Tipps zum Fremdsprachen lernen

Fremdsprachen lernen
Vokabeln lernen
Ich halte wenig vom Vokabellernen. Wenn man lernt Baum = tree verbindet man das englische Wort mit der deutschen Übersetzung. Es ist günstiger, das englische Wort direkt mit der Bedeutung zu verbinden, indem man ein Bild mit dem Gegenstand und der Bezeichnung zeichnet oder kleine Zettel (post it) mit den englischen Bezeichnungen auf Gegenstände heftet (auch in der Vorstellung).
Am besten lernt man ein Wort in einem englischen Satz ("I sit under the tree“). Wenn man lernt tree = Baum ist das englische Wort mit der deutschen Übersetzung verbunden. Wer so Vokabeln lernt, übersetzt deutsche Sätze Wort für Wort ins Englische, für „Ich weiß es nicht“ sagt er: „I white it not“. In Wirklichkeit heißt es: „I don’t know“. Wörterbücher sind kaum zum Lernen von Fremdsprachen geeignet. Für Anfänger sind Bilderwörterbücher sinnvoll, manchmal bringen sie auch Beispielsätze. Für Fortgeschrittene sind einsprachige Wörterbücher geeignet, in denen das Wort auf Englisch erklärt wird. Wenn man Vokabeln lernen muss, kann man einen typischen Satz mit der Vokabel lernen, für table: I sit at the table. Statt ständig zwischen dem Deutschen und dem Englischen hin und her zu wechseln, denkt man am besten von Anfang an in der Fremdsprache.
Grammatik
Nachdem ich die erste heilige Kuh des traditionellen Sprachunterrichts, das Vokabellernen, geschlachtet habe, vergreife ich mich gleich an der nächsten heiligen Kuh, dem Grammatikunterricht. Um eine Sprache zu lernen, braucht man keine Grammatik. Kleine Kinder sprechen ihre Muttersprache perfekt, weil sie die Grammatikregeln nicht kennen.
Die Bezeichnungen Dativ und Akussativ braucht man nicht zu kennen, um zu sprechen. Die Namen der einzelnen Fälle sind willkürliche Bezeichnungen. Man hätte den Fällen auch andere Namen geben oder sie in eine andere Reihenfolge bringen können. Man kann das Lernen von Grammatik mit einem kleinen Schritt erleichtern. Man kann einen Beipielsatz lernen, in dem die Grammatikregel angewendet wird.
Den Dativ etwa mit den Sätzen:
Ich helfe dem Mann; ich helfe der Frau; ich helfe dem Kind.
Wenn ich den Dativ in dem Satz „Ich helfe dem Kind“ gelernt habe, wende ich ihn beim Sprechen und Schreiben automatisch richtig an. Es ist nicht nötig, die der Sprache zugrunde liegenden Grammatikregeln bewusst zu kennen, um richtig zu sprechen. Kein Mensch kennt alle Regeln, nach denen eine Sprache geformt wird. Oder können Sie den Unterschied der folgenden Sätze erklären?
Es ist verboten, den Polizisten umzufahren.
Es ist nötig, den Polizisten zu umfahren.
Es gibt Lerngebiete, bei denen man am besten Schritt für Schritt vorgeht und alles bewusst lernt. Beim Rechnen muss man erst die Zahlen kennen, bevor man addieren kann. Dann erst kann man das Substrahieren (Abziehen) lernen und verstehen. Beim Sprachenlernen ist es nicht nötig, die Grammatikregeln bewusst zu kennen. Die bewusste Kenntnis der Regeln hindert eher beim Sprechen. Wenn wir unsere Muttersprache mit Wörterbüchern und Grammatik gelernt hätten, würden wir alle stottern. Kinder lernen Gehen ohne Kenntnisse der Physik wie Hebelgesetze, Beschleunigung und Masse. Trotzdem berücksichtigen Kinder beim Gehen unbewusst alle diese Regeln.

Fremdsprachen lernen wie Kinder
Am besten lernt man eine Fremdsprache ähnlich, wie man seine Muttersprache gelernt hat. In welchen Schritten lernen Kinder ihre Muttersprache?

  1. Hören
    Kinder gewöhnen sich schon im Mutterleib an den Klang der Muttersprache. Wenn Sie Englisch lernen wollen, können Sie so viel wie möglich Englisch hören (Radio). Auch wenn Sie nicht zuhören, gewöhnen Sie sich an den Klang der Sprache.
  2. Babbeln
    Als nächstes babbeln Kinder, sie sprechen sinnlose Silben. Diesen Schritt können Erwachsene auslassen.
  3. Verstehen
    Irgendwann verbinden Kinder Wörter mit Bedeutungen, sie verstehen, dass Wauwau Hund bedeutet.
  4. Sprechen
    Erwachsene beginnen oft zu früh mit dem Sprechen in der Fremdsprache, sie merken sich dann oft ihre eigenen Fehler.
  5. Lesen
    Kinder beginnen erst zu lesen, wenn sie schon sprechen können. Oft lesen Erwachsene ein Wort, bevor sie wissen, wie es ausgesprochen wird. Ein Beispiel: Im Russischen wird der Buchstabe E als Je gesprochen. Russen lesen das Wort Eltern als Jeltjern. Erstaunlicherweise ist ein Hauptproblem beim Fremdsprachenlernen nicht, dass Menschen ein schlechtes Gedächnis haben, sondern dass sie sich einmal gelernte Fehler zu gut merken. Was falsch gelernt wurde, ist schwer zu korrigieren. Viele Deutsche sprechen das K in dem Satz „I know“, obwohl es im Englischen nicht gesprochen wird.
    Am besten lernt man Fremdsprachen im Land selbst. Sie können in Deutschland einen Kurs bei einer muttersprachlichen Dozentin besuchen, die den Kurs einsprachig hält. Die meisten Sprachlehrgänge mit Audio-CDs oder Kassetten sind brauchbar. Bei der Assimil-Methode stehen auf der linken Seite kleine Texte auf Englisch, rechts die deutsche Übersetzung. Wenn man eine Lektion verstanden hat, kann man sie immer wieder anhören. Es ist sogar günstiger, beim Abspielen der schon durchgearbeiteten Lektionen nicht zuzuhören. Man kann nähen und im Hintergrund die CDs abspielen. Wenn man die CDs etwa 20-mal im Hintergrund gehört hat, sind die Lektionen ins Unbewusste gegangen, und man kann die Texte auswendig. Dann kann man diese Texte und Variationen von ihnen sprechen. Bei der Berlitz-Methode begleitet der Dozent das Gesagte mit seiner Körpersprache. So verstehen die Schüler den Text besser und nehmen ihn mit beiden Gehirnhälften auf. Man erleichtert sich das Lernen von Fremdsprachen, wenn man Sätze mit Gesten, Mimik und Bewegungen begleitet. Man kann ein Buch öffnen, während man den Satz sagt: I open the book (Ich öffne das Buch). Diese ganzheitliche Art zu lernen bezieht die ganze Persönlichkeit ein, den Verstand, die Gefühle und den Körper.
    Man kann sich Kaufhauskataloge in der Fremdsprache besorgen. Da kann man die Wörter für die wichtigsten Gegenstände des Alltags kennenlernen. Wenn man fortgeschritten ist, kann man Bücher in der Fremdsprache lesen. Als Einstieg sind Bilderbücher für Kinder geeignet. Nicht so geeignet sind Märchenbücher und die Bibel, die eine altertümliche Sprache benutzen. Comics wie Mickey Mouse sind zum Sprachenlernen hervorragend geeignet. Asterix weniger, da gibt es viele schwer verständliche Sprachwitze. Wenn man fortgeschritten ist, kann man ein Buch, das man schon auf Deutsch gelesen hat, in der Fremdsprache lesen. Wenn man einen Satz nicht versteht, ist das kein Problem, weil man ja die Handlung kennt. Günstig für den Einstieg sind Autoren, die in einem einfachen, klaren Stil schreiben wie Simenon (Maigret). Über das Hören und Singen von Liedern kann man Sprachen lernen. Französisch mit den Chansons von Georges Moustaki, Englisch mit den Songs von Leonhard Cohen.
    Sie können sich fremdsprachliche Hörbücher besorgen und anhören, am Anfang Hörbücher von Romanen, die Sie schon auf Deutsch gelesen haben. Es ist günstig, englische Filme, Videos und Fernsehen anzuschauen. Die Sesamstraße auf Englisch ist für Anfänger im Englischen leicht zu verstehen. Im Fernsehen gibt es oft Filme mit Untertiteln. Manchmal sind die Untertitel in Englisch, manchmal mit der deutschen Übersetzung. Zum Sprachenlernen sind beide Varianten geeignet. Man kann einen Film, den man mag, auf Video aufnehmen und immer wieder anschauen. Bei DVDs besteht meist die Möglichkeit, den Film in der Originalversion anzuschauen, oft mit Untertiteln. Comics und Videos haben den Vorteil, dass sie mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen, die Augen und die Ohren (audiovisuell).
    Was uns brennend interessiert, können wir uns am besten merken. Ich kann englische Bücher über etwas lesen, das mich interessiert.
    Eine Fremdsprache zu verstehen und eine Fremdsprache zu sprechen sind unterschiedliche Fähigkeiten, für die verschiedene Gehirnhälften zuständig sind. Wenn man eine Fremdsprache verstehen will, kann man möglichst viel in der Fremdsprache hören oder lesen. Wenn man eine Fremdsprache sprechen will, kann man einen Text, den man verstanden hat, immer wieder auf Tonband anhören, am besten nebenher.

Fremdsprachen lernen
Vokabeln lernen
Ich halte wenig vom Vokabellernen.
Grammatik
Nachdem ich die erste heilige Kuh des traditionellen
Sprachunterrichts, das Vokabellernen, geschlachtet habe,
vergreife ich mich gleich an der nächsten heiligen Kuh, dem
Grammatikunterricht. Um eine Sprache zu lernen, braucht man
keine Grammatik. Kleine Kinder sprechen ihre Muttersprache
perfekt, weil sie die Grammatikregeln nicht kennen.

Hallo Martin, Du hast Dir ja nun sehr viel Mühe mit Deinem
Beitrag gemacht und bekommst garantiert viele Antworten.
Ich bin in vielen Dingen nicht Deiner Ansicht. Das Erlernen
der Grammatik ist notwendig. Kleine Kinder sprechen ihre
Muttersprache nur dann perfekt, wenn es das Elternhaus
auch tut. Es kommt auf die Umgebung an, in der sie aufwachsen.
Ich habe einen guten Freund aus Liverpool, der regelmäßig
sagt: We was in …! Er hat es so zu Hause gelernt.
Kinder und Erwachsene in Deutschland müssen die Grammatik
erlernen und beherrschen, es führt leider kein Weg daran
vorbei. Wie weit man da gehen möchte, ist eine andere Sache.
Viele Grüße G.

Ich halte wenig vom Vokabellernen.

Wen interessiert’s?

klebe deinen zettel doch mal an die liebe…oder globalisierung

auch mit deinen übungen lerne ich vokabeln…
vielleicht nicht 1:1 aber durch texte hören wiederhole ich vokabeln usw…

und bilde mal sätze ohne grammatik!

meine tochter versteht etwas bulgarisch, aber sätze kann sie nicht bilden, weil sie in dem sch… lehrwerk keine ordentliche grammatik hat!

sie kann parallel übersetzungen machen, ja, aber vielleicht braucht dieses verb gerade einen anderen fall!..schön wenn man die vokabel „helfen“ gelernt hat, dann habe ich gelernt, dass ich eine dativ brauche… und noch schöner wenn ich auch gelernt habe, was der dativ ist und er vom personalpronomen der 2.p sg dir heißt…
sonst übersetze ich wie: ich rufe dich=> ich helfe dich …dumm gelaufen!

und wir haben nur 4fälle…im finnischen habe ich mehr als ein duzent zur auswahl…und wenn du jedes wort in einem ganzen satz lernen willst, dann macht es mehr anstrengungen als jäädä +Inessiv=bleiben zu lernen…
und wenn ich dann noch einen satz für jede stammform lernen muss…
dann lerne ich doch lieber ein paar regeln wann die starke und wann die schache stufe anzuwenden ist! als für jeden einzelnen fall…

außerdem sind deine ansichten nahe denen von frau birkenbihl …
vielleicht willst du ihr buch auch mal lesen!
(ich finde sie hat auch ein paar gute ideen!)

und erst ne zeitlang hören lassen, und dann sprechen ist schon ok…lallen würde ich edoch gerne auslassen…

und dass schulunterricht schlecht ist aufgrund der vielen schlechten vorbilder ist jedem lehrer bewußt…

Hallo,

erstens - hattest du eine Frage?
In dem Mammuttext mit wenig Absätzen konnte ich keine entdecken. Allerdings habe ich es nicht geschafft/gewollt ihn ganz zu lesen.

Zweitens: Im Religionsbrett gibt es in der Brettbeschreibung die Mahnung, dass Predigten nicht geduldet werden.
Könnte man das hier auch einführen?

Gruß
Elke

OT: We was
Hi,

Ich habe einen guten Freund aus Liverpool, der regelmäßig
sagt: We was in …! Er hat es so zu Hause gelernt.

das muß ja auch nicht zwangsläufig falsch sein. Es kommt halt auf die Definition von richtig und falsch an. Je nachdem, was man als Standard definiert, kann man auch zu dem Ergebnis kommen, daß z.B. die Bayern, Sachsen oder Schwaben kein richtiges Deutsch sprechen. Viele Dialekte entsprechen nicht der gelehrten und kodifizierten Sprache, das ist halt so.

Bei google books ist übrigens das zum Teil äußerst interessante Buch A Handbook of Varieties of English online verfügbar.

Gruß
Nils

Hi,

Ich habe einen guten Freund aus Liverpool, der regelmäßig
sagt: We was in …! Er hat es so zu Hause gelernt.

das muß ja auch nicht zwangsläufig falsch sein. Es kommt halt
auf die Definition von richtig und falsch an.

Na ja, es ändert doch nichts daran, dass es grammatikalisch
falsch ist. Das bestimmte Worte in verschiedenen
Landesteilen anders ausgesprochen werden, ist klar und
auch akzeptabel (siehe medicine). Das die Amerikaner ein
anderes Englisch sprechen als die Briten ist auch klar und
akzeptabel. Bei der Grammatik herrschen aber doch recht
strenge Regeln, von Grauzonen mal abgesehen. Gruß G.

Hi,

Ich habe einen guten Freund aus Liverpool, der regelmäßig
sagt: We was in …! Er hat es so zu Hause gelernt.

das muß ja auch nicht zwangsläufig falsch sein. Es kommt halt
auf die Definition von richtig und falsch an.

Ich denke, dass dieser Link zu dem Thema passt:

http://www.bbc.co.uk/worldservice/learningenglish/gr…

Gruß G.

Fremdsprachen lernen
Vokabeln lernen
Ich halte wenig vom Vokabellernen. Wenn man lernt Baum = tree…

Diese Ansichten sind nich original, alle sind schon bekannt. Das macht sie aber nicht schlechter.

Nach meiner Erfahrungen - und ich habe einige - ist dies alles individuell. Sprachen lernen heisst eigentlich nur wiederholen, wiederholen, wiederholen. Das ist langweilich, also muss man etwas gegen die Langeweile tun. Was - das ist auch individuell.

Und auch nicht nur individuell, denn dieselbe Person kann unterschiedliche Teile von derselben Sprache verschieden lernen. Manchmal „natürlich“ lernen, manchmal pauken, manchmal anders.

Auch haben die Menschen nicht dieselbe Sprachbegabung. Ich kenne Leute, die eine Fremdsprache in wenigen Monaten lernen, und andere, die jahrelang in einem fremden Land gelebt haben, kennen aber kein Wort von der Sprache.

Das mit wie ein Kind lernen - Kinder lernen, habe ich gelesen, eine neue Sprache in der Weise als Kinder. Nach der Pubertät gewöhnlich nicht, aber einige haben diese Begabung zu Sprachenlernen noch als Erwachsene.

Was mich und beine Erfahrungen betrifft: Ich bin Norweger, habe Deutsch erst mit vierzehn Jahren in der Schule, durch Grammatik- und Vokabelnpauken gelernt. Ich bin nicht mehr als ein paar Monate in Deutschland gewesen. Deutsche erzählen mir trotzdem, dass ich Deutsch nicht ganz schlecht schreibe.