Ulla Schmidt ausgerastet

Hallo Kollegen
Die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt scheint selbst nicht mehr ganz gesund zu sein.
Eben höre ich, dass sie unsere seit Jahrzehnten eingefrorenen Abrechnungs-„Löhne“ bei unseren Privatpatienten deutlich herabsetzen will. (Von 2,3 auf 1,7). Da werden in Berlin noch mehr Praxen geschlossen, also Pleite gehen. Schon jetzt sind drei von vier Arztpraxen von der Pleite bedroht. Arzthelferinnen kann man schon lange nicht mehr einstellen, die werden beim Abeitsamt zu Massen auflaufen.
Man stelle sich vor, man würde anderen Berufstätigen die Löhne nicht nur einfrieren auf Jahre, sondern jetzt heruntersetzen. Die IG Metall oder die ÖTV würden Frankreich-ähnliche Zustände verbalisieren.
Was meint Ihr zu dieser unerträglichen Ministerin, die ja leider übernommen wurde?
Mich würde insbesondere die Meinung von Kollegen dazu interessieren.
Gruß,
Branden

Frage
Moin,

was erhält denn so ein Psychotherapeut für eine Stunde Psychotherapie laut GOÄ oder was immer da zutreffend ist ? Nur damit man sich mal einen Eindruck vom Ausmaß dieser „Armut“ machen kann.

fragt
Marion

Hallo Marion
Kommt drauf an, welche Leistung. Eine psych. Behandlung (einschließlich eingehender Exploration) bringt (NOCH) beim Privatpatienten 20,11 Euro, aber nur beim bisherigen 2,3 fachen Satz. Sonst geht es schnell in den Hungerlohn-Bereich, mit dem man keine Praxis mehr finanziell aufrecht erhalten kann.
Wenn man durch ein ausgiebiges Gutachten per Antrag eine vom Gutachter zu beurteilende, genehmigungspflichte Psychotherapie „durchgekriegt“ hat, sind es 92,50. Selbstverständlich auch nur beim üblichen 2,3 Satz.
Ulla Schmidt will nun wohl alle auf 1,7 runterdrücken. Das ist unegfähr so, als wenn du einem Handwerker plötzlich seinen Stundenlohn deutlich herabsetzt. Würde sofort Streik bedeuten.
Der nächste Ärzte-Streik ist also vorgrammiert, wenn sich U.Schmidts Ideen durchsetzen. Man kann nur hoffen, dass da einige Geister in der großen Koalition dagegen halten.
Gruß,
Banden

Vielleicht habe ich…
Hallo Branden
…es falsch verstanden, aber ich glaube es ging darum die Kostenabrechnung einem Privaversicherten gleich hoch anzurechnen wie die eines Pflichtversicherten. Was soll da so verkehrt sein?

Ansonsten, daß alles knuppeldick (heisst es so?) kommt, sollte man schon lange geahnt haben können, oder?

Dies meint zwar keine Ärztin aber doch eine Krankenschwester.

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Helena

…es falsch verstanden, aber ich glaube es ging darum die
Kostenabrechnung einem Privaversicherten gleich hoch
anzurechnen wie die eines Pflichtversicherten. Was soll da so
verkehrt sein?

Nichts, wenn man die Abrechnung bei den gestzlichen Kassen HOCHziehen würde aufs gleiche Niveau der Privatversicherten (welches wiegesagt seit etwa einem Jahrzehnt eingefroren ist). Das MEINT aber Ulla Schmidt nicht. Sie sagt es natürlich nicht so direkt, weil diese Art von Politikern ja die gespaltene Zunge trainiert haben seit Jahren.
Natürlich will sie die Privatliquidation drücken.
Es wird endlich Zeit, dass mal ein Gesundheitsminister aus der Praxis, also aus einem mediz. Beruf berufen wird.
Gruß,
Branden

Hallo Branden!

Nichts, wenn man die Abrechnung bei den gestzlichen Kassen
HOCHziehen würde aufs gleiche Niveau der Privatversicherten
(welches wiegesagt seit etwa einem Jahrzehnt eingefroren ist).

Na dann, ich bin der Meinung, ihr soll mit den Krankenkassen darüber diskutieren und nicht in den (eh schon sehr mageren) Haushalt der öfftl. Krankenkassen anforderungen stellen!
Aber Bitte: Leite nicht aus meinen worten, daß ich eine Erhöhung befürworte oder nicht. Darübe habe ich mich nicht geäussert. Nur ich denke, diesen Wunsch von Dir (sowohl hochrechnen wie auch einen Minister der das zustimmt -egal aus welche Bracnhe er auch kommt) isst schlicht utopisch.

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Branden und hallo an alle potentiellen Leser!
Vorweg: ich bin kein Arzt!
Meine Meinung: Nicht nur bei Frau Ministerin Schmidt läuft einiges schief, im gesamten Gesundheitswesen ist eine unerträgliche Schieflage entstanden, angefangen bei dem gedeckelten Budget bis zu fraglichen Einschränkung bestimmter Kassenleistungen, aber darüber könnte man vortrefflich und schier endlos diskutieren.

Zum Abrechnungssatz:
Was meiner Ansicht nach gebraucht wird, ist eine Leistungsbezogene Abrechung. Ein Mediziner, der eine gute Leistung bringt (Frage allerdings: wie ist die im Allgemeinen objektivierbar) hat Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Davon abgesehen muss die Abrechnung der einzelnen Leistungen folgende Faktoren berücksichtigen:

-die Ausbildung des Mediziners
-die besondere Verantwortung des Mediziners bei der Ausübung seiner Tätigkeit
-die notwendige Infrastruktur, die ein Mediziner vorhalten muss um den Betrieb seiner Praxis und damit der Patientenversorgung aufrecht zu erhalten.
-Anpassung der Vergütung an die Inflationsrate.

Fakt ist: Im Gesundheitswesen muss gespart werden und zwar dringend. Auch ist es unbedingt erforderlich, einen Systemwechsel herbeizuführen, der die Verantwortung des Einzelnen für seine Gesundheit erhöht.
Eine Einsparung erreicht man aber nicht dadurch, dass man die Leistungsvergütung der Mediziner einfach kürzt und damit letztlich nur induziert, dass der betroffene Mediziner in der gleichen Zeit wie vorher mehr Patienten ‚durchschleust‘ um seine Kosten für die Praxis noch decken zu können. Ersparnisse erreicht man nur durch intelligente Konzepte, die die Mediziner -eben leistungsbezogen- in die Gesamtversorgung integrieren. Dazu gehört, dass ein Arzt sich die erforderliche Zeit nehmen kann, die er benötigt um auf einen Patienten eingehen zu können. Dazu gehört aber auch, sinnlose Doppeluntersuchungen oder auch sinnlose high-tech Untersuchungen da wo möglich einzusparen. Dies geht aber nie pauschal sondern immer nur situationsbezogen. Eine „high-tech-Untersuchung“, die bei einem Patienten vollkommen überflüssig ist und nur der Abrechnung wegen gemacht wird, mag beim anderen Patienten die lebensrettende Diagnose stellen.

Was also brauch man?
Ein Abrechnungssystem was die Leistung des Arztes in der individuellen Patientenversorgung honoriert, eine ganzheitliche Versorgung ermöglicht und in der Höhe des Honorars das verdiente (!) Einkommen des Arztes sichert.

Zwei Dinge sind vollkommen unangemessen:

  • Sozialneid auf mutmaßliche hohe Einkommen von Ärzten (der reine Abrechnungssatz ist nicht der Netto-Verdienst des Arztes!!!), wahrscheinlich verdienen die meisten Handwerksmeister in der Stunde netto mehr als ein Großteil der Ärzte))
  • und verantwortungslose Patienten, die durch ihr Verhalten die Kosten des Gesundheitswesens ausufern lassen (KEIN Pauschalvorwurf!!!).

Wie gesagt: intelligente Konzepte zur Reduktion der Gesamtkosten im Gesundheitssystem sind gefragt und keine (möglicherweise auch noch populistisch angehauchten) Einzelmaßnahmen.
Viele Grüße und ‚Feuer frei‘,
Oliver

Hallo Oliver

Zwei Dinge sind vollkommen unangemessen:

  • Sozialneid auf mutmaßliche hohe Einkommen von Ärzten
    (der reine Abrechnungssatz ist nicht der Netto-Verdienst des
    Arztes!!!), wahrscheinlich verdienen die meisten
    Handwerksmeister in der Stunde netto mehr als ein Großteil der
    Ärzte))
  • und verantwortungslose Patienten, die durch ihr Verhalten
    die Kosten des Gesundheitswesens ausufern lassen (KEIN
    Pauschalvorwurf!!!).

Ich sehe, wir sind uns im Ziel einig.
Nun brauchen wir noch die Mitarbeit der Patienten. Wie sonst auch in der täglichen Praxis. :wink:
Es grüßt Dich
Branden

Moin,

Was also brauch man?
Ein Abrechnungssystem was die Leistung des Arztes in der
individuellen Patientenversorgung honoriert, eine
ganzheitliche Versorgung ermöglicht und in der Höhe des
Honorars das verdiente (!) Einkommen des Arztes sichert.

Ich bin schon lange dafür, dass die kassenärztlichen Leistungen genau so abgerechnet werden, wie Privatleistung (also transparent mit Rechnung an den Patienten zu festen Sätzen zum Einreichen bei der Kasse).

Nur, wenn ich mich recht entsinne, sind hier vor allem Ärzte dagegen. Darf ich fragen, aus welchem Grund ? Man kann schlecht eine angemessene Vergütung verlangen, wenn man das Vergütungssystem nicht transparent macht.

Gruß
Marion

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Hi Helena

Na dann, ich bin der Meinung, ihr soll mit den Krankenkassen
darüber diskutieren und nicht in den (eh schon sehr mageren)
Haushalt der öfftl. Krankenkassen anforderungen stellen!

Die Krankenkassen konkurrieren ja untereinander um die Patienten. Da gibt es Kassen, die mit billigeren monatlichen Beiträgen um die Gunst der ÜPatienten werben, ohne denen zu sagen, dass die Ärzte dann auch weniger für die Leistzungen dort bekommen. Glücklicherweise gibt es jetzt durch den gewonnenen Rechtsstreit wenigstens im Psychotherapie-Bereich der gesetzlichen Kassen Mindestsätze.
Grüße aus Berlin von
Branden

Nur, wenn ich mich recht entsinne, sind hier vor allem Ärzte
dagegen. Darf ich fragen, aus welchem Grund ? Man kann
schlecht eine angemessene Vergütung verlangen, wenn man das
Vergütungssystem nicht transparent macht.

Nein, Marion, sind wir nicht. Wir schreiben gern den Patienten die normalen Rechnungen, die sie dann bei ihren gesetzlichen Kassen einreichen können. Nur die Kassen wollen das nicht, die machen dann Komplikationen und zahlen den Patienten das Geld nicht zurück, jedenfalls nicht ganz.
Gruß,
Branden

Hallo Brandon,
ich muss dir in einem voll und ganz zustimmen: Auch ich empfinde Ulla-Strulla als eine unzumutbare, inkompetente Gesundheitsministerin und bin fast vom Sofa gefallen, als ich hörte, dass sie ihren „Job“ weiterhin wahrnehmen darf.
Ansonsten bin ich zwar kein Arzt, darf aber deren Honorarabrechnungen fleißig bezahlen, da mein Sohn Privatpatient ist. Häufig muss ich hier schwer schlucken, wenn z.B. eine telefonische Anfrage, die schlicht mit „ja“ oder „nein“ beantwortet wurde, mit „ausführliche, medizinische Beratung“ abgerechnet wird.
Prinzipiell finde ich es durchaus richtig, dass es im Gesundheitswesen keine Menschen 2. Klasse geben darf. Ich selbst bin Kassenpatient, konsultiere mit meinem Sohn vorwiegend die gleichen Ärzte; die unterschiedliche Behandlung ist zum Himmel schreiend und fängt schon im Wartezimmer an. Trotz Terminvereinbarung „darf“ ich noch stundenlang warten, während mein Sohn sofort aufgerufen wird.

Ansonsten werden uns allen - egal in welcher Berufssparte wir tätig sind - die Hammelbeine langgezogen. Seit einigen Monaten muss ich statt 38,5 nun 41 Std. arbeiten - natürlich ohne Lohnausgleich. Dank der neuen Tarfiverträge habe ich nun monatlich über 50 € weniger im Portemonaie und muss auch andere Einbußen akzeptieren (Rufbereitschaft, Überstunden, Wochenenddienst etc.). Leute, die aus dem Dienst ausscheiden, werden nicht ersetzt, sondern, die Arbeit wird auf die anderen umverteilt … etc.
Und wie mir, geht es eben ALLEN irgendwie. Das brauchen wir uns nicht „vorzustellen“, das IST bereits so. Sei also froh, dass der Kelch bisher an dir vorüber gegangen ist und dich jetzt erst zu treffen scheint.

Lass den Kopf nicht hängen, wir sind eben Deutschland, „et hät noch immer joot jejangen“, Lebbe geht weiter …

Gruß von Pegasus

Hallo!

Auch ist es unbedingt erforderlich, einen
Systemwechsel herbeizuführen, der die Verantwortung des
Einzelnen für seine Gesundheit erhöht.

Das sehe ich genauso. Es gibt genug Leute die mutwillig ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und dann sich teure Medikamente verschreiben lassen, obwohl die Beschwerden durch eine Verhaltensänderung zu behandeln wären.

Dazu gehört aber auch, sinnlose
Doppeluntersuchungen oder auch sinnlose high-tech
Untersuchungen da wo möglich einzusparen. Dies geht aber nie
pauschal sondern immer nur situationsbezogen. Eine
„high-tech-Untersuchung“, die bei einem Patienten vollkommen
überflüssig ist und nur der Abrechnung wegen gemacht wird, mag
beim anderen Patienten die lebensrettende Diagnose stellen.

Oh man, da sagst du was Wahres. Ich wurde in den letzten Jahren mehrmals glaube ich an jedem Körperteil untersucht. Gäbe es eine zentrale Datenbank mit meinen Röntgenbildern, Untersuchungsergebnissen ( zur Not auch nur einen Pass, wo alle Untersuchungen zuverlässig eingetragen werden ) etc. dann hätte die Krankenkasse alleine an mir schon einen Menge sparen können, denn oft wurden Untersuchungen doppelt gemacht, weil der Arzt nicht auf die Ergebnisse der andere Praxis warten wollte.

Tara

Hi Brande!

Die Krankenkassen konkurrieren ja untereinander um die
Patienten.

Eben!

Glücklicherweise gibt es jetzt durch den
gewonnenen Rechtsstreit wenigstens im Psychotherapie-Bereich
der gesetzlichen Kassen Mindestsätze.

…und deshalb greifen ja die Politikern zu: Irgendwann mal, jemand(also Politiker) müssen diesen regelrechten Kampf ein Ende setzen und feste Rahmen einfordern. Ich glaube, Fr. Schmidt hat dmit den ersten Schritt gemacht und weitere kommen.

Daß nicht alle damit glücklich sind, ist ja unvermeidbar…

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Branden,
ich kann deinen Frust zwar verstehen, aber was bitte schön ist an dem Kern des Vorhabens auszusetzten: Es soll im Gesundheitswesen keine Menschen 2. Klasse geben. Das ist doch völlig richtig, und dem stimme ich voll zu!
Über das Wie und Wann wird doch vorerst nur spekuliert und eine Herabsetzung des Abrechnungsmodus ist auch erst mal nur angedacht und eine mögliche Alternative.
Die Löhne in anderen Berufsbranchen wurden auch schon vor Jahren eingefroren und z.T. mussten auch empfindliche Einbußen hingenommen werden. Nur - wenn man nicht selbst davon betroffen ist, registriert man es nicht.
Im Gesundheitswesen wird viel Missbrauch betrieben - häufig von den Patienten selbst. Hier muss mehr Eigeninitiative übernommen werden.

Grüße
Blümchen

Hallo Blümchen,

Es soll im
Gesundheitswesen keine Menschen 2. Klasse geben. Das ist doch
völlig richtig, und dem stimme ich voll zu!

Die 2 Klassen gibt es (dem widerspricht hier ja eigentlich auch keiner) und die wird es immer(!) geben.
Wer sagt, dass in Zukunft alle Menschen die gleiche gesundheitliche/medizinische Versorgung erhalten werden lügt oder ist ein Träumer.

Richtig ist:

Es wird vermutlich dereinst eine für alle gleiche/vergleichbare Grundsicherung geben.
Es wird darüber hinaus individuelle Zusatzsicherungen/-leistungen geben, die der eine sich leisten kann, der andere nicht.
Damit wird ein 2-Klassen-System geschaffen werden, was in letzter Konsequenz für viele noch gar nicht zu fassen ist.

Schwarzmalerei?
Nein, glaube ich nicht. Wahrscheinlich der einzige Ausweg aus der sich abzeichnenden Krise im Gesundheitswesen.
Spannend wird die Frage werden, wer die Entscheidungen trifft und auf welcher Grundlage trifft, wem in einer gewissen Zukunft sehr kostspielige Therapien zukommen und wem nicht!

Es ist kein Zufall, dass es bereits heute in Diagnostik wie Therapie die individuellen Gesundheitseinzelleistungen (IGEL) gibt, die von den Kassen (GKV) nicht übernommen werden.
So ist z.B. die vorsorgliche Überwachung von ‚Muttermalen‘ eine IGEL. Problem: Wer sich diese Vorsorge als GKV-Patient nicht leisten kann (20 Euro, soweit ich weiss), der trägt ein höheres Risiko mit sich herum das ein Melanom nicht rechtzeitig erkannt wird.
Diese ‚IGELei‘ wird zunehmen mit der Folge, dass alleine das Einkommen bzw. die finanzielle Liquidität des Einzelnen über bestimmte gesundheitliche Leistungen und damit im Einzelfall über die Lebenserwartung entscheidet.

Das nur mal so zum nachdenken. Unseren Politikern ist diese Entwicklung übrigens mit Sicherheit bewusst!
Viele Grüße,
Oliver

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Hallo Oliver,
stimmt, bisher ist es so, dass ich gewisse Leistungen selbst bezahlen muss. Beim Hautarzt z.B. die Muttermalsbstimmung. Aber auch beim Frauen- und Augenarzt muss ich inzwischen zusätzlich Geld berappen, für gewisse Vorsorge-Untersuchungen, die früher die Kasse bezahlt hat. Dann muss ich eben eigenverantwortlich entscheiden, ob mir die Untersuchung das Geld wert ist oder nicht.

Diese ‚IGELei‘ wird zunehmen mit der Folge, dass alleine das
Einkommen bzw. die finanzielle Liquidität des Einzelnen über
bestimmte gesundheitliche Leistungen und damit im Einzelfall
über die Lebenserwartung entscheidet.

Diejenigen, die sich so etwas eigentlich nicht leisten könnten, sprich die Empfänger von sozialen Leistungen, brauchen auch zukünftig für diese Extras nichts zu bezahlen. Das wird m.W. weiterhin von der arbeitenden Bevölkerung getragen - oder hab ich da mal wieder etwas missverstanden?

Grüße
Blümchen (hofft, dass es nicht mehr krank wird)

Hallo,

die Methode führt zu dem gegenteiligen Effekt. Es wird künftig nur noch die Grundversorgung für die Masse geben, der Rest lässt sich im Ausland behandeln oder bei Ärzten, die nur Privatpatienten behandeln. Bei Anwälten ist das selbe zu beobachten. Es gibt den Feld-und-Wiesen-Anwalt für alle, der nach der Gebührenordnung abrechnet und es gibt hoch bezahlte Spezialisten, die auf Honorarbasis mit Stundensätzen arbeiten. Top-Anwälte wimmeln den Normalmandanten sowieso schon lange ab, noch mehr natürlich den Mandanten, bei dem Prozesskostenhilfe eingreift.

Das ist die Folge von 10 Jahre lang eingefrorenen BRAGO-Sätzen.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,
ich bin, wie bekannt sein dürfte, bei einer Krankenkasse seit
37 Jahren beschäftigt. Das heisst aber nicht, dass ich nicht eine
eigene Meinung zum Gesundheitswesen als solches habe. Die hier
vorgetragenen Argumente, auch ausdrücklich die von Arztseite (Branden)
halte ich alle für richtig und berechtigt.
Das grundsätzliche Problem, und das sieht man gerade jetzt bei
der grossen Koalitioon, ist, dass jeder weiss, dass gespart werden
muss, aber keiner will, dass ausgerechnet er, und da nehme ich die Kassen ausdrücklich nicht aus, aktiv an diesem Sparen
beteiligt sein soll. Die Kassen schieben den Schwarzen Peter auf die
Ärzte und die Pharmaindustrie, die Allgemeinärzte auf die Fachärzte
und die Patienten auf alle und alle zusammen auf die Kassen und die Politik, wobei letztere zwar die Verantwirtung trägt,
aber nun mal so gar keine rechte Ahnung von der Materie hat.
Sicher ist eines - ein funktionierendes Gesundheitswesen muss so
gestrickt sein, dass der Patient die bestmögliche aber auch nur
notwendige medizinische Versorgnung bekommt, der Arzt und auch alle
anderern Leistungserbringer eine angemessene Vergütung erhalten, dazu
zähle ich auch ausdrücklich die Arzthelferinnen/Krankenschwestern/PFlegehelfer/innen, die für ihre
Tätigkeit wirklich derzeit nicht angemessen bezahlt werden.
Meine Vorstellung sieht so aus, dass durch den Gesetzgeber für alle
Krankenkasssen ein grundsätzlicher Leistungskatalog zwingend vorgeschrieben wird, die Wettbewerbsfreiheit in allen Belangen für die Kassen auch wirklich freigegeben wird. Die Krankenversicherungspflicht
sollte für alle Bundesbürger bis zu einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 10.000,00 € eingeführt werden.
Das Bestehen von PKV und GKV nebeneinander und im Wettbewerb wäre
weiter gesichert. Wenn der Einfluss der Politik (Versicherungsamt,
GHesetzgeber) auf ein Mindestmass herabgesetzt würde, hätten auch die
Lobbiesten weniger Möglichkeiten.
Gruss
Günter Czauderna

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Hallo Tara

Das sehe ich genauso. Es gibt genug Leute die mutwillig ihre
Gesundheit aufs Spiel setzen und dann sich teure Medikamente
verschreiben lassen, obwohl die Beschwerden durch eine
Verhaltensänderung zu behandeln wären.

Das ist richtig. Auch hier müßte das Gesundheitssystem ansetzen, anstatt Gelder bzw.Zahlen hin- und her zu schieben.
Gruß,
Branden