Hallo,
wenn Du dir mal gesetzliche Unterhaltsregelungen ansiehst, dann ist da grundsätzlich die erste Ausbildung Sache der Eltern. Selbst bei staatlicher Ausbildungsförderung wird nicht erwartet, dass die Empfänger selbst noch hinzuverdienen. Die ist so angelegt, dass man davon - nicht fürstlich aber immerhin - leben kann.
Mit in die „Ausbildung“ fällt meiner Meinung nach auch, dass man sich erste Jobs sucht, und im kleinen Maßstab etwas Geld verdient, erkennt, wie hart es ist, es zu verdienen, und dann aber auch Spaß daran hat, es ausgeben zu können. Greifen wir jetzt noch mal zu Punkt 1 zurück, dann sieht es einerseits für Eltern düster aus, an dieses Geld heran zu kommen, und muss man sich andererseits fragen, was die Konsequenz wäre, hierauf Zugriff zu nehmen. Vermutlich die Weigerung des Nachwuchses überhaupt noch eigenes Geld zu verdienen, und hierzu kann ihn bei laufender erster Ausbildung auch niemand zwingen. Dies ist auch richtig, denn Ausbildung geht vor, und nicht jeder ist so begabt, dass er neben der Ausbildung noch so viel Zeit hat, dass er überhaupt arbeiten gehen kann.
Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage des Zusammenlebens mit erwachsenen Kindern und die gemeinsame Haushaltsführung. Ich kenne viele Familien, und bei uns war es auch so, in denen Kinder gerne etwas vom Selbstverdienten mit eingebracht haben, und stolz darauf waren. Dies setzt aber einen gewissen Umgang miteinander voraus, den ich bei Euch nicht sehe. Du hast hier eine deutliche Anspruchshaltung und recht wenig Verständnis für die Kinder, und gibst ihnen nicht das Gefühl, dass sie stolz darauf sein können, eigenes Geld zu verdienen. Vielmehr verlangst Du Zuverdienst, und willst in letzter Konsequenz Geld für eigenen, privaten Luxus (den Du darüber finanzieren willst, dass die Kinder Teile des Haushalts finanzieren und damit dann Geld für dich frei wird). So kann und wird es nicht funktionieren, und ich kann die Kinder gut verstehen, die sich dem verweigern. Insoweit ist es schon bemerkenswert, dass die Tochter bei Euch offenbar trotzdem laufende Kosten trägt. Und was den Sohnemann angeht, so kann ich die Aufregung auch nicht verstehen, denn er spart ja wohl offenbar Geld für den Führerschein, und schmeißt es nicht einfach raus. Da wären viele Eltern schon erleichtert und stolz.
Um dir mal ein Gegenbeispiel aufzuzeigen, wie es „gut laufen kann“: Wir wurden immer ermutigt nebenbei Geld zu verdienen, bekamen immer Anerkennung für unsere Jobs und unseren Verdienst. Es gab Absprachen, dass größere Anschaffungen geteilt wurden, die sonst in kleinerer Form oder gar nicht als Geschenk möglich gewesen wären. Das spornte enorm an. Und da wir immer schon eine verfressene Bande waren, hat es uns allen immer wieder einen Riesenspaß gemacht, auch mal das Wochenende mit der ein oder anderen Leckerei zu bestreiten, die dann in gemütlicher gemeinsamer Runde Anerkennung fand. Da kam schnell mal ein Hunderter an so einem Wochenende für Wein, Wurst, Käse, Fisch und Fleisch, … zusammen, was natürlich auch die Haushaltskasse etwas entlastet hat. Hätte man den Hunderter von mir bar verlangt, und einen Anspruch hierauf geltend gemacht, hätte ich vermutlich auf die Nebenjobs verzichtet.
Gruß vom Wiz