Spiegel + Springer zur alten Rechtschreibung

Hi Pit,

das … sind demokratisch gewählte Vertreter der Bundesländer, minister,

die 2 jahre zuvor noch das verkehrsressort innehatten, und
wegen irgend einer personellen verschiebung plötzlich die
bildung als berufung erkannt hatten?

ah, verstehe, Interesse, Kompetenz und Bemühen genügen nicht. Berufung ist gefragt. Du glaubst also, dass zum Beispiel ein 52-jähriger Schreiner aus – sagen wir – Itzehoe oder Burladingen, der jeden Tag ein paar Rechnungen krakelt, die Orthografie als Berufung erkennt, sobald er Post von der noch fiktiven Entscheidungskommission erhält? Im Leben nicht. Die Mehrheit des deutschen Volkes, so sehr ich das bedaure, informiert sich aus schlechten Quellen oder unzureichend, sodass Stimmungsmache in und durch Medien die Abstimmungen weit stärker beeinflussen dürfte als sachliche Überlegungen. Manchen Bürgern kann man das übel nehmen, weil sie einfach faul und desinteressiert sind. Bei anderen wiederum überschreitet das Thema einfach deren Bildungsstand, was man ihnen nicht übel nehmen kann.

… als bekannt wurde, was für einen sch*** die damen und
herren in ihren kommissionen hinter verschlossenen türen
ausgeklügelt hatten.

Wenn Du etwas als Scheiß abqualifizierst, musst Du konkrete Beispiele bringen, was an der Neuregelung (nicht am Verfahren der Erarbeitung) so misslungen ist, um diese Bewertung zu rechtfertigen. Damit meine ich nicht allgemeine Sätze wie „in erster linie halte ich für untragbar, daß das deutsche volk seine eigene sprache lernen soll.“, sondern konkrete Beispiele. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts, als der DUDEN als verbindliches Regelwerk eingeführt wurde, das er inzwischen nicht mehr ist, mussten neue Schreibweisen erlernt werden. Es geht eben nicht alles von selbst.

Gruß
Christopher

Hi Wolfgang,

da Du offensichtlich unfähig nicht willens bist,
sachlich zu argumentieren, bleibt mir dieser Part, nachdem Du
das Feld der Polemik bereits abgegrast hast. Vorteile der
Neuregelung im Sinne einer Vereinfachung des Erlernens und
Merkens sind meines Erachtens:

  • ß nur nach langem Vokal und Doppellaut, sonst s oder ss
    (ei, au, äu, …)
    Beispiele: Fass, Maß, beißen, Kenntnis, …

Diese Regel gehört zu den größten Unsinnigkeiten des Neuschrieb, ich sagte das bereits. Sie ist nur für den anwendbar, der weiß, wo nach einem kurzen Volkal eigentlich ein „ß“ hingehört, andernfalls er z.B. „Sozialissmuss“ schriebe. Diese Regel macht soviele „ss“, daß sie die gesamte Schriftsprache um mehrerer Prozent dehnt.

  • drei gleiche Buchstaben bei Zusammensetzungen bleiben
    stets erhalten
    Beispiele: Schifffahrt, Bassstimme, …

Hier wird in ganz exotischen Fällen, nämlich z.B. in dem der Neubildung eines Kompositums durch einen Studenten der deutschen Sprache, ein naheliegender Fehler vermieden. Der Preis dafür ist wiederum eine Zerdehnung des Schriftbildes und Abkopplung von der Aussprache, wenn nicht Fehlleitung der Aussprache.

  • inhaltlich verwandte Wörter werden ähnlich geschrieben
    Beispiele: behände (zu: Hand), Tipp (zu: tippen),
    nummerieren (zu: Nummer), potenziell (zu: Potenz)

Ich habe nichts gegen „potenziell“, und daß man „numerieren“ nur mit einem n schreibt, ist mir erst relativ spät im Leben klargeworden,aber schon Deine beiden anderen Beispiele Wortvergewaltigungen, weil man „behende“ nun mal nicht mit ä spricht, und der „Tip“ eben gerade nicht der aus dem „Tippfehler“ ist.

  • klang- oder sachverwandte Wörter werden ähnlich
    geschrieben
    Beispiele: Känguru (zu: Kakadu, Gnu), rau (zu: genau,
    schlau), …

  • Ersetzung von ph, gh, rh, th, é durch f, g, r, t, ee
    möglich
    Beispiele: Fotografie, Delfin, Jogurt, Panter,
    Varietee, …

In dieser Hinsicht halte ich i.d.T. eine Rechtschreibreform für sinnvoll, und zwar eine, die behutsam und in gebührendem Abstand dem tatsächlichen Sprachgebrauch folgt. Ich habe das Gefühl, daß „Fotografie“ vor Einführung des Neuschrieb schon möglich war; Deine anderen Beispiele sind pure Willkür.

  • Abschaffung des „englischen“ Plural im Deutschen
    Beispiele: Lobbys (nicht: Lobbies), Hobbys (nicht:
    Hobbies), …

„Hobbys“ steht schon in meinem Duden von 1967.

  • Verbindungen aus Verb und Verb immer getrennt
    Beispiele: spazieren gehen, kennen lernen, sitzen
    bleiben, …

Das ist die Wortvernichtung durch sinnentstellende Getrenntschreibung, wenn man die Regel so auffaßt, wie Du sie geschrieben hast. Tatsächlich sind ja bei Reformreformen immer wieder Wörter der schon stattgehabten Vernichtung entrissen worden. Wie man hört, sollen für den kommenden Jahreswechsel tausende neue Ausnahmen geplant sein.
Diese Regel schädigt i.ü. den ausländischen Studenten der deutschen Sprache weit mehr, als ihm die „ffff“-Regel hilft, denn er findet viele geläufige Wörter nicht mehr im Lexikon.

  • ganze Sätze immer groß, auch nach einem Doppelpunkt (klein
    optional)

  • keine Großschreibung mehr bei festen Verbindungen, nur
    noch bei Titeln, biologischen Arten, Kalendertagen,
    historischen Ereignissen

Auch das eine Wortabschaffung, welche die Leserlichkeit eines Textes dann beeinträchtigt, wenn man die Wortwahl nicht anpaßt. Man müßte halt auf den Ausdruck „Schwarzes Brett“ verzichten und statt dem sinnlosen „schwarzes Brett“ etwas anderes Schreiben, z.B. Plakatierungsfläche für jedermann (oder „für jeder Mann“? ich weiß es nicht).

  • viel, wenig, ein, ander immer klein

Beispiele: Das ist etwas anderes, Wir haben vieles
besprochen, …

Das soll Neuschrieb sein? Was ist dann mit den sinnentstellenden Rokoko-Großschreibungen? Darüber bin ich mehr jetzt aber nicht im Schabau, ähm, im Klaren, hicks.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Hi Wolfgang,

alle Anmerkungen, die Du gemacht hast, offenbaren, dass Du bei diesem Thema fachlich ziemlich unbeleckt bist. Du hast kein einziges eigenständiges Beispiel bringen können, sondern meine Beispiele subjektiv und unbegründet zu Schwachsinn, Sinnverdrehungen und Sprachexoten erklärt. Du bist offenbar der Meinung, eine Sprache zeichne sich vorrangig durch einen zahlenmäßig großen Wortbestand aus. Ich steige daher aus der Diskussion aus, so kommen wir in der Sache nicht voran. Egal wie der Reformstreit ausgeht, kannst Du ja einmal wieder von Dir hören lassen, wenn Du mehr über das Thema weißt.

Gruß
Christopher

Hi! (einmischenderweis)

da Du offensichtlich unfähig nicht willens bist,
sachlich zu argumentieren, bleibt mir dieser Part, nachdem Du
das Feld der Polemik bereits abgegrast hast. Vorteile der
Neuregelung im Sinne einer Vereinfachung des Erlernens und
Merkens sind meines Erachtens:

  • ß nur nach langem Vokal und Doppellaut, sonst s oder ss
    (ei, au, äu, …)
    Beispiele: Fass, Maß, beißen, Kenntnis, …

Grundlage der Reform war eine Vereinfachung der Rechtschreibregeln, da angebliche Deutschlands Schüler überfordert waren, zwei Schreibweisen zu erlernen. Als Folge der Reform müssen Schüler heute drei Schreibweisen des stimmlosen „s“ erlernen.

Alt: „Gas“ - „Baß“ - „Maß“
Neu: „Gas“ - „Bass“ - „Maß“

In der alten Rechtschreibung hatte ein Unkundiger eine Trefferquote von 50%, in der neuen von 33%. Oder anders herum: die Fehlerqutoe steigt von 50 auf 67 %. Das Problem, ob man den Nebensatz mit „das“ oder „dass“ beginnt, bleibt übrigens in der neuen Rechtschreibung bestehen und ist keineswegs vereinfacht worden.

  • drei gleiche Buchstaben bei Zusammensetzungen bleiben
    stets erhalten
    Beispiele: Schifffahrt, Bassstimme, …

Ob die Verdreifachung eines Konsonantes das Lesen eines Wortes erleichtert, sei dahingestellt. Ich jedenfalls habe drei Mal hinschauen müssen, als ich das erste Mal das Wort „Passstraße“ vor mir hatte.

  • inhaltlich verwandte Wörter werden ähnlich geschrieben
    Beispiele: behände (zu: Hand), Tipp (zu: tippen),
    nummerieren (zu: Nummer), potenziell (zu: Potenz)

Gerade hier - und auch in den Beispielen - zeigt sich der logische Bruch der Reform. Leitet sich das Verb vom Substantiv ab (nummerieren von Nummer) oder das Substantiv vom Verb (Tipp von tippen)? Es sieht einfach willkürlich aus. Zudem: Warum schreiben wir in Deutschland „Tipp“ anders als in der Herkunftssprache Englisch („Tip“)?
Dazu kommt eine Rehe von Begriffen, die eine abenteuerliche Herleitung bekommen haben. „Quäntchen“ (ehemals Quentchen) soll sich von „Quantum“ ableiben, was etymologisch völlig falsch ist (vom mittelhochdeutschen „quentin“). „Belämmert“ (ehemals „belemmert“) hat nicht die Bohne mit „Lamm“ zu tun, wie die Reformer uns weismachen wollten, sondern mit dem mittelhochdeutschen „belemmeren“)

Wenn aber Ableitungen wie „behände“ von „Hand“ gelten sollen, wie sieht es dann z.B. mit „Hatz“ zu „hetzen“ aus (jetzt also „hätzen“)? Oder von „Fraß“ zu „frässen“ (statt „fressen“)? Wenn „Tipp“ von „tippen“ hergeleitet wird, dann müsste es doch auch „Stripp“ von „strippen“ heißen. Auch hier erweckt (erwäckt von Erwachen?) die Reform eine Beliebigkeit.

  • Ersetzung von ph, gh, rh, th, é durch f, g, r, t, ee
    möglich
    Beispiele: Fotografie, Delfin, Jogurt, Panter,
    Varietee, …

Gottseidank blieben uns da Wortmonster wie „Filosofie“ und „Fysik“ erspart. Aber auch hier: ein Regel mit Beliebigkeit.
Aber nochmal zu dem zentralen Argument der Vereinfachung der deutschen Schriftsprache (das war ja oberstes Ziel):

Wie du schon schreibst, wird auf „Delphin“ der „Delfin“, aus „Johghurt“ wird „Joghurt“, aus „Thunfisch“ der „Tunfisch“ (interessant, daß man hier die internationale Schreibweise bemüht [„Tuna“], während das für den o.g. „Tipp“ nicht gilt), eben um es einfacher zu machen.

Einfacher?

Hochkmplizierte Wörter wie „Chrysantheme“, „Diphtong“, „Hydrographie“ oder „Rhythmus“ bleiben von der Vereinfachung ausgenommen. Also auch hier eine Beliebigkeit, welcher Wörter einfacher werden sollen und welche nicht?

  • keine Großschreibung mehr bei festen Verbindungen, nur
    noch bei Titeln, biologischen Arten, Kalendertagen,
    historischen Ereignissen
    Beispiele: das schwarze Brett, die erste Hilfe, der
    Regierende Bürgermeister, der Rote Milan, der Heilige Abend,
    der Dreißigjährige Krieg, …

Auch hier regiert Beliebigkeit, wenn nicht Zufall.
„Das Schwarze Brett“ mutiert zu „das schwarze Brett“
„Der blaue Montag“ hingegen bleibt „der blaue Montag“
„Der Schwarze Tod“ wird „der schwarze Tod“
„Der Schwarze Kontintent“ bleibt „der Schwarze Kontinent“

  • viel, wenig, ein, ander immer klein
    Beispiele: Das ist etwas anderes, Wir haben vieles
    besprochen, …

Und wie sieht es hier aus? Einfache Regeln?

„bis auf weiteres“ bleibt „bis auf weiteres“
„des weiteren“ wird zu „des Weiteren“
„bei weitem“ bleibt wieder „bei weitem“

„die einzelnen“ werden zu „die Einzelnen“
„die wenigen“ bleiben „die wenigen“
„die anderen“ bleiben „die anderen“
„die übrigen“ werden aber zu „die Übrigen“

Du erlaubst, dass ich jetzt aufhöre, um den Stab mit der Liste
der Nachteile an Dich weiterzureichen.

Schön, daß du die Komma- und Trennregeln der neuen Rechtschreibung nicht erwähnt hast. Da gäbe es auch noch eine Menge zu sagen.

Hübsch sind Trennungen wie „Demonst - ration“ (gegen das gesprochene „De-mon-stra-tion“, „Fab - rik“ (gesprochen „Fa-brik“), „Pat - rone“ (gesprochen "Pa-trone), „Sop - ran“ (gesprochen „So-pran“).

Und wer weiß schon, daß man „abendlich“ in die Teile „a-bend-lich“ zerlegen darf, das erweiterte Wort „allabendlich“ aber nur „all-abend-lich“ getrennt werden darf? Ähnlich „E-xa-men“. Aber „Ab-schluss-exa-men“! Zwei Trennregeln für ein Wort.

Beliebigkeit oder einfachere Regeln?

Bei der Kommasetzung sollte ja nun auch alles einfacher werden. §77,5 macht so einfach, daß ich es auch nicht mehr verstehe: „Wörter oder Wortgruppen, die durch ein hinweisendes Wort oder eine hinweisende Wortgruppe angekündigt werden … grenzt man durch Komma ab.“

Alles klar?

„Er hatte den Wunsch eine Familie zu gründen.“ Komma oder nicht?

„Es war sein Wunsch zu heiraten.“ Komma oder nicht?

„Es kam ihm der Gedanke eine Familie zu gründen.“ Komma oder nicht?

„Sein größter Wunsch war es eine Familie zu gründen.“ Komma oder nicht?

Ist doch ganz einfach. :wink: Schließlich macht die neue Rechtschreibung die Kommasetzung einfacher (das war doch das Ziel)!

Auflösung weiter unten.

Grüße
Heinrich
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1.Beispielsatz: kein Komma, da kein hinweisendes Wort

2.Beispielsatz: Komma, da ein sogenanntes Vorgreifer-Es vorhanden ist.

3.Beispielsatz: Kein Komma; das „Es“ ist hier nur ein Platzhalter-Es.

4.Beispielsatz: Komma, da hier wieder ein Vorgreifer-Es existiert.

Die Beispielsätze entstammen einer Schrift von Prof. Dr. Theodor Ickler, Erlangen, zur Kommaregelung der neuen Rechtschreibung.

1 „Gefällt mir“

Gerade hier:

Wenn aber Ableitungen wie „behände“ von „Hand“ gelten sollen,
wie sieht es dann z.B. mit „Hatz“ zu „hetzen“ aus (jetzt also
„hätzen“)? Oder von „Fraß“ zu „frässen“ (statt „fressen“)?
Wenn „Tipp“ von „tippen“ hergeleitet wird, dann müsste es doch
auch „Stripp“ von „strippen“ heißen. Auch hier erweckt
(erwäckt von Erwachen?) die Reform eine Beliebigkeit.

sieht man, dass du der billigen Polemik der Reformgegner auf den Leim gehst!

„behände“ ist von Hand abgeleitet, daher „behände“!

Die „Hatz“ ist eine mit Umlaut gebildete Ableitung von „hetzen“ und nicht umgekehrt! „hätzen“ verstößt gegen die Derivationsregel, da hier in die falsche Richtung abgeleitet würde.

Dasselbe gilt für „Fraß“! Zuerst kommt das „fressen“; dies ist ein unregelmäßiges Verb mit den Formen: ich fresse, er fraß, er hat gefressen. „frässen“ ist einfach falsch abgeleitet.

„tippen“ ist so sehr eingedeutsch, dass sich die Form „Tipp“ gar nicht vermeiden lässt.

„strippen“ ist noch als Fremdwort erkennbar und bekannt, ebenso wie das Fremdwort „Strip“.

Aber um solches zu wissen, bedarf es größerer Kenntnisse als derer, die von den Reformgegnern in blinder Ablehnungswut vorgebracht werden.

Aber ich weiß, dass ich hier tauben Ohren predige.

Dem hier verbreiteten Nonsens aber nicht zu widersprechen, hätte meiner Art widerstrebt!

Fritz

Hallo Fritz, hallo Fußvolk der KMK,

ob das Neuschrieb-Regelwerk in sich widersprüchlich ist oder nicht, darüber mag ich gar nicht diskutieren. Fritz hat ganz recht: dafür habe ich die Regeln nicht gut genug gelernt. Allerdings lese ich und erkenne den Neuschrieb an seinen Früchten. Und ich brauche nicht mit jeder Made persönlich bekannt zu sein, um faules Obst als faul zu erkennen.

Eine möglichst geringe Anzahl klarer Rechtschreib- und Ausspracheregeln ist sehr sinnvoll, wenn man eine Sprache neu erfindet, mit der ein Land alphabetisiert werden soll. Gut gelungen ist diese Aufgabe bei Indonesisch, Türkisch und wohl auch in Laos.

Da in Deutschland das Problem des massenhaften Analphabetismus nicht besteht, hat die KMK ihren Neuschrieb mit der grotesk unverschämten Behauptung begründet, daß das richtige Deutsch für unsere Schulkinder zu schwer sei und deshalb eine andere, leichter zu lernende Sprache entwickelt werden muß. Daß selbst dieser Zweck nicht erreicht wurde, ist längst hundertmal nachgewiesen worden.

Mein Trost an die Neuschriebler: es ist einfach noch nicht an der Zeit. Aber in ein paar Jahrzehnten wird Deutschland zum Multikultiland geworden sein, das will ja angeblich die Mehrheit des Volkes, und dann kann eine richtige, schöne Neusprache Akzeptanz finden. Sie wird aus dem Türkischen abgeleitet sein, das ja eine sehr regelhafte Sprache ist, aber auch manches Wort aus dem Slawischen, Deutschen, Englischen und Arabischen übernehmen, so daß sie jeder wenigstens ein bißchen versteht.
Da die Entwicklung einer ganzen Sprache relativ viel Zeit beansprucht, sollte die KMK allmählich schon mal damit anfangen.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

fast alles klein
Hallo Experten,

konkrete Beispiele bringen, was an der Neuregelung (nicht am
Verfahren der Erarbeitung) so misslungen ist, um diese
Sätze wie „in erster linie halte ich für untragbar, daß das
deutsche volk seine eigene sprache lernen soll.“
,
sondern konkrete Beispiele. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts,

alles klein schreiben, was kein Substantiv ist
Grüße von Franz

Bitte nicht die Kinder vorschieben
Hi Lidscha,

50 % der Rechtschreibfehler werden bei der Groß-/Kleinschreibung gemacht, weiter 40 % betreffen die Frage, ob nach dem Komma ein „das“ oder ein „dass“ hingehört. Zu meiner Zeit waren etliche Kinder nicht in der Lage, ein Hauptwort als solches zu erkennen, genau so viele haben nie begriffen, was das „dass“ nach dem Komma bedeutet. Diese Probleme der Didaktik sind nie angegangen worden, schon gar nicht von der RS-Kommission oder der KMK.

Rechtschreibung hat nicht dem Schreiber die Arbeit zu erleichtern, sondern dem Leser das Lesen. Wer für den Papierkorb schreibt, dem kann das egal sein; wer gelesen werden will, soll gefälligst an die Leser denken.

Gruß Ralf

Ja wen denn? Die Erwachsenen?

Hi Lidscha,

Tag schön!

50 % der Rechtschreibfehler werden bei der
Groß-/Kleinschreibung gemacht,

Über Groß- und Kleinschreibung kann man sicherlich ewig diskutieren. Aber die gesamte Großschreibung abzuschaffen, würde ich für Vergewaltigung an unserer Sprache halten. Sicher gibt es da auch heute noch mögliche Nachbesserungen.

weiter 40 % betreffen die
Frage, ob nach dem Komma ein „das“ oder ein „dass“ hingehört.

Ja, ich weiss, und darüber bin ich auch immer wieder sehr bestürzt. Diese Frage ist in meinen Augen weniger eine von Rechtschreibung als viel mehr eine von etwas Logik und Intuition. Aber es gibt sogar Studenten für Lehramt Deutsch, die solche Sachen nicht wissen…

Zu meiner Zeit waren etliche Kinder nicht in der Lage, ein
Hauptwort als solches zu erkennen, genau so viele haben nie
begriffen, was das „dass“ nach dem Komma bedeutet. Diese
Probleme der Didaktik sind nie angegangen worden, schon
gar nicht von der RS-Kommission oder der KMK.

Okay, da geb ich Ihnen recht. Aber es bleibt noch Zeit für Nachbesserungen. Wegen der Bild-Zeitung, deren Leser m.M. nach auch nicht vordergründig an Fakten und seriösen Debatten als vielmehr an einer schnellen Meinung interessiert sind, sollte man aber nicht bereit sein, das Leben unserer Kinder, die, wie es gestern bei Sabine Christiansen sehr gut rüber kam, sich mit anderen (existentiellen) Fragen des Lebens beschäftigen sollten, unnötig schwer zu machen. Sie sind nun einmal die Schreiber von morgen.
Ist es denn wirklich verantwortbar, dass unsere Kinder jetzt anfangen, umzulernen, und dass die, die vorher die „alte“ RSR in der Schule lernten, später aber auf die neue umsteigen mussten (und bsp. auch ihr Examen in der neuen RSR schreiben werden), schon wieder neu lernen? Sorry, meine Meinung ist: Die, die etwas mit Schriftsprache zu tun haben, setzen sich auch damit auseinander. Und die, die die Bild lesen und nun - wer-weiss-warum - mit auf ein Pferd aufspringen, das lange weg ist, sollten sich mal um wirklich wichtige Dinge des Lebens kümmern.

Gruß Ralf

Grüße,
die Lidscha

P.S.: Ich gehöre übrigens zu denen, die 8 Jahre die „alte“ und 6 Jahre die „neue“ gelernt haben. Das wirkliche Problem besteht doch darin, dass es einfach an Informationen fehlt. Viele von denen, die dagegen wettern, wissen doch nichts weiter als die Sache mit dem ss/ß. Vielleicht ist ein Vorteil an der Diskussion, dass sich einige mehr Menschen jetzt damit beschäftigen!?!

Hallo Fritz,

Die „Hatz“ ist eine mit Umlaut gebildete Ableitung von
„hetzen“ und nicht umgekehrt! „hätzen“ verstößt gegen die
Derivationsregel, da hier in die falsche Richtung abgeleitet
würde.

Dann kann man’s ja jetzt „Hetz“ nennen…

Dasselbe gilt für „Fraß“! Zuerst kommt das „fressen“; dies ist
ein unregelmäßiges Verb mit den Formen: ich fresse, er fraß,
er hat gefressen. „frässen“ ist einfach falsch abgeleitet.

Und „Freß“…

„tippen“ ist so sehr eingedeutsch, dass sich die Form „Tipp“
gar nicht vermeiden lässt.

„strippen“ ist noch als Fremdwort erkennbar und bekannt,
ebenso wie das Fremdwort „Strip“.

Wer bestimmt das? Außerdem hat der Tip als Hinweis nichts mit dem tippen zu tun. Gerade Dir sollte das klar sein.

Aber um solches zu wissen, bedarf es größerer Kenntnisse als
derer, die von den Reformgegnern in blinder Ablehnungswut
vorgebracht werden.

Es gibt auch Reformgegner, die sinnvolle Argumente anbringen. Genauso wie es Befürworter gibt, die mit beliebigen Bestimmungen daherkommen, die nichts mit Objektivität zu tun haben. Ich denke jedenfalls, daß auch Du nicht bestreitest, daß es auch in der NDR ausreichend Unsinn, Ausnahmen und unlogische Bestimmungen gibt - die Heinreich z.T. aufgeführt hat.

Aber ich weiß, dass ich hier tauben Ohren predige.

Das sagt sich die Gegenseite auch…

Dem hier verbreiteten Nonsens aber nicht zu widersprechen,
hätte meiner Art widerstrebt!

Eben.

Kubi

Hallo Jürgen,

die Wurzel dieses Übels liegt wohl darin, daß die Reform in Deutschland gemacht wurde. Und wie bei allen Reformen hierzulande wurde sie mal gut ausgedacht und dann im Mahlwerk der Lobbyisten aller Couleur derart zerrieben, daß am Ende wieder nichts Vernünftiges dabei rauskam. Wie hätte es hier anders sein sollen als bei allem anderen?

Kubi

Oh, Kubi,

du doch nicht auch noch!

Dann kann man’s ja jetzt „Hetz“ nennen…
Und „Freß“…

Das wäre willkürliches Beiseiteschieben sprachhistorischer Veränderungen und Ableitungen.

Wer bestimmt das?

Nun, die Dudenredaktion, die andauernd die neuesten Tendenzen beobachtet und registriert. Die schauen immer noch dem Maul aufs Volk!

Außerdem hat der Tip als Hinweis nichts mit dem tippen zu tun. Gerade Dir sollte das klar sein.

Das musst du mir erklären.

Ich denke jedenfalls, daß auch Du nicht bestreitest,
daß es auch in der NDR ausreichend Unsinn, Ausnahmen und
unlogische Bestimmungen gibt - die Heinreich z.T. aufgeführt
hat.

Ohja, vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung! Und bei manchen Schein- bzw. Volksetymologien.
Die aber vor allem dadurch entstanden, dass rückwärtsgewandte Politiker und Lobbyisten den reinen Wein der Kommision verwässerten. Wie du selbst an anderer Stelle erwähnst!
Aber deshalb die ganze Sache kassieren? Nein!

Fritz

Oh, Kubi,

du doch nicht auch noch!

Tja, da ich nunmal auch Anhänger der alten Schreibe bin, konnte ich so einiges nicht unkommentiert stehenlassen…

Dann kann man’s ja jetzt „Hetz“ nennen…
Und „Freß“…

Das wäre willkürliches Beiseiteschieben sprachhistorischer
Veränderungen und Ableitungen.

Was die NDR teilweise auch macht, wie Du unten auch selbst schreibst.

Wer bestimmt das?

Nun, die Dudenredaktion, die andauernd die neuesten Tendenzen
beobachtet und registriert. Die schauen immer noch dem Maul
aufs Volk!

Das kommentiere ich jetzt mal nicht…

Außerdem hat der Tip als Hinweis nichts mit dem tippen zu tun. Gerade Dir sollte das klar sein.

Das musst du mir erklären.

Tippen bedeutet entweder berühren oder mit einer Tastatur schreiben (oder wetten). Der Tip ist ein Hinweis. Wo ist die Verbindung, außer in der Tatsache, daß beide vor Jahrhunderten aus der gleichen Wurzel abgeleitet wurden?

Ohja, vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung! Und
bei manchen Schein- bzw. Volksetymologien.
Die aber vor allem dadurch entstanden, dass rückwärtsgewandte
Politiker und Lobbyisten den reinen Wein der Kommision
verwässerten. Wie du selbst an anderer Stelle erwähnst!

Eben!

Aber deshalb die ganze Sache kassieren? Nein!

Auch dagegen habe ich mich an anderer Stelle bereits ausgesprochen. Es ist jetzt zu spät. Aber das heißt ja nicht, daß ich die NDR jetzt gut finden muß, oder?

Jedenfalls wird die Diskussion von beiden Seiten oft mit ziemlicher Polemik betrieben, auch hier.

Gruß Kubi