Sorry, muss mich mal einmischen. Die Sache ist doch einfacher
zu erklären. Aktien sind soviel wert wie der aktuelle
Börsenkurs. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist der Sinn
einer Börse und von Aktienhandel. Sich einzubilden 1 Aktie xyz
ist € 2 wert, an der Börse kann ich sie aber für € 1 kaufen,
also für die Hälfte des Wertes ist Einbildung.
Aber warum gibt es dann die Wörter „unter-“ oder „überbewertet“? Die Börse ist doch nur ein Handelsforum, in dem Leute bekanntgeben, welchen Preis sie im Tausch für ein Gut zu zahlen oder zu empfangen bereit sind. Der Preis, zu dem der meiste Handel stattfinden kann, ist der Börsenkurs. „Preis“ ist aber nicht gleich „Wert“! So wie in „den Ramsch kauf ich nicht, der ist zu teuer. 10 Euro ist der nicht wert“.
Dazu käme wohl noch, dass Dinge für verschiedene Menschen einen verschiedenen Wert haben. Ein Verhungernder würde für eine Banane auch 10 Euro ausgeben. D.h. der Börsenkurs, eine einzelne Zahl, kann nur den durschschnittlichen Wert erfassen, den im Moment diejenigen der Aktie zumessen, die mit ihr zu handeln versuchen. Die, die gerade nicht handeln, werden dabei schon gar nicht erfasst. Und überhaupt sind die Wertvorstellungen der meisten durch unzureichende Informationen beeinträchtigt.
Die Realität
ist, die Aktie ist auch nur € 1 wert. Zukünftig kann sie auf €
2 steigen, aber das ändert nichts am aktuellen Wert.
Wenn ich aber Insider bin und weiss, dass das Unternehmen morgen eine ad-hoc-Meldung herausgeben wird, dass sie ein dickes Goldvorkommen gefunden haben. Ist dann die Aktie aktuell wirklich diesen einen Euro wert, oder ist sie unterbewertet und es weiss nur noch keiner ausser mir? Wenn ersteresm, warum kaufe ich sie dann? Weil der Preis den wahren Wert (noch) nicht widerspiegelt!
Beispiel: Unternehmen EK (nur ein Beispiel!) hat 300 Mio
Aktien. Nach Börsenschluß kommt eine Gewinnwarnung heraus.
Schlußkurs vom Vortag war $ 20, also Marktwert des
Unternehmens 6 Mrd $. Keine einzige Aktie wird gehandelt und
am nächsten Tag ist der Eröffnungskurs $ 15. Marktwert also
4,5 Mrd $. Die Differenz, 1,5 Mrd $ ist vernichtet. Der
Gedanke es habe sich nur die Bewertung geändert, nicht der
Wert ist absurd. Das Gegenteil ist richtig, weil der Wert
gesunken ist hat sich auch die Bewertung an der Börse daran
angepasst.
So, ich geh mal punktweise auf das Beispiel ein:
- Die Gewinnwarnung. Wenn das Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgibt, hat es vermutlich schon vor deren Herausgabe schlecht gewirtschaftet. Es ist also davon auszugehen, dass eine eventuelle Vernichtung von Unternehmenswert doch schon vorher begonnen wurde – nur wurde sie nicht publik gemacht.
- Die „Vernichtung“. Das Wort „Marktwert“ sagt es ja schon – der vom Markt vermutete Wert des Unternehmens ist über Nacht gefallen. Aber was ist nun real vernichtet worden? Der Unternehmenswert (im Sinne von Eigenkapital, Cashflow und Co)? Schon vorher. Die Aktien? Nope, es gibt noch genausoviele. Geld? Nope, es gibt noch genausoviel. Die Aktionäre waren am Tag vorher schon genauso arm, sie wussten es nur noch nicht. Und wahrscheinlich hätten sie, weil auch andere es nicht wussten, ihre Papiere auch noch zu einem höheren Preis losbekommen.
Natürlich gibt es auch Gewinner: alle die, die in
der Aktie short waren über Nacht. Das sind aber unter normalen
Umständen bei einem großen Wert wie EK sicher weniger als 1%
der Aktien. Also stehen weniger als 1% Gewinner 99% Verlierern
gegenüber.
Gewinn und Verlust ist aber noch mal was anderes als Wertänderungen. Im übrigen sind – um eine „wo ist das Geld geblieben“-Betrachtung zu beginnen – alle, die die Aktie schon vor der Gewinnwarnung verkauft haben, ebenfalls zu den Gewinnern zu zählen.
Ich hoffe das Beispiel hat klar gemacht das an der Börse Werte
vernichtet und genauso geschaffen werden und nicht nur den
Besitzer wechseln.
Ich denke eher, an der Börse werden Wertvermutungen angestellt und diese können sich binnen Stunden massiv verschieben. Psychologie der Massen und so. Die tatsächliche Wertschöpfung und -vernichtung findet in der Realwirtschaft statt.
Grüße,
Sebastian