Sicherheit geben
Hallo Silke,
auf keinen Fall eins auf die Hand geben. Das ist „Aua“ für die kindliche Hand und vor allem für die kindliche Seele.
Ob Deine Tochter Dich hier nachahmt, weiß ich nicht. Auch mein Sohn hat eine Zeit lang (mit ca. 24 Mon.) gebissen (allerdings nur uns Eltern) obwohl wir niemals körperliche Gewalt gegen ihn angewendet haben.
Zeigen Kinder sehr aggressives Verhalten gegenüber anderen Kindern kann das auch daran liegen, dass sie etwas im Leben, z.B. eine Trennung der Eltern, nicht verkraften/verstehen, einfach hilflos sind. So kleine Kinder können sich nicht mit Worten mitteilen.
Die Aggressivität kann aber auch ohne derartige Lebensumstände einfach auf Hilflosigkeit beruhen.
Ich habe oft Mütter von 1 bis 2jährigen am Sandkastenrand sitzen sehen (wenn überhaupt dort und nicht sogar auf der weit entfernten Bank), die niemals eingriffen, wenn es derartigen Trouble im Kasten gab. Sie vertraten die Meinung, die Kinder lernen am besten, wenn man sie machen läßt.
Aber:
In dem Alter sollte man auf keinen Fall nur von außen zusehen und die Kinder das unter sich ausmachen lassen.
Denn:
Wie sollen sie es unter sich ausmachen, wenn sie gar nicht wissen wie. darum muß man es immer und immer wieder zeigen. Die Kinder nicht nur schimpfen sondern führen und auch loben.
Was kannst Du vor Ort tun:
Deine Tochter festhalten und klipp und klar sagen: „Gehauen/gebissen/… wird nicht! Das tut xy weh. Wer haut/beißt/… darf hier nicht spielen!“
Sollte das nicht gleich helfen: „So nicht! Hör auf damit! Wenn Du noch einmal haust/beißt/… gehen wir nach Hause!“ das mußt Du dann auch durchziehen! Sonst glaubt sie nicht an die Konsequenz.
Schimpf auch nicht zu laut. Muß nicht jeder hören. Auch ein Kind fühlt sich vorgeführt, wenn es an den Pranger gestellt wird. Und es wird dann auf taub stellen.
Spielzeugschlacht:
Wenn Deine Tochter einem anderen Kind was wegnimmt, dann gibst Du es dem Kind zurück und sagst ihr: „Nein, das hatte xy zuerst.“ Oder „Nein, das gehört xy. Das kann man nicht einfach wegnehmen, da muß man erst fragen.“ Und dann fragst Du das Kind stellvertretend für Deine Tochter. Wenn das Kind nein sagt, erklärst Du es Deiner Tochter: „xy möchte … uns jetzt nicht geben. Dann spielen wir eben was anderes…“
Wenn jedoch ein Kind Deiner Tochter was wegnimmt, mußt Du genauso da sein und dem anderen Kind erklären, dass man das nicht macht. Damit Deine Tochter sieht, dass auch ihr „Recht“ geschieht.
Und das immer und immer wieder. Das lernt ein Kind nicht beim ersten Mal.
Wenn sie mit dem Kopf auf den Boden haut:
Setz Dich zu ihr auf den Boden, nimm sie in den Arm und beruhige sie so. (z.B. hin und her schaukeln, vielleicht auch was singen)
Du nimmst sie ja sicher auch mal so, ganz ohne Grund, in den Arm. Deshalb wird sie das Kopfschlagen nicht gleich mit der Kuscheleinheit verbinden. Vielmehr gibt ihr das Sicherheit in ihrer Verzweiflung.
Fazit:
Mit vielen Streicheleinheiten, vielen liebevollen aber klaren Anweisungen und konsequentem Verhalten Deinerseits wird sich das Aus-sich-geraten Deiner Tochter schneller legen als Du denkst.
Wichtig ist vor allem im Hinblick auf die kommende Trotzphase, dass Du sie ernst nimmst. Auch mal ihr Wille sollte erfüllt werden - nicht nur Deiner. Im Alltag oft schwer umzusetzen, aber mit kleinen Zugeständnissen machbar: Welche Straßenseite gehen wir. An welcher Stelle im Sandkasten setzen wir uns hin. Welche Strumpfhose (auch wenn sie nicht zum restlichen Outfit paßt)…
Viel Kraft und Gelassenheit!
Claudia