Hi,
Das ist leider ein Trugschluss. Es ist GENAU das, was der Lehrer vormacht. Oder wie erklärst Du Dir, dass ein spanischer Schüler, auf einer deutschen Schule in Spanien, Englisch nicht mit spanischem, sondern mit deutschen Akzent spricht?
Er macht das nach, was er hört - aber eben nie >strong> genau
das, und wenn du hinhörst, wirst du feststellen,
dieser Schüler hat auch spanisches im Akzent dabei.
Nein, hat er nicht. Genauso wenig wie im Deutschen.
Mir ist schon klar, dass das Bilden von Lauten erstmal gelernt sein muss. Die Laute, die in der Muttersprache vorkommen, lernt ein Baby beim Brabbeln ‚ganz von allein‘.
Genau. Aber wir sind keine Babys mehr. Diese Fähigkeit, Laute
vollkommen identisch bzw. frei von einem fremden Akzent (wobei
das selbst bei einem Baby ein diskussionswürdiger Ausdruck
ist…)zu übernehmen, geht kurz vor der Pubertät verloren.
Isso. Ausnahmen gibt es überall, aber wer eine Ausnahme ist,
entscheiden die Gene. Nicht der Sprachlehrer.
Ausnahmen gibt es überall. Aber meiner Meinung nach andersrum - es gibt einige wenige, die bestimmte Laute eben wirklich nie hinbekommen. Dem Rest sollte wenigstens die Möglichkeit des Erlernens gegeben werden…
Aber diese Laute können auch gelehrt werden! Man muss dazu kein Logopäde sein. Auch ein Fremdsprachenlehrer MUSS den Schülern die Laute der Fremdsprache beibringen & mit ihnen üben! Vorher kann man nicht von einem Schüler erwarten, dass er diesen Laut nachmachen kann, wenn der Lehrer ihn benutzt.
Das tun wir ja auch, nur sind uns dabei oben genannte Grenzen
gesetzt, und für viele, viele Schüler, egal welchen Alters,
sind selbst akzeptable Annäherungen eine Herausforderung - wie
an anderer Stelle genannt die laute in but, lot, water zu
unterscheiden zum Beispiel. Selbst wenn sie das th sprechen -
die Unterscheidung stimmlos vs stimmhaft ist kaum zu meistern.
Vom größten hindernis, dem stimmhaften Auslaut, gar nicht erst
zu reden - god und got klingen eben nicht gleich.
Und wenn ein Schüler dann mit deutschem akzent spricht, aber
nicht so doll, dass er unverständlich wäre, dann ist man erst
mal eine Weile zufrieden und macht Vokabeln, freies Sprechen,
ein bisschen Grammatik etc… Allesandere wäre eine
Sisyphosaufgabe im vollsten Sinne des sprachlichen Bildes -
man käme nie zum Ziel. Und wenn doch, hätte man 30 kleine
Leute, die akzentfrei Good morning sagen und die Antwort nicht
verstehen…
Ok, wenn Du sagst, dass im Lehrplan einfach nicht genug Zeit ist, sich genügend mit Aussprache zu beschäftigen, ist das was anderes. Um in einer Fremdsprache verstanden zu werden, kommt es aber übrigens nicht nur auf die Aussprache, sondern auch auf die BETONUNG an (especially in English). Ich bin sogar der Meinung (wenn ich jetzt etwas übertreiben darf), dass man selbst den schlimmsten Akzent im Englischen verstehen kann, solange der Sprecher korrekt betont. Oder im Umkehrschluss, dass auch eine gute Aussprache schlecht verstanden wird, wenn die Betonung falsch ist. That’s because English is based on high beats and low beats.
Anyway, ich versuche daher, solche Sachen immer wieder zu üben. Wie nötig das ist, sehe ich zB, wenn mein gerade angefangener C1-2 Kurs mich bittet, mit ihnen pronunciation zu machen!
Was das th angeht - ich hab halt nen irischen Akzent. Und da das korrekte Aussprechen des th vielen erstmal unmöglich ist, fange ich immer erst mit einer Annäherung an: eben auf irisch: thumb becomes ‚tum‘, that becomes ‚dat‘. Die Zunge liegt dabei ganz ganz dicht an den Positionen, an denen sie zur korrekten Bildung des jeweiligen th liegen müsste. Statt meilenweit entfernt.
Bei +65jährigen mit Hörgerät bemühe aber auch ich mich nicht mehr, Aussprache zu verbessern.
War das jetzt ausführlich genug?
Hatte ich um ausführlich gebeten? *g*
But many thanks.
isabel