Guten Morgen,
ausgelöst von einer kleinen Diskussion im Brett 50+ möchte ich Euch fragen ob ihr dafür eine Erklärung habt:
Mit zunehmendem Alter empfinde ich es, als ob die Zeit immer schneller verfliegt.
Als Kind konnte ich in einem Tag mehr Aktivitäten unterbringen als heute mit 60 in einer Woche.
Ob das mit der Strukturierung von Zeit zusammenhängt, oder mit der Wahrnehmung von Ereignissen?
Wäre Nett, wenn Ihr mir dazu etwas Fundiertes sagen könntet.
Gruß Eckard
(Diesen Beitrag habe ich übrigens gelöscht und noch einmal neu formuliert.)
Hallo Eckard,
ich habe folgende Links für dich gefunden:
Das Zeiterleben (Sandra Irmer):
http://www.sunbear.de/projekte/zeit/zeit_abgabe.html
(Seniorenberichte)
http://www.bagso.de/718/02_3_04.htm
und eine Dissertation
(Achtung: lange Ladezeit)
http://www.google.de/search?q=cache:UCJg2rQ4mNE:doch…
Vielleicht ist da ja was dabei. Auf alle Fälle ein interessantes Thema.
Herzliche Grüße
Thomas Miller
hallo eckard,
Euch fragen ob ihr dafür eine Erklärung habt:
Mit zunehmendem Alter empfinde ich es, als ob die Zeit immer
schneller verfliegt.
ich habe mir das immer so erklärt:
für einen einjähriges kind ist 1 jahr 100% des lebens, für ein zweijähriges ist es das halbe leben. ein jahr eines 50-jährigen wäre demnach nur noch 1/50 des lebens (monate und wochen entsprechend).
das wäre ja noch einleuchtend. aber:
Als Kind konnte ich in einem Tag mehr Aktivitäten unterbringen
als heute mit 60 in einer Woche.
das empfinde ich gar nicht so! ich könnte heute nicht mehr sagen, was ich als kind alles in einer woche gemacht habe, geschweige denn während der ganzen kindheit.
Ob das mit der Strukturierung von Zeit zusammenhängt, oder mit
der Wahrnehmung von Ereignissen?
wie ist denn die zeit strukturiert? 
die einzelnen ereignisse hintereinander weg wie die perlen auf einer kette? (manchmal zweifle ich daran 
by the way: vor ein paar jahren hatte ich sogar einmal das gefühl, daß die zeit stehengeblieben war. das unheimliche war, daß es nicht nur mir so ging, sondern meinem freund auch. wir hatten uns über alles mögliche angeregt unterhalten (wobei die zeit doch normalerweise vorbei_rast_) und gedacht, es wären viele stunden verstrichen - dabei waren gerade mal 30 min vergangen.
Wäre Nett, wenn Ihr mir dazu etwas Fundiertes sagen könntet.
fundiert war das wohl nicht gerade sorry
es grüßt
ann
Danke, Thomas,
teilweise ist das schon recht interessant, wenn es auch noch nicht ganz das trifft, was ich meine. Ich werde mal selbst ein bissel auf die Suche gehen. Du hast recht, ein durchaus interessantes Thema.
Grüße
Eckard.
hi eckhard,
in einem satz: die zunehmende ereignislosigkeit bewirkt dieses phänomen. wenn dein leben voller ereignisse ist, vergeht dir die zeit langsamer.
cu
strubbel
wenn dein leben voller ereignisse ist, vergeht dir
die zeit langsamer.
Naja, Strubbel,
ich kann eigentlich nicht behaupten, dass mein Leben z.Zt. ereignislos verläuft. Dafür sorgt schon mein Sohn und meine Arbeit
Da passiert laufend irgend etwas, dass meine volle Aufmerksamkeit fordert und gelegentlich ist auch schnelles Reagieren nötig. Es fehlt also nicht an strukturierenden Ereignissen.
Ich bin noch dabei, zusätzlich zu den von Thomas mitgeteilten Links einige weitere Dokumente durchzuarbeiten und komme immer mehr zu dem Schluß, dass ich mit meiner Beobachtung nicht ganz allein dastehe. Offenbar hängt es damit zusammen, dass man sich mit zunehmendem Alter auch zunehmend der verfließenden Zeit bewußt wird, nicht mehr so „in den Tag hinein“ lebt wie früher.
Grüße
Eckard.
Guten Morgen, ups und schon ist wieder abend…
)
…nein ich glaube, dieses Zeitempfinden ist wirklich nur subjektiv zu betrachten, denn die Zeitspanne selber
bleibt, ja wie sie ist. Zeiten vergehen…aber mit dem Alter hat dies nix zu tun. Mein fast 19jähriger empfindet manche Jahre auch als schneller vergangen, nimm nur das Jahr 99/2000 - die Flut der Ereignisse: Jahrtausendwechsel, Sonnenfinsternis, persönl. Tage, Wochen, die zu langsam oder eben zu
schnell vergingen. Oder Urlaub: für die dagebliebenen endlos, für die, die weg sind schnell vergehend, aber wieder daheim,
denkt man, man war rückblickend sehr lange weg.
Das ist imho kein Phänomen, sondern hat damit zu tun, wie intensiv wir den Augenblick erleben. Es gibt Zeit, die nie vergeht, es gibt Zeit, die einem davon zu rennen scheint.
Ich glaube wir alle müßten lernen, mehr im Augenblick zu leben, zu versuchen, jeder Minute (im Alltag fast unmöglich) ihre Berechtigung zu geben, aber zuviel Routine kann das einfach nicht zulassen. Hat man viel zu tun, läuft die Zeit gegen einen, dann ist Org.-Talent gefragt, ist wenig Potential, zieht sie sich wie ein Gummiband, OBWOHL man gerade diese Zeit viel besser nutzen könnte, es geradezu müßte…
Eh ich hier in Assoziationen verfalle: wenigstens einmal
am Tag sollte man sich, egal ob Sekunden, Minuten oder länger die Zeit stehlen, um sich der Zeit richtig bewußt zu werden.
Carpe diem
und ein schönes laaaaaaaaaanges WE
HD
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Hallo Anjabusch,
mit Deiner ersten Deutung hast Du vollkommen Recht. Es ist die Lebensspanne, die dann 1 Jahr kürzer erscheinen lassen. Für die Eintagsfliege ist ein Tag die halbe Ewigkeit - eben das GANZE Leben. :- )))
Zu Deiner Frage: Es ist die KONZENTRATION.
Lange Weile zieht die Zeit, und Konzentration verkürzt sie.
Nur durch starke Konzentration fallen wir GEISTIG aus Zeit und Raum „heraus“. Wir sind nur noch im JETZT und DA. Ich bin NUR ich SELBST, und alles Andere verschwindet (geistig). Unser Selbst ist Zeitlos.
Also bleibt die Zeit STEHEN.
Du hast es eigentlich Selbst geschrieben, daß Ihr Euch angeregt unterhalten habt. Ihr ward BEIDE, voll auf dieses Gespräch konzentriert.
MfG,
Demetrius
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Guten Morgen,
auf jeden Fall spielen beim Zeitempfinden auch chemisch- hirnorganische Vorgänge eine Rolle:
Ich erinnere mich gut aber ungern daran, dass ich einmal unter Cannabis- Einfluß weitgehend das Zeitgefühl verloren hatte und mich vergeblich fragte, wie lange ich schon dort war, wo ich war und dann, wie lange ich mich denn wohl schon fragte, wie lange ich schon dort war, wo ich war usw.usw.
Das Feststellen der Uhrzeit änderte daran überhaupt nichts.
Ein außerordentlich unangenehmes Gefühl von Desorientiertheit und Verlorenheit, durchaus vergleichbar mit dem Gefühl, nicht zu wissen, wo man ist und auch keine Möglichkeit zu haben, dies festzustellen!!
Gruß D.
Husserl
Lieber Eckard,
mir ist gerade noch eine Lektüre-Idee gekommen, von der ich zwar nicht weiß, ob sie einschlägig oder sogar für dich interessant ist, aber mitteilen möchte ich sie dir schon:
Edmund Husserl hat 1928 „Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins“ veröffentlicht. Da geht es um verschiedene Bewusstseinseinstellungen zur Zeit. Das könnte vielleicht interessant für dich sein, denke ich.
-> Husserliana Bd. 10 (1966)
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Ganz lieben Dank! (owT)
.
Hallo DiStu
Ich erinnere mich gut aber ungern daran, dass ich einmal unter
Cannabis- Einfluß weitgehend das Zeitgefühl verloren hatte und
mich vergeblich fragte, wie lange ich schon dort war, wo ich
war und dann, wie lange ich mich denn wohl schon fragte, wie
lange ich schon dort war, wo ich war usw.usw.
Ich lag nach der Entbindung meiner Tochter 3 Tage im Koma. Subjektiv verlorenes Zeitgefühl.
Aber anders gesehen, hab ich dort soviel erlebt …, kann man
sicher nicht mit Deinem Erlebnis vergleichen, weil ich wollte
gar nicht wissen wielange, und warum. Ich war da, wo ich war, so intensiv, nach dem „Erwachen“ wußte ich nimmer, daß ich Leben geschenkt (keine Ahnung, wie ich es ausdrücken soll) hatte und
bekam…???
Manchmal frag ich mich heute noch, lieg ich jetzt in der Zeit-
schleife, oder ist das alles nur ein Traum gewesen.
Dann ist unser Leben zeit(los) und so soll es sein, mal nicht
subjektiv ausgedrückt—
Herzl. Gruß
Hd
Hi Thomas
Edmund Husserl 1928 „Vorlesungen zur Phänomenologie des
inneren Zeitbewusstseins“
Bin stolzer Besitzer eines antiquarischen Exemplars eines Sonderdrucks der Vorlesung, aus „Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung“ Bd IX, 1928
mit Vorbemerkung von Heidegger…
muß ich doch grad mal loswerden
))
Grüße
Metapher
Hallo Metapher,
Bin stolzer Besitzer eines antiquarischen Exemplars eines
Sonderdrucks der Vorlesung, aus „Jahrbuch für Philosophie und
phänomenologische Forschung“ Bd IX, 1928
mit Vorbemerkung von Heidegger…
toll, das ist inzwischen bestimmt selten. Ich hab nur einen Nachkriegserstdruck eines Heideggerbandes.
By the way: Ich war mir ja nicht sicher, ob der Inhalt einschlägig ist. Vielleicht kannst du Eckard sagen, ob sich die Lektüre für ihn lohnt …
Herzliche Grüße
Thomas Miller
Phil. & Psych. zur Zeit(wahrnehmung)
Hi Eckard
zu der Husserl-Empfehlung von Thomas Miller (Posting unten):
By the way: Ich war mir ja nicht sicher, ob der Inhalt einschlägig ist. Vielleicht kannst du Eckard sagen, ob sich die Lektüre für ihn lohnt …
Ja - sie lohnt sich sicher, nicht nur für die ursprüngliche Frage, wie der altersbedingte shift in der subjektiven Zeitwahrnehmung zu verstehen ist. Es geht um alle Formen des Zeitbewußtseins. Es ist natürlich eine philosophische Abhandlung. Klar, daß sie sich nicht wie ein Krimi liest…
Wer sich weiter in solche Fragen der Zeitwahrnehmung einlesen möchte, kommt nicht um das älteste Meisterwerk zu diesem Thema herum:
Augustinus: Bekenntnisse, Buch XI
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3423300930/qid… (dt.)
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3458327029/qid… (lat./dt.)
Weiter ist sehr zu empfehlen ein Philosoph, der sich eh in vieler Hinsicht zu lesen lohnt. Ich habe nie jemand mit einem solchen geradezu gigantischen literarischen Wissen (in jeder Hinsicht, nicht nur bzgl. Philosophie) kennengelernt:
Hermann Schmitz: System der Philosophie. 5 Bde (= 11 Bücher)
Bouvier Vlg. Bonn. 1964ff
Zum Thema speziell der Bd.1: „Die Gegenwart“
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3416002849/qid…
Ferner findet sich einiges bei den neueren Klassikern bzgl. des Themas:
Henry Bergson: Materie und Gedächtnis (Sammlung mit mehreren Abhandlungen)
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3787310274/qid…
John McTaggart: The Nature of Existence Vol. II, Ch. XXXIII
und eine psychologische Abhandlung:
Theo Rudolf Payk: Chronopathologie im Grundriss. Stuttgart 1979
ISBN 3777304522 Buch anschauen
(scheint nicht mehr im Handel zu sein)
Grüße
Metapher