Hallo miteinander!
Die entscheidenden Gesichtspunkte zu der (übrigens reichlich unklaren) Frage sind von Scrabtz und Nemo vorgetragen worden.
Hier noch einige nachträglichen Husch-Bemerkungen aus der Vogelperspektive:
Schrecklich das ständige Nachfragen nach simplen Mustern.
Das meiste ist nun mal komplex, wechselwirkend, verwickelt.
Natürlich gibt es biologische „Determinismen“. Ich persönlich zum Beispiel kann Sauerstoff noch einigermaßen effizient verwerten, würde jedoch bei Helium versagen. Das liegt nicht an den Kindheitsproblemen meiner Mutter, auch nicht am Fehlen eines deutschen Friedensvertrages, sogar ganz und gar nicht am bösartigen Kapitalismus oder anderen jüdischen Machenschaften, wie zum Beispiel das aus dem Nahen-Osten-Forum so geläufige perfide Streben Israel nach der Weltherrschaft und Ausrottung aller Indianer.
Nein, ich fürchte, das ist biologisch determiniert.
Ansonsten - außerhalb solch krasser Beispiele - sollte diese begriffliche Verbindung für mindestens zwei Generationen weltweit polizeilich verboten werden, damit ihre Pseudo-Selbverständlichkeit und Anziehungskraft sich endlich abschwächt.
Noch einmal, wissend, daß ich damit kaum etwas werde wirklich ausrichten können, aber man versucht ja, seine Haltung zu bewahren…
:Es gibt den vielbeschworenen krassen Gegensatz zwischen Biologie und Kultur ganz und gar nicht. Er ist nicht vorhanden!
(Hätt’ ich es nicht ein drittes Mal vorbringen sollen, vielleicht in phosphoreszierenden Buchstaben?)
Biologie und Kultur wechselwirken unentwegt!
Sogar die Gene, diese Götzen des Determinismus aus dem Unverstandenen und Halb- und Viertel-Verstandenen, sind nicht das, wofür sie auf der Kirmeß verkauft werden! Ihre Wirkung variiert, sie wird moduliert, sogenannte Genschalter werden getätigt, Gen-Auswirkungen unterliegen ihrerseits komplexesten Wechselwirkungen. Auch Gene sind nur „arme Teufel“, beinah alles wechselwirkt mit beinah allem.
Verhaltensmuster:
Wie von den beiden Mitdisputanten treffend erwähnt, sind in den realen menschlichen Kulturen häufige Verhaltensveränderungen wahrzunehmen.
Ich füge hinzu: Und Erlebensveränderungen.
Soziale, materielle, klimatische, gesundheitliche, religiöse, kulturelle und ideologische Faktoren im weitesten Sinne des Wortes verändern in der longue durée Verhalten und Erleben in größerem Umfang.
Auch diese Veränderungen werden selbverständlich biologisch koaktiv mit-gesteuert. Es ko-wechselwirkt eben fast alles.
„Der Mensch weiß meistens, was er tut!“ (Eventuell in der putzig-modischen Variante: „Die Frau zumindest!“)
Natürlich nicht! Beileibe nicht! Die vollständig erschlagende Mehrheit der menschlichen Abwägungen und Entscheidungen wurzelt in mitsteuernden Wirkfaktoren, welche dem handelnden Subjekt nicht bewußt sind.
Wir sind großartige Theater-Impresarien.
Wenn man in den glücklich politisch durch und durch unkorrekten Fünfzigern in einer Vorlesung der Professor einen Studenten hypnotisierte (welcher während der vorab dem Auditorium erteilten Erklärungen sich woanders aufhalten mußte), ihm dann den Befehl gab, auf ein bestimmtes Stichwort hin während der Postsitzungs-Besprechung einfach aufzustehen, zur Regalwand im Hintergrund zu laufen, den Band xy der Anatomie oder Allgemein-Pathologie in die Hand zu nehmen
und daraus aus der Seite xzj den dritten Absatz vorzulesen, taten natürlich die ausgewählten Studenten dem Prof den Gefallen, und zeigten tatsächlich das vorhergesagte Verhalten.
Das aber ist gar nicht der Punkt!
Der Punkt ist der, daß dann die Probanden logischerweise gefragt wurden, warum sie denn das getan hätten.
ALLE, IMMER, VÖLLIG ÜBERZEUGT UND VÖLLIG ÜBERZEUGEND, hatten auf Anhieb eine völlig einleuchtende und zusammenhangsgerechte Erklärung für ihr Verhalten parat, die jeder im Saal ihnen abgenommen hätte, hätte er nicht gewußt, daß der reale Grund ein völlig anderer, nämlich die post-hypnotische Suggestion gewesen war.
Witzigerweise nahmen die meisten Probanden die Story dem Professor nicht ab, egal wie glaubwürdig und abgesichert vorgetragen. Erst wenn sie Zeugen des nächsten „Opfer“-Auftrittes wurden, kamen sie selbst ins Schwanken (aber auch da nicht alle!!!).
In anderen Worten: Der Mensch sollte seinen eigenen „Deklarationen“ mit gesundem Abstand und gesunder Skepsis entgegentreten: Es tät’ ihm in vielerlei Hinsichten gut…
„Oxytocin“
Der eigentliche Zyklus der Oxytocin-Ausschüttungs-Abschwächung beträgt ca. vier Jahre, betrifft also andere Fälle von angeblicher „Entliebung“ als die besprochenen.
Trennungswünsche:
Kulturell, psychologisch, individuell gesehen gibt es natürlich solche Wünsche noch und nöcher… wenn es sie gibt, dort wo es sie gibt…
Biologisch gesehen gibt es „Abstoßungen“, am bekanntesten in der abgelaufenen Brutpflege, zum Beispiel bei Felidaen.
Es gibt allerdings bei höheren Tieren (einschließlich des Menschen) auch andere - weniger hervorragende - vornehmlich „altruistische“ Abstoßungsphänomene.
Vom eigentlich Biologischen her gibt es keine Trennungswünsche, sondern Bindungsabschwächungen und -entleerungen und Neu-Bindungs-Appetenzen.
abifiz