Moin Christian,
Vorteil: Subventionsabbau, denn zumindest die WTO betrachtet
dieses „Bauerngehalt“ nicht als Subvention sondern als
Umweltbeihilfe.
Besser?
ja. Zumindest für die Bauern.
Wieso für die Bauern?
Für die Konsumenten sind die
Subventionen weiterhin ohne Wert. Was ich vorher noch
vergessen hatte: Viele Aktionen der EU dienen ja auch dazu,
das Angebot zu verknappen und auf diesem Wege die Preise zu
erhöhen oder zumindest zu sichern (Stillegung von Anbaufläche,
Butterberg mit anschließender Vernichtung der Ware etc.).
Das ist richtig. Ist ja die Konsequenz, wenn man will, dass Grossagrier nicht den Markt zu stark dominieren. Warum dieser Wunsch besteht, habe ich geschrieben.
Soviel noch zum Thema, daß die Subventionen die Preise am bzw.
auf dem Markt reduzieren.
Die Frage ist, wie die Preisentwicklung wäre, wenn es nur noch die Grossagrarier gäbe.
Mir fällt spontan keine einzige Subvention ein, die die
Situation nicht verschlimmert hat, die eigentlich verbessert
werden sollte.
Och, eine Menge: im Energiebereich, in der Landwirtschaft, im
Wohnungsbau…
Wie du sagst: verbessert, nicht optimiert.
Im Wohnungsbau wirkt das ganze kontraproduktiv. Ich will das
ganze gar nicht in epischer Breite ausdiskutieren, zumal Du
mir zustimmst, daß auch die genannten Fälle nicht optimal
laufen.
Direkte Zahlungen ausschließlich an die Nachfrager
sind in jedem Fall einfacher zu handhaben und zielführender,
als jedes andere Konstrukt. Direkte Zahlung an den
Verbraucher, wenn er Ökostrom bezieht, direkte Zahlung von
Wohngeld usw.
Das 100.000-Dächerprogramm ist eine Sache, die funkioniert,
die Förderung von Katalysatoren für KfZ in den 80ern eine
andere.
Hm. Und bei der Förderung der Windkraftanlagen auch. Auch die Subvention der Atomanlagen hat sie in den Markt gebracht (also den Sinn der Subventionen erfüllt).
o.ä. sind die besten Qualitätskontrolleure, die man sich
vorstellen kann, weil von der Produktqualität die Existenz
abhängt (Birkel!).
Falsch. Wäre dem so, gäbe es nicht die häufigen
Lebensmittelskandale.
Hier sollte man mal untersuchen, wo genau die skandalösen
Produkte aufgetaucht sind, d.h. in welchen Geschäften und
unter welchen Marken.
Eben. Nur wie willst du es untersuchen, wenn die Lebensmittel fast ausschliesslich aus dem Ausland kommen?
Also, wenn Pestizide im Produkt nicht nachzuweisen sind, sind
sie auch kein Problem.
Natürlich sind sie das. Für den Boden, auf dem die Pestizide ausgelassen worden sind.
Bei den beiden anderen Dingen gebe ich
Dir recht. Allerdings wäre Massentierhaltung nur durch Besuch
vor Ort zu „entlarven“
Und wie willst du das machen, wenn das Fleisch aus dem Ausland kommt?
(und Massentierhaltung ist a) nicht
verboten und hat b) nicht zwangsläufig ein Qualitätsproblem
zur Folge)
Ausser natürlich, wenn man Massentierhaltung per se als Qualitätsproblem bezeichnet.
und gentechnisch verändertes Material eigentlich
gar nicht, außer man macht einen DNS-Test.
Eben.
Will sagen: Ob Inland oder Ausland, einige Dinge lassen sich
so oder so nicht entdecken, wenn man nicht vor Ort die Nase
reinsteckt und das passiert in Deutschland auch nicht jeden
Tag.
Richtig. Nur können deutsche Behörden das in deutschen Betrieben weit eher als in amerikanischen oder argentinischen Betrieben durchführen, nicht wahr?
Dabei unterstellst Du weiterhin, daß ausländische Hersteller
ein größeres kriminelles Potential haben (oder meinetwegen
nachlässiger sind), als deutsche.
Nein. Nur dann liegt es ganz in deutscher Verantwortung. Der Bürger kann - über die vom Bundestag beschlossenen Gesetze (oder Europarat) - selbst über die Qualität seiner Lebensmittel entscheiden. Wenn sie aus dem EU-Ausland kommen, kann er das nicht mehr.
Allerdings sollte man mal in
Betracht ziehen, daß deutsche Hersteller nur deshlab zu den
bekannten (und unbekannten) Maßnahmen greifen, weil sie sonst
nicht mehr auf ihre Margen kommen. Im Ausland bei den
genannten niedrigeren Kosten, sieht das u.U. anders aus.
Falsch. Das ist ein zu einfache Bild. Wenn ein Unternehmer seine gewünschte Gewinnmarge hat, handelt er moralisch einwandfrei. Hat er sie nicht, tut er das nicht. Ein Unternehmer handelt entweder moralisch einwandfrei oder nicht. Wenn er es nicht ist, kann er auch bereit sein, eine an sich angemessene Gewinnmarge noch zu erhöhen.
Natürlich arbeitet ein ausländischer Hersteller nach dem
Prinzip der Gewinnmaximierung, aber die Chance, im Jahr
100.000 Tonnen Rindfleisch nach Deutschland importieren zu
können, wäre in einigen Ländern eine Lizenz zum Gelddrucken,
die niemand auf´s Spiel setzen wird.
Falsch. Die (Bundes- oder EU-)Regierung kann erklären, wir wollen, das keine Massentierhaltung bis 2005 mehr in Deutschland/Europa stattfindet. Wäre jetzt extrem und schnell (daher teure) Umwandlung, aber als theoretisches Beispiel egal. Die Bauern müssten sich dann danach richten. Basta.
Wenn diese nicht mehr existieren, kann es heissen, dass der Weltmarkt dieses Fleisch nicht hergibt. Und wo es nicht ist, kann man es auch nicht kaufen. Kurzfristig wieder die ganzen Landwirte in die Höfe zu setzen, ist natürlich nicht möglich.
Fazit: Europa wäre dann von der Qualität des Angebots abhängig, dass es im europäischen Ausland gibt.
Ok, ist eine Position, wenn du die Kontrolle, was du und deine
Kinder zu essen bekommen, aufgeben willst.
Die Kontrolle habe ich schon jetzt genauso wenig, wie ich
Kinder habe. Interessant ist, daß an manchen Stellen immer
wieder die Moralkeule mit den eingravierten Worten „denk an
Deine Kinder“ kommt.
Richtig. Man sollte nicht theoretisch diskutieren sondern auch betrachten, welche moralische Folge die Umsetzung der eigenen Position hätte.
Das war in den 80ern mit dem angeblichen
Waldsterben so, in den 90ern mit den Atomkraftwerken und jetzt
kommt die Ernährung dran. Irgendwie beeindruckt mich das immer
weniger.
Dann ist es dein Problem, wenn du deine politischen Statements nicht an einem moralischen Massstab ausrichtest.
s.o. Wenn der Importeur verlangt, daß die Ware nicht
gentechnisch verändert ist, wird sie es mit einiger
Wahrscheinlichkeit so sein.
Falsch. Ein US-Exporteur kann - selbst wenn er es wollte - dieses praktisch kaum noch (in wenigen Jahren: nicht mehr) liefern, weil aufgrund der Kontarmination über Wind die Pflanzen gentechnisch verändert sind, selbst wenn der einzelne US-Bauer stets gegen Gentechnik war.
Polemik. Gibt es für dich kein Unterschied zwischen dem Gut
Brot und dem Gut Teppich?
Nicht was die Notwendigkeit einer Produktion in Deutschland
angeht.
Ich weiss, du diskutierst hier ohne moralischen Standort. Dann kann man diese Position tatsächlich einnehmen.
Und dann noch eine Erläuterung zum Wort Polemik, das hier
immer wieder gerne falsch gebraucht wird:
"Polemik die, scharfe Auseinandersetzung (oft mit persönlichen
Angriffen). "
Kann ich hier nicht erkennen.
Ich wollte mal freundlich sein und nicht „Schwachsinn“ schreiben.
Wir mögen beim Fall Steinkohle gleicher Meinung sein. Ich
teile aber Deine Ansicht nicht, daß Lebensmittel anders zu
beurteilen sind, als Rohstoffe. Vom ökonomischen Standpunkt
her macht die Produktion/Förderung in Deutschland im großen
Umfang keinen Sinn mehr (Ausnahmen gibt es immer wieder).
Der „ökonomische Standpunkt“ ist alles bei dir?
Dann haben diese den Schuß wohl nicht gehört. Die holländische
Regelung existiert so nicht mehr.
Richtig. Die rechtsaussen-Regierung der Niederlande hat das
Gesetz auf Druck der Energiekonzerne gestoppt. Das bedeutet
nicht, dass es nicht vernünftig war.
Es war nicht vernünftig, unabhängig davon, wie es zu Fall
gekommen ist. Die Art und Weise wie es umgangen wurde, ist da
ein eindeutiger Beleg.
Vor allem der Erfolg des Gesetzes gibt einen klaren Hinweis auf die Gründe des Aufhebens.
Das bedeutet umgekehrt, dass, würde die Regelung in Holland
aufgehoben werden, in Frankreich, Portugal und Deutschland
weniger grauer Strom verbraucht wird. Warum sollten Franzosen,
Portugiesen und Deutsche ökologischer werden, weil Holland
unökologischer wird.
Weil der Strom aus der Steckdose kommt und es kaum eine Sau
interessiert, wie der erzeugt wurde.
Falsch. Weil in Holland grüner Strom genauso teuer war wie
herkömmlicher Strom, beziehen heute eine Million Haushalte
zwischen Flandern und Friesland Ökostrom. „kaum eine Sau“ ist
das wohl nicht.
Naja, Du kennst meine Ansichten über Holländer nicht
Im
Ernst: Es ging ja nicht um Holland, sondern Europa allgemein
(Stichwort „unökologischer“ werden).
Eben. Und in ganz Europa wurde durch das holländische Gesetz mehr grüner Strom verbraucht. Die Begründung habe ich unten geliefert.
Richtig, spielt aber keine Rolle. Wenn ich Ökostrom beziehe,
weiss ich, dass, wenn ich 1 kwh verbrauche 1 kwh Ökostrom ins
Netz eingespeist wird. Ob ich den grünen Strom bekomme oder
du, weiss ich nicht. Aber ich weiss, dass durch meine
Nachfrage der Verbrauch an grünem Strom zunimmt.
Wieso? Hat irgendeiner für Dich einen Hektoliter Wasser den
Berg runterlaufen lassen? Du hast zwar insofern recht, als daß
die Chance darauf, daß neue „ökologische“ Kraftwerke gebaut
werden, wenn die Nachfrage nach grünem Strom steigt. Aber
allein dadurch, daß Du grünen Strom verbrauchst, passiert erst
einmal gar nichts.
Doch, genau das passiert. Es gibt Stromlieferanten, die ihre Einnahmen direkt in den Ausbau ökologischer Energie stecken. Wenn sie also 1 MWH anbieten, aber die Nachfrage über 2 MWH erhalten, dann müssen sie - so haben sie sich selbst vertraglich verpflichten - die Produktion um 1 MWH Stunde grünen Strom erweitern (über Neubau).
Im Gegenteil, wenn ich noch mal an die trotzdem mitlaufenden
konventionellen Kraftwerke erinnern dürfte.
Die haben damit nichts zu tun.
Der Ökostrom ist vorher in Skandinavien erzeugt und produziert
worden.
Falsch (nach deinen eigenen Worten). Denn du hast selbst geschrieben, dass Skandinavien aufgrund der holländischen Nachfrage sich mit der Produktion von mehr grünem Strom als vorher brüstet. Das heisst, Skandinavien hat seine Produktion in grünem Strom aufgrund der holländischen Nachfrage ausgebaut.
Aufgrund der holländischen Regelung wurde er in
Skandinavien erzeut und in Holland verbraucht und zwar nach
erheblichen Verlusten beim „Transport“. Daran vermag ich keine
„ökologische“ Errungenschaft zu erkennen.
Nebenbei bemerkt: Die Frage ist, was ökologisch gewonnener
Strom eigentlich sein soll. Energie kann per se nur nutzbar
gemacht werden, wenn man in die Natur eingreift. Ob man Licht
daran hindert, den Boden zu erwärmen, Wind daran hindert,
Luftdruckunterschiede auszugleichen oder Wasser daran hindert,
ungebremst sein Ziel zu erreichen. Die Effekte sind da und
werden sich irgendwann auch bemerkbar machen.
Du meine Güte! Natürlich hat jede Stromproduktion einen negativen Effekt. Am besten ist es daher auf Energieeinsparung zu setzen (obwohl es auch dort Ausnahmen gibt: ein Alu-PkW spart Benzin, kann aber dennoch ökologisch schädlicher sein, weil die Produktion von Alu sehr viel Energie verbraucht. Man muss also eine Gesamtbilanz aufstellen). Dennoch gibt es klar, dass Solar- und Windenergie ökologisch weniger schädlich als Öl oder Gas sind. Unschädlich sind natürlich auch die alternativen Energieträger nicht, aber eben weniger schädlich.
Ciao
Ralf