt „der Schwarze Kontinent“
- viel, wenig, ein, ander immer klein
Beispiele: Das ist etwas anderes, Wir haben vieles
besprochen, …
Und wie sieht es hier aus? Einfache Regeln?
„bis auf weiteres“ bleibt „bis auf weiteres“
„des weiteren“ wird zu „des Weiteren“
„bei weitem“ bleibt wieder „bei weitem“
„die einzelnen“ werden zu „die Einzelnen“
„die wenigen“ bleiben „die wenigen“
„die anderen“ bleiben „die anderen“
„die übrigen“ werden aber zu „die Übrigen“
Du erlaubst, dass ich jetzt aufhöre, um den Stab mit der Liste
der Nachteile an Dich weiterzureichen.
Schön, daß du die Komma- und Trennregeln der neuen Rechtschreibung nicht erwähnt hast. Da gäbe es auch noch eine Menge zu sagen.
Hübsch sind Trennungen wie „Demonst - ration“ (gegen das gesprochene „De-mon-stra-tion“, „Fab - rik“ (gesprochen „Fa-brik“), „Pat - rone“ (gesprochen "Pa-trone), „Sop - ran“ (gesprochen „So-pran“).
Und wer weiß schon, daß man „abendlich“ in die Teile „a-bend-lich“ zerlegen darf, das erweiterte Wort „allabendlich“ aber nur „all-abend-lich“ getrennt werden darf? Ähnlich „E-xa-men“. Aber „Ab-schluss-exa-men“! Zwei Trennregeln für ein Wort.
Beliebigkeit oder einfachere Regeln?
Bei der Kommasetzung sollte ja nun auch alles einfacher werden. §77,5 macht so einfach, daß ich es auch nicht mehr verstehe: „Wörter oder Wortgruppen, die durch ein hinweisendes Wort oder eine hinweisende Wortgruppe angekündigt werden … grenzt man durch Komma ab.“
Alles klar?
„Er hatte den Wunsch eine Familie zu gründen.“ Komma oder nicht?
„Es war sein Wunsch zu heiraten.“ Komma oder nicht?
„Es kam ihm der Gedanke eine Familie zu gründen.“ Komma oder nicht?
„Sein größter Wunsch war es eine Familie zu gründen.“ Komma oder nicht?
Ist doch ganz einfach.
Schließlich macht die neue Rechtschreibung die Kommasetzung einfacher (das war doch das Ziel)!
Auflösung weiter unten.
Grüße
Heinrich
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
1.Beispielsatz: kein Komma, da kein hinweisendes Wort
2.Beispielsatz: Komma, da ein sogenanntes Vorgreifer-Es vorhanden ist.
3.Beispielsatz: Kein Komma; das „Es“ ist hier nur ein Platzhalter-Es.
4.Beispielsatz: Komma, da hier wieder ein Vorgreifer-Es existiert.
Die Beispielsätze entstammen einer Schrift von Prof. Dr. Theodor Ickler, Erlangen, zur Kommaregelung der neuen Rechtschreibung.