Ist wieder mal sehr lang geworden…
Hallo Julia und alle anderen,
die Vitamin-C-Diskussion kommt ja offensichtlich in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal in den verschiedenen Bereichen (auch Fachkreisen) zu Tage.
So möchte ich einfach mal ein paar Fakten, Zitate und eigene Beobachtungen hier reinschreiben, die dem ein oder anderen vielleicht und hoffentlich hilfreich sein könnten (obwohl einiges bereits hier erwähnt wurde):
Vitamin C ist wasserlöslich und wird mit dem Urin ausgeschieden. Die Darmtoleranz ist sehr verschieden und kann unter Umständen schon bei 500 mg/ Tag liegen aber auch jenseits von 5-6 g. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei auch um einen Gewöhnungseffekt handelt, da Menschen, die regelmäßig größere Mengen Vitamin C (auch in verschiedenen Nahrungsmitteln, also nicht ausschließlich über reine Ascorbinsäure aus der Dose) zuführen, eine höhere Toleranzschwelle haben.
Ein durch Vitamin C ausgelöster Durchfall ist deshalb so harmlos, weil er nach Verringerung der Dosis oder Absetzen auch sehr schnell wieder vorüber ist und es zu keinerlei Schädigung des Darmes kommt, sofern der Zustand nicht über Monate (weiterer Einnahme über die Toleranzschwelle) aufrecht erhalten wird.
Es ist also empfehlenswert, langsam mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese über einen gewissen Zeitraum; ein paar Tage) zu erhöhen. Auch beim Absetzen lohnt sich der Aufwand und man schleicht es langsam, mit abfallender Dosierung, wieder aus. Ein plötzliches Absetzen von einer relativ hohen Dosierung (im Verhältnis gesehen zu der normalen täglichen Zufuhr) kann unter Umständen dafür sorgen, dass unser Immunsystem das übel nimmt und man sich flux eine Erkältung oder so was einfängt.
Menschen mit einem empfindlichen Magen klagen häufiger über Probleme. Obwohl der pH-Wert des Magens von sich aus schon extrem sauer ist und demnach dieses „bisschen“ Säure nicht all zu viel ausmachen dürfte, kommt es gelegentlich zu Reizungen und sogar Übelkeit. Dieser Effekt lässt sich mindern, indem man das Vitamin C nicht auf nüchternen Magen einnimmt und evtl. mit basischen Lebensmitteln oder Mineralien (auch Heilerde) kombiniert einnimmt. Es gibt allerdings auch fertige Präparate (Ester-C), bei denen die Säure bereits „abgepuffert“ ist, diese sind natürlich entsprechend teurer. Außerdem ist es günstiger, mehrmals täglich kleinere Mengen einzunehmen, das mildert die evtl. Magenprobleme und verbessert die Verfügbarkeit, weil es nicht so schnell wieder ausgeschieden wird.
Eine Anmerkung zu den Depot-Präparaten: Meiner Meinung nach sind sie Geldschneiderei. Die meisten Kurven, die einem vorgelegt werden, stammen von Untersuchungen, bei denen eine definierte Menge Vitamin C intravenös injeziert wurde. Dann wurden die Depot-Präparate dem gegenübergestellt. Meiner Meinung nach vergleicht man da Äpfel mit Birnen. Würde man nämlich ein Depot-Präparat gegen eine normale Einnahme von bspw. Pulver mit der Mahlzeit gegenüberstellen, wären die Effekte des Depot-Präparates nicht mehr so eindeutig. Meiner Erfahrung nach ist es günstig (preislich sowie „wirksamkeitstechnisch“), einfach Pulver in die Mahlzeit zu geben (bspw. morgens ins Müsli oder dgl., mittags in’s Getränk und abends vielleicht in den Joghurt oder Quark). Nur sollte man darauf achten, dass man es nicht in heiße Speisen und Getränke gibt und nicht zu lange in Flüssigkeit stehen lässt, weil Vitamin C hitzeempfindlich ist und an der Luft relativ schnell oxidiert.
Bei höheren Vitamin-C-Gaben konnte ein diuretischer Effekt beobachtet werden, der der Steinthese zumindest ein wenig im Wege steht.
Zu der aber immer wieder aufkeimenden Stein-Diskussion möchte ich folgendes zitieren (Lehrbuch „Nutriologische Medizin“ von Melvyn R. Werbach):
„[…] Sowohl bei normalen Versuchspersonen als auch bei Steinbildnern vermehrt sich die Oxalatausscheidung im Urin bei Supplementierung mit Ascorbinsäure im allgemeinen nicht signifikant, wenn die Dosen 6 g pro Tag nicht übersteigen; aber sogar bei diesen hohen Dosen liegt die Oxalatausscheidung gewöhnlich noch in dem Bereich, der durch diätetische Einflüsse allein erreichbar ist. Die Ausnahmen stammen von anekdotischen Berichten über eine kleine Anzahl von Fällen und von einem schlecht kontrollierten Versuch mit nicht dargestellter Methodologie und fragwürdigen Testmethoden [Piesse JW. Nutritional factors in calcium containing kidney stones with particular emphasis on vitamin C. Int Clin Nutr Rev 5(3):110-129; 1985].
[…] 51 gesunde Männer, die keine Supplemente mit Vitamin C bekamen, zeigten eine Oxalsäurekonzentration im Urin von 16-64 mg (durchschnittlich 38 mg). Als sie mit täglich 2 g Vitamin C supplementiert wurden, erhöhte sich der Durchschnitt um 3 mg und nach der Supplementierung von 4 g Vitamin C um 12 mg. Eine zusätzliche Zufuhr von 8 g pro Tag erhöhte die durchschnittliche Oxalsäureausscheidung um 45 mg, während eine zusätzliche Zufuhr von 9 g pro Tag zu einer durchschnittlichen Erhöhung von 68 mg führte, wobei eine Person eine Erhöhung um 150 mg zeigte [Lamden MP, Chrystowski GA. Urinary oxalate excretion by man following ascorbic acid ingestion. Proc Soc Exp Biol Med 85:190-92, 1954]. […]“
Außerdem kann Vitamin B6 die Oxalatausscheidung verhindern, was durchaus die unterschiedlichen Ergebnisse bewirken kann, denn es ist nicht bekannt, wie sich die Probanden ernährten und demnach, wie viel B6 sie zu sich nahmen, genauso wenig ist bekannt, welche weiteren oxalsäurehaltigen Lebensmittel verzehrt wurden.
Sollten also sehr hohe Dosen notwendig sein, kann zumindest über eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin B 6 der Effekt der Oxalatausscheidung verringert oder sogar verhindert werden.
Zudem gibt es auch Hinweise darauf, dass erhitzte (also veränderte) Lebensmittel andere chemische Bindungen aufweisen und deshalb bestimmte oxalsäurehaltige Lebensmittel eher erhitzt die Steinbildung fördern , als die rohe Variante. Doch hier gibt es meines Wissens nach noch keine eindeutigen Belege und Studien.
Die Wirkung von Ascorbinsäure soll im Verbund mit natürlichen weiteren Pflanzenstoffen wesentlich besser sein. Deshalb wäre es sinnvoll, entweder ein natürliches Vitamin-C-Präparat einzunehmen (obwohl selbst den natürlichen Pulvern in aller Regel Ascorbinsäure zugesetzt wird und werden darf, auch ohne zusätzliche Deklaration!), oder aber gleich entsprechend zu kombinieren, also Ascorbinsäure zu entsprechenden Mahlzeiten mit Pflanzenkost. Man kann allerdings auch auf stattliche Mengen Vitamin C pro Tag kommen, wenn man seine Ernährung entsprechend einrichtet.
Beispielsweise enthalten Orangen gar nicht die Super-Mengen an Vitamin C, vergleicht man sie mit anderen Früchten oder Gemüsen. So enthält roter Paprika (je nach Sorte) meist mehr als doppelt (sogar bis zu 4 mal) so viel Vitamin C, wie eine frische Orange. Auch Grüner Tee enthält große Mengen an Vitamin C und nicht zu vergessen sind unsere Wildpflanzen, wie Brennnesseln, Sanddorn, Hagebutten. Aber auch frisch gekeimte Sprossen (Luzerne) sind echte Vitamin-C-Bomben.
Nimmt man ehrlich und ernsthaft die Fakten und Erfahrungen unzähliger Anwender her und stellt sie dem Nutzen von ausreichend Vitamin C in der täglichen Ernährung gegenüber, dürfte Vitamin C wohl zu den ungefährlichsten und am meisten untersuchten Mitteln der Supplementierung gehören.
lg gundja