Moin Eli,
oder ob es völlig aus der Luft gegriffen ist.
Ehrlich gesagt, ist das nicht sogar egal?
Mir schon. Aber wie gesagt, ich beurteile einen Menschen auch nicht nach seiner Religionszugehörigkeit. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass man zumindest mit der „passenden“ Deutung der Lehren des Christentums und des Islam anscheinend sowohl Mord, Eroberung, Vertreibung, als auch Nächstenliebe, Verzeihen und Toleranz rechtfertigen kann. Dies scheint ein Problem der Religionen zu sein, die darauf angewiesen sind, dass Schriften gedeutet werden. Diese Deutung geschieht allerings durch Menschen und ist eben so gut wie der Mensch, welcher deutet. Wie das beim Judentum ist, weiss ich nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es sich da ähnlich verhält.
Religion ist für mich ein Werkzeug. Es liegt am Menschen, was er daraus macht.
Wenn es in
Deutschland eine Gruppe gäbe, welche von allen anderen denken
würde, dass sie Arschl… sind. Und, muss ich nun anfangen
diese Gruppe zu hassen und zu bekämpfen? Nein und es gibt
diese Gruppe.
Das kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Menschen die hassen, sind allerdings selten beneidenswert, öfter bemitleidenswert.
Insofern erscheint es mir der Vorgang an sich nicht
wirklich „befremdlich“.
Aber würdest du aus solchen Diskussionen hier zitieren und
ernsthaft(!) nachfragen, ob die eine Seite mit X recht hat?
Vor allem wenn die Gruppe wegen diesem X schon verfolgt wurde
und wegen der Behauptung leiden musste? Diese „Naivität“ halte
ich für befremdlich.
Nein, ich nicht Eli, mir liegt es nicht daran, irgend eine Religion schlecht zu machen und ich würde solche Diskussionen daher gar nicht erst führen. Aber ich kann das religiöse Diskussionsverhalten anderer sehr schwer beurteilen und will es auch gar nicht. Mein Rat: Wenn jemand den Eindruck gewinnt, ein anderer versucht nicht durch Fragen Erkenntnisse über seine Religion zu gewinnen, sondern sie schlecht zu machen und gegen sie zu hetzen, dann möge er/sie ihm argumentativ eins auf die Nuss hauen
Zumindest würde ich mich so verhalten. Nur darf man nicht vergessen, das Außenstehenden auch entsprechend zu vermitteln, sonst steht man nämlich letztendlich selbst als der „aggressive“ da, der den Anschein erweckt, dass er nur unangenehmen Fragen ausweichen will.
Mag sein…allerdings beantwortet das dann für mich auch die
Frage, für wen der Schatten der Progrome tatsächlich eher
präsent ist, nämlich für denjenigen, der den Kontext
herstellt.
Dann ist aber auch die Frage, welche Schlüsse der Betreffende
daraus zieht. Ich sehe mich dadurch weder als Opfer, noch
andere heute als Täter, sondern lerne daraus, dass Meinungen
(eigentlich ja Lügen und Hass) irgend wann auch töten können.
Und somit kann man das hier auch ansprechen.
Das ist richtig. Nur kommt dabei IMHO die Motivation des Einzelnen und seine persönliche Konsequenz dabei zu kurz, da auf sie eigentlich gar nicht mehr eingegangen wird, sondern das Darstellen einer möglichen Konsequenz das Gespräch eigentlich beenden soll in der Hoffnung, dass diese Konsequenz schreckt. Nur, was wenn sie nicht (mehr) schreckt ? Wenn zum Beispiel wie in Kriegszeiten Mord an Kleinkindern allenfalls ein schlecht gespieltes Bedauern für die internationale Presse nach sich zieht ? Wenn eine Konsequenz seinen Schrecken verliert, dann ist ihre Darstellung wirkungslos geworden. Solche Bilder wie „Progrom“ wirken nur bei Leuten, die solche Bilder als etwas Grauenvolles empfinden, in diesem Fall also bei der „falschen“ Zielgruppe. Gefährlich sind nämlich die anderen.
Was ich damit sagen will: Dies ist eben „dein“ Thema. Und wenn
andere dabei eher mit den Achseln zucken, dann mag das
schlicht und ergreifend Desinteresse sein, weil es keinen
Bezug zu ihrem Leben hat.
Und, dann muss man sich dem ja auch nicht aussetzen. Mir kann
niemand erzählen, dass er in der BRD zu dieser
Auseinandersetzung gezwungen wird. Auch hier zu diesem Thema
muss man sich nicht äusser, wenn wirklich Desinteresse
dahinter steht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass
hinter aggressiven Abwehrhaltungen Desinteresse steckt.
ok, aber du bedauerst ja an anderer Stelle auch, dass sich viele Menschen offensichtlich nicht mit dem Thema auseinandersetzen, ja ich meine da sogar einen leichten Vorwurf gehört zu haben. Anscheinend hast du doch also ein Interesse daran, dies zu thematisieren. Aggressive Abwehrhaltung heisst für mich zunächst einmal, dass jemand echt keine Lust hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Desinteresse ist debei für mich nur einer der möglichen Gründe. Ich hab ihn auch deshalb nur angeführt, weil ich eben nicht denke, dass „Verdrängung“ oder ähnliches, wie ihr es hier dargestellt habt, der alleinige Grund bei jedem sein muss.
und eben auch nicht unbedingt nur als Opfer, sorry.
Aber es kommt immer mit: „Müssten sie es nicht gelernt
haben…“ etc. Und auch bei den anderen ist man sich nicht zu
schade, auf deren Geschichte hinzuweisen. Als hätte Wahrschau
irgend etwas mir Literaturkritik zu tun.
Ich denke, dies ist eine fatale Fehlschlussfolgerung der „Laienpsychologie“. Viele Menschen gehen eben davon aus, dass Leute, denen schreckliches geschehen ist, „bessere“ Menschen werden müssten, grade weil sie Leid am eigenen Leib erfahren haben. Bei vielen Menschen macht sich dann auch eine gewisse Mutlosigkeit breit, so nach dem Motto: wenn nicht mal diese Menschen es schaffen, eine „bessere“ Gesellschaft zu bilden…
Nur: Toleranz und Nächstenliebe zählen eben nicht zu den psychologischen Hauptfolgen von Traumatisierung.
Wenn das nicht gelingt, bleibt auch das Verständnis aus.
Dann kann man das aber auch akzeptieren. Oder? Ich muss nicht
jeden verstehen.
Und wie steht es dann mit dem gemeinsamen Weg ? Oder reicht Akzeptanz dafür schon aus ? Ist das nicht eher ein Nebeneinander, als ein Miteinander ?
Soll das ein Scherz sein ? (Ich meine das mit der
„aufgeklärten, modernen Gesellschaft“).
Nein, nicht anders als es auch heute ein Scherz wäre. Womit
ich nicht behaupten will, dass die Barbarei an unsere Tür
klopft, aber was ist das Trennende, was sichert und heute
davor? Welche Bedingungen kennen wir, um das früh genug zu
erkennen?
Meine Kriterien:
Wird versucht, gegen Menschen, aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe Stimmung gemacht ?
Wenn ja, wo liegen Motiviation und Zielsetzung dieser Stimmungsmache ?
Und am allerwichtigsten: Wie geht der Staat damit um, oder geht diese Verfolgung sogar vom Staat aus ?
Wenn letzteres der Fall ist, dann ist die Lage extrem mies, weil die Verfolgten keinen staatlichen Schutz mehr in Anspruch nehmen können. Geht diese Verfolgung jedoch von Gruppen aus, die vom Staat durch die Gesetze, die für alle Gruppen gleichermaßen gilt, sanktioniet und auch tatsächlich (im Rahmen dieser Gesetze) geahndet wird, dann sehe ich Grund zur Hoffnung.
Entscheident ist für mich immer die Art und Weise des Agierens eines Staates, also inwiefern sich eine Regierung selbst an Menschenrecht und Völkerrecht hält.
Gruss
Marion