Um Denglisch zu vermeiden

suche ich nach einer passenden Wiedergabe für den Begriff „Soft Skills“.
Im Trainingsbereich stehen sie dem „Hard-Facts-Training“ gegenüber (gebündeltes Fachwissen).
Soft Skills bezeichnen hier Dinge, die man im Grunde an jedem Arbeitsplatz beherrschen sollte, unabhängig vom Fachwissen. Beispiel: Zeitmanagement, Arbeitsorganisation, Kommunikation - schriftlich und mündlich -, Konfliktbewältigung etc.

Ich muss zugeben, dass dieser Begriff Soft Skills wirklich sehr handlich ist. Als Übersetzung fand ich z. B. „nicht zählbare Fähigkeiten“ - ganz ehrlich, wer will denn so etwas in einen Angebotsprospekt schreiben?

Nachdem ich mich aber innerlich gegen die Veramerikanisierung unserer Sprache sträube, möchte ich gerne einen passenden, wohlklingenden deutschen Ausdruck verwenden - auch wenn dieser nicht auf dem Markt eingeführt ist. An „Grundlagen…“ dachte ich bereits, das klingt mir aber wieder zu kantig deutsch.

Für jede Anregung wäre ich sehr dankbar!

Grüße
Lilly

Hi Lilly,
Man kann die „Verneudeutschung“ natürlich auch übertreiben, aber für mich ist das das Zeichen einer lebendigen Sprache: Einfluß von anderen Sprachen (im Gegensatz dazu was Hardliner oft behaupten finden wir im sogannten „reinen Deutsch“ wahre Unmengen an Fremd- und Lehnworten).
Aber nun gut, vermeiden wir es, wo es geht. Wo es definitiv nicht geht, ist meiner Meinung nach bei Fachausdrücken. Und gerade der Trainingsbereich ist eben sehr geprägt von amerikanischen/englischen Forschern und außerdem ist auch in diesem Bereich, wie auch in vielen anderen Bereichen auch, Englisch zur Wissenschaftssprache avenciert.
Daher spricht für mich nichts dagegen, diese Begriffe zu verwenden, im Gegenteil.
„Soft Skills“ ist von der Begrifflichkeit eben mehr als „weiche Fähigkeiten“ und auch „Hard-Facts-Training“ ist mehr als einfach nur gebündeltes Fachwissen.
Da Du es für einen Prospekt verwenden willst, würde ich es erst recht bei diesem Begriff belassen, erweitert mit Deinen Erklärungen. Wer ist die Zielgruppe für Deinen Prospekt? Die, die sich mit der Materie in irgendeiner Form bereits beschäftigt haben, ist diese Begriff auf irgendeine Art geläufig und wenn Du ihn vermeidest, könnte das in deren Welt „unprofessionell“ klingen. Denen, die damit noch nichts am Hut haben, wird durch Deine Erklärungen geholfen.
Und mit dem „kantigen Deutsch“ hast Du auch recht. Oft sind gerade Vermeidungen von Fremdworten oder auch Eingedeutschten Worten holprig und damit auch unschön.

Ohne es zu übertreiben, solltest Du zumindest die „technical terms“ so „handeln“ :wink:))
Liebe Grüße#
Birgit

Hallo Lilly,

suche ich nach einer passenden Wiedergabe für den Begriff
„Soft Skills“.

Sozialkompetenz.

Alles Gute
Michael

Hallo Birgit,

hast ja Recht, man denke nur an den „Gesichtserker“, den man sich seinerzeit als Gegenwehr zu Fremdwörtern ausdachte. Da finde ich Nase schon ein wenig besser. Und wer merkt denn heute noch, dass Nase kein deutsches Wort ist…

Insgesamt bin ich nicht ganz deiner Meinung, m. E. lässt sich einiges doch ins Deutsche übertragen - andere Sprachen beweisen das ja (französisch z. B.).
Du hast Recht, dass vor allem Fachterminologie orginalsprachlich bleiben sollte, nur meines Erachtens haben wir viele Wörter, die nicht wirklich fachsprachlich sind und durchaus eingedeutscht werden könnten. Zudem benutzen wir so genannte Fachwörter gerade im Deutschen dermaßen schräg, dass sich den Amerikanern teilweise die Fußnägel aufrollen - also verständlicher wird unser Kauderwelsch dadurch nicht.
Mich stört es beispielsweise, dass ich seit geraumer Zeit keine Ortsgespräche mehr führen kann, sondern nur noch CityCalls. Ist das denn nötig gewesen?
Gerade im Trainingsbereich blühen eben diese Pseudo-Anglizismen - sehr zum Leidwesen der Seminarteilnehmer.
Unlängst nahm ich an einem Coaching-Seminar teil, die Referentin stellte den Ablauf des Seminars vor, einer der ersten Punkte hieß da shering-group. Auf meine Frage, was das denn sei, habe ich dann herausgefunden, dass damit die ganz popelige Vorstellungsrunde der Teilnehmer zu Beginn einer Veranstaltung gemeint ist. Peinlicherweise schrieb sie das sharing eben mit e.
Viele denken heute einfach nicht mehr über Begriffe nach, sondern geben einen englische Note, damit es schicker klingt. Deshalb vielleicht meine ablehnende Haltung gegenüber Anglizismen.

Bei Soft Skills ist es nun tatsächlich so, dass der Begriff so schön handlich ist. Ich werde es auch so machen, dass der Begriff fällt, werde es aber im Text vielleicht mit „Schlüsselfertigkeiten“ wiedergeben. „Sozialkompetenz“ (siehe den anderen Beitrag) trifft es eben nicht so genau - und außerdem ist es ja nur ein anderes Fremdwort.

Auf jeden Fall: Herzlichen Dank für deine Antwort.

Grüße
Lilly

Hallo Michael,

Sozialkompetenz.

trifft es leider nicht so ganz, da der Bereich auch Arbeitstechnik und dergleichen einschließt.
Und ich vergaß zu präzisieren: Ich wollte generell Fremdwörter vermeiden.

Danke für deine Antwort

Gruß
Lilly

Holla

Gerade im Trainingsbereich blühen eben diese
Pseudo-Anglizismen - sehr zum Leidwesen der Seminarteilnehmer.

„Soft Skills“ gehoert aber gluecklicherweise nicht dazu, der Begriff wurde mir 2 Wochen lang von Amis um die Ohren gehauen :smile:

Bei Soft Skills ist es nun tatsächlich so, dass der Begriff so
schön handlich ist. Ich werde es auch so machen, dass der
Begriff fällt, werde es aber im Text vielleicht mit
„Schlüsselfertigkeiten“ wiedergeben. „Sozialkompetenz“ (siehe
den anderen Beitrag) trifft es eben nicht so genau - und
außerdem ist es ja nur ein anderes Fremdwort.

Schluesselfertigkeiten sind aber im Allgemeinen was ganz anderes als Soft Skills! Ein guter deutscher Begriff faellt mir aber auch nicht ein…

(Und ausserdem hab ich gerade gelernt, das es Soft Skills garnicht gibt, das sind nur Skills, die noch nicht gruendlich analysiert und auf die Hard Skills zurueckgefuehrt wurden :wink:) )

Gruss, Lutz

Hi Lilly,

wie wär´s mit „das kleine Einmaleins des soundso-Berufes“
oder mit „Basis-Wissen“ (lateinische Wörter sind ja bei uns hoffähig)
oder mit „Grund-Standard“
oder mit „Allgemein-Fähigkeiten“
oder einfach „Unterlage“?

Das ist zwar alles nicht der große Knaller aber vielleicht beflügelt´s ja etwas deine Fantasie.

Gruß
Pat

Hallo Lutz,

gute Idee: Soft Skills gibt es gar nicht. Also spare ich mir jetzt die ganze Arbeit und gehe lieber in die Sonne *grins*

Natürlich nicht ganz ernst gemeint.
Nur versteht man im Trainingsbereich „Die Vermittlung von Wissen um den Umgang mit Menschen und Entscheidungen“, insgesamt nicht zählbare und messbare Fertigkeiten.

Und stimmt: Das ist tatsächlich kein Pseudo-Anglizismus, sondern wird ganz gängig in Amerika benutzt zur Abgrenzung der Hard-Fact-Trainings (bei denen man mit multiple-choice abfragen könnte).

Ich hätte trotzdem gerne einen deutschen Begriff, und sei es auch nur aus dem bescheidenen Bestreben heraus, überhaupt einmal darüber nachzudenken.

Schlüsselfertigkeiten ist sicher nicht die beste Lösung, zumal Schlüssel inzwischen auch schon wieder mit anderen Konnotationen besetzt ist.
Vielleicht fällt mir ja selbst noch was Besseres ein.

Grüße von
Lilly

Holla

gute Idee: Soft Skills gibt es gar nicht. Also spare ich mir
jetzt die ganze Arbeit und gehe lieber in die Sonne *grins*

Hihi, jaaa, manchmal hab ich gute Ideen :wink:

Nur versteht man im Trainingsbereich „Die Vermittlung von
Wissen um den Umgang mit Menschen und Entscheidungen“,
insgesamt nicht zählbare und messbare Fertigkeiten.

Aber auch diese kann man teilweise auf grundlegende Faehigkeiten zurueckfuehren; … und messbar? Was willst du messen?

Und stimmt: Das ist tatsächlich kein Pseudo-Anglizismus,
sondern wird ganz gängig in Amerika benutzt zur Abgrenzung der
Hard-Fact-Trainings (bei denen man mit multiple-choice
abfragen könnte).

Ich stell gerade unser Training um, kein einziger „Wertungstest“ mehr, und kein Abfrage-/Ankreuztest mehr (keine Ahnung, ob ich das wirklich so durchziehen kann).

Die Grundidee ist folgende, es gibt gewisse Anforderungen an einen Job/Task, die erfuellt werden muessen, schafft der Trainee das, ist es OK, wenn nicht, dann nicht. Keine Noten. Nur ein Erfuellt/Nicht Erfuellt.
Meine Chefs wuerden zwar gerne Noten fuer Leistungsbewertungen haben, aber das halte ich fuer Unsinn (und hab sie auch fast ueberzeugt :smile: ).
In allen Skill Checks muessen sie genau das tun, was sie im Job tun muessen, und nur das wird ueberprueft. Das grosse Problem ist natuerlich, die Aufgaben so genau zu definieren und in grundlegende Faehigkeiten aufzuteilen, das man sie gezielt ueberpruefen kann. Und das geht auch mit Soft Skills. Denn sonst waere ein Ueberpruefung ja garnicht moeglich, der Pruefer tut das ja unbewusst auch, wenn er z.B. Mitarbeiterfuehrung bewertet.
(Und ohne Analyse besteht die grosse Gefahr, das jeder etwas anderes unter einem bestimmten Soft Skill versteht.)

Hm, ein passendes Wort weiss ich immer noch nicht.
Und mit Sprache hat mein Geschreibsel auch nix mehr zu tun…
Ich hoer dann mal lieber auf :wink:

Gruss, Lutz

Hallo.

suche ich nach einer passenden Wiedergabe für den Begriff
„Soft Skills“.

Schlüsselkompetenz.

Gruß kw

Beispiel: Zeitmanagement, Arbeitsorganisation, Kommunikation -
schriftlich und mündlich -, Konfliktbewältigung etc.

[…]

Nachdem ich mich aber innerlich gegen die Veramerikanisierung
unserer Sprache sträube, möchte ich gerne einen passenden,
wohlklingenden deutschen Ausdruck verwenden

kannst auch gleich nachdenken, ob es für

  • zeitmanagement
  • arbeitsorganisation
  • kommunikation
  • konfliktbewältigung

wohlklingende deutsche ausdrücke gibt!

vielleicht diese:

  • zeitlich günstige unternehmensleitung?
  • geordnete arbeitseinteilung?
  • nachrichtenaustausch?
  • meinungsverschiedenheitsbereinigung?

irgendwie erinnert mich das an die abspänne gewisser deutscher filme, wo statt regisseur „spielleiter“ und sowas steht.

Schlüsselkompetenz.

kompetenz ist latein.

Sach bloß! o.T.

kompetenz ist latein.

Ach nee?

kannst auch gleich nachdenken, ob es für

  • zeitmanagement
  • arbeitsorganisation
  • kommunikation
  • konfliktbewältigung

wohlklingende deutsche ausdrücke gibt!

Nee, kann ich nicht, weil die ja nichts mit Amerikanisierung zu tun haben.

Lilly

Wie wäre es mit …
Hallo Lilly,

wie wäre es mit „Fähigkeiten und Fertigkeiten“. So zumindest lese ich es immer wieder in Bewerbungen von Leuten jenseits der 35. Ich selbst halte es auch für treffend.

Liebe Grüße

Otto

kompetenz ist latein.

Ach nee?

Ja eben! sofort AUSMERRRRZEN!

was ist eigentlich euer spezielles problem mit fremdwörtern?

Nee, kann ich nicht, weil die ja nichts mit Amerikanisierung
zu tun haben.

was genau ist der unterschied zwischen

  • englischen wörtern im businessbereich, computer, und technik
  • lateinisch-griechischen in der wissenschaft
  • französischen in der diplomatie, schriftverkehr, kochkunst und mode
  • italienischen in der klassischen musik

usw?

diese wörter garantieren reibungslosen internationalen austausch. oder wäre es besser, wissenschaft, kunst und geschäft blieben ausschließlich innerhalb der deutschen sprachgrenze?

Ja eben! sofort AUSMERRRRZEN!

Wegen der Orrtnunck? —> ich dachte, so schreibt bzw. spricht keiner mehr E8-o

was ist eigentlich euer spezielles problem mit fremdwörtern?

Ist weniger auf Fremdwörter zurückzuführen, als auf das pseudo-englische Blabla, das viele von uns nervt. Gegen Fremdwörter, wenn sie vernünftig sind (wobei man sich darüber sicher trefflich streiten kann), haben die wenigsten etwas. But der Mix von English und German Wörtern goes uns very viel on die nerves, verstehst you mich?

Gruß kw

Anmerkung
Hallo Lehitraot,

eigentlich hat hier niemand etwas gegen Fremdwörter generell gepostet, sondern nur gegen die Auswüchse, die mit dem Begriff „Denglisch“ gemeint sind. Warum muss für altbekannte Sachen denn auf Teufel komm raus ein „chices und trendy“ englisches Wort übernommen werden?

Kennst du diesen Text:
„Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“

Das sagte so wortwörtlich die bekannte deutsche Modeschöpferin Jil Sander.
Findest du das gut???

Und genau so verhält es sich mit dem Begriff „soft skills“. Der ist auch im Englischen ein wischi-waschi-Wort, in das jeder reininterpretieren kann, was er möchte.

Warum nicht: „soziale Kompetenzen“??? Sagt genau so viel oder wenig aus wie die „weichen Fertigkeiten“…

Gruß
Uschi

Oh yes! I versteh you completely :wink: (o.w.T.)
really and wirklich :wink: