Hallo Semjon,
Ich wollte sagen, dass es ein „Land der Täter“
nicht geben kann; eher eine Welt voller Zufälle
und die Chance für „Täter“ und „Opfer“ jeweils
durch geschichtliche Gegebenheiten auf der einen
oder anderen Seite stehen zu können.
der letzte Teil Deiner Aussage ist ein Gemeinplatz. Ich kann leider nicht behaupten, dass ich damals als Jugendlicher nicht mit leuchtenden Augen hinter den Fackeln hergelaufen wäre, mit dem glühenden Wunsch, das deutsche Volk wieder groß zu machen. Es ist nicht mein Verdienst, dass ich nicht zum Täter wurde.
Dennoch wurde der Nationalsozialismus in Deutschland groß und fand die Unterstützung eines Großteils der deutschen Bevölkerung. Deutschland führte Angriffskriege und das deutsche Volk sah weg, duldete oder leistete Unterstützung, als aus seiner Mitte heraus Millionen von Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Neigungen oder auf Grund von Behinderungen erniedrigt wurden, verschwanden und industriell ermordet wurden. Es war Deutschland, das Menschen in den besetzten oder teilbesetzten Ländern die Gelegenheit gegeben hat, ihre eigenen antisemitischen Resentiments auszuleben. Daher glaube ich, doch von einem Volk der Täter sprechen zu können.
Grüße, Thomas