ausführiche Erläuterung und Stellungnahme
Hallo Barbara,
mir ist die Geschichte besser bekannt, als mir lieb ist.
Meine Großmütter sind im besten Alter, was Informationen aus erster Hand angeht. Bei der Machtergreifung waren sie 20 bzw. 17 Jahre alt. Bestes Alter, weil jung, lebensunerfahren und leicht zu manipulieren.
Die Geschichten, die ich mir früher unbeteiligt und distanziert angehört habe, verarbeite ich erst seit den letzten Jahren aktiv.
Wie Geschichte dieser Zeit heutzutage kolportiert wird, gefällt mir ganz und gar nicht. Da wird dargestellt, daß die Deutschen von heute auf morgen aufgefordert worden wären, Juden zu hassen, von deren Ermordung wußten und nach der Deutschen Weltherrschaft strebten.
So war es aber nicht. Die Deutschen dieser Zeit wurden Schritt für Schritt manipuliert. Die „Beweise“ waren schlüssig, die Desinformation umfassend. Zu der Zeit war es kaum möglich, der Propaganda zu entkommen, wie auch? Jede neutrale Quelle wurde nach und nach gleichgeschaltet. Wenn ich hier lese, daß der Judenstern 1941 oder 1939 eingeführt wurde (was mir letztlich egal ist), muß man sich doch vor Augen führen, daß es 6 oder 8 Jahre dauerte, bis es so weit kam. 6 oder 8 Jahre!! Die Stimmung, die es brauchte, daß es zu solchen Auswüchsen kommen konnte, baute sich doch ganz allmählich auf. Schritt für Schritt. Jeder Schritt für sich war unmerklich, in der Summe kam ein Marathonlauf zusammen.
Wie so etwas funktioniert erleben wir doch heute: Die USA haben es geschafft, durch gezielte Manipulation die Menschheit davon zu überzeugen, daß ObL die Terroranschläge in NY und D.C. verübt hat, daß es reicht, ein riesiges, unzugängliches Land wie Afghanistan anzugreifen, um den Terrorismus auszurotten. Als das nicht klappte, macht man uns weiß, daß der Irak Atomwaffen und was weiß ich noch alles produziert. Möglich , klar, aber was passiert? Ein Truppenaufmarsch findet statt, BEVOR man Inspektoren hinschickt. Das ist so aberwitzig, daß mir die Worte fehlen. Es war doch von vornherein beschlossene Sache, den Irak anzugreifen. Die Truppen hätte man auch anlanden lassen können, wenn die Inspektoren verjagt worden wären oder Atomwaffen ohne Ende gefunden hätten. Allein die Kosten für einen evtl. Aufmarsch zeigen doch, daß dieser niemals ohne Folgen (=Krieg) sein konnte.
Um Himmels Willen der Irak ist rd. ein Viertel größer als Deutschland und wesentlich dünner besiedelt, d.h. auch weniger kontrollierbar. Und alle Welt meint, daß ein paar Inspektoren mehr als nur den Hauch einer Chance haben, auch nur rudimentäre Kontrollen durchzuführen. Die Russen haben früher ganze Städte versteckt, nebenbei bemerkt.
Der Absurditäten ließen sich weitere finden, zurück zum Thema.
Seit der Bundestagswahl (siehe oben: Nicht seit 6 oder 8 Jahren, sondern seit knapp 3 Monaten) führt die Bundesregierung einen Feldzug gegen „die Reichen“ (und trifft dabei dummerweise vielfach ihre eigene Klientel). Es gab einen Wahlkampfauftritt Schröders irgendwo im Ruhrgebiet, wo schon ein nur rot angestrichener Besenstiel gewählt werden würde. Sinngemäßes Zitat: „Wir werden alle unseren Beitrag zu leisten haben“ „Buuuuuuh“ „Aber die Reichen werden einen viel größeren Beitrag zu leisten haben“ „Jaaaaaaaa“.
Es geht nicht mehr darum, eine leistungsfähige Bevölkerungsgruppe stärker zu Leistungen für die Gemeinschaft heranzuziehen. Es geht inzwischen darum, sie als Feinde der „kleinen Leute“ darzustellen. Wenn dann noch „Reiche“ namentlich genannt werden, um die Volkeswut zu kanalisieren, ist für mich die Parallelität zum Dritten Reich erreicht. Es wird im Volk eine undifferenzierte Wut und ein Neid erzeugt, der logisch in keinster Weise begründet ist. Es wird eine Volksarmut herbei geredet (die es so nicht gibt), womit wiederum begründet wird, warum es eine Vermögenssteuer geben muß, Aktiengewinnbesteuerung usw.
Das ist gezielte Manipulation der Regierung a la: Wir sind nicht schuld, sondern die da! Und genau das war das Prinzip im Dritten Reich („An Eurer Armut seit nicht ihr schuld oder Euer Führer, aber er weiß, wer schuld ist: Die Juden!“).
Und das Volk merkt nicht, wie es manipuliert wird. Es nimmt die Hinweise dankbar auf und setzt sie in ein Weltbild um, das jeden Tag bei Straßenumfragen wieder und wieder zu hören ist.
Das, liebe Barbara, rechtfertigt für mich durchaus einen Vergleich, wie ihn Koch gezogen hat. Politisch und für eine Demokratie untragbar, in der Tat, aber sachlich nicht wirklich falsch.
sagt nicht provoziert,aber etwas enttäuscht (von dir)
Nun, es sollte bekannt sein, daß ich mir bei den Dingen, die ich hier von mir gebe, etwas denke. Das war ein Ausschnitt dessen, was ich zu dieser Angelegenheit denke. Ein langer Ausschnitt, aber nur ein Ausschnitt.
Vielleicht habe ich mit der Aufzeigung meiner Gedankengänge etwas zu Minderung Deiner Enttäuschung beitragen können.
Gruß
Christian