Ich hab beruflich jmd. kennengelernt, mit dem ich gern zusammenarbeiten wuerde. Hab ihn bisher zwei mal gesehen und ihm jetzt mal zwecks Zusammenarbeit eine Email geschickt. Weil wir per du sind (das machen die Deutschen m. E. auch viel schneller als die OEsterreicher; ist ja auch nicht negativ!) hab ich ihn mit „Hallo XY“ angesprochen.
Jetzt krieg ich ne Mail zuruek und er schreibt „Liebe XY“. Ich denk mir jetzt was das denn soll!? Klaert mich bitte auf, ich wohne schon ein paar Jahre nicht mehr im Deutschsprachigen Raum - ist das jetzt schon normal?? Oder liegt’s an ihm?
Da ich selbst Deutsch als Fremdsprache unterrichte wuerde es mich nich nur aus persoenlichen Gruenden interessieren…
Vielleicht ist das ein Unterschied zw. West- und Ostoesterreich (wo ich herkomme). Aber als ich weggezogen bin war ich „erst“ 20 - vor dem Alter siezt man wahrscheinlich eh meistens.
Also noch einmal zur Sicherheit: Ich kann ihm mit „Lieber X“ zurueckmailen, ohne dass er das irgendwie falsch verstehen wuerde, richtig?
Danke und noch einen schoenen Tag,
Bethje
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Jetzt krieg ich ne Mail zuruek und er schreibt „Liebe XY“. Ich
denk mir jetzt was das denn soll!?
Hi Bethje
Das „Liebe B…“ ist nicht UNBEDINGT intimer als das „Hallo B…“, es ist nur weitaus höflicher oder respektvoller als das Hallo.
Das Hallo mag unter jungen Leuten inzwischen völlig normal sein, aber unter Älteren wirkt es oft etwas zu flapsig. Das „Liebe…“ ist weitaus bezogener, ohne übergriffig zu sein.
Natürlich KANN das „Liebe…“ auch eine gewünschte größere Nähe signalisieren, aber zunächst würde ich die respektvollere Variante des (vielleicht älteren) Antworters phantasieren.
Gruß,
Branden
Also noch einmal zur Sicherheit: Ich kann ihm mit „Lieber X“
zurueckmailen, ohne dass er das irgendwie falsch verstehen
wuerde, richtig?
nun, Männer - nein: Menschen sind manchmal seltsam, insofern kann Dir keiner irgendwas garantieren, bei mir hat Deinen Frage allerdings nur ein dezent irritiertes „Hä?“ verursacht, weil ich gar nicht gecheckt hab, worauf Du hinaus willst. Nicht, weil Du Dich wirr ausgedrückt hättest, sondern weil ich nichts ungewöhnliches in den von Dir zur Diskussion gestellten Formulierungen gefunden habe.
Insofern: Ja, ich denke, Du brauchst da nicht die geringste Sorge zu haben, die Liebe würde hier falsch aufgefasst
ich würde mir keine Sorgen machen. Ab und an bekomme ich auch Mails von Professoren, die mit „Liebe Studenten“ oder auch „Liebe Frau Idhre“ beginnen. Und mit denen bin ich noch nicht mal per Du. Also wird es wohl eine ziemlich übliche Anredeform sein.
Was ich mich immer frage ist, was antworte ich darauf? Lieber Professor sowieso will mir nicht über die Finger. Und ein sehr geehrter wirkt als Antwort auf eine Anrede mit „Liebe“ auch irgendwie merkwürdig. Was sonst? Hallo Professor?
Wenn man per Du ist, lautet die korrekte Briefanrede ‚Liebe
Bethje‘.
Das sehe ich ganz genauso.
Etwas mehr Distanz erzeugt das ebenfalls korrekte ‚Liebe
Bethje Müller‘.
Das sehe ich völlig anders. Eigentlich finde ich diese Form völlig bescheuertdaneben.
Entweder rede ich jemanden mit Vornamen oder mit Nachnamen an.
Diesen Mix aus Vor- und Nachnamen in der Anrede kenne ich nur von Firmen, die nicht in der Lage sind, aus ihren Adressdatenbanken anständige Kundenbriefe zu fabrizieren.
Jetzt krieg ich ne Mail zuruek und er schreibt „Liebe XY“.
So heißt das ja auch, eigentlich, korrekt, auf Deutsch.
Hallo ist kein Gruß, sondern man sagt es, wenn man am Telefon Verständnisprobleme hat: „Hallo? Hallo!“
Durch das Sünkronisieren (wie so oft) kam das Hallo ins Deutsche, weil man Hello so schlecht mit Servus und Grüßdich lippenpassend hinkriegt…
Weil
wir per du sind (das machen die Deutschen m. E. auch viel
schneller als die OEsterreicher; ist ja auch nicht negativ!)
hab ich ihn mit „Hallo XY“ angesprochen.
Kleine Nachhilfe: In Norddeutschland bleiben Leute, die z.B. 30 oder 40 Jahre Schreibtisch an Schreibtisch arbeiten, unter Umständen ein Leben lang per „Sie“. Die sind eher spröde und brauchen das wohl nicht so bzw. achten sie bewusst auf etwas Distanz.
Weiter unten in D (nur auf dem Atlas - es geht ja in die Berge) ist man schon schneller per „Du“.
In Österreich gibt es einen Ost-West-Unterschied: Im Osten geht es (zumindest unter hierarchisch gleichgestellten Leuten) sehr schnell.
In Tirol sind wirklich fast alle per „Du“ - da wirst Du auf der Straße als Fremder sogar mit „Du“ angesprochen.
Noch etwas ganz Wichtiges: In den Bergen (beim Wandern, Klettern, Schifahren …) ist man ab 1000 Höhenmeter absolut per „Du“ - das ist eine Bergsteiger-Regel. Wer sich nicht dran hält, hat wahrscheinlich auch Halbschuhe oder Sandalen zum Bergsteigen an den Füßen
Gruß, Dietmar
(Großmutter aus Mecklenburg, Vater aus Berlin, Mutter aus Sachsen-Anhalt, lebt seit 30 Jahren in Österreich)
Was ich mich immer frage ist, was antworte ich darauf? Lieber
Professor sowieso will mir nicht über die Finger. Und ein sehr
geehrter wirkt als Antwort auf eine Anrede mit „Liebe“ auch
irgendwie merkwürdig. Was sonst? Hallo Professor?
also ich schreibe in so einem Fall oft auch einfach „Guten Tag, Herr X/Frau Y“, wenn ich einem Professor oder höher gestellten oder auch fremden Damen und Herren maile. Das ist höflich und respektvoll, klingt aber auch nicht gestelzt.
Viele Grüße
Vor 40 Jahren, als ich die Regel kennenlernte,
lag die Schwelle noch auf 3000 m!
Da ich die Regel im Schwarzwald gelernt habe,
(1000m) nehme ich einfach mal an, dass es eine
relative Zahl ist.
Wie wärs mit einem Kompromis: 3000 Fuß ?
In Tirol sind wirklich fast alle per „Du“ - da wirst Du auf
der Straße als Fremder sogar mit „Du“ angesprochen.
Noch etwas ganz Wichtiges: In den Bergen (beim Wandern,
Klettern, Schifahren …) ist man ab 1000 Höhenmeter absolut
per „Du“ - das ist eine Bergsteiger-Regel. Wer sich nicht dran
hält, hat wahrscheinlich auch Halbschuhe oder Sandalen zum
Bergsteigen an den Füßen
Gruß, Dietmar
(Großmutter aus Mecklenburg, Vater aus Berlin, Mutter aus
Sachsen-Anhalt, lebt seit 30 Jahren in Österreich)
Hallo Dietmar,
als Ur-Tiroler kann ich das alles nur bestätigen. Allerdings wäre für die Flachländer darauf hinzuweisen, dass 1000 Höhenmeter in Tirol eine leicht erhöhte Tallage ist. Der höchstgelegene Punkt der Landeshauptstadt Innsbruck befindet sich auf 2641m.
Grüße, Peter