Hallo!
Wohl jeder Mensch, der das hundertste Lebensjahr vollendet hat, wird von allen möglichen Leuten aufgefordert zu verraten, wie er es schaffte, so alt zu werden. Dann hört man bestenfalls Gemeinplätze, schließlich kann der alte Mensch nicht wissen, welcher Umstand dazu führte, daß er alle seine Kinder überlebte. Das hindert aber irgendwelche Schreiberlinge nicht daran, alle paar Tage im Umfeld aus Horoskop und den neuesten Nachrichten über das Liebesleben hochwichtiger Schickeria-Snobs mit hochwichtigen Schlagersternchen zu vermelden: „US-Forscher fanden das Rezept für ein langes Leben“.
Was man tun und lassen muß, um alt zu werden, ist unbekannt. Bekannt ist aber, was mit einiger Wahrscheinlichkeit der Gesundheit abträglich ist. So ist bekannt, daß ständiges Leben an der physischen Belastungsgrenze zu vorzeitigem Verschleiß führt. Der Umkehrschluß ist aber unzulässig, fehlende Belastung führt zu keinem stabilen widerstandsfähigen Organismus. Der absolut untrainierte Mensch tut seinem Körper nichts Gutes, aber auch nicht der Extremsportler. Irgendwo dazwischen wird ein Optimum liegen. Dauerhaft zu üppige Ernährung ist der Gesundheit abträglich, ebenso die regelmäßige Zufuhr von Giften wie Nikotin und Alkohol. Die Beobachtung zeigt aber, daß mancher schlanke Mensch, der Zigaretten und Alkohol nie anrührte und sich regelmäßig bewegte, eines frühen Todes stirbt, während ein anderer, stark übergewichtig, qualmend wie ein Schlot, der als einzigen Sport die Flasche zum Mund führt, uralt wird.
Bekannt ist ein enger Zusammenhang zwischen psychischem Wohlergehen und körperlicher Gesundheit. Auffällig häufig führen fehlende Aufgaben, fehlende Herausforderungen und mangelnde geistige Forderung zu frühem Verfall. Auffällig häufig erfreuen sich Menschen eines langen Lebens bei guter Gesundheit, die anstelle körperlicher und geistiger Untätigkeit auch im hohen Alter noch Aufgaben wahrnehmen oder sogar berufstätig sind und verantwortungsvolle Positionen ausfüllen. Würde die starre Altersgrenze, nach der abhängig Beschäftigte mit 65 in den Ruhestand zu gehen haben, abgeschafft und die Menschen könnten so lange arbeiten, wie sie gerne möchten, würde die durchschnittliche Lebenserwartung nach meiner Überzeugung spürbar steigen.
Mütter mehrerer Kinder und Selbständige werden so gut wie nie krank. Man kann davon ausgehen, daß das Gefühl gebraucht zu werden, Aufgaben, Herausforderungen, etwas „um die Ohren haben“ das körperliche und seelische Wohlbefinden fördern. Dazu eine halbwegs vernünftige, nicht zu üppige Ernährung, regelmäßig ausreichender Schlaf, Verzicht auf die üblichen Gifte oder wenigstens im Rahmen eng kontrollierten Gebrauchs, so daß man von Genuß reden kann und mehrmals wöchentlich ausgiebige Beanspruchung von Bewegungsapparat und Kreislauf bis zum Schwitzen - viel mehr kann man nicht tun. Der Rest ist wohl Glücksache, Veranlagung oder was auch immer.
Gruß
Wolfgang