Umgang mit Sprache

Liebe Deutsche-Sprache-User,
nachdem das Thema hier immer wieder als „Untertitel“"-beiträge" oder soll ich sagen „Under-threads“ (?) diskutiert wird: Wer was im Netz wie auch immer schreibt, ist mir ziemlich egal. Und das sage ich, obwohl das nicht stimmt. Denn ich bin ein Mensch, dem die Schriftsprache, genauer: die geschriebene Sprache (denn ersteres klingt auch schon wieder verwässert) sehr wichtig ist, weil sie für mich ein besonderes Ausdrucksmittel darstellt, das sich in seiner höchsten Form Literatur nennt - also Sprache ist für mich auch Kunst. Der Umgang mit Sprache scheint im Allgemeinen Vielen nicht mehr von Bedeutung zu sein. Mir schon. Von der Chat-Sprache mag ich ja schon gar nicht reden, das ist eine eigene Welt. Die Anfragen hier in den Bretter strotzen nur von Fehlern - sowohl grammatikalisch als auch orthographisch und eben besonders: sprachlich… nunja.
Nur: Was offensichtlich mehr und mehr in Vergessenheit gerät, ist, dass egal ob Groß- oder Kleinschreibung, das Setzen von Kommata und anderen Satzzeichen, das (Be-)Nutzen von Fremdwörtern etc. in einem Text, einer Anfrage, einem „Thread“ schon eine Aussage für sich ist (von den Höflichkeitsregeln wie Anrede und Schlussformel mal abgesehen…), d.h. dass Sprache nicht mehr im Sinne von „Formulieren“ benutzt wird - und das betrifft besonders dieses Brett, das sich „Deutsche Sprache“ nennt. Das finde ich schade, weil Sprache ein Geschenk der Götter ist (das meine ich völlig unreligiös)…
Und jetzt warte ich auf alle Lehrer, die mir sagen, wie viele Rechtschreib- oder sonstige Fehler ich hier mit diesem Beitrag gemacht habe… :smile:)
Mir geht es darum: Was bedeutet Euch der eigene Umgang mit (Schrift-)Sprache?
Mir viel.
Anja

Hallo, Anja,

nachdem das Thema hier immer wieder als
„Untertitel“"-beiträge" oder soll ich sagen „Under-threads“
(?) diskutiert wird: Wer was im Netz wie auch immer schreibt,
ist mir ziemlich egal.

Richtiger müsste es wohl heißen: Den meisten Zeitgenossen, die im Netz ‚was auch immer‘ schreiben, ist es ziemlich egal, wie sie es schreiben - das ist zumindest der Eindruck, den ich insbesondere dann gewinne, wenn ich mich in einem beliebigen der sog. Meinungsforen umtue, alldieweil das funktionelle Analphabetentum gerade dort sehr fröhliche Urständ’ zu feiern scheint (ja, das ist polemisch gemeint - aber es ist eben nicht nur polemisch gemeint).

Und das sage ich, obwohl das nicht
stimmt. Denn ich bin ein Mensch, dem die Schriftsprache,
genauer: die geschriebene Sprache (denn ersteres klingt auch
schon wieder verwässert) sehr wichtig ist, weil sie für mich
ein besonderes Ausdrucksmittel darstellt, das sich in seiner
höchsten Form Literatur nennt - also Sprache ist für mich auch
Kunst. Der Umgang mit Sprache scheint im Allgemeinen Vielen
nicht mehr von Bedeutung zu sein.

Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr entsetzt: die blanke Unkenntnis grundlegender Konventionen, die in den Beiträgen von Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller ihren Niederschlag findet - oder die Schludrigkeit, mit der ausgerechnet jene Damen und Herren zu Werke gehen, die’s … nein - ich schreibe jetzt nicht ‚die’s besser wissen müssten‘, sondern schreibe lieber ‚die dafür bezahlt werden, dass sie’s doch eigentlich besser wissen sollten‘. Will sagen: Herrn und Frau Deutschmichel kann ich eine gewisse Nachlässigkeit im Umgang mit Fragen der Orthographie und Zeichensetzung noch nachsehen - schlimm aber finde ich Möchtegern-Journalisten, die nicht nur zu faul dazu sind, öfter mal zum ‚Duden‘ zu greifen, sondern dazu offensichtlich noch nicht einmal eine Notwendigkeit sehen: ‚Psychatrie‘ (las ich kürzlich wiederholt in der Online-Ausgabe der ‚Rheinische Post‘, die ohnehin eine sehr ergiebige Fundgrube für sprachliche Nachlässigkeiten aller Art ist), ‚Triologie‘, ‚Endgeld‘ - das alles ist Unfug, den ich ohnehin schon nicht gern lese; aber jemandem, der fürs Schreiben bezahlt wird, sollte sich dabei doch eigentlich die Feder krümmen.

Mir schon. Von der
Chat-Sprache mag ich ja schon gar nicht reden, das ist eine
eigene Welt. Die Anfragen hier in den Bretter strotzen nur von
Fehlern - sowohl grammatikalisch als auch orthographisch und
eben besonders: sprachlich… nunja.

So sehr ich das Internet auch schätzen mag, leistet es doch, so mein Eindruck, der Sprachschluderei ganz immens Vorschub: Das Schleifen der Flexionsendungen von Wörtern im Akkusativ ist sicherlich nur eines der Phänomene, die in diesen Tagen stark auf dem Vormarsch (‚Ich habe ein Hund‘, ‚Ich bastele ein Strohstern‘) sind. Generell gewinne ich den Eindruck, dass die Schriftsprache in weiten Teilen der Bevölkerung bereits zu einer Art besseren ‚Lautschrift‘ verkommen ist (oder war das schon immer so - und ich nehme das dank des ‚Massenopublikationsmittels‘ Internet nur deutlicher wahr … ?) Früher durfte man in solchen Fällen noch anmerken, ein Beitrag sei einem gar zu umgangssprichlich abgefasst - heute jedoch wird der Sinn einer solchen Anmerkung oft nicht einmal mehr verstanden; m.a.W.: Sätze der Art ‚Ja hallo ich dachte mir ich schreibe heute mal euch einen Bericht über was ich neulich in Kino gesehen hab ein Film den fand ich toll und zwar der neue Disny‘ werden zuweilen mit der größten Selbstverständlichkeit als gute Praxis, zumindest aber als vollkommen akzeptabler ‚Standard‘ erachtet (von Schreibenden - und oft genug auch vom Lesenden).

Nur: Was offensichtlich mehr und mehr in Vergessenheit gerät,
ist, dass egal ob Groß- oder Kleinschreibung, das Setzen von
Kommata und anderen Satzzeichen, das (Be-)Nutzen von
Fremdwörtern etc. in einem Text, einer Anfrage, einem „Thread“
schon eine Aussage für sich ist (von den Höflichkeitsregeln
wie Anrede und Schlussformel mal abgesehen…), d.h. dass
Sprache nicht mehr im Sinne von „Formulieren“ benutzt wird -

Das setzte ein gewisses Maß an Kunstfertigkeit voraus (noch so ein ‚Favorit‘ von mir: ‚im Vorraus‘ - da gilt auch keine ‚Rechtschreibreform‘ als Ausrede) und vor allem auch an Sorgfalt. Das wiederum setzte natürlich voraus, dass wer sich Zeit nähme - und sich Zeit für das Abfassen einer vermittels des ‚schnellen‘ Mediums Internet zu transportierenden Botschaft zu nehmen (sei es per Mail, Posting oder Chat-Zeile) scheint für viele Zeitgenossen eine contradictio in adiecto zu sein.

Nicht zuletzt zeugt ein offensichtlich gut durchdachter und vernünftig strukturierter Text, bei dessen Abfassung zudem die grundsätzlichen Regeln von Rechtschreibung und Zeichensetzung beherzigt wurden, in meinen Augen auch immer davon, dass der Autor seinem Leser mit dem gebührenden Respekt begegnet - wer mit der gebührenden Sorgfalt zu Werke geht, dessen Text bietet dann auch zwischen den Zeilen noch etwas zu lesen: ‚Hallo, geschätzter und hoffentlich geneigter Leser - ich danke dir dafür, dass du dir Zeit für meinen Text nimmst; und auf dass ich nicht zuviel deiner gewiss kostbaren Zeit beanspruche, habe ich mir Mühe gegeben, dir den Umgang mit meinem Text so einfach wie möglich zu machen.‘

und das betrifft besonders dieses Brett, das sich „Deutsche
Sprache“ nennt. Das finde ich schade, weil Sprache ein
Geschenk der Götter ist (das meine ich völlig unreligiös)…
Und jetzt warte ich auf alle Lehrer, die mir sagen, wie viele
Rechtschreib- oder sonstige Fehler ich hier mit diesem Beitrag
gemacht habe… :smile:)
Mir geht es darum: Was bedeutet Euch der eigene Umgang mit
(Schrift-)Sprache?

Eine ganze Menge - und zwar gleichermaßen in meiner Eigenschaft als Rezipient wie auch als Produzent schriftsprachlicher Texte. M.a.W.: Ich bin so gut wie nie ohne Buch und/oder Zeitschrift anzutreffen - und bei amazon (nicht nur ‚.de‘) bin ich Dauerkunde. Und Schreiben - ja, auch das gehört für mich zum Leben einfach dazu, und ich tue es oft und gern.

Mir viel.
Anja

Beste Grüße sendet
Frank ‚Language was my first love‘ S.

Hoi

meine Grundeinstellung ist, solange ich es verstehen kann sind mir Fehler relativ egal. Was nutzt mir die perfekte Rechtschreibung wenn ich inhaltlich nur Muell verzapfe.
Ich stimme aber Frank_S insofern zu, dass ich mich über Personen die Schreiben als Werkzeug ihres Broterwerbs beherschen sollten, damit aber schluderig umgehen, aergern.

Ich glaube aber nicht, das die Gründe für den Verfall der Rechtschreibung (wenn es ihn überhaupt gibt) im Internet zu suchen sind, eher im Gegenteil. Durch das Internet wird einfach sehr vielen Leuten die Moeglichkeit gegeben Texte zu publizieren. Ich meine mich auch zu erinnern das gerade Jugendliche und Kinder duch das Internet wieder mehr schreiben als vorher.
Ausserdem benutzt man heutzutage einfach haeufiger das Medium Schrift als man es frueher benutzt hat. Messageboards, Foren usw. hat es frueher nicht gegeben, die einzige Texte die man gelesen hat waren eben Buecher und Zeitschriften.
Ob man nun aber ein Zunahme der Veroeffentlichungen durch „ungeschultes“ Personal als Indiz für einen Verfall der Rechtschreibung und Grammatik sehen kann, weiss ich nicht, früher hat es auch genuegend Leute gegeben die beides nicht gut beherscht haben, nur hat man von denen eben nichts gelesen.

Ich selbst beherrsche die deutsche Grammatik und Rechtschreibung aus dem Bauch heraus, will sagen ich kann bei vielen Sachen sagen das sie falsch sind, koennte es aber nur sehr selten anhand von Regeln belegen (ein Grund weshalb ich dieses Forum regelmaessig lese, ich hoffe irgendetwas bleibt haengen :smile:).

Interessanterweise gibt es für viele Leute ganz spezielle Bereich in der Grammtik oder Rechtschreibung die man sehr gut kann, und deren Verletzung einem ins Auge stechen. Bei mir sind es zum Beispiel die Imperative, sprich, wirf, lies usw.
Ich muss die in meiner Schulzeit wohl mal so intensiv gelernt haben das es mir heute noch in den Ohren klingelt wenn man sie missbraeuchlich benutzt.

cu Ado-

ps
gehört eine vernuenftige Formatierung eigentlich auch zur Grammatik oder Rechtschreibung? Dein Text war naemlich relativ schlecht zu lesen :smile:

Mittel zum Zweck.
Hi,

für mich ist Sprache Mittel zum Zweck.
Mein Anspruch ist stets gut verstanden zu werden.
Dabei versuche ich mich jeweils nach den Bedürfnissen und Ansprüchen meiner Adressaten zu richten.
Folglich setze ich mich auch gerne über Rechtschreibregeln hinweg, was mir aber noch kein Adressat angekreidet hat.
Das scharfe S habe ich bei mir bereits erfolgreich ausgerottet, und über den Sinn von Umlauten denke ich schon länger nach.
Gruss,

die Rheinische Post
Hallo Frank,

in der Online-Ausgabe der ‚Rheinische Post‘, die ohnehin eine
sehr ergiebige Fundgrube für sprachliche Nachlässigkeiten

leider fehlt mir für eine ausführliche Antwort auf den Ursprungsartikel im Augenblick die Zeit, daher greife ich ich nur die vorstehende Aussage auf, ergänze das um „nicht nur die Onlineausgabe“ und verweise abschließend auf einen Artikel vom 19.11.:
http://home.arcor.de/berger.chris/rp.jpg

Gruß,
Christian

ja eigentlich

Aber erst einmal einen schönen guten Tag liebe Anja,

also eigentlich ist mir die Sprache sehr wichtig, allerdings hab ich damit, speziell mit der geschriebenen Variante, so meine Probleme. Grammatik war und ist mir ein Mysterium und Satzzeichen setze ich nach Gefühl (das sehr trügen kann :wink:.
Was die Rechtschreibung betrifft, hab ich meinen Deutschlehrer stets zur Verzweiflung gebracht und bei genauem Lesen findest Du sicher auch ettliche Fehler in diesem Artikel.

Trotzdem versuche ich, auch bei gesprochener Sprache, einigermaßen ordentlich zu formulieren und versuche es ganz besonders, meinen Jungs beizubringen. Allerdings ist der Erfolg nicht gerade überwältigend, was allerdings bei mir (meine Eltern versuchten auch mir ‚gutes Deutsch‘ beizubringen) in diesem Alter (die Jungs sind 4 und 6 Jahre alt) auch nicht sonderlich fruchtbar war. Schauen wir mal, was daraus wird.

Ein weiterer Punkt den du angesprochen hast, die Sprachhuddelei der ‚Profis‘ geht mir auch sehr auf den Geist. Nicht, daß ich alle Fehler sehe, aber die, die ich sehe reichen mir völlig. Dazu krude Formulierungen - übel.
Das ist aber nun nur die formale Seite. Inhaltlich sieht es häufig nicht besser aus, eher im Gegenteil, aber das ist ein anderes Thema.

Daß das Internet zur Sprachverschlechterung beiträgt, möchte ich so nicht unterschreiben, im ‚echten‘ Leben hab ich genauso haarsträubende Sachen gelesen/gehört.
Speziell bei Menschen, denen man es eigentlich zutrauen sollte (von wegen guter formaler Bildung), bin ich regelmäßig erschüttert, was die zustande bringen. Forschungsberichte, die vor formalen und inhaltlichen Fehlern nur so strotzen, Formulierungen, die einfach nur peinlich sind etc.
Aber das ist weder eine Sache des Internet, noch ein modernes Problem. Ältere Berichte (ca. 25 - 35 Jahre) sehen nicht viel besser aus.

Aber auch schon Herder und Kloppstock haben den Unterggang der deutschen Sprache vorhergesagt und es soll Keilschriften geben, die dieses Thema behandeln. Neu scheint das Problem also nicht zu sein :wink:

Gandalf

Was liegt auf der Treppe und lügt? Die RP!
Hallo, Christian,

leider fehlt mir für eine ausführliche Antwort auf den
Ursprungsartikel im Augenblick die Zeit, daher greife ich ich
nur die vorstehende Aussage auf, ergänze das um „nicht nur die
Onlineausgabe“

wohl wahr, wohl wahr!

und verweise abschließend auf einen Artikel vom
19.11.:
http://home.arcor.de/berger.chris/rp.jpg

In der Tat ein schönes Beispiel für die schnöde Missachtung, die das Gut Sprache bei den meisten der Damen und Herren bei der RP erfährt. Ganz abgesehen von solchen ‚knapp-vorbei-ist-auch-daneben‘-Tippfehlern, die einer Tageszeitung, die auf sich hält, zumindest nicht in dem hier vorliegenden Ausmaß unterlaufen sollten, erfreue ich mich in unregelmäßigen Abständen (ich les’ das Blatt nur dann, wenn ich kein Geld dafür bezahlen muss) immer wieder auch an den kalauernden, selbstverliebt wirkenden und oft genug schlicht rätselhaften Schlagzeilen der RP. Und an Langtexten, in denen einem immer und immer wieder unbeholfene wirkende Syntax mit falschen Bezügen (‚Angefüllt mit Wein, überreiche ich Ihnen diesen Pokal‘ nenne ich das immer) und manch anderer Patzer begegnet, der davon zeugt, dass ein gutes Gefühl für den Umgang mit Sprache bei der RP seit mindestens 10-15 Jahren schon nicht mehr zu den Einstellungsvoraussetzungen zu gehören scheint.

Mit besten Grüßen,
Frank_S

Sparmaßnahmen
Hallo Christian, hallo Frank,

solche Stilblüten kommen unter anderem auch daher, weil die Herausgeber der Zeitungen immer mehr die Korrektoren einsparen.

Mein Schwiegervater hat als ein solcher gearbeitet und immer wieder von Klamotten erzählt, die ihm aus den Redaktionen frisch auf den Tisch geliefert wurden. Von Lustig bis lausig.

Gandalf

Hi

Das scharfe S habe ich bei mir bereits erfolgreich
ausgerottet, und über den Sinn von Umlauten denke ich schon
länger nach.

Haha, „erfolgreich“, der war nich schlecht… :smile:))
Sag mir bitte Bescheid, wenn du auch die anderen ‚sinnlosen‘ Buchstaben, wie das v, j, ä, q, z, x und das y (wahlweise natürlich auch Dehnungs-e und -h), ausgerottet hast, okay?
Über die Umlaute musst du dir nicht den Kopf zermartern. Es gibt einfach zu viele gute Gründe, die für die lieben kleinen Pünktchen sprechen.

  • André

Was stört dich denn wirklich? owt

Das hätte ich eigentlich dich fragen müssen.

Naja, also du sagtest, dass du das ß verbannt hast - und was bringt das? Ist die deutsche Sprache dadurch einfacher geworden? Nein. Eher noch zweideutiger (siehe „Er trinkt Bier in Maßen/Massen.“, es gibt noch mehr Beispiele dieser Art, mir fällt aber nur dies eine ein).
Und was meintest du mit dem Sinn der Umlaute? Es ist doch wohl mehr als eindeutig, dass Umlaute sinnvoll in der deutschen Sprache sind. Zugegeben, ein „ä“ wird oft genau wie’s „e“ gesprochen, aber was ist mit „ö“ und „ü“? Außerdem, wie schrübest du den Konjunktiv von „sehen“ oder den Plural von „Buch“ ohne Umlaute?

Deswegen auch mein Einwurf von den anderen ‚sinnlosen‘ Buchstaben. „V“ brauch’mer nich, mer ham ja „w“ und „f“; „qu“ geht als „kw“ durch, „x“ als „ks“ und „z“ als „ts“… im Prinzip könnten wir ja alles auf nur ein Dutzend Konsonanten reduzieren. Sprachen funktionieren jedoch nicht so.

Und um die Ausgangsfrage wieder aufzunehmen (und sie meinen Kommentar bitte nicht als bösartig oder abschätzig an): Was stört dich denn an äöüß?

  • André

P.S.: Kleiner Hinweis in eigener Sache: Ich bin zwar nicht wirklich stolz, ein Deutscher zu sein (ich bin’s halt einfach), ABER ich bin stolz darauf, die einzige Sprache der Welt zu sprechen, die den Buchstaben ß enthält (und eine von 2 Sprachen, die Substantive großschreibt).

2 „Gefällt mir“

Kommunikationsplattform o. literarisches Kunstwerk
Halli liebe Anja, (Achtung lang, sehr lang)

Sprache drückt für mich sehr viel vom Inneren eines Menschen aus und wenn ich schreibe, dann ist dies ein Teil von mir, ein Teil meiner Stimmung, ein Teil dessen, was ich gerade bin oder wie ich mich fühle.

Aber ich würde gerne im Folgenden deine Frage etwas aus einem anderen Blickwinkel beantworten:

Wenn es hier von Rechtschreibfehlern in einem Thread wimmelt, vermute ich meist (wenn ich denn darüber nachdenke), dass der Mensch in Eile war oder sehr aufgeregt. Oder jemand beherrscht die deutsche Sprache eben wirklich nicht so gut - was ihm ja dennoch das Recht gibt, hier einen Beitrag zu leisten. Oder er ist kein geübter Keyboard-Nutzer…

Wenn ich alles in Großschreibung sehe, so denke ich mir manchmal, da will jemand auffallen oder er hat die Taste in der Eile zum Arretieren der Großschreibung gedrückt…

Bei Kleinschreibung mag es vielleicht an Faulheit liegen…

…wie auch immer. Ich finde Schreiben kann (muss aber nicht!) viel über einen Menschen und seine jetzige Stimmungslage aussagen.

Aber ob ich deswegen über diesen Menschen urteilen darf? Vielleicht liege ich mit all dem oben Genannten falsch (!) und der User war weder in Eile noch unkonzentriert noch… und daher frage ich mich, ob mir so ein kurzer Ausschnitt, wie ein Thread in diesem Brett, es mir überhaupt erlaubt, zu beurteilen, ob dieser Mensch die Sprache nicht beherrscht oder sie schlicht missachtet, unkonzentriert oder faul war oder etc.

Ich kann nicht sagen, dass es mich nicht stört, wenn mir Fehler auffallen oder ich eine typische Form der mündlichen Umgangssprache lese - aber ich bin hier in einem Internetforum und nicht in einem Gespräch mit Freunden, in einem Literaturkreis oder vertieft in ein gutes Buch.

Hier treffen verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und unterschiedlichem Wissen aufeinander und dies in unterschiedlichen Situationen. Und mit dieser Einstellung begebe ich mich in dieses Forum und daher erwarte ich auch keinen hochglänzenden Umgang mit der Sprache.

Die Anfragen hier in den Bretter strotzen nur von Fehlern - sowohl
grammatikalisch als auch orthographisch und eben besonders:
sprachlich… nunja.

Wir sehen nur das Geschriebene und im seltensten Falle kennen wir diesen Menschen. Vielleicht ist die Art, wie er schreibt ein Stück dessen, was er ist - aber vielleicht ist all das auch ein Ausdruck dessen, was er nicht ist…seines Unvermögens. Das weiß ich aber alles nicht.

Dieses Brett ist kein literarisches Kunstwerk, auch wenn ich in manchen Antworten hin und wieder einen Stern entdecke, ist dies trotz allem eine Art Newsgroup, also eine Informationsplattform.

was mehr und mehr in Vergessenheit gerät ist, dass ein Text,
eine Anfrage, ein „Thread“ schon eine Aussage für
sich ist

Hier suchen Menschen Antworten und das steht meist mehr im Vordergrund als das Wie des Ausdrucks.

Hier möchten Menschen Hilfe, und das möglichst schnell und möglichst vielfältig… Eile, Hast, Unkonzentration, Wut, Verzweiflung, Freude - das alles findest sich unterschwellig in den Brettern. Aber das ist Interpretation, so lange ich nicht frage, kann ich es nicht mit Gewissheit behaupten.

Dieses Forum ist in vielerlei Hinsicht und für viele schlicht unpersönlich. Man schreibt einfach darauf los, ohne zu wissen, wer es jemals liest, wie der Leser dies empfindet.

Der Umgang mit Sprache scheint im Allgemeinen Vielen nicht mehr von
Bedeutung zu sein. Mir schon.

Ich denke, man kann vielen Usern nicht Böswilligkeit unterstellen, wenn sie eben keinen Wert darauf legen, wie sie sich ausdrücken oder ob sie ihren Thread noch einmal nach Fehlern durchforsten, denn - typisch für das Medium Internet - man ist in Eile, man denkt vielleicht nicht einmal daran, dass man mit dem Geschriebenen auch eine Visitenkarte von sich gibt. (Vielleicht muss man das als Leser einer Frage manches Mal bedenken).

Daher wird dieses Brett wie alle anderen immer von Fehlern, verschiedenen Sprachstilen und verschiedenen Menschen geprägt sein. Und das ist gut so.

Aber ich finde auch, dass man doch bedenken sollte, ob man schreibt, liest, fragt oder antwortet: auf der anderen Seite sitzt auch ein Mensch - und dementsprechend sollte ich mich verhalten. Ich kann das, was ich von mir fordere, versuchen einzuhalten - für den anderen können meine Forderungen aber schon eine Überforderung sein.

Ich habe hier nur die Buchstaben, mein Gegenüber füllt sie mit Leben. Automatisch, ob ich es will oder nicht - und hier liegt die Gefahr des Missverstanden-Werdens.

Aber vielleicht ist es manchmal einfach besser nicht so viel darüber nachzudenken, was der User für ein Problem oder Nicht-Problem mit der Sprache hat, sondern einfach das sehen, was sein Thread ist: nämlich meist eine Frage in der Hoffnung auf Antwort und kein literarisches Kunstwerk.

Und wenn mein „Halli“ aufgrund der i-Endung als Verrohung des Sprachgebrauchs interpretiert wird, ist dies für mich der beste Beweis, dass man mich als Person nicht kennt. Denn das ist genau das Gegenteil von dem, was für mich mein Halli ausdrückt :smile: Nämlich ein fröhliches Hallo.

Liebe Grüße von Corinne

P.S. Überall steht man unter Druck richtig und korrekt zu schreiben, wenn man etwas will…aber ist es nicht auch manchmal schön, in seiner Emotion einfach darauf los schreiben zu können, wenn man Hilfe möchte - ohne vorher zu überlegen, wie man schreibt? Ansonsten sollte man hier wohl auch eine Rechtschreibprüfung einführen :smile: würde mir machmal helfen :smile:

Liebe Anja,

noch ergänzend, um jeder Missinterpreation vorzubeugen :smile: das ist das, was ich manchmal so allgemein bei Antworten von anderen Usern denke oder über mich, wenn ich mal wieder spekulierend denke, „da war mal wieder jemand in Eile“ - mein Thread soll dir nichts unterstellen.

Liebe Grüße von Kim

Moin Corinne,

Sprache drückt für mich sehr viel vom Inneren eines Menschen
aus und wenn ich schreibe, dann ist dies ein Teil von mir, ein
Teil meiner Stimmung, ein Teil dessen, was ich gerade bin oder
wie ich mich fühle.

Und das ist ja das schöne an Sprache: dass sie es kann.

Aber ob ich deswegen über diesen Menschen urteilen darf?

Sollte mein Thread ein „Urteilen“ ausdrücken, wimmelt er von Ausdrucksfehlern. So war das nicht gemeint… Mein Interesse bezieht sich ganz allgemein auf den Umgang mit Sprache - ausgelöst durch die laxe Handhabung der Sprachmittel, zu der eben auch Rechtschreibung gehört.

Vielleicht liege ich mit all dem oben Genannten falsch (!) und
der User war weder in Eile noch unkonzentriert noch…

Wenn ich eine ernsthafte Frage habe und eine ernsthafte Antwort erwarte, muss ich mir Zeit nehmen und mich konzentrieren. Ich habe seit Tagen eine Frage für das Psychologie-Brett im Kopf, sie aber noch nicht gestellt, da ich dafür noch nicht die richtige Ruhe hatte…

daher frage ich mich, ob mir so ein kurzer Ausschnitt, wie ein
Thread in diesem Brett, es mir überhaupt erlaubt, zu
beurteilen, ob dieser Mensch die Sprache nicht beherrscht oder
sie schlicht missachtet, unkonzentriert oder faul war oder
etc.

Die von Dir genannten Gründe zeigen mir dennoch, dass Sprache keine Bedeutung beigemessen wird - und ich merke sehr wohl, ob jemand des Deutschen als (Fremd-)Sprache nicht mächtig ist. Da habe ich eher Hochachtung, sich hier dennoch einzumischen…

Ich kann nicht sagen, dass es mich nicht stört, wenn mir
Fehler auffallen oder ich eine typische Form der mündlichen
Umgangssprache lese

Gegen Umgangssprache ist nichts einzuwenden - aber auch Umgangssprache unterliegt gewissen Regeln. Gerade wenn ich „neckisch“ oder „lustig“ oder „ironisch“ antworte, benutze ich selbst lieber die Umgangssprache.

Hier treffen verschiedene Menschen mit unterschiedlichen
Fähigkeiten und unterschiedlichem Wissen aufeinander und dies
in unterschiedlichen Situationen.

Das macht den Besuch dieser Seite ja auch spannend…

Und mit dieser Einstellung
begebe ich mich in dieses Forum und daher erwarte ich auch
keinen hochglänzenden Umgang mit der Sprache.

„Hochglänzend“ - hier würde der Lehrer ein dickes „A“ an den Rand schreiben *lächel

Wir sehen nur das Geschriebene und im seltensten Falle kennen
wir diesen Menschen. Vielleicht ist die Art, wie er schreibt
ein Stück dessen, was er ist - aber vielleicht ist all das
auch ein Ausdruck dessen, was er nicht ist…seines
Unvermögens. Das weiß ich aber alles nicht.

Ich denke schon, dass trotz aller Anonymität, jeder User ein Stück Selbstdarstellung in seinem Auftritt hier betreibt und damit eine schlampige Schreibweise einen Teil seines Charakterbildes ausdrückt.

Dieses Brett ist kein literarisches Kunstwerk,

Das habe ich auch nie so gesehen. Ich erwarte keineswegs Lyrik, wenn jemand fragt, wie er seine Türen ablaugen kann. *g

Hier suchen Menschen Antworten und das steht meist mehr im
Vordergrund als das Wie des Ausdrucks.

Auch hier ist doch die Form zum besseren Verständnis einer Frage nicht ohne Bedeutung, oder?

Hier möchten Menschen Hilfe, und das möglichst schnell und
möglichst vielfältig…

Wenn erwartet wird, dass der andere sich um eine fundierte Antwort bemüht, ist die Forderung „möglichst schnell, vielfältig“ schon ein bisschen frech…

Dieses Forum ist in vielerlei Hinsicht und für viele schlicht
unpersönlich.

Ich treibe mich ja „aktiv“ erst seit Anfang November hier rum und finde das Forum mittlerweile sehr persönlich - auf den ersten Blick mag das nicht so aussehen.

Man schreibt einfach darauf los, ohne zu wissen,
wer es jemals liest, wie der Leser dies empfindet.

Das ist ja das, was ich so bedauerlich empfinde, dass niemand mehr darüber nachdenkt…

Ich denke, man kann vielen Usern nicht Böswilligkeit
unterstellen,

Das habe ich nicht und werde es auch nicht tun.

Daher wird dieses Brett wie alle anderen immer von Fehlern,
verschiedenen Sprachstilen und verschiedenen Menschen geprägt
sein. Und das ist gut so.

Keine Frage, s.o.

Ich habe hier nur die Buchstaben, mein Gegenüber füllt sie mit
Leben. Automatisch, ob ich es will oder nicht - und hier liegt
die Gefahr des Missverstanden-Werdens.

Ist es nicht die Sprache, die dazu genutzt werden kann, um eben nicht missverstanden zu werden?

Und wenn mein „Halli“ aufgrund der i-Endung als Verrohung des
Sprachgebrauchs interpretiert wird,

Ich empfinde Dein „Halli“ und Deine Person als sehr erfrischend…

Liebe Grüße zurück,
Anja

1 „Gefällt mir“

Hi,

ich finde deinen Beitrag richtig gut.

Sprache ist sicher etwas Wichtiges. Aber es ist dennoch wahr, dass man hier auf einer Internetplattform ist. Und fraglich, ob man in diesem Zusammenhang den großen Literaten findet. Daher denke ich, man darf das, was hier geschrieben wird, auch nicht zu streng bewerten - was Sprache und Rechtschreibung angeht.

Ich stimme dir zu, denn, wenn ich einen Beitrag schreibe, dann bin ich meist in Eile und mir fehlt die Zeit ihn nochmals zu lesen.

In meinem Beruf habe ich viel mit Sprache zu tun. Aber die Texte, die ich schreibe, sind Produkte für ein Publikum, das ich kenne und sie müssen bestimmten Ansprüchen genügen.

Hier komme ich her, um zu fragen, aber auch Hilfe zu geben. Da rückt die sprachliche Formulierung in den Hintergrund. Wichtig ist hier viel mehr eine gewisse Nettiquette. Viele, die hier einen Beitrag leisten, möchten gerade Hilfe in der deutschen Sprache und ich kann mir gut vorstellen, dass sie allgemein auch Probleme im Stil, in der Rechtschreibung usw. haben.

Hier ist Sprache meist ein Mittel zum Zweck. Nämlich um Antworten zu bekommen oder um Antworten zu geben. Im seltenen Fall geht es hier um Belustigung, literarische Ergüsse, sprachliche Bereicherung usw.

Das Internet ist ein schnelllebiges Medium. Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wenn man sich untereinander sprachlich erfreuen möchte, müsste man ein anderes Brett auftun, in dem es dann wirklich nur um den Ausdruck geht oder Sprache als eine Kunstform.

Cin

Stolz aufs ‚ß‘!?
Hallo, André,

P.S.: Kleiner Hinweis in eigener Sache: Ich bin zwar
nicht wirklich stolz, ein Deutscher zu sein (ich bin’s halt
einfach), ABER ich bin stolz darauf, die einzige Sprache der
Welt zu sprechen, die den Buchstaben ß enthält

Oha, lass’ das man besser nicht den deutschsprachigen Teil der Schweiz hören - daselbst kommen die Leut’ offensichtlich ganz wunderbar ohne das ‚ß‘ aus.

(und
eine von 2 Sprachen, die Substantive großschreibt).

Stolz darauf? Warum?

Mit besten Grüßen,
Frank_S

Hoi

Das Internet ist ein schnelllebiges Medium.

Dem kann ich so nicht zu stimmen, das Internet ist zwar ein schnelles aber auch ein dauerhaftes Medium. Ich glaube viele vergessen das man Veroeffentlichungen im Internet auch nach Jahren noch lesen kann, wie ja unter anderen die Diskussion um das w-w-w Archiv an andere Stelle durchaus unterstreicht.
Vieleicht solte man sich daher, und weil der schriftliche Ausdruck nicht ganz so nuanciert ist wie eine muendlicher, eher mehr Zeit für die Beantwortung von Fragen oder die Teilnahme an Diskussionen in diesem Forum nehmen.
Wobei ich nicht sagen will das die Qualitaet von Antworten mit dem Zeitaufwand zusammenhaengt :smile:

cu Ado

Sprache ist Kultur
Hallo Forum,

als beruflicher mündlicher Überlieferer empfinde ich Sprache an sich und die deutsche Sprache im Besonderen als einen Kulturträger.

Und damit kommen für mich auch schon die Schwierigkeiten: Die weiter unten im thread genannten Stilblüten aus Zeitungen, aber auch die immer häufigeren Amerikanismen im deutschen Sprachgebrauch bringen mich, gelinde gesagt, zum Würgen. So schön gutes Schrift- (und Sprach-)Deutsch auch ist, leider wird es immer seltener.

Ich habe einmal das seltene Glück gehabt, einem Dozenten an der FH WF lauschen zu können, der über Schuldnerberatung referierte, und erst am Ende des Vortrages fiel mir auf, was so ungewöhnlich an der Ausdrucksweise war: Nicht ein einziger Anglizismus/Amerikanismus wurde verwandt!

Andererseits kann ich es der Jugend heute auch nicht übelnehmen, dass sie in Schule und Ausbildung kaum noch einen Satz korrekt geradeaus formulieren können. Durch Modeerscheinungen wie ‚Kanak-Sprak‘ von Erkan und Stefan, Mundstuhl, etc., die in den Medien auch noch hochgejubelt werden, ist es schließlich (schul-)hoffähig geworden, die Sprache zu verballhornen. Junge Ausländer und Deutsche mit ausländischem Geburtsort sehen, dass es in den Medien cool geworden ist, deutsch radezubrechen, von Comedy über Talkshows gibt’s retardierte Sprache allenthalben, ich warte nur noch auf den Einzug in die Tagesschau…

Nach einer Tätigkeit an einer Grund- und Hauptschule und der Live-vor-Ort-Erfahrung mit deutsch zwar als Unterrichtssprache, russisch und türkisch aber als Schulhofsprachen, kann ich nur sagen: Armes Deutschland, mit deiner Sprache (und dem Umgang in den Medien damit) klappt eine Integration nie…

So, jetzt is mir wohler.

So long

MainBrain

Halli liebe Anja,

Aber ob ich deswegen über diesen Menschen urteilen darf?

Sollte mein Thread ein „Urteilen“ ausdrücken, wimmelt er von
Ausdrucksfehlern. So war das nicht gemeint…

Deswegen habe ich zu meinem ersten Thread eine Ergänzung geschrieben - du tust es nämlich nicht! Ich habe die Ergänzung geschrieben, weil ich mir auch schon dachte, dass - wenn man meinen Thread liest - man fast meinen könnte, ich würde dir das unterstellen wollen - möchte ich aber auf keinen Fall :smile: …du siehst, ein Beispiel meines Unvermögens mich auszudrücken :smile:

Es gibt hin und wieder User, die eben urteilen. Dazu gehöre ich auch - gerade dann, wenn ich mir Gedanken darüber mache, warum jemand so schreibt, wie er schreibt.

Auch wollte ich dir nicht unterstellen, dass du hier ein literarisches Kunstwerk erwartest. Nur wollte ich dies etwas überspitz ausdrücken: Dass eben zwischen Kunstwerk und Internetplattform eben genannte Unterschiede bestehen. Und es sicher viele Menschen gibt, die sich eben nicht so viele Gedanken machen, wenn sie etwas formulieren und hier ins Brett stellen. Ich glaube, man macht sich mehr Gedanken, wenn es mehr philosophischer Natur ist. (Man müsste jetzt mal die Threads so mit einander vergleichen :smile:

Du wirst sicher auch schon bemerkt haben, dass sich Leute, die diskutieren wollen, mmanchmal mehr Gedanken über Formulierungen machen als die, die eine schnelle Antwort möchten. Meist auch aus dem einfachen Grund, weil sie nicht in Eile sind. Und du wirst sicher auch schon gesehen habe, wenn jemand sauer auf einen Beitrag reagiert, dass der Beitrag manchmal nur so von Fehlern wimmelt.

Mein Interesse
bezieht sich ganz allgemein auf den Umgang mit Sprache -
ausgelöst durch die laxe Handhabung der Sprachmittel, zu der
eben auch Rechtschreibung gehört.

Das habe ich auch so verstanden. Daher habe ich auch gemeint, dass ich deinen Thread einmal aus einem anderen Blikwinkel beantworten möchte. Eben die Gelegenheit zu nutzen, einmal selbst darüber nachzudenken, wieso hier so geschrieben wird, wie es wird bzw. warum ich hier so schreibe. Hm, da habe ich deinen Thread jetzt einfach dazu missbraucht *schäm*

Wenn ich eine ernsthafte Frage habe und eine ernsthafte
Antwort erwarte, muss ich mir Zeit nehmen und mich
konzentrieren.

Diesen Anspruch hast du an dich (und viele User ebenso) - aber für manch anderen kann dieser Anspruch schon zu viel sein. Verstehst du, was ich meine? Ich abe diesen Anspruch an mich auch, aber ich erwische mich dabei, dass ich manchmal dann doch einfach etwas schnell runterschreibe…aber dann merke ich auch, dass in diesem Moment nicht der Ausdruck Vorrang hat, sondern vielleicht die Emotion, die mich leitet oder die Idee, die auf einmal aus mir hervorsprudelt und die sich über jede Rechtschreibnorm hinwegsetzt - aber deswegen bedeutet mir Sprache nicht weniger :smile:

Die von Dir genannten Gründe zeigen mir dennoch, dass Sprache
keine Bedeutung beigemessen wird

Ich würde das von Fall zu Fall unterscheiden. Ich denke, vieles hat auch damit zu tun, dass die Information, die man will, im Vordergrund steht oder, wie auch schon von mir so oft erwähnt, die Situation, in der man den Thread schreibt, eine Rolle spielt. Aber, natürlich gibt es bestimmt auch viele, denen Formulierungen, Rechtschreibung etc. egal sind - ich meine, der heutige Deutschunterricht verleitet ja nun nicht gerade zum Jubel auf die deutsche Sprache. Wer kann es da verübeln, dass sich dass mit den Jahren nicht ändert.

UND: ich denke, dass die Bedeutung von Sprache individuell gewichtet wird. Das, was dir wichtig ist oder das, was mir wichtig ist, das muss einem anderen noch lange nicht wichtig sein und umgekehrt. Bedeutung ist immer irgendwo eine Definitionssache. Vielleicht sagt dir ein 11-jähriger, dass ihm Sprache viel bedeutet - und wenn du ihn privat erlebst, meint er beispielsweise die Chatsprache, mit der er sich mit vielen jungen Leuten unterhalten kann. Bedeutung ist immer individuell, weil der Standpunkt, von dem aus man betrachtet, immer individuell ist.

und ich merke sehr wohl, ob
jemand des Deutschen als (Fremd-)Sprache nicht mächtig ist. Da
habe ich eher Hochachtung, sich hier dennoch einzumischen…

Wie gesagt, dass habe ich nicht auf dich bezogen - sondern waren allgemein meine Gedanken dazu, wann einmal eine Sprachformulierung daneben liegt.

„Hochglänzend“ - hier würde der Lehrer ein dickes „A“ an den
Rand schreiben *lächel

Okay, muss ich mir selbst ein A dahinter schreiben *g* - war mal Lehrerin.

Ich denke schon, dass trotz aller Anonymität, jeder User ein
Stück Selbstdarstellung in seinem Auftritt hier betreibt

Aber ob das immer so bewusst geschieht? Sicher hat jeder Mensch seinen eigenen Life-Style und der kommt sicher in der Sprache zum Ausdruck. Aber ich kann mich durch Sprache auch verstellen - es ist also nicht immer das wahre Ich. Genauso können äußere Umstände meine sprachlichen Formulierungen beeinflussen, wie Eile, eine Tastatur, dessen Buchstaben unleserlich sind (wie bei mir :wink: etc. - und dies kann dazu führen, dass ich eben ein ziemlich fälschliches Bild von mir abgebe.

damit eine schlampige Schreibweise einen Teil seines
Charakterbildes ausdrückt.

Hm, immer? Das denke ich nämlich nicht - wegen obiger Begründung.

Dieses Brett ist kein literarisches Kunstwerk,

Das habe ich auch nie so gesehen. Ich erwarte keineswegs
Lyrik, wenn jemand fragt, wie er seine Türen ablaugen kann. *g

Oh, welch Glückseeligkeit der Türe
wüsst ich nur, wie ich sie reparüre…

Wie gesagt, ich wollte nur den Unterschied etwas überspitzt formulieren.

Hier suchen Menschen Antworten und das steht meist mehr im
Vordergrund als das Wie des Ausdrucks.

Auch hier ist doch die Form zum besseren Verständnis einer
Frage nicht ohne Bedeutung, oder?

Das auf jeden Fall - aber ob darüber jeder nachdenkt, wenn ihm etwas auf den Lippen brennt? Wenn meine Mutter etwas Neues zu berichten hat, denkt sie auch nicht viel darüber nach, wie sie es sagt *hüstel*

Wenn erwartet wird, dass der andere sich um eine fundierte
Antwort bemüht, ist die Forderung „möglichst schnell,
vielfältig“ schon ein bisschen frech…

Kommt aber häufig vor, oder nicht? Aber, ich wollte ja nicht damit zum Ausdruck bringen, dass das jemand hinter seine Frage schreibt, sondern eher die Hoffnung und Erwartung, die er hegt, wenn er hier eine Frage stellt. Zumindest finde ich, dass eine Newsgroup eben auch diesen Vorzug hat, dass man schnell Antwort bekommt. Denn, wenn ich lange darauf warten müsste, wäre es ja manchmal einfacher, ich frage meinen Lehrer/ Prof/ ein Buch etc. Ich denke, diese Schnelligkeit ist ein Vorzug einer Newsgroup (nicht immer, aber häufig).

Dieses Forum ist in vielerlei Hinsicht und für viele schlicht
unpersönlich.

Ich treibe mich ja „aktiv“ erst seit Anfang November hier rum
und finde das Forum mittlerweile sehr persönlich - auf den
ersten Blick mag das nicht so aussehen.

Ja, weil du auch aktiv an diesem Forum teilnimmst. Und so sollte es ja auch sein :smile: Aber ich glaube, dies ist nicht die Regel. Viele kommen her und stellen Fragen, sagen selten Danke und geben ihr eigenes Wissen oder ihre Gedanken auch nicht weiter. Das, was ich eben geschrieben habe, lesen aber wiederum nur die, die auch an solchen Diskussionen teilnehmen. Also nicht einfach mal schnell, was wissen wollen, sondern eben das Forum persönlicher machen möchten. Aber wenn du dich genau umschaust, wirst du sehr schnell merken, wer nur mal kurz kommt um zu nehmen - ohne zu geben. Aber auch das muss sein. Und ist in einer Newsgroup okay. Und mit dem unpersönlich meinte ich vor allem, dass man einander nicht sieht - und ich denke, was manch einer hier fragt oder antwortet oder wie er sich verhält, würde er im realen Leben nicht tun oder zumindest überlegter. Und das ist ja auch irgendwie ein Vorteil der Newsgroup. Wobei ein Vorteil auch immer einen Nachteil in sich bergen kann.

Aber auch hier gilt wieder, jeder hat individuelle Ansprüche an und individuelle Sichtweisen von einer Newsgroup.

Man schreibt einfach darauf los, ohne zu wissen,
wer es jemals liest, wie der Leser dies empfindet.

Das ist ja das, was ich so bedauerlich empfinde, dass niemand
mehr darüber nachdenkt…

Da wäre ich dann wieder bei meinem literarischen Kunstwerk :smile: Wann denke ich über Sprache nach? Immer?

Du machst dir Sprache bewusst und sie ist für dich ein Kunstwerk - für andere ist sie mehr ein Mittel zum Zweck - den man kunstvoll gestalten kann oder so, wie es einem gerade in den Sinn kommt. Ich denke, da gibt es einfach verschiedene Sichtweisen. Mir liegt Sprache auch sehr am Herzen und ich wollte immer, dass sich meine Schüler gut auszudrücken lernen. Aber nicht immer kann Sprache so überlegt oder kunstvoll sein. Denn manchmal überwiegen andere Prioritäten - zum Leidwesen des Ausdrucks. Ich kann mich da leider nicht ausschließen, wenn ich in Eile bin, wird halt schnell geschrieben und nicht überprüft.

Ich denke, man kann vielen Usern nicht Böswilligkeit
unterstellen,

Das habe ich nicht und werde es auch nicht tun.

Wie gesagt, das war auch nicht auf die bezogen - sondern mein allgemeiner Gedankengang, in dem ich auch über mich nachgedacht habe.

Ist es nicht die Sprache, die dazu genutzt werden kann, um
eben nicht missverstanden zu werden?

Oh ja sicher!

Aber, man muss doch einige Regeln beherrschen und wie du auch sagst, man muss über sie nachdenken. Dann können Missverständnisse vermieden werden oder gemindert. Wenn ich mit dir persönlich spreche, dann habe ich noch meine Gestik, meine Mimik und Betonung, um mich zu artikulieren - hier hingegen nur viele schwarze Buchstaben. Und ich kann in diese noch so viel hineinwünschen - ich weiß nicht, wie es beim Gegenüber ankommt. Bei dir ist mein Beitrag in manchen Aspekten auch anders angekommen - obwohl ich auch nachgedacht habe, wie und was ich schreiben möchte und gehofft habe, dass du es so verstehst, wie ich es ausdrücken wollte. Du siehst, sonst hätte ich nicht die Ergänzung geschrieben, ich habe ein wenig gefürchtet missverstanden zu werden :smile:

Auch wenn die Sprache ein Verständigunsmittel ist, es gehört sehr viel mehr dazu, um eindeutig zu sein. Allein ein Thread in diesem Brett ist es leider oft nicht - trotz Nachdenken und trotz dessen, dass man sich der deutschen Sprache sicher fühlt.

Es spielen immer viele subjektive Aspekte mit ein.

Sprache kann Missverständnisse verhindern - und dennoch muss ich bedenken: jeder lebt in seiner eigenen Sprachwelt, in seiner eigenen Ausdrucksweise, in seiner eigenen Emotion, mit der er liest, redet, hört. Was für mich eindeutig ist, muss es für den anderen noch lange nicht sein. Da kann ziemlich viel passieren bevor die Nachricht des Senders beim Empfänger landet :smile: Und vor allem, wie sie da landet - darauf hat sehr vieles noch mit einen Einfluss - und da kann ich mich noch so sehr darum bemühen, etwas ganz toll formuliert zu haben.

Du kennst das sicherlich:

Ehemann schaut verduzt in die Suppenschüssel: Schatz, was schwimmt denn da drin?

Ehefrau beleidigt antwortend: Wenn es dir nicht schmeckt, iss halt nächstes Mal bei deiner Mutter.

Ich empfinde Dein „Halli“ und Deine Person als sehr erfrischend…

Danke *froi* (man bemerke das i am Ende :wink:

Viele liebe Grüße von Kim

Ich frage mich, warum ich immer so lange Beiträge schreiben muss - das ist beispielsweise auch etwas, was ich lernen möchte. In der Kürze das Wichtigste, das man sagen will, zum Ausdruck bringen…

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Halli,

wenn ich etwas dazu sagen darf…

Das Internet ist ein schnelllebiges Medium.

Dem kann ich so nicht zu stimmen, das Internet ist zwar ein
schnelles aber auch ein dauerhaftes Medium. Ich glaube viele
vergessen das man Veroeffentlichungen im Internet auch nach
Jahren noch lesen kann,

Aber das beweist doch gerade erst die Schnelllebigkeit - denn viele Texte sind ganz schnell veraltet. Und gerade weil der Text von heute schon morgen aufgrund der schnellen Eingabe von neuen Texten veraltet sein kann, würde ich das Medium auch als schnelllebig bezeichnen. Ich denke, dass Schnelllebigkeit nicht die Dauerhaftigkeit ausschließt. Schnelllebig bedeutet für mich, es kommt ständig Neues hinzu, es ändert sich laufend etwas und zwar so, dass ich nur in einem begrenzten Umfang hinterher komme. Aber ich mir auch nur das aussuchen kann, was mich interessiert.

Vieleicht solte man sich daher, und weil der schriftliche
Ausdruck nicht ganz so nuanciert ist wie eine muendlicher,
eher mehr Zeit für die Beantwortung von Fragen oder die
Teilnahme an Diskussionen in diesem Forum nehmen.

Wäre wünschenswert - aber ich denke, eine Newsgroup lebt ebenso von der Schnelligkeit. Stell dir mal vor, du müsstest immer drei Wochen warten, bevor jemand auf deinen Thread reagiert. Ich denke, eine gewisse Schnelligkeit ist da durchaus von Vorzug.

schriftliche Ausdruck nicht ganz so nuanciert ist wie eine
muendlicher

Da stimme ich dir zu! Aber ob das jedem in dem Moment, in dem er hier eine Frage stellt, bewusst ist? Vor allem, muss es denn das immer? Newsgroups leben, finde ich zumindest, gerade von den unterschiedlichen Sichtweisen :smile:

Viele Grüße von Kim