Hallo
Für mich einen Text, vorallem wenn es übersetzt wurde, muß so
in der sog. Zielsprache wiedergegeben werden, daß ein
Muttersprachler ihn vollständig versteht und zwar ohne
Hilfsmitteln. Wenn dem nicht so ist, ist für mich die
Übersetzung nicht ganz richtig.
Du lässt vollkommen außer Acht, dass es nicht den „typischen
Muttersprachler“ gibt, sondern ein ganz bestimmtes
Zielpublikum.
Natürlich. Weil ich davon ausgehe, daß dieses Zielpublikum diese Sprache auch versteht. Und nur diese!
Wenn du einem spanischsprechenden Dorfbewohner aus Hinterperu
von der Kirchnerschule erzählst, ist es wahrscheinlich besser,
deinen Übersetzungsvorschlag zu nehmen und alles zu
übersetzen.
Danke.
Aber als Begrüßungsspruch an einer deutschen Schule in
Deutschland für Schulbesucher, die in Deutschland leben, ist
die Übersetzung „Kirchnerschule“ die richtigere,
Der Meinung bin ich nicht.
weil es
a) verständlich ist und
Eine Übersetzung ist nur dann verständlich, wenn alles so geschrieben ist, daß nur Wörtern, die in diese Sprache „anerkannt“ sind, auch verwendet werden. Sonst ist es für mich keine Übersetzung. Wir reden jetzt über zwei europäischen Sprachen. Aber stellt Dir mal vor, ich bin in Japan und jemand grüßt mich mit einem Wort auf Japanisch.
b) die zusätzliche Bedeutung deutlich macht, dass es sich um
eine deutsche Schule handelt und nicht um eine spanische
Schule in Deutschland.
In einem anderen Artikel in diesem Baum habe ich ein anderes Beispiel hervorgebracht. Wenn jemand ein Text liest, ist der nur dann richtig übersetzt, wenn er keine Fremdsprachen-Kenntnissen braucht um diesen zu verstehen. Und das egal wo der Text steht und für wen das gedacht ist (Zielpublikum). Im Allgemein das Wort Zielpublikum wird verwendet, um heraus zu stellen, daß man sich z.B. Werner-Witze in geschlossenener Gesellschaften von Botschafter besser verkneift, weil dieser vermutlich nicht gut ankommen. Oder in einem Reise-Tagebuch von Motorrädern in die Wüste von Saudi Arabien, wird vermutlich wenig „vornehmende Ausdrücke“ erhalten, die in einer Übersetzung berücksichtigt werden müssen. Aber die Zielsprache muß die eine sein.
Es gibt zu diesem Problem genug Abhandlungen innerhalb der
Übersetzungstheorie, die zeigen, dass der Rezipient im Dreieck
„Sender-Message-Empfänger“ (oder, bedingt, „Autor-Text-Leser“)
eine sehr wichtige Stellung hat und bei einer Übersetzung in
die Textübertragung miteinbezogen werden muss.
Mir ist das bekannt, aber das bezieht sich m.E. auf dem was ich über Werner-Witze sagte.
Ein übersetzter Text, um gut zu sein, soll sich wie ein
Original lesen. Mit Wörtern wie „Schule“, „Kirche“,
„Krankenhaus“, udG. ist er nicht bedient.
Das ist falsch und lässt, neben dem Rezipienten, den
Verwendungszweck des Textes außer acht.
Der Meinung bin ich keineswegs.
Wenn ich in Japan ein Text Erfinde der mit „Herzlich willkommen in“ anfängt, habe ich gerechte Erwartungen darauf, daß was als nächstes kommt, ebenfalls auf Deutsch steht.
Ausserdem, warum dürfen Wörter wie „Schule“, „Kirche“ oder „Krankenhaus“ im Original bleiben? Was hat das mit „Zielpublikum“ zu tun? Wer entscheidet welche Wörtern dann im Original bleiben dürfen? Und mit welchem Kriterium? Wo zieht man die Linie „ab hier all den Wörtern dürfen im Original bleiben“?
Gruss,
Helena