Hallo,
Ich hab einen Händler entdeckt, er hat etliche Corsas, 1 Jahr
alt, alle max. 15.000 km, aus 1. Hand, kein Mietwagen, alle
silber, die einen mit 60, die anderen mit 80 PS, alle so um
die 9.000.
2 „Fehler“, die Du hier womöglich machst: Du legst Dich auf einen Händler und einen Wagentyp fest. Hast Du dir auch vergleichbare Autos anderer Hersteller angeschaut? Nicht daß ich Dich vom Corsa abbringen will, aber allein schon aus Interesse solltest Du auch mal bei anderen Herstellern schauen. Schöne Autos bauen viele, es wäre schade wenn Du nur deswegen einen Corsa nehmen wolltest weil Dir nix anderes einfällt. Du solltest Dich schon deswegen für das Auto entschieden haben weil es Deinem Geschmack und Deinen Bedürfnissen mehr entspricht als alle Konkurrenten, nicht nur weil Du keine anderen Angebote kennst und dieser Händler gerade nahe bei ist…
Auch bei den Händlern solltest Du Angebote vergleichen. Wie gesagt, im Autohandel gibt es keine Festpreise, sondern alles ist Verhandlungssache. Natürlich muß der Händler etwas verdienen etc., aber bei den Summen, um die es hier geht, ist immer Spielraum. 500-1000 EUR sollten drin sein, und wenn Du die finanzielle Grenze ausgereizt hast kannst Du womöglich noch ein paar Naturalien herausschlagen: frage ob Du noch Fußmatten oder Sitzbezüge dazu bekommst oder ob der Händler die Zulassung übernimmt.
Damit Du aber das Preisniveau für Deine Zielfahrzeuge kennst und meinetwegen auch um Dich selber ein wenig zu trainieren solltest Du in jedem Fall verschiedenen Händler besuchen. Immerhin gibst Du sehr viel Geld aus, da solltest Du verschiedene Angebote einholen und Dich nicht auf den erstbesten Händler versteifen.
Problem: einen Termin zum Gebrauchtwagencheck ist nirgends zu
kriegen. Angeblich wegen der Ferien ist alles voll. Am 21.6.
ist der nächste freie.
Hast Du bei TÜV und Dekra gefragt? Wie ich schon schrieb kann man bei der Dekra in Bonn ganz ohne Termin kommen… falls das in Nürnberg nicht geht versuche es mal in einer kleineren Stadt nebenan… Ich hatte ja schon geschrieben daß ich den Händler eh damit konfrontieren würde daß ich den Wagen checken lassen möchte. Der sollte dann auch verstehen daß Deine Probefahrt zeitlich etwas länger dauert weil Du zu einem entsprechenden Tester fährst.
Mach doch, wenn es nicht ohne Termin geht, erst einen Termin über den ADAC, den TÜV, die Dekra - und dann vereinbarst Du passend eine Probefahrt mit Deinem Händler. Die haben es sowieso lieber wenn man den Termin der Probefahrt zuvor abspricht damit sie das Auto dann für Dich da haben und rote Kennzeichen montieren können.
Alternativ kannst Du auch KFZ-Gutachter fragen Dich zum Händler zu begleiten. Allerdings dürfte das teurer sein als bei TÜV oder Dekra checken zu lassen.
So, der Händler wartet aber nicht bis dahin auf mich, er
„darf“ auch nicht reservieren, sagt er, weil immer mal jemand
kommt und den Wagen „gleich mitnimmt“.
Wenn der Händler die Möglichkeit sieht einen Wagen zu verkaufen wird er das natürlich tun - und nicht warten ob Du ihn vielleicht - oder vielleicht auch nicht - kaufen wirst. Das kann man ja auch verstehen. Aber wenn der eine weg ist kommt ein anderer nach. Autos gibt es wie Sand am Meer…
Bei einem anderen ist mir’s nämlich passiert, der hat glatt
verschwiegen, dass ein Corsa, für den ich mich interessierte,
einen Unfall hatte. Der Verkäufer wiegelte ab, als ich sagte,
dass ich nur einen unfallfreien Wagen möchte, jaaa, das wäre
„doch nur die Türe gewesen“ und die „ist doch ausgetauscht
worden“, „das macht doch nichts“ …
Weckt bei mir spontan Abneigung. Man spürt daß Du keine Ahnung hast und deswegen sagen sie Dir offenbar nichts davon daß es sich um einen Unfallwagen handelt. Es geht dabei gar nicht darum wie schwer die Beschädigung war - ein bißchen schwanger geht nicht und es gibt auch nicht „ein bißchen Unfallwagen“: entweder ist es einer oder nicht.
Das Problem bei einem Unfallwagen ist daß eine schlechte Reparatur viele Folgen haben kann: das Auto ist vielleicht verzogen, Sicherheitseinrichtungen können gelitten haben, nicht ordentlich behandelte Stellen können schnell Rost ansetzen.
Nicht zuletzt mindert ein Unfall den Wert eines KFZ beträchtlich - auch bei guter Reparatur. Es senkt einfach erheblich den Marktwert. Wenn man Dir jetzt einen Wagen zum „Normalpreis“ andrehen will, der wegen des Unfalls aber deutlich preiswerter sein müßte, ist das nicht gerade seriös. Ich würde diesem Händler nicht mehr trauen - es sei denn daß es hier wirklich um eine Bagatelle geht: ein kleiner Kratzer macht ein Auto nicht zum „Umfallwagen“.
Wenn jeder Käufer so drauf achtet, dass er keinen Unfallwagen
kauft, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Händler da
irgendwie was „drehen“, um einen so Unfallwagen anzudrehen,
der ja „doch repariert“ ist à la „da sehen 'Se nix mehr“ …
Naja, die wollen verkaufen, das ist ja auch OK weil es ihr Job ist. Und sie „spielen“ so mir Dir wie Du mit ihnen, jedenfalls wenn Du so auftrittst wie ich Dir geraten habe: Du machst den Wagen schlecht und tust desinteressiert um den Preis zu drücken, um den Händler dazu zu bringen Dir das Auto preiswert zu verkaufen - denn lieber verdient er wenig als gar nix.
Umgekehrt wollen die Dir den Wagen schmackhaft machen indem sie seine Vorzüge anpreisen, Nachteile und Bedenken von Dir herunterspielen und Dir sinngemäß sagen daß Du schnell zugreifen mußt weil die Chance sonst vorbei ist. Genau das hat man ja auch gemacht, man sagte Dir daß die Wagen angeblich oft vom Fleck weg gekauft würden und die Leute sich um die Autos reissen…
Und an MacFleih:
Verhandlungsgeschick hab ich offenbar null … bei mehreren
Opelfritzen hatten die beharrlich auf ihrem Preis beharrt -
irgendwas muss ich verkehrt machen.
Wie „verhandelt“ man denn „richtig“? Ich hab null Ahnung …
Vielleicht haben die einfach gemerkt daß sie Dich beschwätzen können und Du ihnen glaubst wenn sie Dir sagen daß an dem Preis nichts mehr zu machen ist. Generell kannst Du davon ausgehen daß 500-1000 EUR Preisnachlaß drin sind, ja sie wurden sogar bewußt in den Preis einkalkuliert weil jeder Käufer verhandelt und immer entsprechende Nachlässe gewährt werden müssen.
Wie man verhandelt habe ich Dir ja schon gesagt: generell indem Du das Auto „schlecht machst“ und Nachteile suchst und benennst. Das müssen keine objektiven Nachteile sein, sondern es reicht schon wenn Du sagst daß dies oder jenes nicht Deinen Anforderungen entspricht: hat Dein Zielobjekt einen 60 PS-Motor verzeihst Du das Gesicht und behauptest einfach daß Du eigentlich eher einen 90 PSler hättest.
Ist das Auto blau willst Du eigentlich einen silbernen, ist er silbern suchst Du eigentlich einen blauen
.
Ist es ein Garagenfahrzeug? Wenn nein oder „weiß nicht“: Punktabzug - Du hättest ja lieber ein Garagenfahrzeug.
Nichtraucherauto? Wenn nicht - deutlicher Punktabzug! Selbst wenn Du Raucherin wärst und es dich eigentlich gar nicht stört… das sagst Du dem Verkäufer natürlich nicht.
Hier ein kleines Kratzerchen, da eine Delle im Armaturenbrett-Kunststoff, … alles was Du findest, was nicht perfekt ist mußt Du erwähnen und Dein Gesicht immer länger werden. Gib dem Verkäufer das Gefühl daß Du für einen Wagen, der so viele kleine „Mängel“ hat und nicht Deinen Bedürfnissen entspricht (auch wenn das gar nicht stimmt, aber so läuft das Spielchen), nur bereit bist Summe X zu zahlen. X sollte natürlich nicht völlig unrealistisch sein, aber so niedrig daß Du dich am Ende mit dem Verkäufer auf einen Mittelweg einigen kannst und irgendwo im Bereich 500-1000 EUR unter der Ausschilderung bleibst.
Wie schon mal geschrieben, wenn Du bar zahlst muß sich das auch in einem Abschlag bemerkbar machen und Naturalien wie Fußmatten, Sitzbezüge, Übernahme der Zulassungskosten kannst Du nebenbei auch noch versuchen herauszuholen. Dafür kannst Du ja ggf. einen kleineren Nachlass im Preis hinnehmen.
Du wirst merken daß die Händler Dir, wenn Du nach dem Preis fragst, meistens schon von vorneherein einen besseren Preis als auf der Ausschilderung nennen, denn die wissen sowieso daß man verhandeln will. Nur bieten die natürlich trotzdem erstmal wenig an, so wie Du erstmal zu viel Nachlaß forderst
So einigt man sich dann nachher irgendwo in der Mitte. Ich würde einfach mal bei verschiedenen Autohäusern testen „wieviel drin ist“ damit Du ein Gefühl dafür bekommst.
Und bei einem 1 Jahr alten Gebrauchten ist das Risiko eines totalen Reinfalls eher gering. Ich würde mir da also nicht allzu viele Gedanken machen.
Laß Dir aber die km-Laufleistung neben der Unfallfreiheit im Kaufvertrag schriftlich geben. Formulierungen wie „laut unserem Wissen“ etc. (= kann auch anders sein) sind inakzeptabel. Stellt sich nachher heraus daß das Auto dann nicht unfallfrei ist, obwohl das im Vertrag zugesagt wurde, hast Du gute Karten.
Gruß,
MecFleih