Hallo,
Du machst einen Fehler.
Es geht hier nicht um theologische Spitzfindigkeiten, wer recht hat. Es geht darum, was die Menschen damals wußten und glaubten.
Daß der ganze Antisemitismus blödsinnig ist - darüber wir hoffentlich nicht zu diskutieren. Aber die Frage ging ja dahin, wieso es ihn trotzdem gab und immer noch gibt.
Deshalb ist es schon wichtig, auf die damals übliche Argumentation zu schauen - auch wenn diese falsch war.
Und da hat die Argumentation aus christlicher Sicht schon eine sehr tiefe religiös begründete Abneigung erzeugt.
Man muß ja auch folgendes sehen: Der Mensch lernt in erster Linie einmal von seinen Eltern. Da wird Vieles von Generation zu Generation einfach weitergegeben - so sicher auch die allgemeine Abneigung gegenüber den Juden.
Es kommt auch nicht darauf an, hier zu begründen, wer an der Abschottung der Juden Schuld war. Aber Tatsache war einfach, daß die Religion der Juden, ihre Sitten und Bräuche den deutschen Mitbürgern fremd geblieben sind - oft bis heute. Man wußte einfach nicht, was die da taten und warum sie es taten. Nicht zuletzt deshalb konnten ja viele der Verleumdungen auch auf fruchbaren Boden fallen - es war ja keiner dabei, wenn die Juden ihre Feste feierten und ihrer Religion nachgingen.
Beachte immer die Zeit! Die Erwachsenen des Jahres 1935 waren sehr oft noch in der Kaiserzeiut zur Schule gegangen, als der Verband von Kirche uns Thron noch sehr fest war. Die Lockerungen der 20er Jahre waren an ihnen vorbeigegangen - ihr Weltbild stand da längst fest. Und zu diesem Bild gehörte immer noch ein latenter Antisemitismus - teilweise immer noch religiös verbrämt. Die waren in gewisser weise schon anfällig für Hitlers Propaganda, der baute darauf auf und lieferte dieser gefühlsmäßigen Abneigung nur noch neue Argumente.
Gernot Geyer


