Sprachproblem Adoption

Hallo,
ich benötige dringend Hilfe.
Ich habe mich auf einer Adoptions-Site in eine Diskussion
verstrickt.
Dabei geht es nur um Wörter, eigentlich ein Wort.
Wie bezeichnet man den Vorgang, wenn Eltern ihr
Kind zur Adoption freigeben.
Nein, „freigeben“, obwohl der offiziell zur Zeit akzeptierte
Terminus, wird von den Betroffenen nicht akzeptiert.
Das früher übliche „abgeben“ ebenfalls nicht.
Auf Elternschaft kann man nicht verzichten. –
Ja, wat denn nun? Hat jemand einen Vorschlag,
wie man dies ausdrücken kann, ohne auf die allseits
sehr empfindlichen Zehen zu latschen?

Grüße
Elke

PS: im Vergleich dazu mutet manche political correctness-
Diskussion wie ein Sonntagsspaziergang an

Hi Elke,

mir scheint, die „Betroffenen“ lehnen nicht nur die von Dir vorgeschlagenen Begriffe ab, sondern akzeptieren noch nicht einmal ihr eigenes Tun. Was wäre denn an „freigeben“ falsch? Mag ja sein, dass Selbstverstümmelung die Sache besser träfe, aber damit wirst Du auch keinen Dank ernten.

Wenn vom Kindeswohl ausgegangen wird, gibt es doch nichts, was die Sache besser beschreibt als eben das Wort „freigeben“.

Bitte nicht hauen, wenn das jetzt im akuten Fall keine große Hilfe sein sollte.

Gruß Ralf

Hi Ralf,

mir scheint, die „Betroffenen“ lehnen nicht nur die von Dir
vorgeschlagenen Begriffe ab, sondern akzeptieren noch nicht
einmal ihr eigenes Tun. Was wäre denn an „freigeben“ falsch?
Mag ja sein, dass Selbstverstümmelung die Sache besser träfe,
aber damit wirst Du auch keinen Dank ernten.

Wenn vom Kindeswohl ausgegangen wird, gibt es doch nichts, was
die Sache besser beschreibt als eben das Wort „freigeben“.

Das Ganze ist komplizierter. Diejenigen, die das nicht
akzeptieren, sind die Adoptierten (die abgebenden Eltern
auch ,aber lange nicht so vehement). Adoption hat oft
eben nichts mit Kindeswohl zu tun.

Ich suche einfach
eine neutrale Formulierung, damit man sich bei der nächsten
Diskussion um die Sache und nicht um die Wortwahl streiten
kann.

Aber danke für deinen Kommentar.

Grüße
Elke

Hallo Ralf,

nochmal ich. Ich weiss, dass es nicht die feine
Art ist, aus einem anderen Forum zu zitieren. Aber nur
zur Verständlichmachung. Dort fiel u.a. der Satz:

„Ich wehre mich als Adoptierte wehement gegen
die Behauptung, dass ich jemals „freigeggeben“ wurde.
Wer so etwas im Zusammenhang mit Adoption behauptet,
hat überhaupt nichts verstanden!!!“

Du siehst, mit welcher Vehemenz (sic) und mit wievielen
Ausrufezeichen hier diskutiert wird.
Den Betroffenen geht es darum, dass die Bande (zumindest
die biologischen) auch nach der Adoption noch bestehen,
dass der Kontakt wenn möglich permanent vorhanden
bleibt, zumindest dass er im Erwachsenenalter der Adoptierten
wieder aufgefrischt wird - und dass die Herkunftseltern
sich durch keine Aktion von ihren Kindern permanent trennen
können.

Um nochmal zu wiederholen, ich möchte einen Ausdruck finden,
der die Sachdiskussion fördert und nicht in einen Nebenkriegs-
platz (Semantik) leitet.

Grüße
Elke

Hi Ralf,
im Englischen ist der Begriff ‚to give up for adoption‘, wobei man ‚to give up‘ als 'frei’geben interpretieren könnte, ist aber ein feststehender Begriff, der dem 'Frei’geben auf deutsch nicht entspricht.

Ich persönlich würde es wahrscheinlich mit ‚weggeben‘ beschreiben, das ‚to give up for adoption‘.

Aber auch das hat ne andere Nuance.

Ich verstehe also das Problem - aber nen Terminus für Elke hab’ ich leider auch nicht parat.

Da wäre noch ‚aufgeben‘, für ‚to give up‘, aber nicht für ‚to give up for adoption‘.

gruss, isabel

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Hallo Elke

wie wäre es ganz einfach mit „zur Adoption geben“?

Man könnte natürlich die Emotionen noch anheizen und sagen „zur
Adoption einstellen“ - ein Terminus, der in Ebay-Zeiten allen
geläufig ist und deshalb auch unverfänglich benutzt werden könnte.

Ich war so frei
Heinz

Hallo, Elke,

„Ich wehre mich als Adoptierte wehement gegen
die Behauptung, dass ich jemals „freigeggeben“ wurde.
Wer so etwas im Zusammenhang mit Adoption behauptet,
hat überhaupt nichts verstanden!!!“

Um nochmal zu wiederholen, ich möchte einen Ausdruck finden,
der die Sachdiskussion fördert und nicht in einen Nebenkriegs-
platz (Semantik) leitet.

ich frag mich gerade, ob man sein Kind adoptieren lassen kann - ist zwar in diesem Zusammenhang sicher nicht gebräuchlich (und auch kein „elegantes“ Deutsch), klingt aber vielleicht für die Betroffenen neutraler.

Gruß
Kreszenz

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Hallo,

wie wäre es „die Eltern haben Dritten eine Adoption ihres Kindes ermöglicht“?

Leicht off topic: was ich immer wieder bemerkenswert finde, ist wie schnell eine Diskussion aus dem Ruder gerät, wenn Kinder irgendwie betroffen sind. Ich erlebe das gelegentlich (auch hier schon bei w-w-w) wenn z.B. Themen wie „sollten homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen?“ aufkommen. Dann ist es plötzlich mit jeglicher Toleranz vorbei und es wird der rosa Winkel ausgepackt. Sachliche Argumente greifen dann nicht mehr.

Gruß,

Myriam

Hi Elke,

„Ich wehre mich als Adoptierte wehement gegen
die Behauptung, dass ich jemals „freigeggeben“ wurde.
Wer so etwas im Zusammenhang mit Adoption behauptet,
hat überhaupt nichts verstanden!!!“

da wäre hilfreich zu wissen, was die Adoptierte an dem Ausdruck stört. Der Vorwurf, nichts verstanden zu haben, hilft dem, der verstehen möchte, auch nicht weiter.

Den Betroffenen geht es darum, dass die Bande (zumindest
die biologischen) auch nach der Adoption noch bestehen,

Daran wird im Zeitalter der DNA-Analyse niemand ernsthaft zweifeln wollen.

dass der Kontakt wenn möglich permanent vorhanden
bleibt, zumindest dass er im Erwachsenenalter der Adoptierten
wieder aufgefrischt wird

das sind Wunschbilder

  • und dass die Herkunftseltern sich durch keine Aktion von
    ihren Kindern permanent trennen können.

Das können sie sehr wohl, wie die Praxis tausendfach zeigt.

Um nochmal zu wiederholen, ich möchte einen Ausdruck finden,
der die Sachdiskussion fördert und nicht in einen Nebenkriegs-
platz (Semantik) leitet.

Dazu würde ich gerne beitragen, sehe ich mich aber bei dieser Gemengelage aus Wünschen und Nichtwahrhabenwollen außerstande. Konstrukte wie „Zeitlich begrenzt dem Schutz anderer Leute anbefohlen“ (oh je, jetzt wird’s krampfig) drücken vielleicht aus, was die Adoptierte alles hineinwünschen möchte, treffen aber kaum den Sachverhalt, dass Eltern das Schicksal eines Kindes in fremder Leute Hände gelegt haben.

Gruß Ralf

Hallo,

wie wäre es „die Eltern haben Dritten eine Adoption ihres
Kindes ermöglicht“?

Nein. Denn, es geht hier um das betroffene Kind.
Das hört sich wie ein pc Euphemismus a la ‚vertically challenged‘ etc an… *g*

Ich denke, der einfachste Ausdruck, ‚zur Adoption geben‘ ist wohl der neutralste.

Es ist ja nicht so, dass jemand ein Kind gebärt, UM jemand anderem zu ermöglichen, ein Kind zu adoptieren!

Weiterhin wird ja nicht jedes Kind gleich adoptiert. Das Kind kommt zB in ein Waisenheim o.ä. Institution (ja, auch wenn es an sich keine Waise ist), ist aber zur Adoption, eh, ‚freigegeben‘, und wird somit später vielleicht auch adoptiert.

Es wird also ein Begriff gesucht, der ausdrückt ‚the child’s mother gave him/her up for adoption‘, aus welchen Gründen auch immer.

Die Mutter hat das Kind zur Adoption gegeben?

Die Mutter hat eine Adoption ihres Kindes akzeptiert /hat einer A. ihres Kindes zugestimmt?

Nee, das hört sich ja an, als ob sie von Dritten dazu gedrängt worden sei (was durchaus mal der Fall sein kann, aber nicht automatisch der Fall ist).

Ich finde immer noch das einfache ‚zur Adoption geben‘ am neutralsten.

Obwohl ich, ehrlich gesagt, nicht verstehe, warum ‚zur Adoption weggeben‘ nicht ok wäre - wenn jemand ein Kind irgendwo abgibt, weggibt, nun, dann wird das Kind weggegeben, abgegeben.

Dass man die Elternschaft, also die Tatsache, leibliche Mutter des Kindes zu sein, NICHT mit abgeben kann, ist eine andere Sache.

gruss, isabel

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Hallo Elke,

die Antworten sind bisher alle ein wenig unsicher, weil du uns nicht gesagt hast, warum die Adoption überhaupt stattgefunden hat.
Warum tun Eltern so etwas? Nämlich auf dem von dir sehr wohl beschriebenen Hintergrund, später einmal wieder Kontakt aufnehmen zu wollen …

„Einem anderen Ehepaar die Erziehungsberechtigung abtreten“ fällt mir dazu ein, wenn es schon wohlwollend formuliert werden muß.

Gruß
Barney

Hallo,

wie Du unten ja gesagt hast mokiert sich jemand Adoptiertes über die Begrifflichkeit „Adoption freigegeben“.

Verstanden hat diejenige Person nicht, dass es sich bei dem Begriff um einen technischen Begriff handelt ohne mit zwei Worten darstellen zu wollen, welche Implikationen dieses Verfahren auf die Eltern-Kind Beziehung hat.

Die Person interpretiert diesen Begriff viel zu sehr, obwohl er nichts weiter aussagt, als was rechtlich dafür niedergeschrieben ist.

Anstatt also eine andere Begrifflichkeit zu verwenden, würde ich darauf hinweisen, dass es sich um einen technischen Begriff handelt, der wesentlich weniger aussagt, als der Adoptierte hier in diesem Fall hineininterpretiert.

Besten Gruß
Mathias

„Ich wehre mich als Adoptierte wehement gegen
die Behauptung, dass ich jemals „freigeggeben“ wurde.
Wer so etwas im Zusammenhang mit Adoption behauptet,
hat überhaupt nichts verstanden!!!“

hi

das ist ein generelles problem mit der sprache.

der korrekte ausdruck ist nunmal „zur adoption freigeben“. natürlich hat es eine nuance drin, die nicht sehr freundlich ist (als ob das kind bei den leiblichen eltern unfrei gewesen wäre und dann befreit wird!).

aber ebenso kann man den englischen ausdruck kritisieren, den man auch doppeldeutig interpretieren kann als „ein kind aufgeben“. (was ich persönlich noch viel schlimmer empfinde).

oder man kann jedes wort derartig kritisieren, das für den betroffenen negative nuancen haben kann:

„ich wehre mich dagegen, kurzsichtig genannt zu werden, denn kurzsichtigkeit hat die doppelbedeutung von unüberlegtheit, dummheit und fehlender vorsicht.“

ist das sinnvoll, derart zu argumentieren? wie wirkt das?

gruß
dataf0x - myop aber nicht unüberlegt.

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Hallo, Kreszenz und Elke,

ein Kind adoptieren lassen

Genau das war mein erster Gedanke!

Fritz

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Hallo, alle am Sprachproblem Adoption Leidende:

„Frau Sowieso ließ ihr Kind adoptieren.“
Oder müsste man sagen: „… adoptiert werden?“

Geht das wirklich, ich mein: sprachlich?

Gruß
H.

„Frau Sowieso ließ ihr Kind adoptieren.“
Geht das wirklich, ich mein: sprachlich?

Was spricht dagegen, zu sagen:

„Frau Dingsda ließ ihr Kind von der kinderlosen Familie Sowieso adoptieren.“

Passiv geht wohl nicht.

Fritz

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Hallo, Hannes,

„Frau Sowieso ließ ihr Kind adoptieren.“
Oder müsste man sagen: „… adoptiert werden?“
Geht das wirklich, ich mein: sprachlich?

glaube ich eher nicht. Eher
„Frau Sowieso stimmte der Adoption ihres Kindes zu.“

Gruß
Eckard

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Hallo Data,

das ist ein generelles problem mit der sprache.

der korrekte ausdruck ist nunmal „zur adoption freigeben“.

Eh, nein. Das ist nicht der korrekte Ausdruck. Es ist einer
der korrekten Ausdrücke. Zum Beispiel ist im passiven
Sprachgebrauch von abgebenden Eltern die Rede.

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob derjenige,
der den Ausdruck kritisiert, überreagiert. Genau das
passiert in dieser Diskussion. Ich möchte aber genau
diese Diskussion vermeiden, und mich auf das - für mich -
Wesentliche konzentrieren.

Grüße
Elke

Hi Ralf,

da wäre hilfreich zu wissen, was die Adoptierte an dem
Ausdruck stört. Der Vorwurf, nichts verstanden zu haben, hilft
dem, der verstehen möchte, auch nicht weiter.

Das stimmt. Wobei man natürlich in dem dortigen
Forum die verschiedenen Ansichten auch schon kennt, und
sie nicht immer wiederholt werden. Ich hab
ja versucht zu erklären, wo das Problem liegt. Eben hier:

Den Betroffenen geht es darum, dass die Bande (zumindest
die biologischen) auch nach der Adoption noch bestehen,

Daran wird im Zeitalter der DNA-Analyse niemand ernsthaft
zweifeln wollen.

dass der Kontakt wenn möglich permanent vorhanden
bleibt, zumindest dass er im Erwachsenenalter der Adoptierten
wieder aufgefrischt wird

das sind Wunschbilder

Nein. Das ist die neue Realität, zumindest was Inland-
Adoptionen betrifft. Hier liegt der Hund ja zum Teil
begraben: weil es für die jetzt stattfindenden Diskussionen
in viel stärkerem Maße die Möglichkeit der offenen Adoption
gibt, d.h. dass zwischen Herkunftseltern und Adoptivfamilien
Kontakt besteht, suchen die jetzt erwachsenen Adoptierten
das im Nachhinein zu finden. Oder auch umgekehrt: weil
die jetzt erwachsenen Adoptierten ihre Erfahrungen formulieren
können, ändert sich vieles in der Adoptionspraxis.

  • und dass die Herkunftseltern sich durch keine Aktion von
    ihren Kindern permanent trennen können.

Das können sie sehr wohl, wie die Praxis tausendfach zeigt.

Nun, das ist eben die Frage. In Adoptionskreisen wird
unter anderem die totale Inkognito-Adoption abgelehnt. Weil
da elementare Rechte der Kinder verletzt werden.

Um nochmal zu wiederholen, ich möchte einen Ausdruck finden,
der die Sachdiskussion fördert und nicht in einen Nebenkriegs-
platz (Semantik) leitet.

Dazu würde ich gerne beitragen, sehe ich mich aber bei dieser
Gemengelage aus Wünschen und Nichtwahrhabenwollen außerstande.
Konstrukte wie „Zeitlich begrenzt dem Schutz anderer Leute
anbefohlen“ (oh je, jetzt wird’s krampfig) drücken vielleicht
aus, was die Adoptierte alles hineinwünschen möchte, treffen
aber kaum den Sachverhalt, dass Eltern das Schicksal eines
Kindes in fremder Leute Hände gelegt haben.

Ich hab ja nicht behauptet, dass es einfach ist!

Grüße
Elke

Hallo Eckard,

„Frau Sowieso stimmte der Adoption ihres Kindes zu.“

Ja, das mag ich.

Obwohl ich jetzt schon wieder die Fraktion der Herkunfts-
eltern sich erheben sehe, die die Freiwilligkeit dieser
Aktion bezweifeln werden (da sind wir wieder bei Ralfs Argu-
ment) - es ist nun mal ein weites Feld angefüllt mit lauter
Tretminen.
Werweisswas ist ein Sonntagsspaziergang im Vergleich dazu!

Grüße
Elke