Hallo Tom,
ein Tinnitus kann unzählige Ursachen haben, aber wenn es wahrscheinlich die Böller waren, würde ich mich darauf konzentrieren und andere Möglichkeiten ausser acht lassen.
Die gute Nachricht ist, dass ein durch ein Knalltrauma verursachter Tinnitus in fast allen Fällen wieder verschwindet. Selbst diejenigen, die ihn dauerhaft haben, lernen bis auf wenige Ausnahmen, damit umzugehen und ihn irgendwann nur noch als lästig zu empfinden, ohne dass er ihr Leben beeinträchtigt. Nur ganz wenige, im Promillebereich, belastet der Tinnitus erheblich.
Medizinische Behandlung ist so eine Sache. Eigentlich fischen die im Trüben, weil man noch garnicht weiss, was genau beim Tinnitus passiert. Blutverdünner und Kortison, die Standartteraphie kann helfen, muss aber nicht. Der erfolgsversprechenste Forschungsansatz geht davon aus, dass der Tinnitus durch „Fehlschaltungen“ im Hirn entsteht, also eigentlich ein neurologisches Problem ist. Es ist gerade ein Medikament in der Testphase, das 2013, glaube ich, auf den Markt kommen soll.
Das wichtigste in der akuten Tinnitusphase, in der du gerade bist, ist Ruhe bewahren. Hört sich leicht an, ist aber verdammt schwer. Schaffe dir ein Umfeld, in dem du den Tinnitus nicht mehr oder kaum noch wahrnimmst. Musik, Hörbücher, was auch immer dir gefällt, besonders beim Einschlafen. In meiner akuten Phase hatte ich einen Ventilator neben meinem Bett stehen, dessen Motor eine Frequenz hatte, die den Tinnitus sehr gut übertönte:smile: Für dich als Musiker ist es wahrscheinlich richtig übel, aber vielleicht kannst du vorübergehend auf leisere Instrumente umsteigen?
Mich hat der Tinnitus anfangs wahnsinnig gemacht, und nach einiger Zeit habe ich meinen Hausarzt angesprochen, ob er mir nicht etwas zur Beruhigung verschreiben könne. Er hat dann gleich den Holzhammer rausgeholt und mir Antidepressiva verschrieben. Anfangs war ich skeptisch, aber als ich gleich am ersten Tag die ganze Nacht durchschlafen konnte, war ich überzeugt. Mit der Zeit habe ich gelernt, trotz des Fiepens ganz normal zu leben, und an 20 von 30 Tagen ist er auch nur wahrnehmbar, wenn alles um mich herum absolut still ist. An den anderen 10 Tagen piept es halt. Manchmal nervt es, ganz selten schlafe ich deswegen schlecht, aber im Großen und Ganzen komme ich hervorragend damit zurecht. Auch laute Musik ist inzwischen kein Problem mehr. Anfangs wurde der Tinnitus dadurch stärker, aber inwischen hat Lautstärke keinen Einfluss mehr.
Wenn du dich mit anderen austauschen möchtest, empfehle ich dir dieses Forum, das du aber mit Vorsicht genießen solltest:
http://www.mytinnitus.de/deutsch.htm
Im Internet posten normalerweise nur Leute, die ein Problem mit ihrem Tinnitus haben. Diejenigen, die er nicht stört, leben still damit und kümmern sich nicht weiter darum. Deswegen wirst du in diesem Forum vielen Extremfällen begegnen.
Zum Abschluss wünsche ich dir alles gute und sage dir noch mal die wichtigste Verhaltensregel. Ignorier dein Gepiepse. Bloß nicht hinhören. Zu 99% wirst du irgendwann daran denken, dass du ja einen Tinnitus hast, um dann festzustellen, dass er verschwunden ist. Das passiert aber nicht über Nacht, sondern braucht seine Zeit und wird gewiss auch einige Rückschläge mit sich bringen.
Gute Besserung und viele Grüsse
Jörg