Über die (persönliche) Schmerzgrenze

Hallo @all,

ich befasse mich intensiv mit dem Thema Darstellung von Unerträglichem, Widerwillen/Ekel Auslösendem, die persönliche Schmerzgrenze Überschreitendem in fiktiven Texten bzw. Filmen.

Mich interessiert dabei nicht der „Abstumpfungseffekt“, der z.B. beim Konsum von Gewaltdarstellung/Splatter etc. auftreten kann, sondern die Reaktion auf solche Szenen, die in einen scheinbar alltäglichen Ablauf eingebettet sind (als Beispiel vielleicht die Szene in der Klavierspielerin, in der Isabelle Huppert sich mit einer Rasierklinge in die Genitalien schneidet).

Wohl jeder von uns kennt das: Man sieht eine Szene, deren Anblick man nicht erträgt, liest einen Text, bei dem einem fast physisch übel wird.

Oft handelt es sich um Texte/Bilder, bei denen dieser Effekt bei fast allen Rezipienten ausgelöst wird, manchmal handelt es sich um Beschreibungen/Worte bzw. Szenen/Bilder, die für den einen unerträglich sind, für den anderen nicht.

Meine Frage an Euch: Gibt es Filme/Sequenzen, die ihr nicht ertragen konntet, bei denen ihr wegsehen oder gar das Kino verlassen mußtet?

Antworten hier oder per mail.

Vielen herzlichen Dank und viele Grüße
Diana

P.S.: Kleiner Hinweis für Spaßvögel: Meine Frage zielt nicht auf den ästhetischen Abscheu/Widerwillen ab. Das wäre einen eigenen Thread wert :wink:

Hallo Diana,

Meine Frage an Euch: Gibt es Filme/Sequenzen, die ihr nicht
ertragen konntet, bei denen ihr wegsehen oder gar das Kino
verlassen mußtet?

Die gibt es…fast…Allerdings hängt das eigentlich nicht von der Szene an sich ab.

Mit Horrofilmen habe ich im allgemeinen keine Probleme, allerdings finde ich z. B. ein paar Sachen von Dario Argento überaus eklig. Aber weggeguckt habe ich (soweit ich mich erinnere) noch nie… :smile:

Wo ich aber tatsächlich (zum ersten Mal) weggeguckt habe war bei der ersten Folge dieser speziellen Videofilmreihe in der reale Sterbeszenen, Todesfälle und Leichen (bzw. Teile einer Obduktion) zu sehen waren. Das sollte als Beschreibung genügen und den Titel werde ich auch nicht nennen, nur um hier niemanden auf den Geschmack zu bringen.

Es waren aber nicht mal die Szenen an sich, da sind einige Horrorfilme wesentlich krasser. Was für mich den Unterschied zwischen „wohligem Schauer“ und „Unerträglich“ ausmacht, ist daß Horrorfilme eben nur Fiktion sind, die Filmreihe aber (zumindest so weit ich weiß) aus Realszenen besteht…Ich würde mir das Teil auch nicht noch mal ansehen, definitiv.

Hoffe ich habe jetzt niemandem den Appetit verdorben :smile:

Stephan

Hallo,

also ganz schlimm fand ich den Film Flatliners. Eigentlich machen mir Filme nix aus, aber bei dem habe ich schweißnasse Hände bekommen und mir geschworen, den schaust du dir nicht mehr an.

Gruß
Achim

Hallo,
also ich kann es einfach nicht sehen, wenn in bestimmten Shows jemand seine tiefsten Gefühle ausplaudert.
Damit meine ich nicht die harten, sonder die weichen Gefühle also Liebe, Trauer und so etwas.

Ich kanns wirklich nicht. Wenn ich, weil ich muss, z.B. Traumhochzeit mit meiner Freundin schaue und die Kerle dann immer heulen krieg ich voll die Krise.

In Filmen hab ich da nicht so das große Problem weil es ja offensichtlich gespielt ist.

Gruss Bert

realer Horror
Hi Diana,
Im Bereich Fiktion ist mir Nichts zuviel. Bin ein Verehrer der Tarantino-Filme, Horror- und Splatter-Filme sind kein Problem. Je mehr es fetzt (in jeder Hinsicht) um so kurzweiliger :wink:

Anfälle bekam ich schon als Kind bei „Gesundheitsmagazin Praxis“, wenn reale Operationsszenen oder widerliche schwärende Wunden gezeigt wurden.
Heute übertreffen sich die Boulevard-Magazine mit ekelhaften Bildern von Unfallopfern, extrem Missgebildeten etc.
Das Schlimmste sind aber diese Schönheitschirurgen-Soaps in denen in Nahaufnahme das Fett abgesaugt oder irgendwelche Körperteile geschlitzt und aufgepeppt werden! Meiner Liebsten schmeckt dabei noch das Eis und der „mutige“ Herr des Hauses wendet den Blick ab und murmelt ununterbrochen „Sag, wenn es vorbei ist - ich hasse diese Sch…!“

Merkwürdig ist, dass mir solche Anblicke im richtigen Leben, weniger bzw. nichts ausmachen, was berufsspezifisch öfter mal der Fall ist.

Strange, oder??? :wink:

Grüsse Ronin

Hallo Diana,

Du stellst immer Fragen :o)

Also: Erstmal schließe ich mich Ronin an - alles, was Operationsbilder/-filme etc. betrifft … uaaah … ich hatte mal einen Kunden aus der Medizintechnik, der mir u. a. als Infomaterial eine CD-ROM mit einer Kopfoperation mitgegeben hat … das hab ich nur aus Briefkasten-Augen angesehen …

Fiktive Filme: Alles, wo rumgeschnitten, gestochert, gefoltert etc. wird - weggucken. Aber das geht schon in Ecke Abscheu und so, das wolltest Du gar nicht wissen.

Ich erinnere mich an drei für mich sehr krasse Sachen, wo definitiv meine persönliche Schmerzgrenze erreicht war:

*

Nummer 1 - und einsamer Spitzenreiter - war eine Szene aus Seven. Die Szene selbst war eigentlich ziemlich unscheinbar: Es war ein kurzes Polizeiverhör mit einem Mann.
Der Mann war bei einer Prostituierten. Der Serienmörder im Film hat ihn mit an-den-Kopf-gehaltener Pistole gezwungen, der Prostituierten etwas zuzufügen (was ich zunächst jetzt beschrieben hatte, es aber doch lieber wieder lösche, weil es zu plastisch ist).

Wie gesagt: Das Alles hat man nicht gesehen. Die Szene zeigte lediglich den Freier, der völlig am Ende war (entsetzlich gutes Schauspiel).

Mitgenommen hat mich das sehr lange: Und zwar nicht die Beschreibung der Tat ansich, sondern vor allen Dingen die Situation. Ich habe mir immer vorgestellt, wie das ist, wenn man so gezwungen wird -> Pistole am Kopf und die Wahl: Entweder Du stirbst jetzt, wenn Du nicht jemand anderem etwas unvorstellbar Furchtbares zufügst.

*

Nummer 2 - Dead Man Walking
Der Film mit Sean Penn und Susan Sarandon. Auch hier war es weniger die Geschichte des Films selbst, die über meine Schmerzgrenze ging … sondern irgendwie durch die Art, wie der Film gemacht war und die Schauspieler - Ich habe mich so reingesteigert in jede einzelne Figur und parallel immer mitüberlegt und mich in jeden reinversetzt. Mein Gott, ich hab geheult wie ein Schlosshund (aber nicht mal eben kurz geheult, wie man das halt mal so macht in einem Film), sondern so richtig mit-leidend, dass ich dachte, ich müsste das Kino verlassen, weil ich das nicht weiter aushalte.
Bin dann doch geblieben und hab weiter gelitten.

*

Nummer 3 war ein Buch (das gilt jedoch, weil es auch verfilmt wurde, auch wenn ich den Film dazu nicht kenne): American Psycho.

American Psycho hab ich im Original gelesen und die merkwürdigste Erfahrung damit gemacht - ich weiß nicht, ob Du das Buch kennst? Es ist ein sehr absonderlicher, nüchtern-beschreibender Schreibstil. Ständig werden alle Details ausgiebig beschrieben, was jemand anhat, welche Marken, welche Farben, und und und. Am Anfang geht einem das total auf den Senkel.
Die Art der Beschreibung geht durch das ganze Buch - und so werden denn auch sadistische Szenen und Morde im Kleinsten beschrieben.

Hier ging es mir wie oben mit „Seven“: Es war weniger die Sache, um die es ging, sondern die Art und der Einblick in die Person.

Das war das erste und einzige Buch, wo ich gegen Ende tatsächlich körperlichen Widerwillen hatte, weiterzulesen - und trotzdem gleichzeitig bis zu Ende lesen musste. Ich hab es dann in einem Gewaltakt fast am Stück durchgelesen, damit ich es loshabe und wieder zurückgeben konnte.

*

So, das war’s.

Viele Grüße
Gitte

Eine wirkliche körperliche Übelkeit lösen bei mir immer die realen brutalen Szenen aus wo die Kräfteverteilung sehr klar ist … ääh z.B.

Ein Skinhead (oder irgendwer) tritt aus leichtem Lauf mit voller Wucht mit seiner Stahlkappe gegen das Gesicht eines Bereits auf der Erde liegenden Menschen.
Die Polizei in den USA verprügeln ein Schwarzen mit Stöcken der auch schon auf der Erde liegt …

Filmbeispiele wären da American History X (wo er ihm den Kiefer auf die Bordsteinkante legt )…oder dieses eine Hosen Video. und der Aspekt der Übelkeit ist wie meine Vorredner schon sagten stark von dem Realismus der Szene abhängig und nicht von Blut oder Gedärm …

Hallo!

Es gibt ein paar Sachen, bei denen ich …hm, schwierig zu beschreiben… sagen wir mal, ein blödes Gefühl danach habe (vielleicht versteht ja jemand wie´s gemeint ist :smile: ). Oft ist das aber auch nur beim ersten mal sehen/lesen so. Wobei es nicht so ist, dass ich mir das immer wieder reinziehe um dagegen abzustumpfen; als Beispiel sei das weiter unten schon erwähnte Buch „American Psycho“ genannt. Vor etwa 4 Jahren hat es ein Freund von mir gelesen und ich hab mal reingeschaut - die Metzelszenen kamen schon ziemlich krass rüber… Vor 2 Jahren hab ich mir das Buch dann mal geliehen und selber gelesen. War dann nicht mehr so heftig;
Habe mit 13 bei einem Freund „Psycho“ und „Der weiße Hai“ angeschaut, da mußt ich bei einigen Szenen wegsehen. Natürlich unmerklich, wär ja peinlich gewesen das zuzugeben. War gar nicht so einfach: er hat bei einer Szene in Psycho (ich glaub, als die Mutter im Keller lag) das Zimmer abgedunkelt, damit wir die Details besser erkennen können :smile:
Gibt aber mittlerweile nichts mehr, bei dem ich nicht hinschauen könnte oder mit Übelkeit o.ä. reagieren würde.

Halt, das stimmt so nicht ganz: Es gibt eine Szene, bei der ich immer wegschaue, mich zusammenkrümme und selber fast den Schmerz erlebe. Und das wird auch ein Leben lang anhalten, wie bei jedem anderen Mann auch:

Wenn in einer Szene ein Mann einen Tritt in die Weichteile bekommt… Uuuaaaaaahhh :frowning:(

Schönen Gruß
Andre :smile:

Hallo,

erstaunlicherweise bin ich selbst mit Horrorfilmen groß geworden, das fing an mit „American Werewolf“ und ging über die Freddy Krüger - Filme bis hin zu indizierten Streifen, deshalb gibt es in diesem Genre eigentlich nichts mehr, an das man nicht irgendwie „gewöhnt“ ist.

Was mir jedoch aufgefallen ist, dass ich ein seltsames Gefühl der inneren Abscheu empfinde, vielleicht auch des Übelseins, wenn in Filmen, die überhaupt nichts Abscheuliches haben, plötzlich Szenen auftauchen, die derart brutal sind, weil sie vor allem so aus dem Film herausstechen.

Ein Beispiel dafür?
Ich liebe den Film „Der englische Patient“ und habe ihn bestimmt schon so oft gesehen, wie er Oscars gewonnen hat, wenn nicht noch öfter. Und dann gibt es diese Szene, in welcher Caravaggio, dem kanadischen Spion, von den Deutschen verhört wird, nachdem sie ihn gefangen genommen hatte. Und der oberste deutsche Befehlshaber zwingt eine anwesende Krankenschwester dazu, Caravaggio seine beiden Daumen mit einer Rasierklinge abzuschneiden.

Wenn ich nur schon an diese Szene denke, wird mir ganz mulmig …

Bei Literatur ist mir das ganze bisher nur einmal passiert, aber da ist es wohl auch irgendwie verständlich:
Als ich die „120 Tage von Sodom oder die Schule der Ausschweifung“ von de Sade gelesen habe, ist mir stellenweise so schlecht geworden, dass ich nicht mehr weiterlesen wollte, irgendwie hab ich mich dann doch bis zum Ende durchgearbeitet, aber dieses Buch fasse ich bestimmt so schnell nicht mehr an.

Ich glaube, Szenen in Filmen und Büchern wirken immer dann umso erschreckender, je mehr Fantasie man selbst hat …

  • peace, ted!

Hallo Diana,

Folterszenen jeglicher Art kann ich nicht ertragen. Ich verstehe auch nicht, wieso die dargestellt werden müssen (die Vorstellung daran macht mich schon fertig), es käme mancher Film auch ohne aus, und dass es überhaupt Leute gibt, die da zusehen können.
Überhaupt sind mir Gewaltdarstellungen - sei es gegen Mensch oder Tier, als Spielfilm oder Dokumentation - höchst zuwider, deren Anblick ich mir nicht antue.
Wenn der Film „im Namen der Rose“ mit meinem Lieblingsschauspieler Sean Connery nicht so gut gewesen wäre, hatte ich das Kino auch schon nach Halbzeit verlassen.
Dann gab es einen spannenden Horrorschocker mit Harris Ford und Michelle Pfeiffer (auch so tolle Schauspieler), in dem ich mit einer Freundin war. Wir rechneten mit einer kurzweiligen Schmonzette, und befanden uns im Endeffekt die meiste Zeit horrizontal auf unseren Kinostühlen, die Mäntelkrägen über unsere Augen gezogen. So haben wir uns am meisten über unser Benehmen amüsieren, Angst verbindet. :wink:))
viele Grüße
Claudia

Jegliche Art von Tierquälerei…
kann ich nicht ertragen zu sehen. In manchen Fernsehsendung oder Filmen geht es um Tierschutz. Die zeigen solch widerliche Szenen (die sehe ich nie, weil ich die Augen zu hab), da wird mir schlecht.

Patricia

Hallo!

Ich bin in Sachen Schmerzgrenze in Filmen und Büchern zwar doch ziemlich abgestumpft (weder Sieben noch American History X noch ein anderer Film den ich jemals sah konnte mich so sehr schocken, dass ich gedacht habe „Nee!“), aber als ich vor einigen Jahren das Buch „Friedhof der Kuscheltiere“ gelesen habe, und irgendwann zu der Stelle kam, wo der Mann (Namen habe ich leider vergessen, die Hauptperson halt) seine von den Toten auferstandene Katze streichelte wurde mir fast übel.
Stephen King beschrieb im Buch richtiggehend die toten und kalten Sehnen der Katze - igitt.

Der Film zu dem Buch hat mir dann komischerweise nichts mehr ausgemacht, auch nicht als man die tote am Boden festgefrorene Katze von der Wiese abkratzte.

Es hängt wirklich von der Phantasie des jeweiligen Menschen ab.
In Filmen kann sich meine Phantasie ausruhen, meine Augen sehen das was sich auf der Leinwand abspielt, und das schockt mich selten.
Aber in Büchern bekommt meine Phantasie Arbeit, und da kann es durchaus vorkommen, dass ich „Ja pfui!!“ denke.

Gruß,
Ami666

Hai, Diana,

im Prinzip habe ich recht starke Nerven, Splatter z.B. sehe ich nicht wegen der „gruseligen“ Szenen nicht, sondern weil da üblicherweise die Handlung (so überhaupt vorhanden) auf der Strecke bleibt und mich das völlig dämliche Verhalten der ins Visier genommenen Opfer annervt (Frau wird von bösen Mörderer verfolgt und flieht von einer belebten Straße in ein finsteres Abbruchhaus, oder lässt eine gut als Verteidigungswaffe zu gebrauchende Spitzhacke fallen und fängt an, albern zu kreischen, statt wenigstens zu rennen - also nee). Ich sehe mit wahrer Begeisterung Dokumentationen über Operationen oder Obduktionen (Ausnahme: diese Schönheits-OP-Sendungen - soviel menschliche Dummheit ertrag ich nicht), übrigens zum Leidwesen meines Herzallerliebsten.
Ich habe auch eine Vorliebe für schwarzen, ja schwärzesten, Humor - trotzdem fällt in diese Kategorie der einzige Film, aus dem ich jemals rausgegangen bin: „Der Sinn des Lebens“ von Monty Pythons. Da sterben die Leute, wie die Fliegen, und alles kugelt sich in den Kino-Sitzen, das Elend der Welt wird so richtig ausgewalzt, und um mich herum brüllen die Leute vor Lachen - bei der Leber-Spende hab ich’s dann nicht mehr auf die Reihe gekriegt und bin heulend aus dem Kino. Merkwürdigerweise kenne ich alle Szenen dieses Filmes aus der Reihe Monty Pythons Flying Circus, aber so geballt war’s mir dann doch zu heftig…
Gruß
Sibylle

Hi Diana,
gleich vorweg: Horrorfilme schaue ich mir nicht an. Nicht weils mich gruselt, sondern weil ich sie platt finde und sie m.E. nur aus Effekthascherei bestehen und keine Handlung im klassischen Sinne haben. Weich in den Knien wird mir, wenn man in Filmen sieht wie Menschen hingerichtet werden, weil ich mir dann immer vorstelle wie es diesen Menschen in so einem Moment wohl gehen muss, wenn man weiss, in ein paar Sekunden ists aus.
Generell hakts bei mir aus, wenn man den Todeskampf von Mensch oder Tier in aller Ausführlichkeit zeigt.
Gruss Sebastian

gestern Abend…
…lief Im Westen nichts Neues.
Den find ich zum Teil ziemlich erschreckend, weil er die Sinnlosigkeit der Kriege doch sehr real zeigt.

Steffen

Hallo!

Was ich absolut nicht ab kann, egal, ob fiktiv oder real: Filme, in denen Hinrichtungsszenen dargestellt werden. Ob das jetzt „Königin für 1000 Tage“ - das Leben der Anne Boleyn oder „Dead Man Walking“ ist. In letzterem fand ich es besonders schrecklich, wie der Delinquent in seinen Pantoffeln mit Fußschellen zur Hinrichtung geschlurft ist, das hat mich einfach nicht mehr losgelassen.
Ganz schlimm fand ich auch die x-malige Wiederholung der (echten)Szene in JFK, wo Kennedy von Schüssen getroffen in Auto zusammenbricht.

Grüße
Heike

Meine Frage an Euch: Gibt es Filme/Sequenzen, die ihr nicht ertragen konntet, bei
denen ihr wegsehen oder gar das Kino verlassen mußtet?

Ja. Blut und Grausamkeiten machen mir nichts aus. Aber eine Szene fällt mir spontan ein, die ich schlecht - sehr schlecht - ertrage.
„Der Soldat James Ryan“: Ein deutscher Soldat - ein absolut tierisches Kampfschwein - treibt seinem Gegner im Zweikampf „Mann gegen Mann“ mit seiner Kraft dem Gegner langsam und ganz bewußt das Messer in die Brust. Er spricht dabei gefühlvoll - benahe verständnisvoll und mitfühlend - mit ihm, spricht mit einem Menschen, von er weiß, daß es ein Mensch ist, den er gerade tötet. Er weiß es, weil er selbst einer ist - auch jetzt, in dieser Situation! - und tut es, unnotwendigerweise, dennoch…

Gruß!
Tino

Literatur
Hallo Gitte,

Du stellst immer Fragen :o)

Dafür war ich schon immer berüchtigt :wink: Du gehörst zu den Menschen, die sich dankenswerterweise drauf einlassen.

Es ist ein sehr absonderlicher, nüchtern-beschreibender Schreibstil. Ständig werden alle Details ausgiebig beschrieben, was jemand anhat, welche Marken, welche Farben, und und und. Am Anfang geht einem das total auf den Senkel. Die Art der Beschreibung geht durch das ganze Buch - und so werden denn auch sadistische Szenen und Morde im Kleinsten beschrieben[…]Das war das erste und einzige Buch, wo ich gegen Ende tatsächlich körperlichen Widerwillen hatte, weiterzulesen - und trotzdem gleichzeitig bis zu Ende lesen musste.

Tatsächlich befasse ich mich mit o.g. Darstellung vor allem in Literatur, Filme sind da noch ziemliches Neuland für mich.

Bret Easton Ellis ist der wohl bekannteste Vertreter dieser Literatur. Er schafft am Ende des Kaskados vor allem sexueller Graussamkeiten „Erleichterung“, weil sich die Gräuelszenen bzw. die Opfer mehr oder minder zweifelsfrei als Phantasie eines Geistesgestörten entpuppen.

In der russischen Literatur der Gegenwart gibt es eine absurde Variante dieses Themas - die Szenen sind grotesk (weil eingebettet in einen zunächst banalen/grauen Alltag) und unerträglich widerlich/abstoßend/entsetzlich.

Mich interessiert, ob und wenn, auf wen literarische Bilder stärker bzw. schwächer wirken als Film/Photosequenzen?

Viele Grüße
Diana

Hallo Diana,

Mich interessiert, ob und wenn, auf wen literarische Bilder
stärker bzw. schwächer wirken als Film/Photosequenzen?

Filme sind (für mich) eher was für den Augenblick und können zwar ziemlich eindrücklich sein, Bücher wirken aber im allgemeinen wesentlich stärker als Filme und bleiben (bei mir) auch länger in Erinnerung. Zumindest wenn es um „Fiction“ geht.

Das Lesen von „Es“ beispielsweise verursacht bei mir weit stärkere Emotionen als das Ansehen von Filmen wie Hellraiser oder Halloween. Oder, um einen aktuellen Vergleich zu nehmen, „Der Herr der Ringe“. Zwar fand ich den Film überwältigend, trotz allem bleibt das Buch nach wie vor unerreicht.

Ich denke, daß in so einem Fall, eben die eigene Fantasie immer noch ein Stücken „perfekter“ ist, als es irgend ein Film sein kann…

Schönen Tag noch,

Stephan

Text vs. Bild
Hallo Diana,

nicht einfach, diese Frage. Ich überlege schon dauernd, wie und ob ich das für mich so genau bestimmen kann, was stärker wirkt: Text und/oder Bild.

Für mich gilt wohl im wesentlichen folgende Trennung:
a) Abscheu/Widerwillen
b) Mit- und reinfühlen/-leiden
c) fiktiv und real

a) Abscheu/Widerwillen

Dabei geht es um Darstellungen - Text oder Bild -, die ich als widerlich oder abstoßend empfinde. Das können brutale Szene sein oder auch die Art, wie etwas fotografiert/gefilmt/beschrieben ist.
Direkt verglichen: Nachhaltigere Wirkung in puncto „Ekel/Abscheu“ hat hier für mich definitiv das Bild. Mir ist es schon passiert, dass ich irgendeinen Zeitschriftenartikel las und ein Bild auf der Seite abdecken musste, damit ich den Text lesen konnte. Auch wenn ich nicht „scharfgestellt“ hatte, hat mich das abstoßende Bild auch aus den Augenwinkeln heraus gestört.

Wenn es um eine textliche Darstellung geht, ist das nicht so schlimm für mich. Allerdings kommt hier, wie am Beispiel „American Psycho“ schon gesagt, der gesamte Kontext dazu: also WIE beschreibt der Autor die Sache und wie passt sie zur Situation zum Buch.

Das müssen übrigens gar nicht mal brutale Szenen sein. Es kann auch etwas sein, wo jemand sich abfällig oder unpassend oder gleichgültig über etwas oder jemanden äußert. Also geht nicht immer nur um „Splatter & Co.“.

[Obwohl, vergiss es: ich kann das gleich wieder relativieren. Als ich bei der Polizei gearbeitet habe, hat mir ein Chef mal einen echten Obduktionsbericht zum Lesen gegeben … erks … neneenee …]

b) Mit-/reinfühlen und -leiden

Hier komme ich am ehesten an meine Schmerzgrenzen: Wenn ich mich mit einer Szene/Person/Situation identifiziere. Andre hat in seiner Antwort hier im Thread als Beispiel den Tritt in die Weichteile genannt. Der tut mir auch weh (obwohl ich nicht entsprechend ausgestattet bin *hehe*) -> bei solchen Szenen ist es auch das Bild, das mir mehr zu schaffen macht. Wenn ich nur lese: Ja und dann tritt ihm einer in die Eier, dann find ich das weit weniger schrecklich als wenn ich es sehe.

Generell beim Thema Reinversetzen/Identifizieren kann ich für mich keinen Unterschied machen Bild/Text. Es gibt Kameraeinstellungen, die mehr als jedes Wort/jede Erklärung eine Situation/ein Gefühl/eine „Schmerzgrenz-Erfahrung“ vermitteln können.

c) fiktiv oder real

Auch schwierig. Natürlich ist die Frage, ist da jemandem etwas real passiert oder hat sich das jemand nur ausgedacht, ein Faktor. Mal ganz unabhängig von Text/Bild.
Dennoch haben „nur ausgedachte“ Situationen natürlich „Schmerzgrenz-Potenzial“ - besonders in Bezug auf b), wenn ich mich per Text/Bild mit der Person identifiziere.

Erst recht bei Szenen, wo ich denke: Was, wenn ich an der Stelle wäre?

Mein Kopf wird ganz wirr beim Überlegen und abwägen. Ich würde sagen, bei mir ist es so: Bilder „schocken“ mich mehr, verhaken sich im Kopf - und speziell Abscheu ist nachhaltiger für mich, was „innere Bilder“ angeht.

Texte hingegen sind aufwühlender und beunruhigender … vorausgesetzt, ich lasse mich darauf ein. Und hier ist es dann, wie gesagt, in der Regel der Kontext. In Texten bleibt meist Raum für mehr Zwischentöne und Andeutungen - und ich bestimme das Tempo. In einem Film passieren die Dinge Schlag auf Schlag, Szene folgt auf Szene … da hält niemand an und wartet, bis alles bei mir durchgesickert ist. Bei einem Buch ist das anders.

Ach, Du machst mich ganz kirre, jetzt hör ich auf ;o)

Viele Grüße
Gitte

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