Übersetzer alle unfähig?

Hallo in die Gemeinschaft,

nach einem Jahr an der Schule in Wales gehöre ich zu den glücklichen Menschen, die sehr gut Englisch können (sorry für das Eigenlob).

Diese Tatsache ist jedoch gelegentlich auch als Fluch zu sehen. Ich kann nämlich keine englischen Bücher in deutscher Übersetzung mehr lesen - es macht mich einfach wahnsinnig, wenn bekannte Redewendungen 1:1 übersetzt werden, obwohl es doch viel schönere Entsprechungen im Deutschen gibt. Noch viel schlimmer ist es in Filmen: In der „Stargate“-Serie werden ständig Fremdwörter verwendet, die aber in der englischen Sprache Teil der Alltagssprache sind. Beispiel: „metabolism“ mit „Metabolismus“ anstatt mit „Stoffwechsel“ übersetzt. Klar, das ist nicht falsch, aber es ist doch sinnverzerrend! Aktuelles Beispiel: Vanilla Sky - wenn ich mich richtig erinnere, heißt „lucid dream“ doch nichts anderes als „Wachtraum“. Prompt wird es in der deutschen Synchronisation zu „Luzidtraum“. Da stellen sich mir alle Nasenhaare auf.

Jetzt endlich meine Frage: Sind Übersetzer alle unfähig? Ich erinnere mich gut an einen Zeitungsartikel, in dem über eine Übersetzerin berichtet war, die erzählte, daß sie oft tagelang über richtigen Formulierungen sitzt. Und auch die Leute in diesem Brett fragen ja oft nach genauen Formulierungen. Warum kommt dann in vielen Fällen soviel Müll raus? Ist das einfach ein Qualitätsunterschied und gibt es billige, schlechte Übersetzer und gute, teure? Man sollte doch meinen, daß ein großer Kinofilm oder ein Bestseller von Stephen King genug Geld einbringen, um ein paar Cents mehr für die gute Übersetzung übrig zu haben.

Was meint Ihr?

Frustriert,
Erik

Nee, nur unterbezahlt!
Hi Erik,

ich krieg auch regelmaessig den Vogel, wenn „alley“ mit
„Allee“ uebersetzt wird und „overheard“ mit „ueberhoert“ im
Sinne von „nicht mitgekriegt“. Jemand wird „schwarz und blau“
gehauen und es ist „steinkalt“. Bei einigen ins Deutsche
uebersetzten Buechern ist es angebracht, englisch zu koennen,
um zu verstehen, worum es geht. Da blitzt die Originalvorlage
noch durch alle Knopfloecher. Und dabei waere es doch Aufgabe
eines Uebersetzers, aus einem guten englischen Text einen
guten deutschen Text zu machen, dem man seine „auslaendische“
Herkunft nicht mehr anmerkt.

In jungen Jahren hab ich selbst als Uebersetzer gearbeitet -
in der Hauptsache fuer eine Zeitschrift. Du hast mit
Termindruck und lausiger Bezahlung zu kaempfen. Da ist die
Versuchung natuerlich gross, einfach schnell was
hinzuschlampen …

Zu jener Zeit hoerte ich von Uebersetzern, die gleichzeitig
an verschiedenen Buchprojekten arbeiteten und die
Uebersetzungen in ein Diktiergeraet sprachen. Eine Hilfskraft
tippt’s dann ins Reine.

Mir haette der Chefredakteur die Hammelbeine lang gezogen,
wenn ich so einen Schmarrn wie in den o.g. Beispielen
abgeliefert haette, aber speziell in manchen Buchverlagen
kommt man offensichtlich damit durch. Es wird halt ueberall
gespart und mit heisser Nadel gestrickt. Die Qualitaet bleibt
dabei oft auf der Strecke.

Hallo Erik,

ich teile deine Frustration.

Wenn du diese noch einmal genießen willst? Ein Lektürevorschlag:

Dieter E. Zimmer, Ausstellung ist verpestet
Über den PC als Übersetzerlehrling, Drei Versuche;

ders., Übersetzen als darstellende Kunst
Über eine missverstandene Berufstätigkeit,
Urs Widmer, Kettenübersetzung;

enthalten in dem Sammelband:

Dieter E. Zimmer, Deutsch und anders - die Sprache im Modernisierungsfieber, ISBN 3-499-60525-2 Buch anschauen.

Dort findest du vielleicht noch mehr Interessantes für einen Sprachinteressierten

Viel Spaß bei der Lektüre!
Gruß Fritz

It is saved and with the hot needle knitted :wink:owT
.

Hallo Erik,

Jetzt endlich meine Frage: Sind Übersetzer alle unfähig?

Nein, das nicht. Aber oft unwillig. Nur so lassen sich Auswüchse wie „Sodium“ erklären (da ist der Übersetzer wohl nach dem Motto verfahren: Fachbegriffe heißen eh überall gleich, und chemische Stoffe sind immer Fachbegriffe). Auf Schlampigkeit dürfte es auch zurückgehen, wenn „billion“ ständig mit „Billion“ übersetzt wird.

Es gibt genug solcher Beispiele. Ich muß allerdings sagen, daß ich auch schon sehr viele gute Übersetzungen gelesen habe und oft meinen Hut gezogen vor wahren Meisterleistungen bei der Übertragung von Wortspielen.

Es ist halt wie überall: Es gibt solche und solche…

Gruß Kubi

Hi Edith!

ich krieg auch regelmaessig den Vogel, wenn „alley“ mit
„Allee“ uebersetzt wird und „overheard“ mit „ueberhoert“ im
Sinne von „nicht mitgekriegt“. Jemand wird „schwarz und blau“
gehauen und es ist „steinkalt“.

…oder „myst“ als „Mist“, „swear“ im falschen Zusammenhang trotzdem als „schwören“…

Bei einigen ins Deutsche
uebersetzten Buechern ist es angebracht, englisch zu koennen,
um zu verstehen, worum es geht. Da blitzt die Originalvorlage

Naja,…zumindest bei Witzen kann das sehr hilfreich sein…

In jungen Jahren hab ich selbst als Uebersetzer gearbeitet -
in der Hauptsache fuer eine Zeitschrift. Du hast mit
Termindruck und lausiger Bezahlung zu kaempfen. Da ist die
Versuchung natuerlich gross, einfach schnell was
hinzuschlampen …

Ja, das verstehe ich ja, daß dann einige dumme Formulierungen dabei herauskommen und keinen Bock hat sehr merkwürdige Vokabeln nachzuschauen (btw: weißt du was „mirk“ heißt? Kommt bei „lord of the rings“ ab und an mal vor…das Wort kennt aber kein Buch).
Allerdings sind doch oben von Dir genannte Vokabelfehler wirklich peinlich. Das hat nichts mit Zeitdruck zu tun. Das sollte man schlicht wissen. Ansonsten haben die sich in ihren Englischkenntnissen seit der Schulzeit wohl nichts mehr gelernt.

Ciao,
Malte!

Mirkwuerdige Vokabel :wink:
Stimmt schon, Malte: Um manche der hier zitierten Klopper zu
bringen, reicht Motivationsmangel nicht aus. Da muss es auch
noch an Kenntnissen fehlen.

Wie einer der Diskussionsteilnehmer bemerkte: Es gibt halt
solche und solche. Die Staruebersetzer werden sich auch nicht
fuer ein Butterbrot verheizen lassen. Die Billigproduktionen in
Schluderverlagen sind wohl eher eine Domaene der Anfaenger und
der zweiten Garde. Und da passieren dann halt solche Kloepse,
die keiner merkt, weil’s keiner mehr liest.

Das Wort „mirk“ kenne ich uebrigens nicht, muss ich gestehen.
(Es muss sich um was Anstaendiges handeln, sonst wuesste ich’s
vermutlich *ggg*.) Smirk kenne ich und mink. Aber mirk?
Mirkwuerdig … Da muesste ich mich im Ernstfall auf
Recherchetour begeben. Verraetst du mir/uns bitte, was es
bedeutet?

Schoenen Dank!
Edith

Isses sowas wie Dunst?
Jetzt sollte ich den Textzusammenhang haben. Kann „mirk“ sowas
wie „Dunst, Nebel“ sein? Darauf deuten die Ergebnisse meiner
ersten oberflaechlichen Blitzrecherche hin. Or am I here on the
woodway?

Malte, lass mich net dumm sterben!

Ich kenne nur „murk“ oder „murky“, was soviel wie dunkel oder duester heisst.

kleine Frage an die Spezialisten
Huhu :o)

Apropo mirk:

Vor zwei Jahren ist mir ein englischer Fachbegriff in einer Formel untergekommen, über den ich echt einen Tag gebrütet habe:

mho

im Zusammenhang mit Strom

Wißt ihr´s ?

°wink°

Tiger

Hallo Erik,

das Übersetzen schöner Literatur war traditionell ein Hobby gebildeter Adelstöchter, die auf mehr als ein symbolisches Honorar nicht angewiesen waren. Auch heute noch gibt es – Du erwaehnst ihn selbst – den Typ der leidenschaftlichen aber verarmten Übersetzerin.
Heute hat man jedoch nicht nur zuwenig Geld, sondern auch zuwenig Zeit für gute Literaturübersetzungen. Auf je mehr Leute man die Übersetzung eines Buches aufteilt, desto mehr Zeit benötigt die stilistische Angleichung der Teilübersetzungen, so sehr man auch den Wortschatz verflachen mag.
Übrigens werden qualitativ positive Ausreißer in der Branche systematisch vergrault. Holger Haupt erzaehlt hierzu von seinen Abenteuern bei der Übersetzung japanischer Manga ins Deutsche für einen italienischen Verlag : http://www.hpo.net/users/hhhptdai/arachnoideenindex.htm> .

Natürlich stammen manche Anglizismen in synchronisierten Filmen aus der Notwendigkeit zur Anpassung an die Sprechbewegungen.

Aber der Mist, der uns in der täglichen Lektüre und aus den Unterhaltungsmedien überschwemmt, der zeigt, daß hinter dem Wahnsinn wohl auch Methode steckt.

Vor einiger Zeit habe ich mir mal eine Literaturüberestzung anhand des Originals näher angesehen: „Kitchen“ von Yoshimoto Banana, hat vor so 5 Jahren recht Furore gemacht. Dabei fand ich so gut wie in jedem Satz grobe Fehler von der Art, daß z.B. „März“ mit „Herbst“ verwechselt wurde, ein Gast in einem Lokal plötzlich dort angestellt war, Auslassungen ganzer Zeilen, ein im Original mieser Primitivling, der sich auf Deutsch ungemein gewählt auszudrücken beliebte usw. usf. Der deutsche Lektor hat da offensichtlich den Text auf von Word rot unterringelte Rechtschreibfehler durchgesehen und damit seine Arbeit als getan erachtet.

Gruß

Wolfgang Berger

mho ist ohm von hinten
Hallo Tiger,

ist dein *mho* das?

siemens

(Siemens AG is a German company engaged in electrical
engineering and electronics.)

The siemens (symbolized S) is the Standard International (SI)
unit of electrical conductance. The archaic term for this unit
is the mho (ohm spelled backwards). Siemens are also used, when
multiplied by imaginary numbers, to denote susceptance in
alternating current (AC) and radio frequency (RF) applications.
Reduced to base SI units, 1 S is the equivalent of one second
cubed ampere squared per kilogram per meter squared (1 s3 · A2 ·
kg-1 · m-2). The siemens is also the equivalent of an ampere per
volt (A/V).

In a direct current (DC) circuit, a component has a conductance
of 1 S when a potential difference of one volt (1 V) produces a
current of one ampere (1 A) through the component. Thus, one
siemens is the equivalent of one ohm. But mathematically,
resistance and conductance are reciprocals of each other. If R
is the resistance of a component in ohms and G is the
conductance in siemens,

R = 1 / G

and

G = 1 / R

In AC and RF circuits, conductive siemens behave the same as
they do in DC circuits, provided the root-mean-square (rms) AC
voltage is specified. In AC and RF circuits, susceptance exists
only when there is a net capacitance or inductance. Capacitive
susceptances have positive imaginary number values; inductive
susceptances have negative imaginary-number values. The
susceptance of a particular capacitor or inductor depends on the
frequency.

Conductances and susceptances are sometimes expressed in units
representing power-of-10 multiples or fractions of 1 S. A
kilosiemens (1 kS) is equal to one thousand (103) siemens. A
megasiemens (1 MS) is equal to one million (106) siemens. A
millisiemens (1 mS) is equal to one-thousandth (10-3) of a
siemens. A microsiemens (1 ?S) is equal to one-millionth (10-6)
of a siemens.

http://whatis.techtarget.com/definition/0,sid9_gci5…
l

mirk = murk
wie psi unter schon vermutet.
Fritz

Hallo Edith!

Jetzt sollte ich den Textzusammenhang haben. Kann „mirk“ sowas
wie „Dunst, Nebel“ sein? Darauf deuten die Ergebnisse meiner
ersten oberflaechlichen Blitzrecherche hin. Or am I here on
the
woodway?

Malte, lass mich net dumm sterben!

Das war kein Quiz, ich weiß es selbst nicht. :smile:
Kann aber sein.
Der Ausdruck „Mirkwood“ im Hobbit oder bei „Lord Of The Rings“ wurde wohl irgendwie „Nachtwald“ oder „Düsterwald“ oder so ähnlich übersetzt. Aber das kommt nochmal sehr nahe am Ende des 5. Buches vor. Sekunde, ich habs mir irgendwo notiert. (buch ist verliehen)

„And out of the gathering mirk the Nazgûl came with
their cold voices crying words of death“

Also ein Phantasiewort ist es nicht, wie ich noch bei „Mirkwood“ vermutete. Dunst bzw. Nebel klingt in dem Zusammenhang ganz gut , denke ich. Aber, wie gesagt, habe ich es nie irgendwo gefunden.
Was war denn deine Quelle deiner Recherche?

Bye,
Malte!

PS: Jetzt sehe ich erst, daß Du „Nebel“ als Nachnamen hast…:wink:

Nein, nicht murk
Hi!

wie psi unter schon vermutet.

Nope, kein Tippfehler, aber verwand sind sie mit Sicherheit

Ciao,
Malte!

Hallo,
mein Englisch ist wahrscheinlich lange nicht so gut wie deines, trotzdem fällt auch mir das immer wieder auf.
Mich stört es, wenn ein Mensch „6 und 1“ groß (lang) ist, und ich beim Lesen eines Romans einen Taschenrechner bemühen muß.
Umgekehrt wird in letzter Zeit das deutsche Wort „Fußball“ im englischsprachigen Fernsehen oft mit „football“ gleichgesetzt.

Cu Rene

Malte!

Und da habe ich eigens in: Webster´s Third New International Dictionary nachgeschlagen. Dort steht auf S. 1441:

mirk var of murk
mirky var of murky

Und unter murk finde ich auf S. 1488:

murk or mirk: darkness, gloom, also: thick heavy air, fog

Ich zitiere nur das Wesentliche.

Bist du besser als der Webster? :wink:Dann zeige es auf!

Gruß und peace!
Fritz

Das kann man nur unterstreichen.
Hallo, Edith,
ich denke, Du hast den Grund dieser Unzulänglichkeiten recht gut beschrieben.
Da ist der Verlag, der „mal eben schnell“ eine Übersetzung haben will, möglichst bereits gestern und kosten solls natürlich auch nix. Also wird irgendwer genommen, der sich rühmt einer Fremdsprache mächtig zu sein, der’s billig macht und der sich dann an den Text setzt und ihn einfach mehr oder weniger Satz für Satz herunter übersetzt, weder das Wissen noch die Zeit habend sich mit dem Gesamttext, geschweige gar mit dem Schriftsteller auseinandersetzen zu können.
Bei den gängigen Honoraren kann kein Übersetzer Qualitätsarbeit liefern. Da muß es die Menge bringen, auch wenn einem bei näherer Überlegung das Herz bluten müßte. Die meisten aber haben es mittlerweile aufgegeben oder verdrängt.
Nur einige wirkliche Spitzenleute mit großen Namen können es sich erlauben, dem Termindruck zu widerstehen und dann auch noch davon leben zu können.
Gruß Eckard.

Mirk, murk, Mork, Marcks, Murks …
Hi Malte,

jetzt hab ich gedacht, du wolltest mich testen, weil ich hier so
vollmundig erzaehlte, dass ich mal Uebersetzer war!

Ich habe einfach mal gegoogelt und bin im Wesentlichen auf das
gleiche gekommen wie Fritz: Mirk ist anscheinend gleich murk.
Dies war meine Quelle:

http://www.bartleby.com/62/26/M0982600.html

mirk
NOUN: See murk.

murk also mirk
NOUN: A thick, heavy atmospheric condition offering reduced
visibility because of the presence of suspended particles:
brume, fog, haze, mist, smaze. See CLEAR.

Roget’s II: The New Thesaurus, Third Edition. 1995.

klingt gut
hi Fritz!

Und da habe ich eigens in: Webster´s Third New International
Dictionary nachgeschlagen. Dort steht auf S. 1441:

mirk var of murk
mirky var of murky

Klingt gut, ergibt Sinn und man wundert sich nicht, warum man es in einem „normalen“ Lexikon, wie sie jeder so zu Hause herumliegen hat, nicht findet. THX!

Bye,
Malte!