Technik des Speerwurfs

Hallo,

gerade sah ich einen Leichtathletik-Wettkampf. Speerwerfen. Entscheidend für die erzielte Weite sind Geschwindigkeit und Winkel des Speers in dem Moment, wenn der Speer die Hand des Werfers verläßt. Die Geschwindigkeit besteht dabei aus der Wurfbewegung des Armes des Werfers und der Geschwindigkeit des Werfers am Ende des Anlaufs.

Der (vereinfacht dargestellte) Bewegungsablauf: Anlauf, dann Drehung, um in Wurfposition zu kommen und schließlich der Wurf. Dabei fiel mir auf, daß ein großer Teil der im Anlauf gewonnenen Geschwindigkeit während der Drehung (um den Körper in Wurfposition zu bringen) verloren geht.

Nun meine Frage: Ist das eine Täuschung, der ich dabei aufsitze oder ist das schlicht ein nicht optimierter Bewegungsablauf?

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

nein… du unterliegst keiner optischen Täuschung :smile:

Der Körper wird einfach langsamer…

das beruht zum einen darauf, dass man ja auch nicht über den Balken darf, sonst ist der Wurf ungültig und zum anderen, dass die Geschwindigkeit nicht so entscheidend ist für den Wurf.

Das entscheidende ist dabei, die Rumpfbewegung in einer Reflexschnelligkeit durchzuführen, die den Speer wie von einem Katapult wegschleudern lässt.

Den letzten Schliff bekommt der Wurf dann durch den gestreckten Arm.

Gruß
Marco

Hi,

einfach mal selber einen Ball nehmen, auf den Sportplatz gehen und versuchen ihn so weit wie möglich zu werfen. Nach einiger Zeit wirst Du sehen, daß es nicht auf Deine Laufgeschwindigkeit ankommt. Im gegenteil, wenn Du zu schnell bist, kann das sogar Deine Technik erheblich behindern und der Wurf geht in die Hose. Wenn Du weißt wie, dann kannst Du sogar aus dem Stand (mit einem kleinen Hopser) die gleiche Weite erzielen wie aus dem Lauf.

Gruß,
G.

Guten Morgen!

Offenkundig hatte ich den Zweck des relativ weiten Anlaufs falsch beurteilt. Danach dient er nicht vorwiegend als Geschwindigkeitskomponente für den Speer, sondern als Vorbereitung für die kraftvolle Drehung in die Wurfposition.

Gruß
Wolfgang

Hallo Grishnak,

Wenn Du weißt wie, dann kannst Du
sogar aus dem Stand (mit einem kleinen Hopser) die gleiche
Weite erzielen wie aus dem Lauf.

Na und warum nehmen dann die Speerwerfer einen so langen Anlauf?

fragt sich
Roland

Hallo Roland,

der Anlauf dient primär nicht der Geschwindigkeitsaufnahme, sondern hilft beim Timing. Wenn Du mal genau darauf achtest, dann hat jeder Werfer einen bestimmten Rhythmus und Ablauf in seiner Schrittfolge. Entscheidend für den Wurf sind eigentlich nur die letzten drei Schritte, bei einem Rechtshänder links-rechts-links, und die kann man theoretisch auch mit einem kleinen Hopser nach oben und vorne machen, ohne vorher 20 Meter angelaufen zu sein. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich bin zwar kein Speerwerfer, aber ich spiele seit über 10 Jahren Baseball und wie Du vermutlich weißt, kommt da auch einiges auf den Wurf an. ;o)

Gruß,
G.

Ich weiß es wirklich!! - im Gegensatz zu Baseball-
Spielern!
Sorry, nicht böse sein, aber zu sagen, daß die Anlaufgeschwindigkeit kaum wichtig ist, ist schlichtweg Blödsinn!

Der Anlauf, und die Energie, die damit erzeugt wird (Körper in Bewegung!), soll im Idealfall zum Großteil auf den Speer übertragen weden!
Er dient primär zum „Spannungsaufbau“!
Wenn du genau hinsiehst, bringt der Werfer im vorletzten Schritt die rechte (beim Rechtshänder) Körperseite extrem schnell nach vorne - zuerst das Knie, dann die Hüfte, und zuletzt die Schulter!
Der Wurfarm wird, so lang es geht, verzögert, um eine schon unmenschliche Spannung im Schultergürtel zu erzeugen, die sich im Moment des Wurfs blitzartig entlädt!
Der linke Fuß dient dabei als Widerlager!
Dementsprechend groß muß auch die Beinkraft eines Speerwerfers sein, um innerhalb (fast) eines Schrittes die ganze Wucht des Anlaufs abzufangen!
Wenn ich den Anlauf nur des Rhythmus wegen bräuchte, könnte ich ja auch mit kraftlosen Beinen genau so weit werfen, was aber definitiv unmöglich ist - und wenn man sich diese Typen ansieht, dann weißt du, wovon ich rede!

So weit eine ganz kurze Erklärung!
Da gibts Bücher, die allein den letzten Schritt über 5 Seiten erklären!
Und selbst das ist noch zu wenig!

P.S.: Das was du als Drehung beschreibst, ist in Wirklichkeit nur : zuerst eine extreme Verzögerung der Wurfseite, die dann schlagartig, ohne den Arm, über das Stemmbein gebracht wird, um die ganze Energie voll in den Wurf zu bringen, d.h. um den Speer voll zu treffen, und nicht links oder rechts die Energie daneben vorbei verpuffen zu lassen!

Naja, ich hoffe, geholfen zu haben!

Ciao, Sascha (der Jan Zelesny über alles liebt und bewundert!)

1 „Gefällt mir“