Hallo Axel,
warum denn keine Studiengebühren?
weil ein Staat von gut ausgebildetetn Menschen mehr Nutzen hat
als von weniger gut ausgebildeten. Nebenbei auch mehr Einnahmen.
Der Staat hat genau dann Nutzen von studierten Menschen, wenn sie eine ihrer Ausbildung entsprechend bezahlte Stelle finden. Arbeitslos haben sie nur Kosten verursacht, ebenso, wenn sie keine angemessene Stelle finden oder ins Ausland gehen. Wenn es also um den Nutzen geht, müsste man durch entsprechendes Angebot dafür Sorgen, daß nicht wesentlich über Bedarf ausgebildet wird. Dann aber wären wir bei der Planwirtschaft gelandet, die aufgrund ihrer Starre meist daneben liegt.
Studiengebühren wären für mich aber ein Mittel, diejenigen vom Studium abzuhalten, die eigentlich gar nicht ‚studieren‘ also lernen wollen, sondern nur ‚ein Studium machen‘ wollen, also irgendwas machen, was weniger anstrengend ist als zu arbeiten. Also eine Art ‚Schutzgebühr‘. Mit Ausnahmeregelungen für leistungswillige und -fähige Studenten.
Der Kindergarten kostet mich
zur Zeit 110Euro pro Monat. Warum, bitte, soll also das
Studium kostenlos sein?
m.E. sollte auch ein Kindergarten kostenfrei sein.
Dann sind wir uns einig. Wenn wir auch noch die Schule in den Kreis aufnehmen. Inclusive Nebenkosten.
Warum, bitte, soll die Allgemeinheit
den Studenten das Studium finanzieren, nur damit die hinterher
ein höheres Einkommen erlangen können? Ist das nicht deren
Privatvergnügen, da sie schließlich auch den Nutzen daraus
ziehen?
Diese Argumente sind genaus bekannt wie falsch.
Von studierten (bzw. gut ausgebildeten) Menschen hat die
Allgemeinheit (Staat) wesentlich mehr als von nicht
studierten.
s.o.
Eine der wenigen ‚Rohstoffe‘ mit dem D noch einigermaßen
mithalten kann ist das Hirnschmalz.
Da kann ich nur zustimmen. Rohstoffe und billige Arbeitskraft haben wir hier keine. Wir können nur Wissen verkaufen.
Wenn nun aber durch Studiengebühren (ich red jetzt nicht von
Ewigstudenten) einen nicht geringen Teil Studienwilliger und -fähiger
von einem Studium ausschließt,
Genau das darf nicht passieren. Und muß auch nicht passieren, wenn Studiengebühren nach Leistung erhoben werden.
wird die Wirtschaft irgendwann
lamentieren, es gäbe nicht genug Fachmenschen (das tut sie
übrigens in einigen Bereichen jetzt schon).
Dann werden Programe zur Zuwanderung gefordert etc. obwohl
brachliegendes ‚Kapital‘ gar nicht aktiviert bez. sogar
ignoriert wurde.
Jetzt bitte keine Argumente wie ‚In den USA geht das aber auch
…‘
Dort studieren sehr viele mit hilfe von Stipendien und
Stiftungen.
Solche Strukturen gibt es in D wesentlich weniger und bis so
was überhaupt aufgebaut ist (wenns denn überhaupt klappt),
werden sicher viele Jahre ins Land gehen.
In den USA geht es genau NICHT. Abgesehen davon, daß dort tatsächlich Geld über Studienplatz und Studienerfolg entscheidet, ist das Studium an vielen Universitäten wesentlich schlechter als bei uns. Und das haben mir mehrere Studenten bestätigt.
In anderen Ländern ist die Quote der Studierenden weit höher
und wir können es uns schlicht nicht leisten, noch weniger
Studenten zu haben.
Quoten sagen gar nichts aus. Wenn man ein Studium für alle einführt, in dem jeder aber nur das Zählen bis drei lernt, haben wir 100% studierter Leute, die zu absolut nichts nütze sind. Deshalb kann ich nur jedesmal mit dem Kopf schütteln, wenn wieder die neuesten Statistiken in der Zeitung stehen: Land X hat soundsoviel Abiturienten und Studenten mehr als wir. Jedesmal werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Ein Beispiel: wir sind grad dabei, den Bachelor und Master einzuführen. Weil das ja international anerkannt sei. Und gleichzeitig schielen die Amerikaner auf das deutsche Diplom, weil das ‚richtige‘ Ingenieure hervorbringt und nicht nur Techniker (ohne Techniker abwerten zu wollen). Was meinst Du, wie das die Statistiker dann hinterher auf einen Haufen werfen werden. Da wird dann munter der drei Jahre dauernde Bachelor mit dem vier Jahre dauernden FH-Diplom gemischt und mit den zwei Jahre zusätzlich dauernden Master garniert. Ohne dabei zu erwähnen, daß er vielleicht noch Unterschiede zwischen den Uni- und FH-Versionen der beiden Titel geben wird.
Und wenn Du mal ein deutsches Abitur mit seinem amerikanischen, englischen oder französischen Pendant vergleichst, wirst Du auch einige kleine Unterschiede bemerken - wenn der Vergleich doch nicht mal innerhalb Deutschlands klappt.
Da sind Studiengebüren (momentan) einfach kontraproduktiv.
Kommt immer drauf an, was man daraus macht und wie man es macht. Ich befürchte allerdings, daß Studiengebühren ganz allgemein eingeführt werden, ohne sie an irgendwelche Bedingungen zu knüpfen (Leistung). Und daß das ausschließlich aus dem Grund geschieht, weil man glaubt, daß hier Geld zu holen ist. Nicht, weil man irgendwelche besonderen Zwecke wie ‚bessere Studenten‘ oder ‚bessere Ausstattung der Unis‘ damit erreichen will.
Gruß
Axel