Ahoi.
Warum denn das? Gerade das macht es doch zu Nazisymbolen. Und
das nur, weil sie 12 Jahre benutzt wurden? Gegenüber einem
Zeitraum von tausenden von Jahren.
Wir Deutschen sind - logischerweise - die einzigen, die mit der Benutzung bestimmter Begriffe Probleme haben. Kein Engländer oder Ami bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn er den Begriff „Rasse“ im Zusammenhang mit Menschen benutzt; nur bei einem Deutschen fangen die Jahre der Nazis (es waren übrigens nicht zwölf, sondern m.W. 1000 *g*) gleich wieder an, im Hirn zu spuken. Dabei ist der Begriff an sich ja nicht falsch oder bäh, weil er ganz neutral und unschuldig einen Sachverhalt beschreibt - nämlich, dass es durchaus unterschiedliche Menschenrassen gibt.
Als 1962 Geborener könnte ich mich auf die Gnade der späten Geburt berufen und fröhlich alle von den Nazis missbrauchten Begriffe nach Lust und Laune benutzen - es wird aber nicht klappen. Wenn ich mit einem Afrikaner rede, passe ich auf wie ein Luchs Filter, damit mir ja kein falsches Wörtlein entschlüpft, und wenn doch, schäme ich mich wie ein Bettnässer. Selbst dann, wenn - was der Regelfall ist - mein Gesprächspartner gar nichts dabei findet …
Dazu brauche ich nicht einmal Predigten über „political correctness“, sondern es läuft automatisch. Das Teufelchen im Hinterkopf springt aus der Kiste „Du, Du böser Nazibegriffsbenutzer, Duuuu …“.
Ob das gut ist? Einerseits ja, weil es uns Deutschen eine Hemmschwelle verpasst hat, die sich als sehr nützlich erweisen könnte, falls mal wieder ein Demagoge oder deren zwo auf krude Ideen kommen könnte(n) …
Andererseits aber sind die Zerknirschungsorgien gegenüber Menschen, die in keinster Weise die Absicht haben, ihren deutschen Gesprächspartner in die Naziecke drängen zu wollen, einfach nur peinlich. Trotzdem wird es kaum gelingen, über diesen großen braunen Schatten zu springen …
Andere Völker haben andere Probleme mit ihreer eigenen Geschichte. Erwähne doch mal beiläufig gegenüber einem halbwegs gebildeten Yankee den Namen „Bull Run“, oder auch „My Lai“ gegenüber einem Ami überhaupt …
Wenn das so wäre, müßte ich meine Eltern verstoßen, weil sie
damals lebten. Müßte meine Schwester ignorieren, weil sie 1933
geboren wurde. Müßte mich erschießen, weil ich 1939 geboren
wurde.
Konsequenterweise müsste man dann diesen ganzen merkwürdigen Planeten vogonisieren - der war nämlich in dieser Zeit auch da. Abgesehen davon, dass es m.E. Panne ist, Personen und Begriffe gleichzusetzen …
Und willst Du jetzt den alten Liszt in die Nazikiste stecken??
Auch Wagner wird heute in Israel wieder gespielt. Sollen wir
nachtragender sein, als die Juden, die nun wirklich Grund dazu
hätten?
Ich glaube, niemand, der noch alle Tassen in der Reihe hat, würde Liszt in die Nazikiste stecken wollen. Nur dieses spezielle Stück wird, so lange noch Menschen leben, die sich an seinen Missbrauch erinnern können, eben, wie Stucki richtig schrob, „kontaminiert“ bleiben - das sagt aber weder über das Stück an sich noch über den Komponisten etwas aus. BTW : Es ist auch kein Verbrechen, Adolf zu heißen oder, wie mein Vater, Richard Wagner. Glaubst Du aber allen Ernstes, diese Namen genössen heutzutage besondere Popularität?
Es gab vorher keine.
Ich habe selbst mit Sammelbüchsen fürs Müttergenesungswerk
gesammelt. Vorher wurden die Winterhilfswerbeschriftungen von
uns übergemalt.:
Na, mag ja sein, dass Sammelbüchsen aus der Vornazizeit rar gewesen sind - schon allein wegen des kriegswichtigen Metalls - aber dass es keine gegeben haben soll, kann ich doch nur mit etlichen Fässern Salz genießen.
Gruß kw