hallo alle!
Schule Studium: Da müsste sich was tun!
Es erfolgt einfach keine vernünftige Vorbereitung auf ein
mögliches Studium.
Jepp! Das kann ich bestätigen! Darüber hab ich sogar nen Artikel in unserer Streikzeitung geschrieben :oD
Ich hatte nach meinem Abi (1997) keinen blassen Schimmer, was ich mal beruflich machen wollte. Erst letzten Sommer kam die Erleuchtung - davor war ich mal zwei Semester für irgendwas an irgendeiner Uni eingeschrieben, hab dann ne Tischler-Ausbildung gemacht und mich auch mal bei der ZVS für ein Architekturstudium beworben… Jetzt will ich Journalistin werden!!! Welch eine Karriere…
Klar, in den zwei „Pseudosemestern“ hab ich sozusagen „schmarotzt“ (oder so)… Semesterticket im VRR ist schon was Feines. Aber was hätte ich sonst machen sollen? Arbeitslos melden? *Dann* hätte ich ja dem Steuerzahler mal wirklich auf der Tasche gelegen. Und wäre womöglich noch in irgendeine Jobmaßnahme gesteckt worden, die mich in Depressionen gestürzt, aber kein Stück weitergebracht hätte. Die Berater im Arbeitsamt haben mir auch noch nie helfen können (wirkten auch selten wirklich interessiert), und diese komischen Computerergebnisse in Sachen „Traumjob“ waren echt zum Totlachen… Friseuse sollte ich werden, oder Herrenschneiderin. Nichts gegen diese Berufe, aber das ist *absolut* nicht mein Ding! Wie kommt so’n Computer dadrauf?? Egal.
Jedenfalls musste ich erstmal mich selbst finden, Erfahrungen machen, verschiedene Jobs ausprobieren. Ich war ja durchaus nicht untätig in dieser Zeit. Hab mir selbst HTML beigebracht, Schwedisch, deutsche Geographie (waren das noch Zeiten, als das Semesterticket 35 DM für zwei Tage kostete…), hab ohne Ende englische Bücher und Filme konsumiert (das das was gebracht hat, merke ich jetzt im Studium - die Leute, die frisch von der Schule kommen, haben alle im Einstufungstest (auf Niveau der Zwischenprüfung) total mies abgeschnitten, ich dagegen hab schon vor Beginn des Studiums theoretisch einen Teil der Zwischenprüfung bestanden…) und hab auch sozusagen das Selbstbewusstsein entwickelt, mal den Mund aufzumachen, wenn ich was zu sagen hab. In der Schule hat mich die mündliche Note immer total runtergezogen. Und wenn man den Mund nicht aufkriegt, hat man an der Uni schon verloren! Die ganzen Referate und so machen einen dann doch total fertig. Darauf zum Beispiel wird man überhaupt nicht vorbereitet. Irgendwie dachte ich bei Studium immer nur an Leute, die in Hörsälen sitzen und ohne Ende Notizen machen…
Es wäre z.B. gut, wenn man ein Fach wie „Berufskunde“ hätte, auch am Gymnasium. Da sollte man dann am Besten auch ab und zu mal „lebende Beispiele“ aus den verschiedenen Berufen einladen, und die Schüler Fragen stellen lassen. Studenten sollten natürlich auch zu Wort kommen.
Ganz wichtig wären auch kleinere Klassen, bzw einfach mal das Aufspüren und Fördern von Talenten. Ich war nie in der Schülerzeitung, schon weil ich nicht die Traute hatte, aber in der Berufsschule hat mir dann mal eine Lehrerin gesagt, ich hätte einen richtig guten Schreibstil, und ob ich das denn nicht mal professionell nutzen wolle? Da war ich vorher nie drauf gekommen, obwohl das Schreiben von Reiseberichten und Kulturkritiken im Internet das einzige war, worauf ich mich während langer Arbeitstage immer wirklich gefreut hab… Das war noch nicht mal ne „gute“ Lehrerin (konnte sich nicht durchsetzen), aber immerhin hat sie sich die Mühe gemacht, ihre Schüler zu beobachten und auf Besonderheiten hinzuweisen. Die meisten anderen wollten doch immer bloß mit ihrem Stoff durchkommen.
Und noch ein Wort (nach dieser Laberei ;oP) zum Thema Studiengebühren an und für sich:
Was ich an der ganzen Sache am gefährlichsten finde, ist die Wahrscheinlichkeit, das, wenn einmal Gebühren da sind, die auch ansteigen werden. Wenn die Regierung wirklich der Meinung ist, dass Studiengebühren ein Muss zum Mithalten in der internationalen Konkurrenz sind, wie lange dauert es dann wohl, bis wir solche Zustände haben wie in Amerika und weiß der Geier wo noch? Und obwohl es da viele Stipendien und sowas gibt, fallen doch immer wieder höchst begabte Leute durch die Maschen des „sozialen Netzes“, vor allem solche Leute, deren Begabung nicht ganz in das Raster passt, sprich, die was Neues und Innovatives einbringen könnten. Ich kenn da so einen Fall… er reißt sich in seiner Freizeit (mit Verlaub) seinen Arsch auf, um Reisende kostenlos mit richtig guten Urlaubsinfos zu versorgen, und das einzige was er dafür kriegt ist ein relativ hoher Platz in der Rangliste von www.virtualtourist.com. Bezahlen tut ihm das keiner, er macht es nur Spaß - sicherlich würde er in einem tourismusorientierten Studiengang ganz gut aufgehoben sein (bloß leider wäre dieser Studiengang vermutlich eher auf „normalen“ Tourismus ausgelegt, weniger auf Rucksackreisen, was sein Spezialgebiet ist), aber so ein Studium kann er sich nicht leisten.
Und ich auch nicht, sonst wäre das nämlich meine erste Wahl gewesen. Aber 6000 Euro im Jahr bezahlen, bzw unter Leistungsdruck ein Stipendium durchziehen, das schreckt mich schlicht und einfach ab. Ich kann mit Stress nicht besonders gut umgehen, hatte auch während meiner Ausbildung durchaus schon depressionsartige Zustände (auch wegen mieser Arbeitskollegen, vor allem aber, weil ich keine Zeit für meine eigentlichen Interessen hatte, sprich: mich nicht ausleben konnte).
Alle reden immer schön von Burnout-Syndrom und stressgeschädigter Gesellschaft - schön, ich bin stressgeschädigt, weshalb ich’s auch in den ersten zwei Semestern meines jetzigen Studiums eher langsam hab angehen lassen. Nicht *ganz* langsam, aber *etwas* langsamer. Dank der Strukturierung meines Studiengangs verlängert sich dadurch mein Studium automatisch schon mal um zwei Semester (Veranstaltungen beginnen nur einmal im Jahr). Mir persönlich macht das nicht viel aus, ich hab`s nicht sooo schrecklich eilig Als Journalistin, denke ich, muss man ne Menge außergewöhnliche Lebenserfahrung sammeln, um fundierte Berichte abliefern zu können (ich hasse es, mit nichts als meinem eigenen Halbwissen als Grundlage etwas schreiben zu müssen!). Außerdem weiß ich ja, wie übel Stress mir zusetzt… aber erklär das mal der Regierung…
Und nun, zu guter Letzt, meine „Traumvision“ vom netteren Weg zur finanziellen Unterstützung der Unis: Angenommen, die Leute wären nicht egoistisch, angenommen, sie hätten keinerlei Bedürfnisse, irgendwen mit irgendwas zu bestechen, dann könnte man doch zum Beispiel konkrete Projekte an den jeweiligen Unis ankündigen (z.B.: Leute, wir brauchen ein neues Altertumslexikon, Kostenpunkt 20.000 DM…), und dann die Studenten und sonstige Willige zum Spenden bitten. Ich selbst bin nicht wirklich reich, aber ich habe schon z.B. für die Erhaltung eines Internetforums gespendet, nur weil ich es für sinnvoll und nötig hielt. Und ich würde auch für etwas mehr Farbe an meiner Uni spenden ;oP Auch wenn das vielleicht albern klingt, angesichts überfüllter Kurse und mangelnder Materialien, ich bin mir ziemlich sicher, dass ein angenehmes Umfeld auch die Studi-Laune, und somit die Lerneffektivität anhebt.
Genug geschwallert.
ciao
Annie