Ursache von Messiverhalten?

Hallo,

die Geschichte stammt nicht von mir. Ein Freund hat das Problem mit seiner Mutter:

Seine Mutter sammelt zwar keinen Müll, aber hebt alles mögliche auf und hat alles mögliche herumstehen in ihrem Haus. Die Küche ist z.B. nicht nutzbar, weil sie vollgestellt ist. Überschlagsmäßig bräuchte man mindestens eine Woche, um sie aufzuräumen. Es geht nich um Dreck sondern um Sachen die herumstehen und vollgestaubt sind.
Selbst kommt seine Mutter nicht dagegen an, will sich aber auch nicht helfen lassen „Das schaff ich schon“. Dafür schafft sich sich kleine Aufgaben, die mit dem Aufräumen nichts zu tun haben, aber die sie froh stimmen, weil sie etwas geschafft hat. Den Papierkram für ihre Firma, für den sie verantwortlich ist, erledigt sie auch nicht, bis das Finanzamt kommt.
Ihre beiden Schwestern haben ein ähnliches Messieproblem.
Ihr Verhältnis untereindander ist nicht das Beste.
Die Mutter meines Freundes pflegt außerhalb ihrer Familie keine engeren Freundschaften (bis auf eine).
Jeder Versuch mit ihr über das Chaos im Haus zu reden, scheitert. Sie nimmt auch keine Hilfe an, um das Haus aufzuräumen.
Ansonsten ist seine Mutter eßsüchtig.

Welche Ursachen könnte ihr Verhalten haben?

Ihre beiden Schwestern haben ein ähnliches Messieproblem.

Haben sie auch ein ähnliches Einsamkeitsproblem? (Die Quantität der Beziehungen würde nichts besonderes aussagen…)

Hallo,

oft haben ausgeprägte Messis auch Verlustängste. Sie haben Angst loszulassen und sich zu trennen.

Ich kann mich nicht von kleinen Kartons trennen. Hebe sie das ganze Jahr über auf. Egal ob Teebeutel oder Babynahrung drin war. Der Vorteil ist, an Weihnachten steck ich Geschenke rein und mach Papier drum .
Sor werde ich die Dinger wieder los :smile:

Allein wird die Mutter es aber nicht schaffe und sie muss es freiwillig machen. Wenn man ihr die Wohnung aufräumt bringt das gar nichts, weil sie direkt wieder zumüllt. Da muss eine richtige Therapie gemacht werden.
Solange sie aber nicht im Müll ertinkt und ihre Sachen irgendwie erledigt, würde ich sie lassen. Sie fühlt sich wohl und kommt klar. Alles Andere musst du halt akzeptieren, oder deine Konsequenzen ziehen.

Gruß
Gruß

Auf 3sat (37 Grad) lief vor kurzem eine sehr gute Sendung zu diesem Thema („Leben im Chaos“).

Hauptthema der Messies scheinen massive Ängste und Blockaden zu sein. Messies haben wohl auch oft das Gefühl, sie werfen ein Stück ihrer Identität und Erinnerung weg, wenn sie sich von Gegenständen trennen.

Ja, das hat mein Freund auch gesagt. Ängste sind vorhanden. Nur weiß keiner, woher sie kommen. Das Problem in dieser Familie ist wohl, dass nur die Mutter den Papierkram der Firma erledigen möchte und kein anderer ran darf. Auch ein Steuerberater hat es aufgegeben. Der Vater meines Freundes, er selbst und sein Bruder arbeiten aber alle in dem Familienunternehmen. Wenn die Mutter so weiter macht, könnte es zum Ruin der Firma führen. Irgendwie haben Vater und beide Söhne Angst davor.

Leider ist die ganze Familie von dem Verhalten der Mutter abhängig. Erledigt sie nicht den Papierkram rechtzeitig, gibt es Ärger mit dem Finanzamt. Der Ruin der Firma macht allen Angst.

Hi Joshua,

ja soweit haben mein Freund und ich das auch schon herausgefunden. Es hat etwas mit Einsamkeit zu tun. Und mit Verlustängsten. Doch nicht jeder der Angst vor der Einsamkeit wird zum Messie.
Ich frage mich daher, welche Ursachen in der Vergangenheit (Kindheit) zu suchen sein könnten. Welche Kommunikations- bzw. Verhaltensweise der Eltern im Umgang mit den Kindern kann zu dem Messiverhalten geführt haben?
Die Mutter möchte aber über bestimmte Themen nicht reden und blockt.
Ihre beiden Geschwister haben alle Probleme. Obwohl eine starke Abneigung besteht, gibt es dennoch Kontakt. Offensichtlich fühlt man sich für den anderen stark verantwortlich. Es könnte aber auch die Angst dahinter stecken, alles zu verlieren. Die Familie bricht sonst auseinander.

Meine Frage an alle, die etwas dazu wissen, wäre:
Gibt es Hypothesen über die Art der elterlichen Kommunikation, die in dem Kind bestimmte Formen von Angst verursacht haben? Kennt jemand ein Beispiel aus eigener (Therapie-)Erfahrung?

Gerad bin ich zufällig beim Googeln eine Seite gestoßen, die die Ursache für das Messieverhalten in der Kindheit sieht und in den Zusammenhang mit der elterlichen Erziehung setzt:

http://www.messie-syndrom.de/Messie-Syndrom%20Ursach…

Was meint ihr zu der Erklärung?

Dass die Mutter meines Freundes auch oft etwas nicht macht, weil sie einen Zwang dahinter unbewusst wahrnimmt, haben wir auch schon bemerkt.
Die Internetseite scheint das zu bestätigen.

Wie würde eine Therapeutin denn vorgehen?

ja soweit haben mein Freund und ich das auch schon herausgefunden. Es hat etwas mit Einsamkeit zu tun. Und mit Verlustängsten. Doch nicht jeder der Angst vor der Einsamkeit wird zum Messie.

Nicht im üblich verstandenen Sinne jedenfalls. Du hast aber selbst schon die meiner Meinung nach sehr zutreffende Analogie zwischen einer realen Wohnung voll von realem Gerümpel und einem Kopf voller wahllos aufbewahrter Gedanken aufgestellt, während ich Dir die These zur Diskussion stellte, dass diese also vom Zustand der Vereinsamung oder mindestens Verlustängsten begleitete Problematik, in mehr oder minder ausgeprägter Form, jeden Menschen anbetrifft, der in einer Familie geboren und erzogen wurde. Es liegt nicht an den gesund geborenen Kindern, dass alle hernach krank (gemacht) werden, und glaube ich auch nicht, dass Psychologien, die vor der „Familie“ als hypothetische 1.Ursache aller Probleme die Augen verschließen, wirklich hilfreich sein können. Sie doktern an den Symptomen, mit ihrem Messiverhalten Wasser auf die Mühlen der anderen Messis gießend. Heißt natürlich nicht, dass es prinzipiell unsinnig sein muss, sich mit solchen ‚Lehren‘ zu befassen, im Gegenteil, es kann die Psychopathologie sehr bereichern…

Wenn die Mutter so weiter macht, könnte es zum Ruin der Firma führen.

Irgendwie haben Vater und beide Söhne Angst davor.

Das macht keinen Sinn, wenn sie von dem Ruin der Firma tatsächlich bedroht sind, weshalb entmündigen sie die kranke Mutter nicht, und stellen eine kompetente Person ein?

Weil sie auf die Mutter Rücksicht nehmen. Ist doch auch ehrenwert.
Messies, so schreibt die Literatur, neigen bei Entzug ihres Betätigungsfeldes zu einem Zusammenbruch. Da muss man aufpassen!
Niemand möchte die Mutter in ihr Unglück stürzen.
Ein Problem innerhalb der Familie ist auf jeden Fall die Kommunikation.
Keine Ahnung, wie man der Mutter helfen kann und warum sie auf Durchzug stellt. Alles was sie als Zwang wahrnimmt, dagegen scheint sie sich zu sträuben. Obwohl es für Außenstehende kein Zwang ist. Sie nimmt es aber so wahr. Therapieren lassen möchte sie sich aber nicht.

Weil sie auf die Mutter Rücksicht nehmen. Ist doch auch ehrenwert.

Nein, das ist einfach nur dumm wenn sie dadurch ruiniert werden.

Gruß

dachte, ich hätte es erklärt. Wenn ein Messie von allein keine Therapie möchte (Zwangserkrankungen zählen zu den schwerer therapierbaren Krankheiten, da die Einsicht in einigen Fällen fehlt und der Patient die Therapie auch als Zwang erlebt) und ihm seine Lebensgrundlage entzogen wird, dann kann das für ihn schlimme seelische Krisen auslösen. Wer möchte, dass es seinen Eltern so schlecht geht?

Vielleicht hast du ja einen Lösungsvorschlag. Was würdest DU tun (die genauen Schritte und die Kommunikation)?

Bin für jeden Vorschlag aus Erfahrung dankbar!!

Jenna

Hi!

Wer möchte, dass es seinen Eltern so schlecht geht?

Keiner, aber wenn sie pleite gehen wird es allen schlecht gehen.

Vielleicht hast du ja einen Lösungsvorschlag. Was würdest DU tun :frowning:die genauen Schritte und die Kommunikation)?

Bin für jeden Vorschlag aus Erfahrung dankbar!!

Erfahrung habe ich nicht mit Messies, ich würde aber zunächst eine Messieselbsthilfegruppe kontaktieren.

http://www.messie-selbsthilfe.de/

Die können euch sicherlich fachlich beraten.

Gruß

die Mutter blockt aber immer. Ich frage mich wie man einen emotionalen Zugang aufbauen könnte und wie man ihr wieder Sinn im Leben geben kann so dass sie keine Angst haben muss, den Boden unter den Füßen, ihren Halt, zu verlieren. Von alleine würde sie nicht zur Selbsthilfegruppe gehen, weil sie eher den Messiehaushalt wählt als etwas zu ändern. Mir ist es schon oft gelungen einen emotionalen Zugang zu anderen Menschen aufzubauen, aber so lange bin ich noch nicht mit meinem Freund zusammen, als dass ich da plötzlich selbst ein Gespräch beginnen könnte. Dann könnte ich schnell als Buhmann enden. Als böse Schwiegertochter.
Da mein Freund und ich beide sehr beschäftigt sind, könnten wir ihr auch keinen Lebensinhalt bieten. Damit wäre das Problem auch nicht gelöst sondern nur verschoben. Außerdem wäre mir die Last zu groß, da ich selbst genug eigene Schwierigkeiten habe. Ab und zu die Eltern treffen ist normal, aber zum Lebensinhalt möchte ich nicht werden.

Aber vielleicht kennt ja jemand aus Erfahrung eine behutsame Vorgehensweise? Sollte jemand aus der Familie erst mal eigenständig zur Selbsthilfegruppe gehen, auch wenn die Mutter nie mitgehen würde?
Ich denke auch, bislang ist das Problem noch nicht drastisch genug für die anderen Familienmitglieder, um etwas zu verändern. Latente Ängste sind aber da vermute ich.