Stimmt es

sorry tut mir leid, aber ich weigere mich diese fragen unter dem deckmantel der „völkerverständigung“ abzuhaken. das ist ja ne tolle völkerverständigung, sich gegenseitig gerüchte um die ohren zu schmeißen und wenn die andere partei sich weigert auf diesen BS einzugehen, daß lastet man das der partei auch noch negativ an… so naiv bin ich nicht. tut mir leid.

mir ist es relativ egal, was die katholische kirche mit fernrohren zu beobachten vermag. ich sehe in diesen dogmen jedoch kein bösartiges, hetzerisches gerücht. es ist ein kuriosum, wie es sich in jeder religion zuhauf findet.

lehitraot.

Hallo Lehitraot,

diesen BS einzugehen, daß lastet man das der partei auch noch
negativ an… so naiv bin ich nicht. tut mir leid.

„Negativ anlasten“ tue ich höchstens das inhaltsarme Herumlavieren, das zu verlassen Du nicht naiv genug bist.

mir ist es relativ egal, was die katholische kirche mit
fernrohren zu beobachten vermag. ich sehe in diesen dogmen
jedoch kein bösartiges, hetzerisches gerücht. es ist ein
kuriosum, wie es sich in jeder religion zuhauf findet.

„Bösartig und hetzerisch“ ist vor dem historischen Hintergrund von wirkmächtig bösen Gerüchten unvergleichlich größeren Kalibers eine bizarre Übertreibung; hier hatten wir es bloß mit einem politisch unkorrektemn Diskussionsgegenstand zu tun.

Aber weil Du die ganze Zeit so nett zu mir warst, schenke ich Dir die Schlußpointe:

Das Dogma von der leiblichen Himmelfahrt Mariä fordert das sinnliche Sehen real unsichtbarer, aber geglaubter Gegenstände, zu denen auch manche zum Auslöser von „Gerüchten“ gewordene Talmudzeile gehören mag.

Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo Harald.

das wird jetzt ein wenig abstrakt :wink:

Es gibt von ihm keine Überlieferungen und Judesein und Torahauslegung reicht hierzu nicht. Da muss noch wesentlich mehr dazu kommen und selbst das, was von Christen über ihn überliefert wurde, reicht hierzu nicht, denn dort findet sich nichts neues (aus jüdischer Sicht).

Schalom,
Eli

Hallo Wolfgang.

Du hingegen zeigst Dich (vornehm ausgedrückt) als haßerfüllt,
evasiv und pathologisierend.

Nun, ich frage mich auch jedesmal, ob denn nun schon wieder darauf geantwortet werden muss und wie du hier an vielen Antworten siehst, ist es für Juden Alltag auf solches eingehen zu müssen, obwohl die Betreffenden keinerlei Kontakt mit dem Judentum haben - will heissen, es ist eigentlich unwichtig.

Aus diesem Grund kann ich jeden verstehen, welcher darauf so antwortet, wie es die Frage verdient hat. Als Zeugen stehen hier alle Toten hinter uns, welche wegen dieser Fragen sterben mussten. Die Fragen sind nicht unschuldig und wer dieses heute einfordert, fordert die Barbarei - somit muss sich keiner darüber wundern, wenn hier nicht vergessen wurde.

Schalom,
Eli

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Hallo Wolfgang.

Interessant! Kannst Du mehr darüber erzählen? Gehört das
deutsche Volk zu diesen, und das japanische?

Das müssen die Deutschen oder die Japaner doch besser wissen. Wenn die es nicht wissen, woher soll ich es wissen? Jeder geht seinen Weg und ich versuche meinen zu finden.

Negativbeispiele als Illustration für den Unterricht, das war
mir neu. Und unpassendes etc. steht heute nicht mehr im
Talmud, sagst Du. Also gehört die Revisionsgeschichte zum
Lehrstoff für Orthodoxe. Ganz verstehe ich das noch nicht. Wie
würde das etwa am Beispiel der Regel aussehen, daß man
nichtjüdische kleine Mädchen ab 3 Jahren vergewaltigen dürfe?

Falsch. Nicht dass man es darf, sondern es geht um das Strafmaß und in dem betreffenden Fall, wird halt festgestellt, dass dieses nicht darunter fällt. Dieses bedeutet aber noch lange nicht, dass Vergewaltigungen erlaubt wären. Genau genommen sind dieses in jedem Fall strikt verboten. Nur was bedeutet das nun?

Verstehe mich bitte nicht miß: ich sage nicht, daß jemals nach
dieser Regel gehandelt wurde. Aber das ist doch so ein
Beispiel: fürher stand es drin, heute nicht, und was kann man
(konnte man damals) aus dem ganzen lernen?

Es steht immer noch drin. Alles steht immer noch drin. Die Frage ist nur, was man daraus lernt. Und dieses kann man durch blindes zitieren aus dem Kontext nicht herausfinden. Wie gesagt man muss, sehen, dass oft eine Frage in einem speziellen Kontext behandelt wird und dabei auch genau abgegrenzt wird, was hier nicht gilt. Daraus folgt aber halt nicht, dass diese Aspekt nicht anderswo zum Tragen kommen. Aus diesem Grund lernen wir immer von Lehrern, damit wir nichts falsches lernen. Nur Antisemtiten brauchen anscheinend keine Lehrer, was wohl nur heissen kann, dass es sie schon vorher wussten ;-(

Schalom,
Eli

Hallo Marion.

da man ja auch hier

wieder sehen kann, dass es eben nicht die Juden sind, sondern
die Nichtjuden, welche diese Keule auspacken um sich sogleich
auch noch dagegen zu wehren.

Wieso DIE Nichtjuden ? Steht Wolfgang stellvertretend für alle
Nichtjuden ? Auch die Eskimos ?

Weil es immer Menschen aus dieser Gruppe sind. Die Gegenbehauptung war ja, dass sie aus der Gruppe der Juden kommen. Da beide Gruppe keine Schnittmenge haben, wollte ich damit nur darauf hinweisen, dass das genau Gegenteil stimmt. Daraus folgt aber in beiden Fälle nicht die Verallgemeinerung.

Also WAS will uns der Zitierte sagen ? WEN könnte er meinen ?

Er meinte hier die Deutschen als soziale Gruppe. Und hier deckt sich die These des Autors mit allen heutigen Theorien zur Traumatisierung von Tätern und deren Nachkommen bei grossen Gewaltverbrechen. Es geht somit um die Psyche einer Gruppe. Und seltsamerweise bestreitet heute fast kein Jude in Deutschland dieses Zitat.

Mir scheint eher, hier hat irgendwer DEN Deutschen etwas nicht
verziehen, und zwar dermaßen nicht, dass er nicht mehr in der
Lage ist, zu differenzieren, woraus ich ihm nicht mal einen
Vorwurf machen will, wenn er tatsächlich ein KZ überlebt hat.

Das Zitat stammt aus einem Kontext, wo genau dieses behandelt wird. Er war sich somit dieses Aspektes genau bewusst und hat auch die Hoffnung gehabt, dass es anders kommen wird. Aber seine Erfahrung zeigten ihm, dass es nicht sein kann.

Nur besonders zitierenswert finde ich diesen Ausspruch nicht,
auch deshalb nicht, weil er automatisch Die Deutschen und Die
Juden auf zwei einander gegenüberliegende Seiten stellt, auf
der sich quasi jeder automatisch aufgrund einer Eigenschaft
(Deutscher Jude) unfreiwillig wiederfindet (und
sie somit quasi zu „Gegnern“ erklärt").

Ja, das ist gemein an diesem Zitat. Es benennt eine Ungleichheit. Aber diese ist in der Geschichte ja auch vorhanden und darum geht es. Das daraus kein Gemeinsames wieder werden kann, schliesst das Zitat erst einmal nicht aus, sondern es benennt hierbei ein Problem und aus meiner Erfahrung ist dieses wirklich vorhanden.

Ich hatte eigentlich gehofft, diese Art des
Auseinanderdividierens käme langsam aus der Mode.

Solange dieses Problem nicht erkannt und behandelt wird, wird es nie aus der Mode sein. Man kann eben solche Barbarei nicht dadurch auflösen, in dem man verdrängt und auf bessere Zeiten hofft.

Schalom,
Eli

Hallo Wolfgang.

Anderes Beispiel: Kolnidre
Darüber hat jemand vor gut einem Jahr gefragt.

Und es wurde kurz darauf geantwortet, dass dieses nicht stimmt und auf andere Quellen verwiesen (es sei denn es gab die Diskussion mehrmals, was micht nicht wundern würde). Dieses reichte aber nicht (so wie hier), sondern wurde ständig erweitert.

damit man in den kommenden 12 Monaten Meineide leisten darf.

*prust* Schön wäre es :wink:

Die Antworten der WWW-Experten haben sich damals darauf
beschränkt, vom Fragesteller Internetbelege für die Existenz
des Kolnidre zu fordern, aber nur solche, die von den
WWW-Experten nicht als „rechts“ angesehen werden.

Es ging hier um die Behauptung. Und ich halte das für legitim, wenn jemand mit einer solche Frage kommt, welche für Juden ein Angriff darstellt, erst einmal nach den Hintergründen zu fragen. Auf solche Fragen kommt man ja nicht, durch Erfahrungen und Unverständnis, sondern weil man eben rechte Propaganda gelesen hat und nun wissen will, ob da etwas dran ist.

Und genau hierzu ist der Inhalt der Frage völlig unwichtig. Dieses Vorgehen als solches ist schon zu kritisieren, weil es der Lüge und Hetze eine Legitimation gibt.

Daß es das Kolnidre überhaupt nicht gäbe, haben die Experten
andererseits aber auch wieder nicht gesagt.

Darum geht es ja auch nicht, sondern das die Frage auf etwas aufbaut, was sich eben nicht durch Erfahrung und Anschauung ergibt. Will heissen, ohne Hetze gäbe es diese Frage erst gar nicht.

Reine Deutschenhetze, und die wird
ja wohl noch erlaubt sein, jawoll.

Aha. Sonderbar das dich die ausgehende Hetze gegen Juden weniger aufregt, als eine Antwort darauf.

Ich glaube das nicht. Erstens wird doch nicht jedes Geschwafel
jedes Rabbi aufgeschrieben, sondern nur das, was der Rabbi
nicht für Geschwafel hält.

Es hat auch niemand behauptet, das es Geschwafel ist. Aber ich denke es geht hier nicht darum - hast Du selbst behauptet? Warum reicht es nicht, wenn Juden sagen, dass dieses so nicht stimmt?

Zweitens gibt es auch bei den
Christen reichlich Sekundärliteratur zur Bibel, populäre und
klerikale. Und da stehen nirgends solche amoralischen
Ausreißer drin.

Aha. Nun dazu fällt mir nun nichts mehr ein. Muss der ganze Antijudaismus der Kirchen wohl woanders herkommen.

Schalom,
Eli

Hallo,

ich möchte hier noch einmal alle zu diesem Aritkel geäusserten „Vorurteile“ wie auch Behauptungen und Fragen die jüdische Religion betreffend, zusammenfassend beantworten. Die Antworten beziehen sich hierauf auf alles, was ich gelernt habe und geben auch nur wieder, was ich hier als Antworten schon gefunden haben (somit wurde hier eigentlich schon alles beantwortet!).

  1. Stimmt es dass alle Juden am Hamanfest das Dankgebet Arur
    Haman beten müssen? (Raimund)

Nein, dieses Gebet gibt es nicht.

  1. Am Hamanfeste müssen alle Juden das Dankgebet Arur Haman
    beten, worin es heißt: „Verflucht sei Haman und alle Akum
    (Nichtjuden), gesegnet Mardochäus und alle Juden!“ (Raimund)

Nein (siehe oben).

  1. Dürfen Juden die Hochheilige Dreieinigkeit lästern und
    verunehren? Und wird das auch getan? (Wolfgang)

Nein, so etwas ist verboten.

  1. […] allerdings sei das Verspotten religiöser Symbole und
    Praktiken von Götzenanbetern = Christen generell erlaubt und
    zu bestimmter Gelegenheit sogar geboten.

Nein.

  1. Anderes Beispiel: Kolnidre […]
    damit man in den kommenden 12 Monaten Meineide leisten darf.
    (Wolfgang)

Falsch. Es geht hier um die Aufhebung von Gelübten zwischen haSchem und dem Menschen. Eide zwischen Menschen sind davon nicht betroffen und müssen vorher mit den Betreffenden selbst aufgehoben werden.

  1. Eure Gegenr behaupten, dieser gesamte Sittenkodex (nicht
    töten, nicht betrügen, nicht…) nur für Juden unter Juden
    gilt. (Raimund)

Falsch.

7a. Kann man nicht einfach positiv sagen, daß das jüdische Gebot
der Nächstenliebe keinen Unterschied macht zwischen Juden und
Nichtjuden […]

Ja, es gibt hier keinen Unterschied und dieses wird auch extra betont.

7b. […] und daß jedwede gegensprechende Schrift irgendwann
für ungültig erklärte oder ohnehin nie existiert hat.
(Wolfgang)

Ich kenne keine.

  1. Und dann war da noch die Sache mit dem Auserwählten Volk,
    welches als einziges als Volk im Dialog mit Gott steht.
    (Wolfgang)

Falsch. Die Torah berichtet ja wohl das Gegenteil (siehe auch Hiob :smile:

  1. […] aber warum hat oder hatte die Unmoral im Talmud Bestand
    (Wolfgang)

Es gibt keine Unmoral im Talmud sondern nur im Leser, welcher den Text falsch versteht (mal meine These :wink:

  1. Wie würde das etwa am Beispiel der Regel aussehen, daß man
    nichtjüdische kleine Mädchen ab 3 Jahren vergewaltigen dürfe?
    (Wolfgang)

Falsch. Es ist verboten.

Soweit zu den hier vorgebrachten „Fragen“, welche allerdings nie eine Quelle angegeben haben und ja nur als Frage verstanden werden wollen. Diese Liste habe ich hier aufgestellt, weil nun wieder die These aufkam, dass es hierzu keine Antworten gibt. Hier sind sie und jetzt können wir in Ruhe darüber reden, warum diese Fragen so wichtig sind, woher sie kommen und welche Relefanz sie für das Verhältnis zu Juden haben.

Schalom,
Eli

Moin Eli,

Weil es immer Menschen aus dieser Gruppe sind.

Und genau das stimmt eben nicht. Diskriminierung führt eben nicht automatisch zu Progromen und Auschwitz, obwol sowohl Iris, als auch du, Auschwitz als „Konsequenz“ anführst, wenn das Gespräch um Diskrimierung geht.

Ich erlaube mir mal, dich zu zitieren:

„Aus diesem Grund kann ich jeden verstehen, welcher darauf so antwortet, wie es die Frage verdient hat. Als Zeugen stehen hier alle Toten hinter uns, welche wegen dieser Fragen sterben mussten. Die Fragen sind nicht unschuldig und wer dieses heute einfordert, fordert die Barbarei - somit muss sich keiner darüber wundern, wenn hier nicht vergessen wurde.“

(nur zur Erklärung, dies schriebst du auf eine Frage nach Bestandteilen der jüdischen Lehre (oder auch nicht, ich kann das nicht beurteilen) die Aspekte berühren, die für einen Außenstehenden sehr befremdlich wirken müssen. Ich finde, du hast auch recht gut erklärt, wie entsprechende Stellen verstanden werden sollten (zumindest ich in meinem völligen Unwissen gegenüber der jüdischen Religion fand deine Erklärung völlig ok und einleuchtend). Obiger Absatz von dir hat aber inhaltlich nicht das geringste mit der Fragestellung zutun. Hier wird von dir die Verbindung zu Progromen gezogen.

Das die Angst vorhanden ist, es könnte wieder zu Progromen kommen, wenn nicht entschieden genug gegen Antisemitismus vorgegangen wird, kann ich angesichts der Erfahrungen, die Juden in der Vergangenheit machen mussten, sogar verstehen, allerdings ist dies keine zwingende Notwendigkeit. Vielerorts ist Antisemitismus heutzutage eben in seiner Auswirkung nicht „schlimmer“ als Antiamerikanismus, Rassismus, Frauenverachtung etc.

Es sind eben nicht „die Deutschen“ die Auschwitz im Schatten eines Juden sehen, obwohl es davon sicher auch noch ein paar geben mag. Ich bekomme hier eher den Eindruck, dass auch einige Juden sich nicht von Auschwitz lösen können (und wiederum: ich habe dafür auch durchaus Verständnis). Nur ich befürchte, bei diesem Problem kann jemand „von außen“ nicht wirklich helfen. Dies ist wohl etwas, dass ein Jude selbst verarbeiten muss, genau wie ein Deutscher den Teil der Deutschen Vergangenheit selbst verarbeiten muss(te) und es ist eben auch teilweilse völlig irrational…warum sonst wandern Juden in Israel ein, obwohl die Gefahr, aufgrund antisemitischer Anschläge ums Leben zu kommen, nirgendwo auf der Welt so groß ist wie in Israel. Trotzdem fühlen sich viele Juden dort anscheinend „sicherer“. Das ist irrational!

Vor einigen Monaten schon gab es in Haaretz eine Überschrift die sinngemäß lautete, „Ein älterer Bewohner Israels fühlt sich an Progrome erinnert und erleidet alte Ängste“.

Ich las den Artikel in der Erwartung, hier einen Bezugnahme zu einem kurz zuvor in Israel stattgefundenen Attentat mit mehreren jüdischen Toten zu finden. Statt dessen nahm der Artikel Bezug auf einen Anschlag auf eine Synagoge oder einen jüdischen Friedhof in D oder F, ich weiss es nicht mehr genau. Du kannst dir vorstellen, dass ich im ersten Moment etwas verstört war, als ich das gelesen hab.

Was ich damit sagen will: Vieles von der Art und Weise, wie manche Juden manche Vorkommnisse beurteilen, ist für jemanden wie mich einfach sehr schwer nachzuvollziehen, da es nicht rational ist.

Er meinte hier die Deutschen als soziale Gruppe. Und hier
deckt sich die These des Autors mit allen heutigen Theorien
zur Traumatisierung von Tätern und deren Nachkommen bei
grossen Gewaltverbrechen. Es geht somit um die Psyche einer
Gruppe. Und seltsamerweise bestreitet heute fast kein Jude in
Deutschland dieses Zitat.

Mag sein, aber die meisten Deutschen zucken Anhand dieser „Theorien“ allenfalls mit den Schultern, ganz einfach, weil sie auch keine Nachkommen von Tätern sind oder sich nicht als solche verstehen. Für Nachkommen von KZ-Wächtern mag das aber durchaus zutreffen, das kann ich nicht beurteilen.

Ich glaube hier wird vielfach einfach eine unterschiedliche Entwicklung verkannt nämlich dass das Thema „Auschwitz“ bei vielen Juden immer noch Teil des Bewußtseins ist, wird es bei den meisten Deutschen zunehmend zum Teil der Geschichte wird und die Bereitschaft, dies zu Thematisieren, sinkt bei Deutschen somit auch immer mehr. Vestehst du, was ich sagen will ?

Die Abwehrhaltung, die du vielleicht gelegentlich wahrnimmst und als „Verifizierung“ des Zitats ansiehst, ist oftmals vielleicht nichts anderes, als ein „nicht daaaaaaaas schon wieder…“, was einfach auftritt, wenn jemand an einem Thema einfach kein Interesse mehr hat, aber sich trotzdem damit auseinandersetzen soll.

Ansonsten dürfte klar sein, dass „Theorien“ die Opfer über ihre Täter aufstellen, wohl kaum von Objektivität gekennzeichnet sein dürften, und wenn noch so sehr der Versuch einer „Wissenschaftlichkeit“ unternommen wurde. Eines der letzten Negativbeispiele dieser Art ist ja z.B. Das Buch von Goldhagen.

Mir scheint eher, hier hat irgendwer DEN Deutschen etwas nicht
verziehen, und zwar dermaßen nicht, dass er nicht mehr in der
Lage ist, zu differenzieren, woraus ich ihm nicht mal einen
Vorwurf machen will, wenn er tatsächlich ein KZ überlebt hat.

Das Zitat stammt aus einem Kontext, wo genau dieses behandelt
wird. Er war sich somit dieses Aspektes genau bewusst und hat
auch die Hoffnung gehabt, dass es anders kommen wird. Aber
seine Erfahrung zeigten ihm, dass es nicht sein kann.

Dass dieser Mensch vermutlich traumatisiert war, steht ja auch außer Zweifel. Nur sollte man sich meiner Meinung nach davor hüten, Schlußfolgerungen von Traumatisierten zu allgemein gültigen Erkenntnissen erheben zu wollen. Das erinnert mich zu sehr an Frauen, die vergewaltigit wurden, und anschließend einen lebenslangen Hass, Mißtrauen etc. gegenüber Männern allgemein an den Tag legen und diese Einstellung z.B. auch an ihre Töchter weitergeben. Nur…diese Bild ist eben schief. (Auch wenn sehr gut nachvollziehbar ist, wie es zustande kommt). Und es wird auch immer wieder bestätigt, da jede Frau auch immer wieder negative Erfahrungen mit Männern macht, auch wenn diese natürlich nicht immer mit einer Vergewaltigung enden. Die positiven Erfahrungen, die traumatisierte Manchen machen, werden entweder gar nicht erst zugelassen, oder einfach nicht wahrgenommen, oder wiederum negativ gewertet (z.B. als yx-philie).

Ja, das ist gemein an diesem Zitat. Es benennt eine
Ungleichheit. Aber diese ist in der Geschichte ja auch
vorhanden und darum geht es. Das daraus kein Gemeinsames
wieder werden kann, schliesst das Zitat erst einmal nicht aus,
sondern es benennt hierbei ein Problem und aus meiner
Erfahrung ist dieses wirklich vorhanden.

ach Eli, du wirst Diskriminierung gegen Juden und Antisemitismus nie ganz beseitigen können, genau so wenig, wie du Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit etc. nie ganz aus einer Gesellschaft wirst entfernen können. Es gibt definitiv keine Gesellschaft auf der Erde, in der keine Diskriminierung und daraus resultierendes, feindliches Verhalten existiert.
Wenn du dies also zur Messlatte machen willst, um dich in einer Gesellschaft „angenommen“ zu fühlen, so wird dir das nie gelingen. So kann man sich auch selbst Hürden schaffen, die das „Gemeinsame“ von vornherein unmöglich machen. Im Endeffekt ist es doch „nur“ deine Religion, die dich von den meisten anderen Menschen in D unterscheidet, und andere Menschen mit teilweise recht gegensätzlichen Weltanschauungen kommen doch auch miteinander aus, warum soll das bei Juden und nicht-Juden nicht gehen ?

Solange dieses Problem nicht erkannt und behandelt wird, wird
es nie aus der Mode sein. Man kann eben solche Barbarei nicht
dadurch auflösen, in dem man verdrängt und auf bessere Zeiten
hofft.

ähm…Nazi-Deutschland ist seit über 50 Jahren vorbei Eli. Was Deutschland angeht, so haben wir in D eine Gesellschaft, die schon eine Menge Hoffnungen erfüllt hat, viel mehr ist vermutlich kaum möglich, ohne einen „neuen“ Menschen zu schaffen. Die „Barbarei“ findet aktuell ganz woanders statt. Das heisst natürlich nicht, dass nicht auch diese Gesellschaft verbesserungwürdig wäre, aber ein bisschen Freude, über das, was hier erreicht wurde, ist sicherlich auch erlaubt.

Gruss
Marion

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Vielen Dank!
hallo eli,

vielen dank fuer deine klarstellungen.

dass keine quellen kamen, verwunderte mich auch, oder eben nicht.

bzw die eine quelle eines „spaetmittelalterlichen“ kirchlichen opportunistischen antijudaisten stellt sich selber in eine ecke.

ich verweise noch einmal darauf, dass in deutschland auf 100 000 juedische deutsche 60 000 000 millionen christen kommen, nicht mitgerechnet die sich selbst per nichtmitgliedschaft als nichtchristen definierende personen. da nun juden ein geringeres interesse am christentum haben als umgekehrt und viele juden russisch sprechen, liegt das „gefuehlte“ verhaeltnis von christen zu juden hoeher als 1:600 und man kann juden verstehen, die arge probleme haben mit der muehe, solche fragen ueber richtigstellung aus der welt zu schaffen.

vielen dank, lego

Soweit zu den hier vorgebrachten „Fragen“, welche allerdings
nie eine Quelle angegeben haben und ja nur als Frage
verstanden werden wollen. Diese Liste habe ich hier
aufgestellt, weil nun wieder die These aufkam, dass es hierzu
keine Antworten gibt. Hier sind sie und jetzt können wir in
Ruhe darüber reden, warum diese Fragen so wichtig sind, woher
sie kommen und welche Relefanz sie für das Verhältnis zu Juden
haben.

Schalom,
Eli

hallo Eli,
erst mal danke für die Zusammenfassung.
Der Verschwörungsgedanke, der hinter den Aufzählungen steht, ist auch wohl nicht ganz haltbar: bei einer Bevölkerung von xxx% (wieviel Juden gibt es auf der Welt?) wäre es unmöglich, den geheim zu halten. Wie bei jedem Volk, gäbe es auch bei den Juden „Verräter“. Es würde also bekannt.
Dass es einige Verrückte bei den Juden gibt, davon bin ich fest überzeugt… so wie bei den Christen, bei den Moslem…
Und dass so mancher Rebbe über sein Ziel hinausschießt, ist bestimmt nicht zu verhindern.
Leider haben die Extremen z.Zt. in Israel das Sagen. Obwohl ich einen Silberstreif am Horizont sehe: gestern oder vorgestern hat ein Gericht der Armee verboten (nicht empfohlen: verboten) Häuser von Verwandten mutmasslicher Terroristen zu zerstören. Das ist ein gewaltiger Schritt zur Vernunft.
Grüße
Raimund

Hallo Raimund.

Der Verschwörungsgedanke, der hinter den Aufzählungen steht,
ist auch wohl nicht ganz haltbar

… vor allem wenn man auch noch sieht, dass das Judentum seit Jahrtausenden unter Kritik steht und jeder noch so kleine Hinweis dankbar aufgenommen wurde. Wenn also das Ergebnis davon diese Punkte sind, muss jegliche Mutmassung in diese Richtung jedem absurd erscheinen. Leider ist dem nicht so :frowning:

Leider haben die Extremen z.Zt. in Israel das Sagen.

Aha. Welche Rabbiner denn oder hast Du nun unbewusst das Brett gewechselt?

[…] Obwohl
ich einen Silberstreif am Horizont sehe: gestern oder
vorgestern hat ein Gericht der Armee verboten (nicht
empfohlen: verboten) Häuser von Verwandten mutmasslicher
Terroristen zu zerstören. Das ist ein gewaltiger Schritt zur
Vernunft.

Obwohl off-topic: Dieses ist kein neuer Silberstreif, sondern schon immer normales Vorgehen gewesen. Schon immer hatten die Betreffenden die Möglichkeit in Israel ihr Recht einzuklagen.

Schalom,
Eli

Hallo Marion.

Und genau das stimmt eben nicht. Diskriminierung führt eben
nicht automatisch zu Progromen und Auschwitz, obwol sowohl
Iris, als auch du, Auschwitz als „Konsequenz“ anführst, wenn
das Gespräch um Diskrimierung geht.

Das habe ich eigentlich nicht gemeint, sondern mir ging es nur darum, aufzuzeigen, dass diese Frage bei den Gefragten eben nicht so unschuldig ankommen. Es sind eben fast genau die selben Fragen und gleichzeitig bleibt die Motivation unklar.

die für einen Außenstehenden sehr befremdlich wirken müssen.

Ich wundere mich nur, was hier eigentlich befremdlich wirkt. Es sind ja keine Anlässe wie Erlebnisse, welche nach einer Erklärung verlangen, sondern eindeutige Texte voller Hass. Dieses wurde hier aber noch nicht hinterfragt, obwohl ja eigentlich dieses genug Anlass für Befremdlichkeit liefert.

[…] Obiger Absatz von dir hat aber
inhaltlich nicht das geringste mit der Fragestellung zutun.

Es kommt darauf an, was man nun als Inhalt wahrnimmt. Auch ich habe neben der sachlichen Frage auch noch andere Inhalte gesehen und ich halte es für positiv, dass dieses hier auch angesprochen wurde.

Hier wird von dir die Verbindung zu Progromen
gezogen.

Weil ich die Fragen eben auch aus diesem Kontext kenne. Dieses wollte ich nur noch einmal aufführen, weil dieses auch der Kontext ist, welchen die andere Gefragten können dürften.

Das die Angst vorhanden ist […]

Ich habe diese Angst eigentlich nicht. Aber wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, dann müssen wir auch auf diese verweisen und heutiges in diesem Kontext verstehen. Und diese Progromme sind für mich noch nicht einmal lange genug vorbei, um nur Geschichte zu sein. Dafür tauchen Fragen diesbezüglich auch zu oft, bei verschiedenen Themen hier bei w.w.w. auf.

Es sind eben nicht „die Deutschen“ die Auschwitz im Schatten
eines Juden sehen, obwohl es davon sicher auch noch ein paar
geben mag.

Nicht? In welchem anderen Zusammenhang kommen den Juden hier gross vor? Allerdings sehe ich daran auch erst einmal nichts schlechtes.

Was ich damit sagen will: Vieles von der Art und Weise, wie
manche Juden manche Vorkommnisse beurteilen, ist für jemanden
wie mich einfach sehr schwer nachzuvollziehen, da es nicht
rational ist.

Habe ich das je behauptet? Vielleicht sollten wir auch einmal lernen diesen Anspruch aufzugeben und versuchen weniger rational zu sein. Gerade wenn es um Themen geht, welche aus meiner Sicht so nicht verarbeitet werden können.

Mag sein, aber die meisten Deutschen zucken Anhand dieser
„Theorien“ allenfalls mit den Schultern, ganz einfach, weil
sie auch keine Nachkommen von Tätern sind oder sich nicht als
solche verstehen.

Viele Juden verstehen sich in diesem Sinn auch nicht als Opfer. Ich zum Beispiel. Es geht hier auch nicht um Täter und Opfer in diesen Kategorien, sondern um gemeinsame Geschichte. Die Schoah hat hier in Opfer unt Täter getrennt und solange nicht beide sich als solche akzeptieren, kann es auch keine gemeinsamen Wege geben. Diese werden solange brüchtig bleiben, solange nicht die Herkunft geklärt wird. Und dieses sage ich, als Nachkomme von Tätern!!!

Für Nachkommen von KZ-Wächtern mag das aber
durchaus zutreffen, das kann ich nicht beurteilen.

Selbst diese Täterschaft fängt bei mir viel früher an und dieses ist eines der modernen Ansichten, dass eigentlich keiner damit etwas zu tun hatte. Die Opfer hatten diese Ausrede nicht, warum also die Täter? Nein, das fängt ganz früh an und muss uns (alle) eigentlich beunruhigen. Es war eine aufgeklärte, moderne Gesellschaft welche da in die Barbarei verfiehl.

Ich glaube hier wird vielfach einfach eine unterschiedliche
Entwicklung verkannt nämlich dass das Thema „Auschwitz“ bei
vielen Juden immer noch Teil des Bewußtseins ist, wird es bei
den meisten Deutschen zunehmend zum Teil der Geschichte wird
und die Bereitschaft, dies zu Thematisieren, sinkt bei
Deutschen somit auch immer mehr. Vestehst du, was ich sagen
will ?

Wenn es Teil der Geschichte wird, muss es auch bewertet werden und dieser Schritt fehlt mir immer noch. Was war denn genau daran schrecklich, was war akzeptabel, was lernen wir daraus? Es wird nicht zunehmend Geschichte, sondern wurde von Anfang an verdrängt und darum stört alles, was diesen Schritt anders machen will. Ich kann das verstehen, dennoch werde ich diesen Schritt einfordern. Mittlerweile sollte diese Demokratie dazu in der Lage sein, dieses auszuhalten.

Die Abwehrhaltung, die du vielleicht gelegentlich wahrnimmst
und als „Verifizierung“ des Zitats ansiehst, ist oftmals
vielleicht nichts anderes, als ein „nicht daaaaaaaas schon
wieder…“, was einfach auftritt, wenn jemand an einem Thema
einfach kein Interesse mehr hat, aber sich trotzdem damit
auseinandersetzen soll.

Vielleicht ist dieses auch nur die Reaktion auf ein Thema, was man noch nie behandelt wollte und es langsam leit ist, dieses immer wieder aktiv verdrängen zu müssen?

Ich sehe auch, dass dieses Thema offensichtlich viel Zeit und Raum in Anspruch nimmt. Aber gerade deswegen irretiert es mich, wie viel Unwissen genau über diese Zeit vorhanden ist oder wie viel Fakten hier sogar geleugnet werden.

Ansonsten dürfte klar sein, dass „Theorien“ die Opfer über
ihre Täter aufstellen, wohl kaum von Objektivität
gekennzeichnet sein dürften

Gut, wo sind denn die Theorie der Täter über sich selbst?

und anschließend
einen lebenslangen Hass, Mißtrauen etc. gegenüber Männern
allgemein an den Tag legen und diese Einstellung z.B. auch an
ihre Töchter weitergeben.

Dieses ist ein anderes Thema und auch dieses findet in der deutschen Öffentlichkeit nicht statt. Oder? Aber es geht hier darum zu zeigen, dass auch die Vergewaltiger in ähnlicher Form ein Trauma erleben, wenn sie sich ihrer Tat und der Folge bewusst werden. Auch diese werden an die Nachkommen weitergegeben.

Nur…diese Bild ist eben schief.

Nein, ist es nicht, weil ich beide Seite sehe.

ach Eli, du wirst Diskriminierung gegen Juden und
Antisemitismus nie ganz beseitigen können, genau so wenig, wie
du Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit etc.
nie ganz aus einer Gesellschaft wirst entfernen können. Es
gibt definitiv keine Gesellschaft auf der Erde, in der keine
Diskriminierung und daraus resultierendes, feindliches
Verhalten existiert.

Sicher. Nur ist es keine Lösung für die Gesellschaft darauf nicht zu reagieren. Man kann es zuerst auch einmal akzeptieren - in der Form das es vorhanden ist und dann angemessener damit umgehen.

warum soll das bei Juden und nicht-Juden nicht gehen ?

Sage ich etwas anderes? Nur denke ich, dass dazu auch die Akzeptanz der gemeinsamen Geschichte mit allen negativen wie auch positiven Seiten gehört. Was mich hier stört, dass die eine Seite ihre Fehler ausblenden will und darauf besteht, dass diese kein Thema sind. Wenn eine Freundschaft durch die eine Seite beendet wurde, ist es doch auch normal, dass man dieses zuerst klärt, bevor man wieder an die alte Freundschaft anknüpfen kann oder?

ähm…Nazi-Deutschland ist seit über 50 Jahren vorbei Eli.

Ja, sicher. Darum wäre es ja auch endlich einmal Zeit, diese Zeit zu akzeptieren und sich damit zu beschäftigen, ohne dabei gleich in der eigenen Schuld und Unschuld, der eigenen Täterschaft oder Opferrolle zu denken.

Schalom,
Eli

Hallo Marion und Eli,

M

die für einen Außenstehenden sehr befremdlich wirken müssen.

E:

Ich wundere mich nur, was hier eigentlich befremdlich wirkt.
Es sind ja keine Anlässe wie Erlebnisse, welche nach einer
Erklärung verlangen, sondern eindeutige Texte voller Hass.
Dieses wurde hier aber noch nicht hinterfragt, obwohl ja
eigentlich dieses genug Anlass für Befremdlichkeit liefert.

Mich wundert es zusätzlich, wie oft solche Hasstexte als „Meinung“ verhandelt werden.

Marion

Das die Angst vorhanden ist […]

Eli

Ich habe diese Angst eigentlich nicht. Aber wenn wir aus der
Geschichte lernen wollen, dann müssen wir auch auf diese
verweisen und heutiges in diesem Kontext verstehen. Und diese
Progromme sind für mich noch nicht einmal lange genug vorbei,
um nur Geschichte zu sein. Dafür tauchen Fragen diesbezüglich
auch zu oft, bei verschiedenen Themen hier bei w.w.w. auf.

Ich denke, daß hier die Perspektiven von Nichtjuden und Juden sehr unterschiedlich. Da Juden sich sehr bewußt sind, wie sich die Verfolgungsgeschichte ihrer Vorfahren sich auf ihr heutiges Leben auswirkt und den meisten nichtjüdischen Deutschen das Bewußtsein für diese Kontinuitäten in der Familie fehlt, besteht hier nach wie vor ein Ungleichgewicht, was das Gespräch nicht leichter macht.

Marion

Es sind eben nicht „die Deutschen“ die Auschwitz im Schatten
eines Juden sehen, obwohl es davon sicher auch noch ein paar
geben mag.

Eli

Nicht? In welchem anderen Zusammenhang kommen den Juden hier
gross vor? Allerdings sehe ich daran auch erst einmal nichts
schlechtes.

Ich erlebe es in auch so, daß Juden von Nichtjuden meist über die Schiene „Opfer“ wahrgenommen werden.

Marion

Was ich damit sagen will: Vieles von der Art und Weise, wie
manche Juden manche Vorkommnisse beurteilen, ist für jemanden
wie mich einfach sehr schwer nachzuvollziehen, da es nicht
rational ist.

Eli

Habe ich das je behauptet? Vielleicht sollten wir auch einmal
lernen diesen Anspruch aufzugeben und versuchen weniger
rational zu sein. Gerade wenn es um Themen geht, welche aus
meiner Sicht so nicht verarbeitet werden können.

Machen wir es doch mal an einem konkreten Beispiel fest.
Vor der jüdischen Oberschule in Berlin gibt es seit ca 2 Jahren einen massiven Metallzaun von 3 m Höhe, Bewegungsmelder, Videoüberwachung und wenn Unterricht ist, stehen mehrere Beamte mit Maschinenpistolen vor dem Gebäude und drinnen gibt es noch einen hausinternen Wachdienst. Und gelegentlich gehen Polizisten mit Sprengstoffschnüffelhunden über das Gelände.

Es kommt nicht selten vor, daß Nichtjuden, die an diesem Gebäude - oder an ähnlich gesicherten - vorbeigehen mit Kommentaren wie:
„Da sieht man, wie sich die Juden abschotten“

Sowas nenne ich „Verweigerung von Einfühlung“, weil wir als Juden es nicht sonderlich lustig finden, daß jüdisches Leben öffentlich unter diesen Bedingungen stattfinden muß.

Nun gibt es die gleichen Maßnahmen beim jüdischen Altersheim.
Als nun diese Maßnahmen ergriffen wurden, bedeutete das für die meisten Bewohner, die nun mal KZ-Überlebende sind, eine massive Retraumatisierung. Da geht nämlich bei der Kombination von Uniformierten, Zäunen etc. was anderes ab als
„da sieht man, wie sich die Juden abschotten“.

Marion

Mag sein, aber die meisten Deutschen zucken Anhand dieser
„Theorien“ allenfalls mit den Schultern, ganz einfach, weil
sie auch keine Nachkommen von Tätern sind oder sich nicht als
solche verstehen.

Eli

Viele Juden verstehen sich in diesem Sinn auch nicht als
Opfer. Ich zum Beispiel. Es geht hier auch nicht um Täter und
Opfer in diesen Kategorien, sondern um gemeinsame Geschichte.
Die Schoah hat hier in Opfer unt Täter getrennt und solange
nicht beide sich als solche akzeptieren, kann es auch keine
gemeinsamen Wege geben. Diese werden solange brüchtig bleiben,
solange nicht die Herkunft geklärt wird. Und dieses sage ich,
als Nachkomme von Tätern!!!

Nach meiner Wahrnehmung besteht auch ein Unterschied, wen Juden und wen Nichtjuden als „Täter“ oder „Nazis“ wahrnehmen.

Für Nichtjuden fällt meist unter die Kategorie „Täter“, wer zur Clique um Hitler gehörte oder in KZs als Wächter etc. eingesetzt war.

Für Juden fällt unter „Täter“, wer nicht im Widerstand aktiv engagiert war, also alle, die dieses System durch Mitmachen, Schweigen, Arisieren, Profitieren Wegschauen ermöglicht und aufrecht erhalten haben, was Goldhagen als „guilty bystanders“ bezeichnet hat.

Marion

Für Nachkommen von KZ-Wächtern mag das aber
durchaus zutreffen, das kann ich nicht beurteilen.

Eli:

Selbst diese Täterschaft fängt bei mir viel früher an und
dieses ist eines der modernen Ansichten, dass eigentlich
keiner damit etwas zu tun hatte.

Das hat meiner Meinung nach Entlastungsfunktion!

Die Opfer hatten diese
Ausrede nicht, warum also die Täter? Nein, das fängt ganz früh
an und muss uns (alle) eigentlich beunruhigen. Es war eine
aufgeklärte, moderne Gesellschaft welche da in die Barbarei
verfiehl.

Marion

Ich glaube hier wird vielfach einfach eine unterschiedliche
Entwicklung verkannt nämlich dass das Thema „Auschwitz“ bei
vielen Juden immer noch Teil des Bewußtseins ist, wird es bei
den meisten Deutschen zunehmend zum Teil der Geschichte wird
und die Bereitschaft, dies zu Thematisieren, sinkt bei
Deutschen somit auch immer mehr. Vestehst du, was ich sagen
will ?

Eli

Wenn es Teil der Geschichte wird, muss es auch bewertet werden
und dieser Schritt fehlt mir immer noch. Was war denn genau
daran schrecklich, was war akzeptabel, was lernen wir daraus?
Es wird nicht zunehmend Geschichte, sondern wurde von Anfang
an verdrängt und darum stört alles, was diesen Schritt anders
machen will. Ich kann das verstehen, dennoch werde ich diesen
Schritt einfordern. Mittlerweile sollte diese Demokratie dazu
in der Lage sein, dieses auszuhalten.

Dass es meist nicht ausgehalten wird, zeigt doch die minimale Resonanz auf Bücher, die die Täter- und Mitläuferseite thematisieren:

Birgit Rommelspacher: schuldlos schuldig
Harald Welzer: Opa war kein Nazi

Marion

Die Abwehrhaltung, die du vielleicht gelegentlich wahrnimmst
und als „Verifizierung“ des Zitats ansiehst, ist oftmals
vielleicht nichts anderes, als ein „nicht daaaaaaaas schon
wieder…“, was einfach auftritt, wenn jemand an einem Thema
einfach kein Interesse mehr hat, aber sich trotzdem damit
auseinandersetzen soll.

Dann wäre doch auch zu fragen, ob die Formen, in denen eine Auseinandersetzung versucht wurde, eben nicht adäquat waren und inwieweit dieses mangelnde Interesse auch mit Abwehr zu tun hat.

Eli

Vielleicht ist dieses auch nur die Reaktion auf ein Thema, was
man noch nie behandelt wollte und es langsam leid ist, dieses
immer wieder aktiv verdrängen zu müssen?

Ja, Verdrängung und sich vom Leib halten ist auch anstrengend und Kraft raubend.

Eli

Ich sehe auch, dass dieses Thema offensichtlich viel Zeit und
Raum in Anspruch nimmt. Aber gerade deswegen irretiert es
mich, wie viel Unwissen genau über diese Zeit vorhanden ist
oder wie viel Fakten hier sogar geleugnet werden.

Geht mir ähnlich!

Marion

Ansonsten dürfte klar sein, dass „Theorien“ die Opfer über
ihre Täter aufstellen, wohl kaum von Objektivität
gekennzeichnet sein dürften

Eli

Gut, wo sind denn die Theorie der Täter über sich selbst?

siehe Welzer und Rommelspacher

Marion

ähm…Nazi-Deutschland ist seit über 50 Jahren vorbei Eli.

Aber nicht die Folgen!

Viele Grüße

Iris

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Hallo Iris.

Mich wundert es zusätzlich, wie oft solche Hasstexte als
„Meinung“ verhandelt werden.

Das überhaupt Zitate aus rechtsextremen Quellen den Anspruch auf Diskussion haben, wie er hier vertreten wird.

[…] und den meisten nichtjüdischen
Deutschen das Bewußtsein für diese Kontinuitäten in der
Familie fehlt, besteht hier nach wie vor ein Ungleichgewicht,
was das Gespräch nicht leichter macht.

Da ich ja in mir beide Seiten vereine *g*, sehe ich halt auch besonders bewusst, dass die Erarbeitung der Vergangenheit auf der einen Seite so gut wie nicht erfolgt. Man beschäftigt sich zwar beliebig mit den „Grösser“ aus der Zeit. Aber mit der eigenen Familie, dem eigenen Umfeld will man sich besser nicht beschäftigen. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen gebe ich auch zu, dass dieses als Nachkommen die schwere Aufgabe ist, da man dort erst einmal das Grauen erwarten kann (was es auch auf Seiten der Opfer gibt :frowning:. Wer will schon gerne wissen, dass die eigenen Eltern oder Grosseltern dem nicht nachstanden. Mich hat es erst einmal geschockt, dieses zu erfahren und zu merken, dass hierzu noch nicht einmal ein Schuldbewusstsein vorhanden war.

Ich erlebe es in auch so, daß Juden von Nichtjuden meist über
die Schiene „Opfer“ wahrgenommen werden.

… was auch wieder an allen Beteiligen liegt, dieses langfristig zu ändern. Aber ohne grosse Leistung der nichtjüdischen Bevölkerung wird dieses nicht möglich sein. Vor allem der Bereitschaft dazu.

Nun gibt es die gleichen Maßnahmen beim jüdischen Altersheim.
Als nun diese Maßnahmen ergriffen wurden, bedeutete das für
die meisten Bewohner, die nun mal KZ-Überlebende sind, eine
massive Retraumatisierung.

Genau dieses ist auch bei uns gerade Thema, da es umgebaut werden soll und der Staat(!) hier höhere Forderung mittlerweile stellt. Es sind nämlich nicht immer die Gemeinden, welche diese Standards von sich fordern.

Da geht nämlich bei der Kombination
von Uniformierten, Zäunen etc. was anderes ab als
„da sieht man, wie sich die Juden abschotten“.

Das ist auch bei der Schule, den Kindergärten, Läden etc. nicht anders. Man soll mir mal den Juden zeigen, wer sich darüber freut oder darauf stolz wäre.

Für Juden fällt unter „Täter“, wer nicht im Widerstand aktiv
engagiert war, also alle, die dieses System durch Mitmachen,
Schweigen, Arisieren, Profitieren Wegschauen ermöglicht und
aufrecht erhalten haben, was Goldhagen als „guilty bystanders“
bezeichnet hat.

Es geht hier ja auch um das ganze System und nicht nur um einige wenige, welche die Befehle ausgeführt haben. Selbst Hilter wäre ohne diese „Täter“ in dieser Form nicht denkbar gewesen und viele andere Bereiche zeigen z. B. das Widerstand sehr wohl und folgenlos möglich war. Wenn ich hier also von Tätern sprechen, dann geht es mir eben auch gerade um die Nachbarin, welche damit leben konnte, ihre Nachbarn zu vertreiben. Deren Möbeln sich anzueignen und hinterher nur schlecht über die Menschen zu reden, welche ihnen vielleicht vorher sogar die Wohnung besorgt haben. Diese kleinen Täter haben die Schoah ermöglicht und nicht die Wachmanschaften.

Gut, wo sind denn die Theorie der Täter über sich selbst?

siehe Welzer und Rommelspacher

Und siehe deren Bekanntheitsgrad.

Aber nicht die Folgen!

Über die wir hier ja sprechen. Zitate von Hass gegen Juden von rechtsextremen Seiten welche hier von Experten diskutiert werden sollen und dürfen.

Schalom,
Eli

Hallo Eli,

Es gibt von ihm keine Überlieferungen und Judesein und
Torahauslegung reicht hierzu nicht. Da muss noch wesentlich
mehr dazu kommen und selbst das, was von Christen über ihn
überliefert wurde, reicht hierzu nicht, denn dort findet sich
nichts neues (aus jüdischer Sicht).

danke für die Antwort.
Diese Sichtweise kann ich nachvollziehen.

Gruss Harald

Hallo Elimelech,

jetzt setzt Du mir aber gleich einen ganzen Strauß von Griffen an, wie sie das Regelwerk für den Jüdisch-Germanischen Ringsport vorsieht.

Aus diesem Grund kann ich jeden verstehen, welcher darauf so
antwortet, wie es die Frage verdient hat . Als Zeugen stehen
hier alle Toten hinter uns, welche wegen dieser Fragen sterben
mussten. Die Fragen sind nicht unschuldig und wer dieses heute
einfordert, fordert die Barbarei - somit muss sich keiner
darüber wundern, wenn hier nicht vergessen wurde.

Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn man z.B. schon in vergangenen Jahrhunderten souverän genug gewesen wäre, die „bösen“ Fragen in aufklärerischer Weise anzunehmen.

Gruß,

Wolfgang Berger

Was ist das denn jetzt?
hallo wolfgang,

sag mal, was soll das denn jetzt werden?

Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn man z.B. schon in
vergangenen Jahrhunderten souverän genug gewesen wäre, die
„bösen“ Fragen in aufklärerischer Weise anzunehmen.

wer soll welche fragen annehmen?

wer hat denn die fragen gestellt aus unwissenheit oder gar mit bewusster absicht so formuliert und wer hat wem die fragen beantwortet?

also wer soll souveraen gewesen sein damals?

und wer hat die beantwortung der fragen erleiden muessen?

mit der naivitaet, die du hier jetzt an den tag legst, bist du weder souveraen noch nimmst du antworten an, fragen stellen kannst du aber schon ganz gut.

wie du siehst, bitte ich dich, deinen absatz oben zu konkretisieren oder uns anders zu erlaeutern, was du meinst, was hilfreich sein koennte.

vielen dank, lego

redet jemand schlecht von dir…
moin Eli,

Das habe ich eigentlich nicht gemeint, sondern mir ging es nur
darum, aufzuzeigen, dass diese Frage bei den Gefragten eben
nicht so unschuldig ankommen. Es sind eben fast genau die
selben Fragen und gleichzeitig bleibt die Motivation unklar.

ok, ich kannte solche Fragen bislang nicht und hab auch ehrlich gesagt kaum verstanden, worum es inhaltlich eigentlich ging. Mein Wissen übers Judentum tendiert gegen Null, daher ist es für mich z.B. völlig unmöglich zu unterscheiden, ob hier tatsächlich auf bestehende jüdische Lehren Bezug genommen wird, oder ob es völlig aus der Luft gegriffen ist.

Den Punkt mit der unklaren Motivation kann ich allerdings nachvollziehen.

die für einen Außenstehenden sehr befremdlich wirken müssen.

Ich wundere mich nur, was hier eigentlich befremdlich wirkt.
Es sind ja keine Anlässe wie Erlebnisse, welche nach einer
Erklärung verlangen, sondern eindeutige Texte voller Hass.
Dieses wurde hier aber noch nicht hinterfragt, obwohl ja
eigentlich dieses genug Anlass für Befremdlichkeit liefert.

Es kommt halt drauf an, wie man als Außenstehender dererlei bewertet. Ich habe in Streitigkeiten zwischen Religionen (oder unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb einer Religon) schon mancherlei Hasserfülltes gelesen und alle möglichen Versuche, den Glauben des jeweils anderen zu Diskreditieren. Insofern erscheint es mir der Vorgang an sich (und so hab ich ihn aufgefasst, zumal dann plötzlich auch noch katholische Dogmen lächerlich gemacht wurden) nicht wirklich „befremdlich“.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich diesen Streitereien so gut wie keine Aufmerksamkeit widme weil ich der Tatsache, welcher Religion jemand angehört, sogut wie keine Bedeutung beimesse (o.k. wenn ich mal einen von „meinen“ Leuten treffe, freu ich mich schon, das hängt allerdings eher damit zusammen, dass die in D relativ selten sind und ich mich immer auch über die Möglichkeit eines Austausches mit „Ähnlichgesinnten“ freue).

[…] Obiger Absatz von dir hat aber
inhaltlich nicht das geringste mit der Fragestellung zutun.

Es kommt darauf an, was man nun als Inhalt wahrnimmt. Auch ich
habe neben der sachlichen Frage auch noch andere Inhalte
gesehen und ich halte es für positiv, dass dieses hier auch
angesprochen wurde.

hm…ok :smile:

Hier wird von dir die Verbindung zu Progromen
gezogen.

Weil ich die Fragen eben auch aus diesem Kontext kenne. Dieses
wollte ich nur noch einmal aufführen, weil dieses auch der
Kontext ist, welchen die andere Gefragten können dürften.

Mag sein…allerdings beantwortet das dann für mich auch die Frage, für wen der Schatten der Progrome tatsächlich eher präsent ist, nämlich für denjenigen, der den Kontext herstellt.

Das die Angst vorhanden ist […]

Ich habe diese Angst eigentlich nicht. Aber wenn wir aus der
Geschichte lernen wollen, dann müssen wir auch auf diese
verweisen und heutiges in diesem Kontext verstehen. Und diese
Progromme sind für mich noch nicht einmal lange genug vorbei,
um nur Geschichte zu sein. Dafür tauchen Fragen diesbezüglich
auch zu oft, bei verschiedenen Themen hier bei w.w.w. auf.

Ich will gar nicht bezweifeln, dass es für dich und wohl auch andere auch der Fall sein mag. Nur für viele Deutsche trifft dies jedoch eben nicht zu, genau wie es vielleicht Bereiche gibt, die dich eher marginal interessieren oder die für dich bereits Teil der Vergangenheit sind, weil du oder deine Familie/Religionsgruppe/Interessensgruppe etc. nicht direkt betroffen waren. Beispiele hierfür könnten sein: Die Vertriebenenverbände der Deutschen aus den ehemaligen „Ostgebieten“, Interessensgruppen der aus dem besetzten Tibet geflohenen oder vertriebenen Tibeter etc…

Was ich damit sagen will: Dies ist eben „dein“ Thema. Und wenn andere dabei eher mit den Achseln zucken, dann mag das schlicht und ergreifend Desinteresse sein, weil es keinen Bezug zu ihrem Leben hat.

Es sind eben nicht „die Deutschen“ die Auschwitz im Schatten
eines Juden sehen, obwohl es davon sicher auch noch ein paar
geben mag.

Nicht? In welchem anderen Zusammenhang kommen den Juden hier
gross vor? Allerdings sehe ich daran auch erst einmal nichts
schlechtes.

Du meinst, als was Juden aktuell hier in D so Gesprächsthema sind ? Nun ja, das ist je nach Interessensgruppe sicher unterschiedlich. Aber da wären z.B. Der Staatsschef (Sharon), Der Literatur-Kritiker (Reich-Ranicki), Der Künstler (diverse Komponisten), Der Lobbyist (Spiegel), Der Moderator (Friedmann), der wer-weiss-was User :smile: etc…

Keiner der Angeführten wird hier IMHO als „Opfer“ thematisiert, wie Iris weiter unten angemerkt hat. Ganz aktuell werden Juden natürlich auch im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Israel/Palästina thematisiert und eben auch nicht unbedingt nur als Opfer, sorry.

Was ich damit sagen will: Vieles von der Art und Weise, wie
manche Juden manche Vorkommnisse beurteilen, ist für jemanden
wie mich einfach sehr schwer nachzuvollziehen, da es nicht
rational ist.

Habe ich das je behauptet? Vielleicht sollten wir auch einmal
lernen diesen Anspruch aufzugeben und versuchen weniger
rational zu sein. Gerade wenn es um Themen geht, welche aus
meiner Sicht so nicht verarbeitet werden können.

Natürlich ist es jedem selbst überlassen, was er verarbeiten will/muss und welche Mittel er dabei für angemessen hält, das stell ich gar nicht in Abrede. Nur, um Verständnis zwischen Menschen herzustellen, bei denen das zu verarbeitende eben nicht ähnlich ist, muss es möglich sein, dies entweder auf eine rationale Ebene, oder auf eine vergleichbare irrationale Ebene zu übertragen. Wenn das nicht gelingt, bleibt auch das Verständnis aus.

Viele Juden verstehen sich in diesem Sinn auch nicht als
Opfer. Ich zum Beispiel. Es geht hier auch nicht um Täter und
Opfer in diesen Kategorien, sondern um gemeinsame Geschichte.
Die Schoah hat hier in Opfer unt Täter getrennt und solange
nicht beide sich als solche akzeptieren, kann es auch keine
gemeinsamen Wege geben. Diese werden solange brüchtig bleiben,
solange nicht die Herkunft geklärt wird. Und dieses sage ich,
als Nachkomme von Tätern!!!

Hier versteh ich nicht, was du meinst. Redest du von jetzt lebenden Menschen, also Leuten wie du und ich ? Soll ich mich jetzt als Opfer oder Täter akzeptieren ? *verwirrtschau*
Sicher haben wir beide eine gemeinsame Geschichte…ich sag nur: Europäische Vereinigung, Fall der Mauer, Einführung des Euro, Zusammenbruch der Sovietunion um nur ein paar Eckpunkte zu benennen. Was sind es da für Wege, die uns trennen, aufgrund unserer Geschichte ? Nimmst du diese Geschehnisse aufgrund der Tatsache, dass du Jude bist und ich nicht, aus einer dermaßen anderen Perspektive wahr, dass es letztendlich doch kein gemeinsamer Weg ist, oder was meintest du ?

Für Nachkommen von KZ-Wächtern mag das aber
durchaus zutreffen, das kann ich nicht beurteilen.

Selbst diese Täterschaft fängt bei mir viel früher an und
dieses ist eines der modernen Ansichten, dass eigentlich
keiner damit etwas zu tun hatte.

Diese Ansicht teile ich nicht und auch sonst wenig Leute, die ich pesönlich kenne. Die Ansicht, die ich als mehrheitlich empfinde ist, dass diejenigen, die etwas damit zutun hatten, egal wer es denn letztendlich war, heute zumeist tod sind, und das stimmt ja auch.

Die Opfer hatten diese

Ausrede nicht, warum also die Täter? Nein, das fängt ganz früh
an und muss uns (alle) eigentlich beunruhigen.

Richtig, und auch jetzt und heute sind viele Menschen beunruhigt, wenn Völkerrecht und Menschenrecht mit Füßen getreten wird und Menschen allein aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit um ihr Leben bangen müssen.

Es war eine

aufgeklärte, moderne Gesellschaft welche da in die Barbarei
verfiehl.

Soll das ein Scherz sein ? (Ich meine das mit der „aufgeklärten, modernen Gesellschaft“).

Weiter gehts weiter unten.
Gruss
Marion

Moin ihr beiden,

Mich wundert es zusätzlich, wie oft solche Hasstexte als
„Meinung“ verhandelt werden.

Das überhaupt Zitate aus rechtsextremen Quellen den Anspruch
auf Diskussion haben, wie er hier vertreten wird.

Wäre es euch lieber, dererlei Aussagen werden nicht thematisiert ? Zumindest hier besteht doch die Chance, einiges auch wieder gradezurücken.

[…] und den meisten nichtjüdischen
Deutschen das Bewußtsein für diese Kontinuitäten in der
Familie fehlt, besteht hier nach wie vor ein Ungleichgewicht,
was das Gespräch nicht leichter macht.

Da ich ja in mir beide Seiten vereine *g*, sehe ich halt auch
besonders bewusst, dass die Erarbeitung der Vergangenheit auf
der einen Seite so gut wie nicht erfolgt. Man beschäftigt sich
zwar beliebig mit den „Grösser“ aus der Zeit. Aber mit der
eigenen Familie, dem eigenen Umfeld will man sich besser nicht
beschäftigen. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen gebe ich
auch zu, dass dieses als Nachkommen die schwere Aufgabe ist,
da man dort erst einmal das Grauen erwarten kann (was es auch
auf Seiten der Opfer gibt :frowning:. Wer will schon gerne wissen,
dass die eigenen Eltern oder Grosseltern dem nicht
nachstanden. Mich hat es erst einmal geschockt, dieses zu
erfahren und zu merken, dass hierzu noch nicht einmal ein
Schuldbewusstsein vorhanden war.

Nun, offensichtlich hast du doch nachgefragt und dich mit der eigenen Familie und deinem Umfeld beschäftigt. Genau wie ich auch. Ich wusste damals auch nicht, welche Antworten ich erhalten würde. Ich muss auch ehrlich sagen, ich bin etwas verärgert, über eure pauschale Art der Dartellungsweise. Vielleicht habt ihr ja von dieser „Verarbeitung im kleinen und im engeren Umfeld“ nicht viel mitbekommen, vielleicht hat er an den für euch relevanten Orten auch nicht stattgefunden, keine Ahnung. Meine Erfahrungen sind diesbezügich jedenfalls anders und nur in einem geb ich euch recht, nämlich dass es selten eine einfache Auseinandersetzung war.

Ich erlebe es in auch so, daß Juden von Nichtjuden meist über
die Schiene „Opfer“ wahrgenommen werden.

… was auch wieder an allen Beteiligen liegt, dieses
langfristig zu ändern. Aber ohne grosse Leistung der
nichtjüdischen Bevölkerung wird dieses nicht möglich sein. Vor
allem der Bereitschaft dazu.

Siehe oben. Frage: Warum wird dieser Punkt von uns anscheinend so unterschiedlich wahrgenommen ?

Nun gibt es die gleichen Maßnahmen beim jüdischen Altersheim.
Als nun diese Maßnahmen ergriffen wurden, bedeutete das für
die meisten Bewohner, die nun mal KZ-Überlebende sind, eine
massive Retraumatisierung.

Genau dieses ist auch bei uns gerade Thema, da es umgebaut
werden soll und der Staat(!) hier höhere Forderung
mittlerweile stellt. Es sind nämlich nicht immer die
Gemeinden, welche diese Standards von sich fordern.

Des Rätsels Lösung dürfte wohl einfach sein, dass möglichst verhindert werden soll, dass in D jemand wegen seiner jüdischen Herkunft zu Schaden kommen soll und dann der Vorwurf erhoben wird, D würde nicht Ausreichendes zum Schutz seiner jüdischen Einwohner unternehmen (klang dieser Vorwurf nicht auch leicht bei dir durch Eli, als es um den Schutz des Grabs des Vorgängers von Bubis ging ?). Natürlich ist auch klar, dass je größer die Sicherheitsmaßnahmen, desto großer muss auch der Eindruck bei Juden bestehen, dass tatsächlich eine große Gefahr vorhanden ist, die vielleicht real in der Größenordnung gar nicht existiert…nur…wehe wenn dann doch mal was passiert…
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, von wem diese vermeintliche Gefahr ausgeht ? Von deutschen Rechtsexremisten ? Von fundamentalistischen Islamischen Gruppen, die immer wieder Anschläge gegen israelische/jüdische Einrichtungen ankündigen ? Wo seht ihr hauptsächlich die tatsächliche Gefahr ?

Für Juden fällt unter „Täter“, wer nicht im Widerstand aktiv
engagiert war, also alle, die dieses System durch Mitmachen,
Schweigen, Arisieren, Profitieren Wegschauen ermöglicht und
aufrecht erhalten haben, was Goldhagen als „guilty bystanders“
bezeichnet hat.

Nun, dann hoffe ich doch, dass diese Kriterien dann auch bei allen anderen Menschen in allen anderen Ländern zu jeder Epoche angewandt werden. Und hier offenbart sich dann auch das völlige Versagen von Goldhagens Theorie, denn demanch dürften wir alle Täter sein. Mir fällt nur auf, wenn dieses Argument von anderer Seite gebracht wird, dann fällt schnell der Vorwurf einer unzutreffenden Relativierung und versuchter Verharmlosung.

Wenn das Maß, das Goldhagen anlegt, jedoch nur für Deutsche gilt und sonst niemanden, dann kann ich nur sagen, jeder, der diese Ansicht teilt, hat ein Problem mit Deutschen, und das ist dann sein Problem, nicht meins.

Es geht hier ja auch um das ganze System und nicht nur um
einige wenige, welche die Befehle ausgeführt haben. Selbst
Hilter wäre ohne diese „Täter“ in dieser Form nicht denkbar
gewesen und viele andere Bereiche zeigen z. B. das Widerstand
sehr wohl und folgenlos möglich war. Wenn ich hier also von
Tätern sprechen, dann geht es mir eben auch gerade um die
Nachbarin, welche damit leben konnte, ihre Nachbarn zu
vertreiben. Deren Möbeln sich anzueignen und hinterher nur
schlecht über die Menschen zu reden, welche ihnen vielleicht
vorher sogar die Wohnung besorgt haben. Diese kleinen Täter
haben die Schoah ermöglicht und nicht die Wachmanschaften.

Sicher, die Welt ist voll von diesen kleinen Tätern, das war damals nicht anders als heute. Zu Zeiten als ich mich viel in Projekten mit „unterentwickelten“ Ländern engagierte hörte ich oft die Frage: „Und ? soll ich mich jetzt schuldig fühlen, dass ich davon profitiere, weil es anderen Menschen in anderen Ländern schlecht geht, und ich auch nichts unternehme, um ihr Verhungern zu verhindern ?“. Tja…schwierige Frage…wie fühlt ihr euch denn dabei Eli und Iris ? Macht ihr euch Gedanken, wie es bei Leuten weitergeht, die aus dem Asylbewerberheim ein paar Straßen weiter abgeschoben werden ?

Warum ich das Frage ? Nun, ich denke, bei der Frage nach den „kleinen“ Tätern darf es nicht bleiben. Wenn diese Frage keine Konsequenz nach sich zeiht, dann kann sie meiner Meinung nach auch gerne unbeantwortet bleiben. Welche Relevanz hat sie denn sonst ?

Gut, wo sind denn die Theorie der Täter über sich selbst?

siehe Welzer und Rommelspacher

Und siehe deren Bekanntheitsgrad.

Ich befürchte die Theorien der Täter über sich selbst sind ähnlich subjektiv, wie die Theorien der Opfer über die Täter.

Aber nicht die Folgen!

Über die wir hier ja sprechen. Zitate von Hass gegen Juden von
rechtsextremen Seiten welche hier von Experten diskutiert
werden sollen und dürfen.

Nun, sehr viele historische Ereignisse haben ihre Folgen, in sofern möchte ich dir widersprechen Eli. Ein Großteil des Gesichts der Erde einschließlich nie versiegender kriegerischer Konflikte ist z.B. direkte Folge des europäischen Kolonialismus. Auch der erste und zweite Weltkrieg hatte einschneidende Folgen für die Menschen in Europa, mit denen wir noch heute leben.

Allerdings sind auch diese Ereignisse bei den wenigsten Menschen Teil des Bewusstseins, sondern eben Teil der Geschichte.

Gruss
Marion