Trau keinem Fuchs ... Einfluss von Propaganda?

Hallo,

Du machst einen Fehler.
Es geht hier nicht um theologische Spitzfindigkeiten, wer recht hat. Es geht darum, was die Menschen damals wußten und glaubten.
Daß der ganze Antisemitismus blödsinnig ist - darüber wir hoffentlich nicht zu diskutieren. Aber die Frage ging ja dahin, wieso es ihn trotzdem gab und immer noch gibt.
Deshalb ist es schon wichtig, auf die damals übliche Argumentation zu schauen - auch wenn diese falsch war.
Und da hat die Argumentation aus christlicher Sicht schon eine sehr tiefe religiös begründete Abneigung erzeugt.
Man muß ja auch folgendes sehen: Der Mensch lernt in erster Linie einmal von seinen Eltern. Da wird Vieles von Generation zu Generation einfach weitergegeben - so sicher auch die allgemeine Abneigung gegenüber den Juden.
Es kommt auch nicht darauf an, hier zu begründen, wer an der Abschottung der Juden Schuld war. Aber Tatsache war einfach, daß die Religion der Juden, ihre Sitten und Bräuche den deutschen Mitbürgern fremd geblieben sind - oft bis heute. Man wußte einfach nicht, was die da taten und warum sie es taten. Nicht zuletzt deshalb konnten ja viele der Verleumdungen auch auf fruchbaren Boden fallen - es war ja keiner dabei, wenn die Juden ihre Feste feierten und ihrer Religion nachgingen.

Beachte immer die Zeit! Die Erwachsenen des Jahres 1935 waren sehr oft noch in der Kaiserzeiut zur Schule gegangen, als der Verband von Kirche uns Thron noch sehr fest war. Die Lockerungen der 20er Jahre waren an ihnen vorbeigegangen - ihr Weltbild stand da längst fest. Und zu diesem Bild gehörte immer noch ein latenter Antisemitismus - teilweise immer noch religiös verbrämt. Die waren in gewisser weise schon anfällig für Hitlers Propaganda, der baute darauf auf und lieferte dieser gefühlsmäßigen Abneigung nur noch neue Argumente.

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

Und weshalb sollten sie auch - der Pfarrer predigte ja
eh jeden Sonntag. Wohlbemerkt: Der las nicht - der predigte.

Ja, aber die Lesung? Gab es die früher nicht? Das würde mich schon mal interessieren. Ich habe gehört, dass früher „der ganze Gottesdienst“ auf Latein war, aber ich weiß jetzt nicht, wie weit das ging. Bezog es sich nur auf die Gebete, oder war auch die Lesung in Latein?

Und davon mal abgesehen finde ich die Argumentation immer noch reichtlich seltsam. Ich meine, Jesus war doch selber Jude. Ebenso wie seine Eltern und seine Geschwister (die in der Bibel nur ganz am Rande auftauchen und sehr gerne unterschlagen werden …).

Hm - hört jemand eigentlich auf, Jude zu sein, wenn er eine neue Religion gründet? Wie weit darf man da denn gehen? (Iris? Kannst du diese Frage beantworten? … Aber nicht wieder böse werden. Ich frage nicht, um jemanden zu ärgern, sondern weil ich das wirklich nicht weiß.) Oder anders gefragt: Bis zu welchem Punkt war Jesus denn noch Jude? Oder ist er es immer noch?

Das heißt also, er legte den Text aus.
Und da fängt das Drama an. Klar haben die Römer Jesus
gekreuzigt. Aber sie taten es auf Verlangen der jüdischen
Oberschicht.

Na ja - „auf Verlangen“? Wenn eine Menschenmenge den Punkt erreicht hat, an dem sie nicht mehr klar denken kann, dann kann man das wohl kaum als ernsthaften Wunsch ansehen und außerdem fast 2000 Jahre lang einem ganzen Volk vorhalten.

Pilatus, der Statthalter, der das Todesurteil
verhängte, wusch bekanntlich seine Hände in Unschuld

Ja. Er hätte ja auch sagen können, „nee das mache ich nicht. Entweder ihr sagt mir, was der Kerl getan hat, oder ich lasse ihn wieder frei.“

Zum anderen traten ja später die Römer zum Christentum über -
die Juden nicht. Nun kannst Du dreimal raten, wer da ein
Interesse hatte, von der eigenen Schuld abzulenken und das
Ganze anderen zuzuschieben.

Bitterböse … da tun sich ja Abgründe auf.

Trotzdem: Wenn man das wirklich geglaubt hätte, was man erzählt hat, nämlich, dass alle Nichtchristen in die Hölle kommen, dann hätte die Sache anders laufen müssen. Dann hätte man sehr vorsichtig sein müssen, dass ja keinem Juden was passiert, und man hätte ständig versuchen müssen, denjenigen „zum wahren Glauben zu bekehren“.

Was die Missionierungsversuche angeht, weiß ich höchstens, dass es sie gibt (und eigentlich alle Juden, die in irgendeiner Form auf das Thema zu sprechen kommen, reichlich genervt davon sind). Aber von der Vorsicht ist nicht viel zu erkennen, und zwar die ganze Kirchengeschichte hindurch. (Stimmt schon: Das begann ja nicht erst mit den Nazis.) Macht man sich so nicht irgendwie selber unglaubwürdig?

Schöne Grüße

Petra

Der Eine heißt Lueger.

… und spricht sich Luëger aus.

… und spricht sich Luëger aus.

Hey, mecker doch nicht so an meinen Eselsbrücken herum. Immerhin wusste ich diesen Namen noch auswendig, obwohl ich MK irgendwann Ende 2005 (endlich) zu Ende gelesen habe.

Also ganz so schlecht kann ich es mir wohl nicht gemerkt haben. :wink:

Und wie schon gesagt: Wen interessiert das, wer in Wien vor mehr als 80 Jahren Bürgermeister war?

Schöne Grüße

Petra

Und wie schon gesagt: Wen interessiert das, wer in Wien vor
mehr als 80 Jahren Bürgermeister war?

Wenige, aber die Wiener Universität hat die Adresse Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, das Burgtheater Dr.-Karl-Lueger-Ring 2, … Auch das muss man nicht wissen, aber offen zur Schau gestellte Unwissenheit in diesem Punkt ist ein trefflicher Angriffspunkt für Wiener Schmäh.

Hallo Gernot,

Du machst einen Fehler.
Es geht hier nicht um theologische Spitzfindigkeiten, wer
recht hat.

Ich hatte in meinem letzten Posting darauf hingewiesen, daß es hier im Geschichtsbrett um historische Gegebenheiten geht und dass man diese rekonstruieren kann mit Verweis auf einen Artikel aus der Rechtsgeschichte. Deshalb finde ich es unseriös und für den Austausch nicht förderlich, wenn Du jetzt hintenherum „theologische Spitzfindigkeiten“ unterstellst.

Es geht darum, was die Menschen damals wußten und
glaubten.

Und auf welcher Grundlage sie es taten, nämlich einer aus dem Neuen Testament entlehnten Ideologie.

Daß der ganze Antisemitismus blödsinnig ist - darüber wir
hoffentlich nicht zu diskutieren. Aber die Frage ging ja
dahin, wieso es ihn trotzdem gab und immer noch gibt.
Deshalb ist es schon wichtig, auf die damals übliche
Argumentation zu schauen - auch wenn diese falsch war.

Nur - das wird aus Deinem Posting nicht deutlich. Du referierst diese Ideologie ohne jegliche Distanzierung.

Und da hat die Argumentation aus christlicher Sicht schon eine
sehr tiefe religiös begründete Abneigung erzeugt.
Man muß ja auch folgendes sehen: Der Mensch lernt in erster
Linie einmal von seinen Eltern. Da wird Vieles von Generation
zu Generation einfach weitergegeben - so sicher auch die
allgemeine Abneigung gegenüber den Juden.

Es kommt auch nicht darauf an, hier zu begründen, wer an der
Abschottung der Juden Schuld war.

Dann brauchst Du es aber in Deinem Posting auch nicht den Juden zuschieben, wenn es wirklich nicht darauf ankommt.

Aber Tatsache war einfach,
daß die Religion der Juden, ihre Sitten und Bräuche den
deutschen Mitbürgern fremd geblieben sind - oft bis heute. Man
wußte einfach nicht, was die da taten und warum sie es taten.
Nicht zuletzt deshalb konnten ja viele der Verleumdungen auch
auf fruchbaren Boden fallen - es war ja keiner dabei, wenn die
Juden ihre Feste feierten und ihrer Religion nachgingen.

Nun, das Judentum ist kein Geheimbund und keine Freimaurerloge. Synagogen sind offene Orte, die aus jüdischer Sicht für jeden offen sind. Abgesehen davon finden die meisten jüdischen Feste im häuslichen Rahmen statt. Und es gibt genug literarische Beispiele, das nicht-jüdische Nachbarn, Bekannte etc. eingeladen wurden.
Ich finde die Logik nicht zwingend, dass man gegen etwas Hass oder Abneigung entwickeln muss, was einem fremd ist. Es gibt genug religiöse Gemeinschaften, wo Rituale begangen werden, die ich nicht kenne. Und es interessiert mich einfach nicht.

Und viele der Leute, die religiös motivierte judenfeindliche Traktate / Predigten schrieben, hatten sich sehr wohl mit den Quellen beschäftigt und ihre judenfeindlichen Ausführungen in vollem Wissen dessen verfaßt, daß die Dinge, die sie in ihre Argumentation einbrachten, falsch waren.

Viele Grüße

Iris

Hallo

Es gibt nunmal eine Jahrtausende (!) alte Tradition des Judenhasses. Das hat man weder erfinden noch den Leuten einreden müssen. Das war einfach normal. Dazu war nicht nötig, durch Propaganda die Leute umzustimmen oder sie zu überreden, „plötzlich“ überzeugt zu sein, daß Juden x und y wären. Der allseits beliebte Vergleich mit dem „Antiislamismus“ ist nicht nur OPfer-Täter-Umkehr der widerlichsten Art sondern natürlich hanebüchen - das zeigt sich schon daran, daß die Mehrheit eben NICHT der Meinung ist, der Islam will die Weltherrschaft erreichen oder wäre irgendeine Gefahr. Wäre das so, hätten wir längst Einwanderungsstop und ein verfassungsrechtliches Verbot islamischer Verbindungen. Nichts davon ist der Fall. Die Jedes Jahr werden tausende Deutsche Moslems und Moscheen sprießen aus dem Boden wie Pilze.

Es gibt in jeder Zeit Dinge, die die Mehrheit einfach für die einzig korrekte Wahrheit und die richtige Gesinnung hält. In totalitär angehauchten Gesellschaften ist das nur mehr ausgeprägt. Wer damals daran zweifelte, daß Juden irgendwie böse sind, oder sich gar für sie einsetzte, ist im günstigsten Fall gemobbt und verachtet worden.

Am Judenhaß hat sich auch nichts geändert. Wer heute daran zweifelt, daß der jüdische Staat ein koloniales bösartiges Gebilde ist, der die Weltpolitik beherrscht und den Weltfrieden bedroht, oder sich gar dafür einsetzt, wird ganz genau gleich behandelt.

Du wirst es jetzt gleich sehen!

Gruß
d.

Hallo Data,

Du wirst es jetzt gleich sehen!

Wer, ich? Sprichst du mir mir, oder war das für Pendragon?

Du klingst ziemlich ärgerlich. Was ist denn los? Habe ich die falsche Frage gestellt? Oder haben dir nur die Antworten nicht alle gefallen?

Es gibt nunmal eine Jahrtausende (!) alte Tradition des
Judenhasses. Das hat man weder erfinden noch den Leuten
einreden müssen. Das war einfach normal.

Ja - nur warum? Das ist es ja, was ich endlich einmal wissen wollte. (Ok, ich geb’s ja zu - dieses Machwerk, was ich da am Samstag gelesen habe, hat mich ziemlich schockiert.)

Weißt du, ich beschäftige mich ja nicht erst seit gestern mit diesem Thema. Es ist mittlerweile schon gut 2 Jahre her, dass ich wirklich in die Abgründe des 3. Reichs abgetaucht bin. Ich habe eine Menge dazugelernt und verstehe nun auch einiges besser als vorher. Nur diesen Judenhass, den kann ich immer noch nicht verstehen. :frowning:
Darum dachte ich eben, ich frag jetzt mal. Also wenn du mir erklären kannst, woher dieser Hass kommt - ich bin ganz Ohr. :smile:

Jedes Jahr werden tausende Deutsche Moslems und Moscheen sprießen
aus dem Boden wie Pilze.

Wundert mich ehrlich gesagt nicht - die Kirche ist ja sowas von leblos. Meine Cousine hat das einmal sehr schön auf den Punkt gebracht. Wir waren zusammen in der Kirche (das dürfte mittlerweile so um die 20 Jahre her sein), und sie war mit der Predigt wohl nicht zufrieden, denn sie meinte hinterher zu mir: „Wenn der Jesus so gepredigt hätte, meinst du, der hätte auch nur einen einzigen Anhänger gehabt?“ :wink:
Oje, armer Pfarrer … aber wo sie recht hat …

Am Judenhaß hat sich auch nichts geändert. Wer heute daran
zweifelt, daß der jüdische Staat ein koloniales bösartiges
Gebilde ist, der die Weltpolitik beherrscht und den
Weltfrieden bedroht, oder sich gar dafür einsetzt, wird ganz
genau gleich behandelt.

Hmm … und wie kann man deine Laune nun wieder etwas bessern?

Oh, übrigens, mir fällt was ein - wo du gerade schon mal da bist. Und zwar hast du neulich „The Believer“ erwähnt. Den habe ich auf eBay nicht gefunden. Ist das ein israelischer Film? Ist der auf DVD erschienen? Mich würde der nämlich interessieren - klingt nach einer interessanten Story. Nur habe ich ihn auf eBay und amazon nicht gefunden.

Na ja, schöne Grüße

Petra

Am Ring gibt es sogar ein Denkmal vom Lueger. Steht aber nicht am Lueger-Ring :wink:

mfg
chris

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

* gääähn *
Auch auf die Gefahr hin, mich hier zu wiederholen:

Und wie schon gesagt: Wen interessiert das, wer in Wien vor
mehr als 80 Jahren Bürgermeister war?

Am Ring gibt es sogar ein Denkmal vom Lueger. Steht aber nicht
am Lueger-Ring :wink:

Ja soll ich mir das jetzt anschauen oder wie? Als ob es in Wien nichts besseres zu tun gäbe. …

Nein, ich weiß was besseres. Am besten, ich lese das entsprechende Kapitel noch einmal. Dann weiß ich wieder ganz genau, was es mit diesen beiden Politikern auf sich hat. (Wenn ich nicht vorher eingeschlafen bin.)

Aber schon interessant, wie es offenbar einigen wichtiger ist, Detailwissen über die Wiener Stadtgeschichte in den Vordergrund zu stellen, als eine Antwort auf die Frage zu finden, WAS man gegen die Juden hatte (bzw. hat?). Das würde mich nämlich wirklich interessieren. So richtig zufrieden bin ich mit den bisher gefundenen Erklärungen allerdings noch nicht. Die beste davon ist noch „das war schon immer so“.

Schöne Grüße

Petra

Hallo

Wer, ich? Sprichst du mir mir, oder war das für Pendragon?

Nein schon mit dir. Warte einfach mal ab was mit Leuten passiert, die dem Fuchs trauen :smile:

Du klingst ziemlich ärgerlich.

Ich schreibe immer so - net persönlich nehmen.

Ja - nur warum?

Das ist eien Frage fürs Religionsbrett. Der Ursprung des Judenhasses liegt darin begründet, daß ein jüdischer Gelehrter viele jüdische Schüler ums ich scharte und diese Lehre sich in der nichtjüdischen Welt selbstständig machte. Aus einer urprünglich rein jüdischen Streiterei um die Auslegungen bestimmter Schriften wurde eine Weltreligion. Aus Abnabelung von einer Mutterlehre wurde pauschale Feindschaft gegen alle Juden. Das ist der Ursprung - der Rest ist das größte Mißverständnis der Religionsgeschichte.

Jedes Jahr werden tausende Deutsche Moslems und Moscheen sprießen
aus dem Boden wie Pilze.

Wundert mich ehrlich gesagt nicht - die Kirche ist ja sowas
von leblos.

Mich wundert es auch nicht - viele Menschen sind auf der Suche. Und da es keinen allgemeinen Glauben an die islamische Weltverschwörung gibt, ist der Islam für viele attraktiv.

Und zwar hast du neulich „The Believer“ erwähnt. Den
habe ich auf eBay nicht gefunden. Ist das ein israelischer
Film? Ist der auf DVD erschienen? Mich würde der nämlich
interessieren - klingt nach einer interessanten Story. Nur
habe ich ihn auf eBay und amazon nicht gefunden.

Es ist ein amerikanischer Film. In welchem Amazon suchst du denn, im deutschen? Höchstwahrscheinlich kam er eben dort nie auf den Markt.

Gruß
d.

Aber schon interessant, wie es offenbar einigen wichtiger ist,
Detailwissen über die Wiener Stadtgeschichte in den
Vordergrund zu stellen, als eine Antwort auf die Frage zu
finden, WAS man gegen die Juden hatte (bzw. hat?). Das würde
mich nämlich wirklich interessieren. So richtig zufrieden bin
ich mit den bisher gefundenen Erklärungen allerdings noch
nicht. Die beste davon ist noch „das war schon immer so“.

Liebe Petra,

wenn Du wirklich etwas Fundiertes über Hitler, seinen Antisemitismus und die Quellen desselben erfahren willst, dann lies von Brigitte Hamann „Hitlers Wien“. Das ist bei Piper erschienen.

Die Antworten, die Du bisher erhalten hast, sind fast alle im Oberflächlichen, Vordergründigen, Rationalen geblieben und haben so getan, als könne man den Antisemitismus mit solch einfachen Denkschemata wie dem Kaufmann an der Ecke, dem reichen Bankier etc. erklären.

Die entscheidende Erkenntnis ist diese: Du mußz überhaupt keinen Juden kennen, um Antisemit zu sein und an die jüdische Weltverschwörung zu glauben! (Die Parallele siehst Du in der ehemaligen Däderä: nirgendwo ist der Ausländeranteil so niedrig wie dort - meist unter 1 % - und nirgendwo ist der Ausländerhaß so groß wie dort.) Also: Der Antisemitismus hat keine rationalen Wurzeln!

Um ihn zu verstehen, mußt Du Dich auf das Gebiet der Psychologie begeben und über Vorurteile, Stereotype und Feindbilder nachdenken.
Ich sagte, der Antisemitismus habe keine rationalen Wurzeln; das hindert aber die Antisemiten nicht, nach vermeintlich rationalen Gründen für ihr Vorurteil, Stereotyp, Feindbild etc. zu suchen.

Es ist spät, und ich habe jetzt keine Lust, dies ausführlich zu tun.

Ein Hinweis nur noch: Der Antisemitismus hat durch die Kirche durchaus Futter bekommen, freilich anders, als viele meinen: Das vierte Laterankonzil 1215 hat auf Betreiben des Papstes Innozenz III. die Transsubstantiationslehre für verbindlich erklärt.
Erst auf dem Hintergrund dieser Lehre, die das Brot der Hostie für den wahren Leib Christi erklärte, sind die Greuelmärchen der Hostienschändung durch die Juden möglich geworden.

Doch dazu vielleicht später mehr.

Gruß - Rolf

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Guten Morgen,

Es ist ein amerikanischer Film. In welchem Amazon suchst du
denn, im deutschen? Höchstwahrscheinlich kam er eben dort nie
auf den Markt.

Ah so, verstehe. Da sind die dann wieder sorry, dass sie mir den Film leider leider nicht liefern können, weil es für uns zu früh ist oder ich eh auf der falschen Seite der unsichtbaren Mauer bin -> werd wohl mal ebay.com bemühen.

Ich habe den Film nun gefunden (furchtbares Cover! *brr*). Den gibt es sogar in Europa, der Versand wird also gar nicht so teuer. Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich ihn erwische.

Mich wundert es auch nicht - viele Menschen sind auf der
Suche. Und da es keinen allgemeinen Glauben an die islamische
Weltverschwörung gibt, ist der Islam für viele attraktiv.

Es wird einem ja auch einfach gemacht, im Islam. Da muss man nur dreimal laut sagen, dass man an Allah glaubt, schon ist man Moslem. Ich meine, wenn man sich ohnehin zu dieser Religion hingezogen fühlt -> nichts leichter als das. Wenn, wie gesagt. *seufz*

Ich glaube aber nicht, dass das irgendwas mit einem Glauben an jüdische Weltverschwörung oder was auch immer zu tun hat. Es ist einfach leichter.

Nein schon mit dir. Warte einfach mal ab was mit Leuten
passiert, die dem Fuchs trauen :smile:

Na jetzt bin ich aber mal gespannt. Bis jetzt hatte es jedenfalls noch keinerlei negative Auswirkungen.

Das ist eien Frage fürs Religionsbrett. Der Ursprung des
Judenhasses liegt darin begründet, daß ein jüdischer Gelehrter
viele jüdische Schüler ums ich scharte und diese Lehre sich in
der nichtjüdischen Welt selbstständig machte.

Ja, das bringt mich noch einmal zu meiner anderen Frage hier in dem Thread zurück: Ab wann hat denn Jesus aufgehört, Jude zu sein? Oder ist er es noch? Ich meine, er hat eine neue Religion gegründet, das ist schon so. Aber rein theoretisch müsste er doch immer noch jüdisch sein, oder nicht?

Ich habe mal gelesen, dass man auch im Judentum „exkommuniziert“ (so nannte es die Zeitung) werden kann. Das ist mit denen passiert, die sich da mit dem iranischen Präsidenten getroffen haben, um über die Zerstörung Israels zu sprechen. … Und jetzt frage ich mich halt, ob ähnliches schon öfter bzw. auch mit Jesus passiert ist.
Stimmt das überhaupt, was die Süddeutsche da wieder geschrieben hat?

Ja, ich weiß. Religionsbrett. ;-( … Aber wenn sich die Diskussion doch in diese Richtung entwickelt?

Schöne Grüße

Petra

zurück zum Antisemitismus

Die entscheidende Erkenntnis ist diese: Du mußz überhaupt
keinen Juden kennen, um Antisemit zu sein und an die jüdische
Weltverschwörung zu glauben! (Die Parallele siehst Du in der
ehemaligen Däderä: nirgendwo ist der Ausländeranteil so
niedrig wie dort - meist unter 1 % - und nirgendwo ist der
Ausländerhaß so groß wie dort.) Also: Der Antisemitismus hat
keine rationalen Wurzeln!

Um ihn zu verstehen, mußt Du Dich auf das Gebiet der
Psychologie begeben und über Vorurteile, Stereotype und
Feindbilder nachdenken.
Ich sagte, der Antisemitismus habe keine rationalen Wurzeln;
das hindert aber die Antisemiten nicht, nach vermeintlich
rationalen Gründen für ihr Vorurteil, Stereotyp, Feindbild
etc. zu suchen.

Liebe Petra,

ich muss gestehen, dass ich nicht alle Antworten auf deine Frage gelesen habe, ich bitte um Entschuldigung, wenn es jetzt doppelt wird.

Ich stimme Rolf zu. Antisemitismus ist sachlich irrational, außer dass die Juden als Sündenbock so schön praktisch sind.

  • Sie sind eine halbwegs abgeschlossene Gruppe, so dass man auf sie einschlagen kann, ohne dass es der Bevölkerungsmehrheit weh tut.
  • Sie verhalten sich gegenüber der Mehrheit merklich anders, sind also unterscheidbar.
  • Für Außenstehende ist der Einblick in die Gruppe nicht leicht, darum lassen sich problemlos Behauptungen in de Welt setzen, die nicht sofort widerlegbar sind.
  • Der Reichtum einiger jüdischer Familien gab natürlich ein treffliches Ziel für Neidgefühle aller Art und Verschwörungstheorien.

Eigene Versäumisse sind ja viel besser zu ertragen, wenn man sich einen Sündenbock erschafft, der an den Verhältnissen im eigentlichen Sinn Schuld ist. Manchmal sind es Ausländer. Manchmal waren es Kommunisten. Manchmal waren es Sarazenen. Manchmal waren es Häretiker. Oft waren es Juden, weil es so schön praktisch war.

Gruß
Hardey

andere Bretter
Hallo

Fragen zu Filmen besser im Film- und Fernsehbrett stellen, Fragen zu jüdischer Exkommunikation und Jesus im Religionsbrett.

Sonst haben wir ein Durcheinander.

Gruß
d.

Hallo

Ähnlich heute, wenn tausende Ausländer wieder
ausgewiesen werden und dadurch die Arbeitslosenzahlen sich
verringern.

Nein, nicht ähnlich, nicht einmal annähernd. Das Ermorden von Menschen hat nichts mit Einwanderungsgesetzen zu tun.

Ansonsten finde ich deine Erzählungen sehr interessant und mutig.

Gruß
d.

Hallo

Es gibt Zitat von z. B.
Hitler und Göbbels gegenüber Vertrauten, aus denen man
erkennen kann, dass diese Leute den Mist, den sie erzählt
haben, selbst nicht geglaubt haben.

Was bedeutet? Daß es gar keinen Antisemitismus gab, nie, seit tausenden Jahren nicht. Nicht einmal vor 100 Jahren war irgendjemand Antisemit. Nicht einmal Goebbels. Das haben sie alles einfach erfunden, nur zum Zweck, irgendeinen Krieg vom Zaun zu brechen. Es gab auch keinen ANtisemtismus in der Bevölkerung. Das war reine Gehirnwäsche durh „Mist“, an den „niemand geglaubt hat“!

Aber: Um Vorurteile zu haben, brauche ich nicht an die
Verschwörung des Weltjudentums zu glauben. Es reicht, wenn die
Propaganda einen Grundverdacht streut.

Auch erhellend. Es stimmt gar nicht, daß Judenfeindlichkeit rein aufgrund der Geschicht des Christentums immer schon da war. In Wirklichkeit war das ein „Verdacht“, ein „Grundverdacht“, etwa so: Der Brunnen ist vergiftft, ich verdächtige den Juden XY, und daher verdächte ich besser alle, aus Vorsicht. Und diesen Verdacht hat Goebbels, obwohl er nicht daran geglaubt hat, den Deutschen einhypnotisiert bis sie daran glauben MUSSTEN. Zwangsweise versteht sich.

Wenn Du
Antisemit bist, wirst Du Dir denken: „Wahrscheinlich wird mich
der Jude übers Ohr hauen. Das lasse ich nicht zu.“ Wenn Du
kein Antisemit bist…

Die Frage lauetete aber: WARUM ist jemand überhaupt Antisemit?

Michael Moore hat in „Bowling for Columbine“

Wunderbar! Nach dem Vergleich mit „Islamisten“ (von Juden unterdrückt) dürfen die armen von den bösen Amis unterdrückten Schwarzen etc. pp. auch nicht fehlen.

(Bei
ihm ist es der Rassismus gegen Schwarze, der dadurch geschürt
wird, dass Täterbeschreibungen von Gewaltverbrechen im
Fernsehen immer so lauten: „a tall black man“, während bei den
vorwiegend weißen Wirtschaftskriminellen niemals die Hautfarbe
erwähnt wird).

Alles klar. Das ist alles reinste, gesteuerte Propaganda. Es stimmt nämlich gar nicht, daß die Mehrheit der Gefängnisinsassen schwarz sind. Das ist eine Lüge.

Auch hervorragend, wie du Gewaltverbrechen anführst und dieses als Vergleich für antisemitischen „Grundverdacht“ bringst. Ebenso wie keine mehrheitlich Schwarzen im Gefängnis sitzen, haben auch keine Juden mehrheitlich Brunnen vergiftet und Kinder gegessen. Richtig?

Und der Holocaust in seinem ganzen Ausmaß war der Bevölkerung
nicht bewusst.

Natürlich nicht. Antisemitismus (und auch Haß auf geistig Behinderte etc. pp.) gab es gar nicht. Nie. Das waren alles Hirnwäschen durch Propaganda"mist", an den selbst Goebbels nicht glaubte. Es gab nie „wissenscahftlich“ Abhandlungen über die Minderwertigkeit von Menschen. Alles „Mist“, an den niemand glaubte.

Gruß
d.

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Mythos von Al-Andalus
Hi

Und gerade die siebenhundert Jahre des Neben- und
Miteinanders von Juden, Christen und Muslimen in Spanien
gelten als „goldenes Zeitalter von Al Andaluz“.

Dieses angebliche friedliche Miteinander der Religonen, unter islamischer Schirmherrschaft als „Ort überlegenen Menschtums“ ist ein beliebter Topos der modernen Zeit, da er die zum Zeitgeist passenden Rollen von Gut und Böse verteilt. Aber leider ist das falsch.

http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=11897&Categ…

„Für einen kurzen historischen Moment», schwärmt etwa der Herausgeber von «Das Wunder von al-Andalus», einer jüngst publizierten Sammlung arabischer und hebräischer Gedichte aus dem maurischen Spanien, «wurde der Traum von einem friedlichen Miteinander Wirklichkeit.» Ein Traum, der 1492 mit dem Abschluss der inquisitorisch-katholischen Reconquista Granadas und der Vertreibung der Muslime und Juden aus Spanien wieder ausgelöscht worden sei.“

Die Rollen werden korrekt verteilt.

„Der Orientalist Bernard Lewis hat bemerkt, dass der «Mythos spanisch-islamischer Toleranz besonders von jüdischen Gelehrten gefördert wurde, denen er als Stock diente, um ihre christlichen Nachbarn zu schlagen».“

Al-Andalus gilt als Beweis für die moralische Überlegenheit der islamischen Welt über die christliche.

"Der machtsichernde Transfer von Ressourcen und Wissen wurde gewährleistet, indem der Kalif die Vorsteher der Dhimmi-Gemeinden, die Rabbiner und Bischöfe mit hohen Positionen in Wirtschaft und Verwaltung betraute. Als Befehlsempfänger und privilegierte Nutzniesser der islamischen Macht waren diese bereit, die eigenen Leute auch dann noch auszupressen, wenn die Tributforderungen längst das erträgliche Mass überschritten hatten.

Gleichzeitig sorgte ein theologisches, politisches und alltägliches Regelwerk für die permanente Erniedrigung und «rituelle Demütigung»"

Wahrlich ein Paradies der Freiheit der Religion!

Gruß
d.

Aber die Frage ging ja
dahin, wieso es ihn trotzdem gab und immer noch gibt.

Mich wundern manche Einschübe hier. Oder steht hier jeder Thread für sich getrennt?

Es gilt als klassisch antisemitisch, Juden unverhältnismäßige Habsucht, Raffgier, das permanente Brechen von Verträgen, die Prinzipien von Rache und Vergeltung und sinnlose Gewaltbereitschaft nachzusagen.

Gruß
d.

Jetzt fang du nicht auch noch an!
Mich nervt heute schon den ganzen Tag der PC mit Fehlermeldungen. Und da will ich mal zwischendurch für fünf Minuten hier im Thread Pause machen und schauen, was du so geschrieben hast, und was bekomme ich? Eine „Fehlermeldung“ :frowning:

Das finde ich aber gar nicht komisch. Na gut, ich werde das mit Jesus also mal unter Religion fragen. (Auf den Film habe ich geboten.)

Hm. Hoffentlich wird wenigstens meine PC-Frage beantwortet. *seufz*

Schöne Grüße

Petra