Mahlzeit!
Nachdem ich nun schon fast 30 Jahre in der Autobranche zugange
bin, mache ich mir so einige Gedanken - auch wegen der wieder
aktuell anstehenden Benzinpreisdiskussion, aber nicht nur.
Ein paar dieser Überlegungen stelle ich mal zur Diskussion.
- Die heutigen Fahrzeuge sind potentiell
wesentlich verbrauchsgünstiger als vor zwanzig oder
auch vor zehn Jahren.
Das kann ich so nicht unterschreiben. Zwei Beispiele:
1.) Der BMW Z3 1.8 (120 PS), Bj. 2001, von einem Freund verbraucht ca. 7-9 Liter im Drittelmix. Mein Alfa Spider 1600 (106 PS), Bj. 1979, braucht 8 Liter.
2.) Mein 1987er Golf GT 1.8, 82 PS, brauchte im Drittelmix ca. 8 Liter. Der 2001er Golf 4 1.6 mit 103 PS braucht dasselbe.
Viel Sparpotential wird aber verschenkt,
weil die Autos gleichzeitig größer, schwerer und
leistungsfähiger sind.
Das ist sicherlich ein Grund. Das höhere Gewicht ist sicherlich zu einem großen Teil Airbags und besseren karosserien zuzuschreiben.
Aber macht das wirk´lich die 300-400 Kg aus, die die älteren Autos bei beiden o.g. Beispielen weniger wiegen?
Hier werden m.E. viel zu viele Gimmicks verbaut, die keiner braucht und afür wirklich wichtige Extras weggelassen.
Jedes Auto sollte heute eine Kimaanlage und el. FH vorne haben. Was man jedoch nicht braucht, ist eine 17 Zoll bereifung auf einem 75 PS Golf und einen Fußairbag für die Inasassen des Kofferraums…
Außerdem sind inzwischen
Mehrausstattungen wie Klima und Servuslenkung, Fensterheber
etc.pp. Standard, die das Gewicht zusätzlich erhöhen.
s.o.
Sicherheitsdinge betrachte ich mal als notwendig, obwohl auch
da Dinge zum Hinterfragen dabei sind.
der Neufahrzeuge so gestrickt ist, liegt nicht (nur) an der
bösen Industrie, sondern wesentlich an der werten Kundschaft,
die eben diese Dinge einfordert und sie, getreu den
Marktgesetzen, auch bekommt.
Einverstanden, allerdings will keiner einen Wagen der Golf Klasse für 25.000 Euro.
Man kann ein sicheres, wirtschaftliches Auto in dieser Klasse auch locker für 15.000 Euro bauen, s. Hyundai.
Marktpotential für „Billigautos“ entdeckt, das durchaus auch
Hochpreisanbieter für sich nutzen wollen. Dabei kommen dann
Fahrzeuge heraus wie der VW Fox zu relativ erschwinglichen
Preisen, aber mit eigentlich nicht konkurrenzfähiger Technik.
Man schaue sich zu diesem Behuf die Bremswege an, die in
diversen Tests ermittelt wurden …
Das ist das Beispiel Dacia Logan aus dem ersten AMS Test. Die rumänischen reifen wird es hier nciht geben, somit bremst das Auto ganz normal in ca. 41 Metern.
Gottweißwostan zusammengedengelte Billigfahrzeuge werden -
wegen der nicht vorhandenen Gadgets in erster Linie - schief
angeschaut.
Mittlerweile gibt es genügend Leute, die ein sinnvolles Auto suchen.
Das kaufen sie dann in Korea.
Bei den technischen Möglichkeiten im
Jetzt (viel dünnere Bleche als früher, entsprechend leichterer
Rahmen, Direkteinspritzung, Common-Rail …) müsste es doch
möglich sein, ein Fahrzeug - und zwar mit Erfolg - zu
vermarkten, das, ohne auf den fahrsicherheitstechnischen Stand
von Anno Tobak zurückzufallen,
wiegt;
- als Benziner 5 und als Diesel 4 Liter
verbraucht;
- vier oder fünf Personen ausreichend -
nicht reichlich! - Platz bietet;
einem Hochlohnland produziert wird, deutlich unter 8000
Euronen zu haben sein müsste;
für die „breite Masse“ sein könnte;
Rentabilität der Produktion - bei der gegenwärtigen
Produktivität - dennoch vernünftige Ertragsaussichten
bietet.
Das ist der Dacia Logan.
Obwohl Hinz und Kunz mindestens ein Auto
besitzt und der Markt als gesättigt gilt, liegt doch derzeit
ein großes Potential schon allein deswegen vor, weil der
Fahrzeugbestand gnadenlos überaltert ist.
Der Fahrzeugbestand in D ist aktuell 7-8 Jahre alt.
Ein modernes Auto hält ca. 250.000 Km lang.
Der Durchschnittsmensch fährt ca. 15.000 Km p.a.
Da ist noch Luft drin, wie ich meine…
Außerdem hat die
Masse nachweislich weniger Kaufkraft und wäre schon allein
deswegen interessant als Zielgruppe für ein derartiges
Fahrzeug. Entwicklungstechnisch wäre ein solches Auto auch
nicht mit den exorbitanten Kosten einer vollständigen
Neuentwicklung belastet … es ginge ja im wesentlichen darum,
bereits entwickelte und erprobte Technik einzusetzen, nur eben
nicht so viel davon.
Wie man das in Korea machte. Man nimmt einfach 2-3 Jahre alte Mitsubishi Technik in Lizenz.
Heute machen die Koreaner das nur noch mit Mercedes, der rest ist schon selbst entwickelt.
Ein ordentlicher Familienvan kostet in Korea umgerechnet ca. 20.000 Euro und hat nach unseren Vorstellung eine fast volle Ausstattung.
So macht das Sinn…
Was also hindert die Marktstrategen, etwa
folgendes Auto anzubieten :
m;
- Gewicht zwischen 600 und 700
kg;
Leiern, Lenkung ohne Servus (aber auch keine Breitschlappen,
damit auch ein Weichei noch parken kann);
Fehlanzeige, aber natürlich vernünftige
Lüftung/Gebläse;
nötig;
- moderne Sicherheitstechnik, aber Verzicht auf
„Gürtel und Hosenträger“?
Naja, da empfehle ich meinen Alfa. Belüftung (und Bewässerung) ohne Ende, nicht so groß, 2 bequeme Sitze, ein sportlicher und wirtschaftlicher 1600er Motor… 
Für Familien verweise ich auf den Opel Meriva oder Zafira.
Die sind einigermassen erschwinglich, ordentlich ausgestattet und im Unterhalt o.k.
Der Zafira 1.8 meiner Mutter kostete als Jahreswagen 18.000 Euro mit Vollausstattung ohne Leder und Navi. Nach nun 3-4 Jahren war noch nicht viel kaputt, der Wagen läuft 200 und braucht bei normaler Fahrweise 7-8 Liter und biette 7 Leuten Platz.
Warum also alles mit Gewalt billig machen?
Qualität kostet Geld!
Einen Kompaktwagen für 25.000 - 35.000 Euro zu verkaufen aber grenzt an Schwachsinn…
Grüße,
Mathias