Hallo,
Die Vergleiche mit Lotto, Wahrscheinlichkeit kann ich nicht
nachvollziehen. Wir reden über Einzelschiksale, da spielt es
keine
Rolle wie vielen nichts passiert ist.
Doch, das spielt sehr wohl eine Rolle und zwar deshalb, weil es eben die unterschiedlichsten Einzelschicksale gibt. Kinder kommen nicht nur dadurch ums Leben, weil böse Menschen sie ins Auto zerren und dann umbringen. Kinder kommen auch dadurch ums Leben, weil sie krank werden, weil sie einen Verkehrs-, Haushalts- oder Sportunfall erleiden, weil sie Opfer von Krieg, Naturkatastrophen, Terroranschlägen, … werden.
Und Kinder werden glücklicherweise in all diesen Situationen auch nicht unbedingt immer zu Todesopfern, sondern können auch „nur“ mehr oder weniger schwer körperlich und seelisch durch entsprechende Dinge verletzt werden.
Als Eltern wollen wir alle, dass unseren Kindern so etwas nicht passiert, aber wir wollen natürlich auch, dass unsere Kinder eine möglichst unbeschwerte Kindheit erleben können, die nicht mit unnötigen Einschränkungen verbunden ist. Und daher muss man sich sehr wohl überlegen, was die Risiken sind, die eine hohe Häufigkeit haben, besonders schlimme Folgen haben können und ggf. ohne große Einschränkungen vermieden oder zumindest mit einem merkbaren Effekt vermindert werden können, und was die Risiken sind, die extrem selten, ggf. mit minderschweren Folgen verbunden sind, dafür aber u.U. nur unter extremen Einschränkungen und nur zu einem ganz geringen Maße beeinflussbar sind.
Aufgepeitscht insbesondere durch sensationslüsterne Medien ist in den vergangenen Jahren leider zunehmend zu beobachten, dass dabei der nötige sachliche Fokus verloren geht und die ganz realen und häufigen Bedrohungen mehr und mehr aus dem Blickfeld geraten und deren einfache Vermeidung vernachlässigt wird, dafür aber ein unglaublicher Aufstand bzgl. minimaler Risiken getrieben wird, deren Auftretenswahrscheinlichkeit dadurch nicht einmal merklich zu beeinflussen ist.
So schlimm jeder Fall des „bösen fremden Onkels“ auch ist, er ist eben glücklicherweise extrem selten. Und daher ist es eine trügerische Sicherheit zu glauben, dass man an dieser minimalen Wahrscheinlichkeit irgendetwas merklich tun könnte, ohne das Kind unter Totalüberwachung zu stellen. Und so schlimm es auch klingen mag, aber gerade die Tatsache, dass der große Ausnahmefall gerade mal wieder in der Nachbarschaft passiert ist, könnte einen eigentlich aufatmen lassen.
Und es spielt natürlich auch noch eine andere Komponente hier herein. Es ist für den eigenen Seelenfrieden unheimlich gut, einen unbekannten Dritten als Bedrohung anzusehen. Denn das lenkt von der eigenen Unvollkommenheit ab, die es ermöglicht, dass die ganzen viel größeren Bedrohungen sich täglich in großer Zahl verwirklichen. Würden wir alle 10Km/h weniger fahren, € 1.000,-- mehr für bessere aktive und passive Sicherheit unseres Autos bezahlen, könnten wir die Zahl von Kindern als Opfer im Straßenverkehr deutlich mehr beeinflussen als durch alle Bewachungsmaßnahmen. Würden wir alle € 20,-- für Rauchmelder, € 100,-- für FI-Schalter, wenige Euro für ein sicheres Schloss an der Hausapotheke und am Putzschrank ausgeben, würde jeder von uns einen speziellen Ersthelferkurs am Kind absolvieren, die Zahlen von verunglückten Kindern würden von jetzt auf gleich um Faktoren sinken, die die Gesamtzahl der durch Verbrechen merklich geschädigten Kinder um das x-fache übersteigen würde. Und das Schöne dabei: Das sind alles Maßnahmen, die die Freiheit unserer Kinder nicht im Geringsten beeinträchtigen.
Also wie weit bist Du auf meiner Liste schon gekommen? Was tust Du wirklich für die Sicherheit deines Kindes?
Gruß vom Wiz