Moin,
Gibt es evtl. eine psychologische Erklaerung fuer diese
Phaenomene?
Nein. Aber praktische.
Schick mal eine von den gestylten, geschminkten, mit „attraktiver“ Kleidung angetanen Mädels in einen 4-Personen-Haushalt mit einem Windelkind, dass ihr regelmäßig den Brei über die leider nur mit 30 Grad waschbaren Blüschen spuckt. Versuch mal mit Stöckelschühchen durchs Kaufhaus zu sprinten, weil andere Zwerg gerade hinter deinem Rücken die Dekoration zerrupft oder so angetan mit einem Kinderwagen, 15 kg Einkaufsmasse und einem 2-Jährigen, der nicht an der Hand laufen will, in einen Bus zu kommen.
Männern ist anscheinend oftmals nicht klar, wieviel Zeit und Arbeit in so einer „attraktiven Erscheinung“ steckt. Frauen, die mitten im Berufsleben stehen und nebenher vielleicht noch eine Familie und einen Haushalt zu versorgen haben, legen in ihrer Freizeit vielleicht einfach lieber mal die Beine hoch oder gehen ihren Hobbies nach, statt ständig beim Friseur zu sitzen oder die Fassadenbemalung zu erneuern. Das heißt nicht, dass viele ältere Frauen sich nicht „chic“ machen können , sondern eher, dass sie dies nur bei bestimmten Anlässen machen und ansonsten einfach andere Prioritäten haben.
Zudem werden die meisten Menschen mit zunehmendem Alter selbstbewusster. In jungen Jahren tragen viele einfach das, was gerade „in“ ist, weil sie ihre Chancen beim anderen Geschlecht austesten und für dieses attraktiv erscheinen wollen. Allerdings ist die Teenager-Mode einem starken Wandel unterworfen. Was heute als attraktiv angesehen wird, ist bei der nächsten Teenie-Generation schon wieder völlig „out“. Irgendwann fängt man dann einfach an, das zu tragen, was man selbst als angenehm empfindet. (Oder trägt einfach den Stil weiter, den man als Teenager schon getragen hat, und manövriert sich damit über kurz oder lang selbst ins „out“).
Der nächste Grund dürfte sein, dass mit Kleidung mehr verbunden wird als nur Aussehen. Die letzten 30 Jahre galten Frauen, die sich auffällig schminkten und „sexuell aufreizend“ kleideten als „Tussen“, die vermutlich wenig im Kopf hatten und nur auf Männerfang auswaren. Wollte man als Frau gerade im Berufsleben und insbesondere in Berufszweigen, wo der Männeranteil größer war, Erfolg haben, musste man eine solche Aufmachung dringenst meiden. Mein eigener BWL-Prof „warnte“ noch Anfang der 90ger Jahre die Studentinnen davor, auf ihr Aussehen zu achten, damit man sie später nicht mit ihrer eigenen Sekretärin (Tusse) verwechselt. Frauen, die sich „attraktiv kleideten und schminkten“ galten vielfach als sexuelles Freiwild. Es hat lange gedauert, bis die Frauenbewegung in den Hirnen z.B. des Rechtssystems durchgesetzt hatte, dass bei einer Vergewaltigung eine Frau keine „Mitschuld“ hat, nur weil sie sich „sexuell aufreizend“ kleidet (Wer sie so anzieht hat ja auch selbst mit Schuld).
Bewusst aufgeräumt haben damit eigentlich erst die „Gierlies“ in den 90gern, die sich übertrieben mädchenhaft, aber gleichzeitig auch mit Power zeigten. Ich hab diese Entwicklung damals mit einem wohlwollenden Schmunzeln betrachtet, aber mit 30 hier noch mitzumachen wäre mir dann doch etwas albern erschienen 
Männer haben es da meiner Meinung nach übrigens noch schwerer. Über Jahrzehnte galt ein Mann, der auf sein Aussehen achtete, versuchte sich modisch zu kleiden oder gar Körperpflegeprodukte verwendete als schwul.
In der heutigen Zeit der überall verfügbaren Haarfärbemittel, Mode, Kosmetikartikeln, Gewichtsvorschriften etc. fällt mir auf, dass sich z.B. die Mädels immer mehr gleichen. Viele mit ähnlicher Haarfabe, ähnlichem Haarschnitt, ähnlichen Klamotten und ähnlichem Make-up. Offenbar sind wir jetzt wieder in einer Situation, wie sie ähnlich in den 60-Jahren bestand und ich persönlich empfinde diese Gleichmacherei (trotz der figurbetonten Kleidung) als sehr langweilig und konservativ. Da waren mir die wilden und bunten Girlies der 90er wesentlich lieber 
Gruß
Marion