HI
und auch @Anwar
Ich habe überlegt, ob das doch nicht besser in Philosophie paßt. Aber da es ja ein Brett zu Ethik gibt, versuche ich es trotzdem hier. (Es wird ausdrücklich nicht nach Religiösem gefragt.)
Vielleicht kann ich eine Diskussion anregen. Ich hoffe, daß Anwar auch was dazu sagt, da er sich als Todesstrafenbefürworter bezeichnet hat.
Ich bin ein Gegner. Ich möchte aufzeigen, wie ich dazu komme.
- Theoretische Überlegung
Aussagen wie „das ist barbarisch und grausam“ werdet ihr nicht hören. Exekutiert werden (zumindest in den USA, andere Rechtsprechungen sind mir zu sehr fremd) solche Mörder, die besonders herausragend grausam und barbarisch gemordet haben (first degree murder: mehrfachmord, kindermord, mord zum verdecken eines verbrechens,…) Ich denke, daß es reichlich zynisch ist, einen derartigen Mörder verteidigen zu wollen, indem man auf Grausamkeit und Barabarei hinweist!
Weiters möchte ich vorausschicken, daß beim Gedanken an Todesstrafe eine Idee dahintersteckt, die von der Unsühnbarkeit von Mord ausgeht. Jedes andere Verbrechen kann durch das Opfer vergeben werden, aber Mord nicht, da das Opfer nicht mehr existiert. Der Mörder bleibt also ein Verbrecher, was auch immer er tut. Er kann nie wieder moralisch rehabilitiert werden.
Als nächsten Gedankenschritt stelle ich mir vor, daß es einen ungeschriebenen Grundlagenvertrag zwischen allen Mitgliedern des zivilisierten Gesellschaftswesens gibt, der lautet: „Ich bringe dich nicht um, du bringst mich nicht um.“ Dieses Mordverbot beruht also auf einem Vertrag. (Im Gegensatz zum religiösen Weltbild, in dem das Mordverbot auf einem göttlichen Befehl beruht.)
Ein Mörder hat den Vertrag offensichtlich gebrochen. Wer einen Vertrag bricht, kann sich nicht mehr zum eigenen Schutz darauf berufen.
Daraus folgt, daß ein Mörder nicht mehr unter das Mordverbot fallen würde. Er darf also getötet werden, ohne daß er einen unmittelbaren Angriff planen müßte (das wäre Notwehr).
Aber:
_Daraus folgt aber noch nicht, daß er getötet werden soll _.
Es fehlt also eine ganz grundlegende Prämisse, warum es Todesstrafe geben soll.
Bei der Debatte um Todesstrafe muß man als Gegner gar keine Argumente dagegen haben, es reicht darauf hinzuweisen, daß es keine dafür gibt!
- Praktische Überlegung
Ich nehme einfach mal an, ein Befürworter hätte mich jetzt trotzdem überzeugt, indem er mir gezeigt hat, welche Argumente es für Todesstrafe gibt.
Es bleibt eine simple Tatsache im Raum: Die Fehlbarkeit menschlicher Vernunft und Technik. Selbst wenn es aussieht, daß es keinen Zweifel gibt (proof beyond reasonable doubt), geht dieses Wissen nie so tief, daß man ohne zu zögern ein Leben nehmen dürfte. Bei einem Fehlurteil wird ein Mord begangen! Diese Entscheidung würde ein Wissen voraussetzen, das übermenschlich ist. Um ein Leben zu nehmen, müßte der Mensch gewissermaßen Gott sein.
Fazit:
_Selbst wenn man einräumt, daß moralisch nichts dagegen spricht, die Todesstrafe einzuführen , spricht nichts dafür , sie auch tatsächlich auszuführen _!
Freue mich auf Antworten.
Gruß
dataf0x

