Typisch Deutsch

Hallo!

In einer anderen Diskussion hatten wir vor kurzem den Vorwurf, ein bestimmtes Verhalten sei „typisch Deutsch“. Das höre ich immer öfter. Ausnahmslos sind damit schlechte Eigenschaften gemeint. Als „typisch Deutsch“ gilt kleinkariert, spießig, besserwisserisch, grießgrämig, neidisch, verklemmt, großspurig, grobschlächtig, … um nur einige wenige typisch deutsche Eigenschaften zu nennen. (In den Augen unserer Nachbarn haben die Deutschen mindestens die positiven Attribute pünktlich und zuverlässig, aber darüber reden wir nicht gerne, denn das sind ja spießige (also typisch deutsche) Eigenschaften).

Mich würde mal interessieren, ob es im Ausland dieses Verhalten auch gibt. Nur so als Beispiel: Wenn sich einer daneben benimmt, rollt dann sein Landsmann auch mit den Augen und sagt: „Oh, Mann, das war mal wieder typisch Guatemaltekisch!“?

Oder ist das eine „typisch deutsche“ Angewohnheit? (Genau diesen Verdacht habe ich nämlich).

Gruß, Michael

Moin,

zumindest die Briten haben einen grandiosen Sinn für Selbstironie. Sie sehen ihre „nationalen Schwächen“ durchaus, schaffen es aber im Gegensatz zu den Deutschen, sich darüber selbst lustig zu machen. In sofern ist die offensichtliche Humorlosigkeit der Deutschen gegenüber ihren Schwächen vermutlich „typisch deutsch“ :smile:

Gruß
Marion

‚Typisch‘ im Deutschsprachigen Raum
Hallo Michael,

bei der Analyse von Werbeslogans hatten wir
festgestellt, daß der Österreicher mit „typisch“
immer etwas Negatives meint, wogegen das Wort in
der Bundesrepublik durchaus positiv besetzt ist.

Über die Schweiz weiß ich nichts dazu.

Gruß
J.

bei der Analyse von Werbeslogans hatten wir
festgestellt, daß der Österreicher mit „typisch“
immer etwas Negatives meint, wogegen das Wort in
der Bundesrepublik durchaus positiv besetzt ist.

Typisch Werbefuzzi!

Gruß
Elke

*die das durchaus deutsch meint*

Mich würde mal interessieren, ob es im Ausland dieses
Verhalten auch gibt. Nur so als Beispiel: Wenn sich einer
daneben benimmt, rollt dann sein Landsmann auch mit den Augen
und sagt: „Oh, Mann, das war mal wieder typisch
Guatemaltekisch!“?

Oder ist das eine „typisch deutsche“ Angewohnheit? (Genau
diesen Verdacht habe ich nämlich).

Das gibts überall. Vor allem im Urlaub, wenn man sich für seine Landsleute schämen muß. Ist also nix, das nur Deutsche beträfe!

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind in der Geschäftswelt übrigens sehr geschätzte „typisch deutsche“ Eigenschaften.

Witzig aber, daß die einzige wirklich negative „deutsche“ Eigenschaft gar nicht erwähnt wurde: Andere auf ihre Fehler hinzuweisen und danach zu trachten, daß _der andere_ sich an die Regeln hält. DAS finde ich typisch.

Gruß
dataf0x

daß der Österreicher mit „typisch“

immer etwas Negatives meint

man muß es aber auch korrekt aussprechen: ddübbisch!
Definitiv eine Abwertung.

Gruß
dataf0x

Barbaren
Hallo

Ach, wieso soll DAS typisch deutsch sein?!
Ich erinnere nur an das Wort «Barbaren».
Das waren früher einfach stets die anderen, die nicht
zum eigenen Stamm gehören und womöglich noch jenseits
eines Meeres wohnen.

Aus japanischer Sicht waren z.B. die Chinesen Barbaren,
und umgekehrt vielleicht auch.
Ethnozentrismus nennt man das, wenns wissenschaftlich
klingen soll: WIR sind die einzigen Guten und
Zivilisierten – der ganze Rest ist doch bloss Abschaum.

Anderes Beispiel(dessen ich mit Bitterkeit gedenke):
Wieso konnten sich die «edlen Wilden» (romantische
Verklärung – eine Spielart des Ethnozentrismus) in
Amerika nicht gegen die barbarisch anmutende
Verdrängung und Ausrottung durch europäische Eroberer
und Siedler wehren? Weil sie weitgehend unfähig waren,
in ihren Nachbarn hinter dem nächsten Berg die vom
selben Übel bedrohten Brüder zu erkennen und sich mit
ihnen zwecks Verteidigung zusammenzutun. («Ich guter
Indianer – du böser Indianer.»)

Ein Segen, wenn die abwertende Wahrnehmung des Nachbarn
sich nur auf der Ebene von mehr oder weniger lustigen
Witzchen abspielt! (In der Schweiz z.B. Basler vs.
Zürcher oder Berner vs. Freiburger. Beispiele aus
Deutschland bitte von Kennern der Szene ergänzen …)

Grüsse vom Nachbarn aus dem Süden
Rolf

P.S.
Vor diesem Hintergrund bekommt leider der klangvolle
Name Barbara ein bedenkliches Gerüchlein.

Hi,

ich habe in den USA durchaus mehrfach schon gehört (abwertend), etwas sei typisch jüdisch oder typisch englisch! Also da gibt es anscheinend durchaus auch Ressentiments. Es menschelt halt überall…

Grüße,

Susanne

Hallo!
Interessante Perspektive! Bei uns hätten wir dann wohl den negativen Ethnozentrismus… (negativ im Sinne von „anderes Vorzeichen“)

Hallo,

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind in der Geschäftswelt
übrigens sehr geschätzte „typisch deutsche“ Eigenschaften.

Ich habe in Südafrika „drama“ studiert. Notorisch dafür,
dass die lieben
Studenten Künstlertypen sind und nichts ernst nehmen und sich
nicht an Abgabetermine halten können. Typisch Schauspieler halt!
Wenn ich einen Aufsatz o.ä. fünf vor Eingabeschluss abgab, war das
Erstaunen erst groß: Was?! Jetzt schon?!! Sie sind die erste…
kurzer Blick auf mich, dann : Ach so, ja, das ist ja
bei Ihnen angeboren, „typically German“ halt. — der 5% Bonus für
rechtzeitiges Einreichen entging mir meistens.

Gruß
Elke
*life is unfair*

Hallo Zusammen!

Is ja lustig! Vor allem finde ich interessant, dass ich von fast niemandem verstanden wurde. Ich wollte überhaupt nicht fragen, ob Vorurteile gegenüber Fremden typisch deutsch sind. (Dass es überall Vorurteile gibt, ist sonnenklar). Mich interessierte, ob es in anderen Völkern auch Vorurteile gegenüber dem eigenen Volk gibt.

Ich kann mir einfach schlecht vorstellen, dass Marianne lamentiert: „Ach, typisch Französisch! Wir sollten uns mal ein Beispiel an den Deutschen nehmen.“ oder Uncle Sam: „Typisch Amerikanisch!“

Um es noch ein bisschen differenzierter zu machen: Man kann das Verhalten eines Deutschen auf ziemlich perfide Weise kritisieren, indem man sagt, er sei typisch deutsch.

Fröhliches Weiterraten!
Michael

Hallo,

Ich wollte überhaupt nicht
fragen, ob Vorurteile gegenüber Fremden typisch deutsch sind.
(Dass es überall Vorurteile gibt, ist sonnenklar). Mich
interessierte, ob es in anderen Völkern auch Vorurteile
gegenüber dem eigenen Volk gibt.

Hast du alles gelesen?
Pendragon ging speziell darauf ein - und ja, ich kenne
das von den Engländern, die das mit viel Selbstironie machen.
Ich arbeite in einem multi-kulturellen Umfeld, dominant
sind englische und deutsche Kultur. Wenn irgendwas in
der Kommunikation schiefläuft, wird das oft mit „it’s an
English thing, that’s how we are“ entschuldigt.

Ich kenne es von den Südafrikanern, die lange Zeit zwischen
Nationalstolz und einem „wenn es aus Südafrika kommt, kann
es gar nicht gut sein“-Gefühl hinunher gerissen waren und
das auch in Vorurteilen gegenüber sich selbst hatten.
Inzwischen sieht man das etwas lockerer, aber wenn z.B.
auf notorische Unpünktlichkeit als „African time“ verwiesen
wird, so ist das zwar kritisch, aber durchaus mit Verständnis
gemeint (wir sind halt nicht so verkrampft wie die Westeuropäer!).
Auch Deutsche, die z.B. die deutsche Pünktlichkeit genervt
als „typisch deutsch“ anmerken, meinen das oft nicht nur
negativ, sie sehen auch das positive in dieser Angewohnheit
(die meisten dieser nationalen Eigenschaften haben ja
durchaus zwei Seiten).

Selbst von einem Volk wie den Saudiarabern, die total von
sich selbst eingenommen sind, kenne ich Kommentare, die
durchaus mit „typisch Saudi“ zu umschreiben sind.

Gruß
Elke

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Rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbier

P.S.
Vor diesem Hintergrund bekommt leider der klangvolle
Name Barbara ein bedenkliches Gerüchlein.

Musste einfach sein.

Alles klar? Aufgedröselt

Rhabarber-Barbara-Bar-Barbarenbart-Barbier

Ach ja: Dippl-Schisserei und Detailverliebtheit sind auch typisch Deutsch. Deswegen machen wir gern Produkte, die zwar technisch top sind, die aber so keiner braucht. Hauptsache Coladosenhalter (Chrysler).

Gruß

Stefan

:smile:)) Typisch Elke
Hallo Elke,

gelernt ist gelernt :wink:

Gruß
J.

Typisch Deutsch…???
Hallo Michael,

Ich kann mir einfach schlecht vorstellen, dass Marianne
lamentiert: "Ach, typisch Französisch! Wir sollten uns mal ein
Beispiel an den Deutschen nehmen

Hier reicht Deine Vorstellungskraft nicht aus oder zumindestens nicht Dein aktiver Erfahrungsschatz. Während wir nur bewundernd nach Amerika oder Skandinavien schauen, nehmen sich die Franzosen sehr oft die Deutschen als Beispiel. Viel öfter und ungleich viel positiver als wir es mit den Franzosen tun.
Darüberhinaus sieht er sich selbst viel kritischer: Nous sommes des raleurs, jamais contents… (Wir sind ständige unzufriedene Meckerer) als wir Deutschen es tun. Ich spüre bei uns Deutschen immer das Gefühl, missverstanden zu werden. Das erinnert mich an Oberlehrerverhalten und das wird uns allerdings nachgesagt.

Franzosen, die sich zum ersten Mal begegnen und miteinander sprechen, sind nach spätestens 10 Minuten beim Thema Essen angelangt. Vielleicht ist es für uns Deutschen typisch, über Autos zu sprechen???

Das hilft Dir bei Deinem Problem nicht weiter, aber wenn ich in Frankreich weile, kann ich Dir sofort zeigen wer Deutscher ist. Das fängt bei der Frisur an, geht über die Kleidung bis hin zum Verhalten.

Gruss
Jörg-Holger

Hallo,

also hier in Brasilien, wo ich seit fast sechs Jahren lebe ist es eher ein Kompliment wenn jemand sagt Du bist typisch Deutsch. Da hier in BRA (wie eigentlich in ganz Südamerika) typisch Deutsche Eigenschaften mit Pünktlichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Organisationstalent verbunden werden.
Liegt vermutlich daran das z.B. Brasilianer überhaupt keinen Sinn für Organisation, Zeitplanung und Timing haben!?! :smiley:

Die von Dir genannten typisch negativen Eigenschaften der Deutschen, die durchaus berechtigt sind, werden eigentlich nicht mit typisch Deutsch in Verbindung gebracht.

Natürlich gibt´s hier wie eigentlich überall auf der Welt typische Vorurteile zu bestimmten Völker und Länder.

Oder ist das eine „typisch deutsche“ Angewohnheit? (Genau
diesen Verdacht habe ich nämlich).

Diesen Verdacht würde ich mal aufgrund meiner sicherlich unzureichenden internationalen Beobachtung bestätigen wollen.

Gruß

Ze

Ich kann mir einfach schlecht vorstellen, dass Marianne
lamentiert: "Ach, typisch Französisch! Wir sollten uns mal ein
Beispiel an den Deutschen nehmen

Bonsoir!

genau so ist es!

Darüberhinaus sieht er sich selbst viel kritischer: Nous
sommes des râleurs, jamais contents… (Wir sind ständige
unzufriedene Meckerer)

sicher sind wir „râleur“ aber das ist gut so. Das ist keine negative Kritik. Positiv ist das!
Wieso sollten wir uns zufrieden geben? Es könnte uns doch noch besser
gehen, oder etwa nicht??? (Humor!!)

Franzosen, die sich zum ersten Mal begegnen und miteinander
sprechen, sind nach spätestens 10 Minuten beim Thema Essen
angelangt.

Ja, ja und du vergisst das Thema Wein?? Welcher passt jetzt am besten zu diesem Essen?? u.s.w.

Das hilft Dir bei Deinem Problem nicht weiter, aber wenn ich
in Frankreich weile, kann ich Dir sofort zeigen wer Deutscher
ist. Das fängt bei der Frisur an, geht über die Kleidung bis
hin zum Verhalten.

Ja, natürlich, wir Franzosen sind noch nicht so umweltfreundlich. Wir kaufen unsere Baguette mit dem Auto. Der Deutsche nebenan, geht mit dem Rad runter ins Dorf. Oder sogar zu Fuss und klemmt sich die Baguette unter den Arm, während wir sie auf den Mitfahrersitz schmeissen.

Ich glaube, wir Franzosen haben eigentlich wenig Komplexe uns selbst gegenüber. Wir sind einfach, wie wir sind. Denn wie gesagt, meistens ist sogar „râleur“ für uns une qualité svp!!!
Ausländer finden uns arrogant aber wir selbst,nein, keine Spur von einer schlechten Eigenschaft :wink:) Warum auch???

Gruss aus Frankreich,
I.D

Hallo Michael!
Die verschiedenen Antworten haben ja schon gezeigt, dass die Deutschen (auch wenn Du danach nicht direkt gefragt hattest) von anderen Nationen nicht nur mit negativen Aspekten verbunden sind und dass es in anderen Ländern durchaus auch Selbstkritik gibt. Dazu fallen mir Südländer (kenn das insbesondere von Italienern und Palästinensern, teilweise auch von Israelis) ein, die Faulheit, Bürokratie, Vetternwirtschaft, Korruption und ähnliches als typisch für ihre Landsleute ansehen. (Natürlich sind nur ihre Landsleute so, und niemals sie selbst. :wink:)
Aber ich denke, dass bei vielen Deutschen die Selbstkritik zu einer Art Selbstläufer geworden ist: Man ist den eigenen Landsmännern so kritisch gegenüber eingestellt und schämt sich für sie, dass man jedem Landsmann und Fremden lang und breit erklären muss (ob der das nun hören will oder nicht), wie sehr man sich dafür schämt. Wenn sich, sagen wir einmal, ein Franzose oder Amerikaner über das „typische“ (?!) Fehlverhalten eines Landsmanns aufregt, wird er sich sicherlich auch seinen Teil denken. Aber er hat nicht unbedingt das Bedürfnis, jedem, dem er begegnet, von diesem beobachteten Fehlverhalten zu erzählen. Das liegt, denke ich, daran, dass sich die Menschen in den erwähnten Ländern stärker mit ihrer Nation (und damit auch pauschal mit ihren Mitbürgern) identifizieren – und daher nicht durch zu übermäßig nach außen geübte Selbstkritik als „Nestbeschmutzer“ gelten wollen. Im amerikanischen, französischen, … Fernsehen müsste man sicher keine „Du bist Amerika, Frankreich, …“-Spots senden.
Haben sie nicht damals Carter unter anderem deswegen nicht wiedergewählt, weil er sich vor der gesamten Nation (und der Weltöffentlichkeit) sehr/zu (selbst-)kritisch über die Misserfolge der amerikanischen Außenpolitik gezeigt hat? – Selbstkritik ist halt nicht überall Nationalsport Nummer eins… :wink:
Gruß,
Stefan