Ich habe an mir und meinen Mitmenschen schon oft folgendes Phänomen beobachten können:
(an meinem Beispiel)
Ich rede (begeistert) über ein Thema unter ein oder zwei Anwesenden, werde plötzlich durch ein lautes Geräusch oder irgendetwas oder jemanden jäh aus dem Reden gerissen und damit unterbrochen. Wenn die Unterbrechung vorbei ist, weiß ich dann nicht mehr, worüber ich zuvor redete - und meine Zuhörer wissen es meist auch nicht mehr. Manchmal kommt das Thema wieder, aber meistens nicht.
Was ist das? Lässt sich das medizinisch erklären? Hat es irgendeinen Sinn, vom Gehirn aus?
das ist einfach schlechte Gesprächskultur. Die Zuhörer höern nciht wirklich zu und der Erzähler denkt irgendwie an was anderes oder kann nicht spannend erzählen. Kann aber auch ein allg. Konzentrationsproblem sein (Alkohol im Spiel?).
Grüße,
JPL
das passiert - btw. recht oft - genau dann, wenn das eigentliche Motiv des Gesprächs nicht sein Inhalt, sein Thema ist, sondern nur die Situation des Gesprächs, das Gesprächsszenarium. Anders gesagt: Wenn der Fokus der Aufmerksamkeit auf dem Gesprächspartner liegt und nicht auf dem Thema.
Wenn wir uns jetzt gleich zwischen Tür und Angel treffen würden und dann ins Thema kämen „wie funktioniert das genau mit dem gerissenen Faden in Gesprächen“ und „wo ist die Ähnlichkeit mit einem blackout eines Schauspielers auf der Bühne“ … und dann würden kreischende Bremsen mit anschließendem Scheppern draußen kurz die Aufmerksamkeit ablenken: Wir würden 100%ig den Faden wieder aufgreifen können.
Je nachdem, wie exponiert bei jmd das „Im-Gespräch-Sein“ generell im Interessenspektrum liegt, passiert das bei dem einen öfter, beim anderen seltener und beim dritten nie.
Wenn jemand etwas erzählt, was für mich hoch interessant oder wichtig ist, so weiss ich im Anschluss an die Störung ganz genau, an welcher Stelle derjenige „steckengeblieben“ ist. Ich kann ihm also auf die Sprünge helfen. Andernfalls war das Ganze für mich eher ohne Belang.
Ich selbst habe gelernt, dass ich - falls ich diejenige bin, die unterbrochen wird - das aktuelle Thema nicht weiter verfolgen sollte, wenn sich eh keine Sau daran erinnert, wovon ich gerade geredet habe. Egal, wie sehr MICH das Thema beschäftigt.
Und dann wäre da - abgesehen von dem suchthaften „Immer-selbst-im Gespräch-sein-wollen“ (mit beliebig austauschbaren sonstigen Pseudothemen, so dass der Wechsel oder Verlust des ursprünglichen meist gar nicht mal auffällt - auch noch die Möglichkeit, den anfänglichen Faden durch dessen Zerfaserung vom 100ersten ins 1000ste aus den Augen zu verlieren, sogar ganz ohne äußere ‚Störungen‘. Also sich in einem selbst geschaffenen Labyrinth, zumindest übergangsweise, zu verirren. Da nun wahr ist, wie es so schön heißt: „Irren ist menschlich“, passiert es also auch mal jedem Dritten. Jedenfalls sofern es sich bei ihm um einen Menschen handelt.