Jetzt wird die Sache theologisch. Na, mal sehen, ob ich da noch mithalten kann.
natürlich ist das mit der Bibel eine Erklärung. „Die Juden
haben Jesus Christus umgebracht“ - das war ein
Standartargument vergangener Zeiten.
Aber ich verstehe es nicht. Also in meiner Bibel steht das anders. Da waren es die Römer, die Jesus festgenommen und gekreuzigt haben. … Hat man denen eigentlich jemals die Schuld dafür gegeben? Ohne jetzt auf die ganze Geschichte mit Avignon eingehen zu wollen - aber warum um alles in der Welt hat sich der Vatikan ausgerechnet in Rom angesiedelt?
Ich meine, die Geschichte kann doch jeder nachlesen, und man muss sie noch nicht einmal lesen. Die wird jedes Jahr wieder vorgelesen, zu Ostern - so dass man sie irgendwann in- und auswendig kennt, wenn man denn in die Kirche geht.
Das hat der Pfarrer so
von der Kanzel gepredigt - also war es auch wahr.
Hmm … gab es das mit den Lesungen eigentlich schon immer in der Form, wie ich es kennen gelernt habe? Dass man also einfach bestimmte Bibelstellen, die zur Jahreszeit passen, in der Landessprache vorliest?
Und damit
wurden Judenverfolgungen vom Mittelalter bis in die Neuzeit
begründet.
Ok, ok. Ich verstehe immer noch nicht, wie jemand so eine Begründung schlucken konnte, aber lassen wir das jetzt mal. Eine andere Anmerkung habe ich aber noch. Und zwar hierzu:
Glauben hat was gemeines - den Ansüruch der Absolutheit. Das
betrifft auch die Juden, die sehen sich selber ja auch als
elitäres auserwähltes Volk des herren. Aber die Vhristen
trifft das auch - wer nicht an Jesus glaubt, der ist ein
Ketzter.
Ok. Das Argument hat was. Ich habe das als Kind auch erzählt bekommen, dass alle, die nicht getauft sind, wahrscheinlich in die Hölle kommen, und habe es mir von meinem Taschengeld abgespart, „arme Heidenkinder“ (O-Ton Pfarrer) taufen zu lassen.
Aber: Wenn man so etwas glaubt, wenn man also der Meinung ist, alle, die nicht getauft sind, kommen in die Hölle - wie kann man sie denn dann umbringen? Müsste dann nicht statt dessen eine beispiellose Missionierungskampagne einsetzen, um so viele wie möglich zu „retten“?
Nur mal so gefragt … bei den Nazis zumindest lief das ganz anders. Da sprach man von allen, die „dem mosaischen Glauben angehören oder jemals angehört haben“ - mit anderen Worten, es war völlig egal, ob sich ein Jude taufen ließ. Das machte keinen Unterschied.
Und wenn man die Sache von der anderen Seite aus betrachtet, stimmt das so jedenfalls nicht. Das Judentum missioniert nicht, da man hier der Meinung ist, dass es nicht so schlimm ist, wenn der andere einen anderen Glauben hat, so lange er nur ein gutes Leben führt. Ein guter Christ beispielsweise kommt also genauso in den „Himmel“ (zu Jenseitsvorstellungen im Judentum bitte nicht mich befragen - das ist mir zu kompliziert, als dass ich das fehlerfrei erklären könnte) wie ein guter Jude. Also warum sollte man missionieren?
So weit ich das bislang mitbekommen habe, sind Juden vielleicht ein bisschen genervt (*gg*), wenn man sie missionieren will - aber diese grundsätzliche Ablehnung der anderen Religion scheint nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen.
Schöne Grüße
Petra