Hallo,
Tun sie nicht. Aber die Aufklärung ist mit dem weitaus größten
Teil auf das Gebiet des Christentums beschränkt, und daneben
auch auf das Judentum und dem türksichen Teil des Islams. Der
Großteil der restlichen Welt kennt keine Aufklärung. Also kann
man mit Fug und Recht behaupten, die Werte der Aufklärung
stammen mehrheitlich aus einem christlich definierten Umkreis.
Es ist eine Sache, ob eine ENtwicklung in einem mehrheitlich
von Christen bestehenden Gebiet entstanden ist …
Zumindest historisch wissenschaftliches Arbeiten geht vom Korelationsprizip aus: Historische Ereignisse und Bewegungen sind nur dann anchweisbar, wenn sie in einem Bedingungsgefüge stehen. Die Aufklärung ist definitiv nicht vom Himmel (oder woher auch immer) auf die Erde gefallen.
andere ob diese Werte dann christlich geprägt sind. Fakt ist
dass die AUklärung und mit ihnen die mordernen Werte eben
keine christlichen Werte sind oder waren und dass diese Werte
erst durch einen Kampf GEGEN die Kirche durchgesetzt werden
konnte.
Das ist so falsch.
Zumal die Leute die sich zu der AUfklärungsbewegung
bekannten eben nicht Leute waren die gerade Freunde der Kirche
waren.
Samuel Pfendorf (1632-94) gilt als frommer Lutheraner, der als NAturrechtsprofessor das preußische Staatskrichentum rationalisitsch begründete. D.h. er trat für ein Kirchenregiment ein, aber ist entscheidend, da er Toleranz gegenüber den verschiedenen Religionsparteien und Schutz der Religionsausübung forderte.
Sein SChüler Thomasius (1655-1728), gemeinhin als „Vater der deutschen Aufklärung“ bezeichnet ist ebenfalls ohne seinen lutherischen Hingergrund nicht denkbar - was nun mal nicht heißt, daß er nicht, daß er nicht in Konflikt mit Leipziger Orthodoxie und Hallenser Pietismus geriet (ein Kennzeichen protestnatischer Religiösität ist die Plurälität, hier sei auf das Fehlen eines Lehramtes hingewiesen, was ja einen Umgang mit Pluralität und der Gewissensfreiheit, auf die eben jener berühmte Christ sich berufen hatte, notwendig macht). Thomasius begründet seine Freiheitsidee christlich und fordert von eben daher Gewissensfreiheit.
Christian Wolff, ein weiterer großer Aufklärer (1679-1754) studierte Theologie und Mathematik. Sein philosophisches Interesse galt, einen Weg zur biblischen Theologie zu eröffnen, der weder Logik noch Naturgesetzen entsprach.
Lessing, ein Pfarrerssohn, (1729-81) steht für die aufklärerische Kritik am kirchlichen Dogmatismus. Dabei stützte er sich auf die „Religion Christi“ (und hat zu deren historischen Erforschung entscheidende Anstöße gegeben), den nur dort sah er die auf Humanität zielenden sogenannten notwendigen Vernunftwahrheiten (gegen zufällige Geschichtswahrheiten).
Kant wiederum (1724-1804), der als „BVollender der Aufklärung“ gilt, basiert iddengeschichtlich ebenfalls auf dem Christentum, indem er zwar die vorfindliche Kirche umwandeln will in eine von Moralität bestimmte Gesellschaft.
Keiner der großen gestalten der (deutschen - man verzeihe mir, daß ich mich anderswo nicht so auskenne) sind ohne ein positives Verhältnis zum Christentum (was schon zu allen Zeiten nicht gleichbedeutend ist mit einem zur Kirche - und gebetsmühlenartig sei hier darauf hingewiesen, daß auch diese spätestens seit dem 16.Jh. kein statisches Gebilde ist) denkbar - vielmehr steht hier eine Lektüre bibl., christl. und philosoph. Schriften zum Zwecke einer gesellschaftlichen Erneuerung, bei der es um wahrhaftige Durchsetzung christlicher Werte geht.
SIch jetzt auf die Errungenschaften dieser Leute zu
stürzen und sie zu vereinnahmen als „christliche Werte“ ist
sehr weit hergeholt und hat mit der WIrklichkeit nichts zu
tun.
Aber schon mit Kennenits der allgemeinen Geschichte sowie der Geistesgeschichte.
Zumal die Frage besteht, ob die ENtwicklung von Gruppen in
einem bestimmten Bereich der Welt die weitgeschrittene
ENtwicklung dieses Bereches zeigt oder genau das umgekehrte:
Nämlich dass es in disem bereich sehr viel Bedarf an
Fortschritt war. Kann also in diesem Sinne die ENtwicklung
der bestehenden Gruppen nicht auch daraus folgen kann dass
eben in diesem Bereich der Welt es sehr gemangelt hat an
Entwicklung von Werten, so dass gerade in diesem gebiet sich
eine derartige Moderne entwickelt hat. Verstehst wo keine bzw.
geringere Nachfrage besteht gibts auch keine ANgebote…Aber
das gehört eher in einem anderen Brett wahrscheinlich.
Natürlich ist gerade die Aufklärung erwachsen aus einer innerchristlichen Kritik am kirchlichen Dogma (weniger an der Organisation). Die Aufklärung steht für einen transzendent begründeten Vernunftbegriff, der Moralität, basierend auf christlicher Geistesgeschichte, eben rational begründen will (kant: religion als Moal in Beziehung auf Gott).
Allerdings: Der heutige, rein empirische Vernunftbegriff, ist sicherlich nicht jüdisch, christlich, platonisch, aristotelisch und sicher auch nicht au8fklärerisch (ich empfehle die entsprechenden Schriften Kants). Er ist zwar auch geistesgeschichtlich nicht erklärbar ohne das Christentum (denn ohne dem wäre ja auch die Säkularisierung nicht erklärbar), aber tatsächlich ein krasser Widerspruch nicht nur zum christlichen, sondern auch zum abendländischen Denken allgemein.
Und einmal kurz umgekehrt: Alle Aufklärer basieren in ihrer Forderung nach Moralität auf der „ggoldenen Regel“, im AT erstmals im Buch Tobit.
Die Idee der Gleichheit aller Menschen basiert nachweislich auf der Genesis und ist geistestgeschichtlich ein jüdisches und nachfolgend christliches „Copyright“.
Auch der Freiheitsbegriff (das autonome Individuum) ist geistesgeschichtlich nur erklärbar durch die Nachwirkungen wiederum der Genesis und des Epheserbriefs (und der Idee des freien Willens).
Grüße,
Taju